Ein Konklave ist spannend, dabei zu sein ist etwas Besonderes, eine große Verantwortung, und es ist auch ganz einfach, Fläschchen A in den Ofen gibt schwarzen Rauch, Fläschchen B in den Ofen gibt weißen Rauch. Ich war voll konzentriert dabei.
Ein Konklave ist spannend, aber es ist jetzt schon der Dritte in diesem Jahr und es ist erst September, was ja auch kein großes Wunder ist, wenn man sich die Greise anschaut, die gewählt werden. Wobei beim letzten als Todesursache von einem delikaten Unfall gemunkelt, offiziell aber von Herzversagen gesprochen wird. Egal, ich war abgelenkt, das will ich gar nicht entschuldigen, aber bei 19 erfolglosen Wahlgängen habe ich immer das richtige Fläschchen genommen und immer schön schwarzen Rauch produziert. Nur beim letzten, erfolgreichen Wahlgang halt nicht, da war ich aber abgelenkt, vor Sorge, denn gewählt wurde der Portugiese, wieder so ein Greis, und die Wahrscheinlichkeit, dass er nicht bis zum Jahresende durchhält, ist durchaus gegeben. Also habe ich versehentlich das falsche Fläschchen genommen.
Ein Konklave ist spannend, prinzipiell, aber im Detail wahnsinnig öde. Da habe ich mir mein neues Parfum mitgenommen, um es mal ausgiebig zu testen, ich muss ja nicht immer aufpassen, bin nur für den Rauch zuständig. Es ist hier ja nicht gerne gesehen, wenn man ein Parfum verwendet, dass nicht von Herr S. ist und Weihrauch sollte auch enthalten sein. Ich hatte daher auch etwas Bedenken, ob ich das tragen könnte, weil es ja nicht nur nicht von Herr S. ist, sondern auch noch von einer Frau und auch kein Weihrauch drin ist. Ist aber nicht so schlimm, es raucht auch so sehr schön. Nach dem Schrecken der erfolgreichen Wahl habe ich jedenfalls aus Versehen den Flakon in den Ofen gegeben. Unverzeihlich und vor allem auch teuer.
Ein Konklave endet mit der Wahl eines Papstes und den Menschen auf dem Petersplatz und in der ganzen Welt wird das mit weißem Rauch signalisiert. Wenn grüner Rauch aus dem Schornstein kommt, ist das zunächst einmal irritierend. Viele haben aber gesagt, dass es sehr gut gerochen hat, was mich freut. Über den weißen Rauch hat das noch keiner gesagt. Die ganz Konservativen schäumten natürlich offiziell vor Empörung, auch wenn manche mich hinterher gefragt haben, was das denn für ein Parfum war.
Ich gehe jetzt jedenfalls beten. Für ein langes Leben des Portugiesen, mindestens länger als 3 Monate. Noch ein Konklave heuer überstehe ich nicht.
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White Smoke startet mit einer dichten Mischung aus süßlich-harzigen und grün-würzigen Noten mit einem Hauch Rauch. Das Ganze ist relativ sanft und kommt bekannt vor, dazu aber später mehr. Bald kommt Kamille in den Vordergrund: intensiv, würzig-grün, leicht frisch und auch etwas medizinisch. So ganz klar ist mir nicht, woher der Rauch kommt, ohne einen Blick auf die Pyramide hätte ich auf einen nicht-kirchlichen, leicht dreckigen Weihrauch getippt. Langsam macht sich das Oud bemerkbar, holzig, ein klein wenig dschungelesk (Erde, Lehm, Mulch), dampfend, auch medizinisch. Das Oud wird zur Basis hin bestimmender, dabei trockener, der Rauch nun eher wie von einem Holzfeuer und ich meine mir sogar minimal ledrig-animalische Noten einzubilden. Ein paar Blümchen und Tabak sind erkennbar, aber eher als Beigabe zu betrachten. In der Basis dann auch besänftigende Vanille, die zunächst sehr gut ins Gesamtbild passt, mir persönlich später aber etwas zu süßlich-dominant wird. Zu diesem Zeitpunkt ist der Duft aber nur noch hautnah wahrnehmbar. Abgesehen davon, dass er eigentlich Green Smoke heißen müsste, gibt es also nichts zu meckern: grün-würziger Rauch mit einem Oud-Twist zur Basis hin, dabei immer sanft und zurückhaltend.
Gerade der Start kommt dem geneigten Lyn Harris Fan bekannt vor, erinnert er doch stark an Le Fumée Intense (Miller Harris). Le Fumée Intense ist dabei aber viel intensiver und harscher, man könnte fast sagen, ungestüm. Unterschiede ergeben sich vor allem in der Basis, hier das Oud und auch die Vanille ist im Intense nicht zu finden. Ähnlichkeiten finden sich auch im Tison (À Paris chez Antoinette Poisson, ebenfalls von Lyn Harris), der jedoch die grün-medizinischen Aspekte mehr in den Vordergrund stellt. Mir persönlich liegt Le Fumée Intense noch etwas mehr, da dieser allerdings eingestellt wurde und nur noch schwer zu finden ist, ist White Smoke eine adäquate Alternative.
Dank an Spatzl für den Einblick in die Abläufe einer Papstwahl, hätte ich mir so auch nicht gedacht…
Klasse Rezension. Meine Einschätzung zum Duft habe ich bereits unter deinem State abgegeben und fühle mich, beim Lesen deiner Rezension, mehr denn je bestätigt: ordentlich bis bekannt. Danke!
Die Konklave schaue ich mir ja gerne über die Webcam des Vatikans an, nur war’s da ein paar Mal etwas pixelig, und ich konnte die Farbe des Rauchs nicht so recht erkennen.
Toller Text! Ich konnte mit den Sachen, die bei Miller Harris rauskamen, auch oft gut, nur ist mir das prätentiöse Gehabe der Perfumer H Releases sehr suspekt – müsste ich eine duftgewordene Analogie zur Financial Times Weekend Beilage „How to Spend It“ wählen, wäre es diese Marke…
Das Release-Gehabe habe ich nicht verfolgt, aber das kann nerven, ohne Frage! Hier stimmt aber zumindest der Inhalt oft, das ist schon mal mehr, als viele andere so schaffen...
Die Ähnlichkeiten innerhalb ihrer eigenen Werke lassen ja irgendwie auch auf mangelnden Reformwillen schließen. Insofern passt es gut... Wobei auf hohem Niveau.
Das würde ich so gar nicht unbedingt sagen, die Düfte ähneln sich von der Art, sind im Detail dann aber schon ausreichend unterschiedlich. Und Frau Harris macht ja auch viele andere Sachen. Die Frage ist halt, wie viele Varianten von "grüner Rauch" kann man machen, ohne dass sich die ähneln?
Unabhängig davon, hohes Niveau kann man ihr getrost unterstellen...
Irgendwann hab ich das ganze Prozedere mit Papstwahl und Rauch mal dramatisch dargestellt in einem Spielfilm gesehen....
Kann mich nicht genau erinnern. Dafür um so mehr an den White Smoke, der schon ausnahmegut ist.
Ich wähle Fläschchen C - grüner Rauch ist mir sympathisch.Le Fumée Intense gefiel mir eine Weile.Irgendwann kamen Störnoten zum Vorschein.
Mit Perfumer H hatte ich mich nur kurz beschäftigt.
Möglicherweise war dies ein Fehler.
Sehr schöne Anekdote - nun wird einiges klar. Dieser war tatsächlich der erste Duft, bei dem ich mich in ein Sharing eingetragen habe. Sehr schön ist der - schnuppern würde ich ihn aber lieber an einem Herrn (muss kein Klerikaler sein). 😉
genau so läuft das in der katholischen Kirche, wobei der grüne Rauch sich wohl nicht so schnell durchsetzten wird, Reformwille und -fähigkeit sind da etwas begrenzt.. ;-)
ich glaube, die würden sich über etwas Abwechslung zu Ruß mal freuen, aber auf Dauer wäre es vielleicht schwierig und an grüne Schornsteinfeger müsste man sich auch erst einmal gewöhnen...
😜
Spannende Pabstwahl hier!
Ich wäre eher mit der italienischen Delegation des Herrn S. im Bunde.
🥸
Toller Text! Ich konnte mit den Sachen, die bei Miller Harris rauskamen, auch oft gut, nur ist mir das prätentiöse Gehabe der Perfumer H Releases sehr suspekt – müsste ich eine duftgewordene Analogie zur Financial Times Weekend Beilage „How to Spend It“ wählen, wäre es diese Marke…
Unabhängig davon, hohes Niveau kann man ihr getrost unterstellen...
Kann mich nicht genau erinnern. Dafür um so mehr an den White Smoke, der schon ausnahmegut ist.
Mit Perfumer H hatte ich mich nur kurz beschäftigt.
Möglicherweise war dies ein Fehler.
glaub da ist der Schornsteinfeger sauer