Die Sache mit den Komplimenten.
Immer wieder bekomme ich mal hier, mal da, das Wort Kompliment in Verbindung mit Düften zu Ohren. Ebenso häufig bekomme ich Pantydropper zu hören oder Wirkung auf das andere / dasselbe Geschlecht, je nach Präferenz.
Mittlerweile ist dieses Phänomen recht weit verbreitet, sogar so weit, dass ich glaube, der Hauptgrund für viele Mitmenschen einen Duft zu tragen oder zu erwerben ist der, möglichst viele Komplimente dafür zu bekommen.
Also unabhängig davon, ob man selbst den Duft liebt oder nicht, nein, man möchte Komplimente dafür haben. Das stimmt mich etwas nachdenklich. Warum ist das so?
Vor ein paar Wochen hat es mich nach Mailand verschlagen, da stand ich nun, seit längerer Zeit mal wieder so richtig unter Menschen, ich, das Landei. Mir ist aufgefallen, wie wenig ungefähr 30-40% der Menschen überhaupt von dieser tollen Stadt aufnehmen. Nein, man macht Fotos von sich selbst. Man lässt Fotos von sich machen. Es ist interessant, Menschen dabei zu beobachten, vornehmlich Paare, wie die Mädels posieren, verschiedene Ausdrücke im Gesicht (oder auch nicht) versuchen hinzubekommen, nur um nach Abschluss des Fotoshoots wie von der Tarantel gestochen zum Freund zu rennen, ihm das Smartphone aus der Hand zu reißen und sofort kritisch zu beäugen wie sie auf den Bildern wirken. Bei Unzufriedenheit natürlich wird die ganze Nummer verschiedene Male wiederholt.
Mich wundert hier, dass die Männer dies so mitmachen. Also bei manchen habe ich das Gefühl, dass sie keine andere Wahl haben als den Fiffi zu spielen, ohne dass sonst eine dramatische Szene gemacht wird. Manche sind allerdings richtig interessiert dabei, geben Anweisungen für ihre Freundinnen (!), um die Bilder dann auf Social Media online zu stellen. Für was? Ja, für Komplimente. Herzchen. Likes.
Es gibt leider, bzw. Gott sei Dank kein Geruchsinternet - somit bleibt uns das zumindest erspart.
Aber meine Frage ist tatsächlich, in welcher Zeit wir leben. Dass die Wirkung (olfaktorisch und/oder visuell) auf andere eine derartige Priorität im Leben vieler Mitmenschen hat.
Ich trage einen Duft vornehmlich für mich. Also ausschließlich für mich. Ein Kompliment zu bekommen ist mir nicht wichtig, es erfreut mich zwar, aber es ist keineswegs der Grund dass ich mich für Duft XY entscheide. Bei vielen Menschen scheint dem allerdings so zu sein.
Ich glaube einfach, dass ich alt werde oder diese Veränderung einfach ablehne, wie so vieles.
Schönen Tag euch. :)


Andi136
Kurzum, es ist in meinen Augen eine Phase, die sich bei den meisten irgendwann auswächst. Dann werden andere Dinge wichtiger als die eigene Selbstdarstellung und man hat genug Selbstvertrauen entwickelt, um der eigenen Meinung zu vertrauen.
Ich kenne allerdings auch einen Mann in mittlerem Alter, der täglich mehrere Selfies in Facebook postet. Das finde ich dann schon eher bedenklich.
Und auch der Wunsch, zu gefallen und nicht anzuecken, tut sein Übriges dazu.
Wenn also ein Duft ausgesucht wird, scheint es von Wichtigkeit, ein Parfum auszusuchen, dass im Mindesten Gefälligkeit erzeugt.
Mir geht es jedoch eher wie Dir: Ich möchte einen Duft tragen, der mir gefällt, der mich durch den Tag begleitet. Wenn es dazu mal ein Kompliment gibt, wehre ich es zwar nicht ab; aber ich suche es nicht danach aus. Und trage ich einen Duft auf, bei dem ich von Vornherein weiß, er wird der Mehrheit nicht gefallen, wähle ich eine so dezente Dosierung, dass es nur für mich zu riechen ist.
Auf Fotoshootings hätte ich gar keine Lust, schon gar nicht im Urlaub!
Bin ich froh, daß ich bereits ein "Älter" bin u. ohne Insta u. dergleichen aufwuchs. Manch einer ist anscheinend nicht mal dazu fähig ein Ei zu kochen ohne vorher ein Video anzuschauen.
Wie abhängig sich diese jungen Frauen von Komplimenten fremder Menschen machen. Sehr oberflächlich und sicher nicht zielführend, um ein selbstsicherer Mensch zu werden.
Ich sehe dieses Verhalten äußerst kritisch, aber das sind jetzt die "modernen Zeiten". Eventuell ist es schwierig für junge Frauen, nicht bei Instagram & Co. aktiv zu sein. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob ich mich in jungen Jahren von diesem Trend hätte anstecken lassen. Ich glaube aber nicht, da ich auch als junges Mädchen kritisch war; Oberlächlichkeit und vordergründige Eitelkeit abstoßend fand.
Ich fühle mich, obwohl noch recht jung, oft zu alt um die derzeitige Entwicklung von Männern zu verstehen. Und ich habe oft das Gefühl, dass es mittlerweile mehr heterosexuelle "Lackaffen" gibt als Schwule. Die Klischees drehen sich so langsam 🤣.