Aspasia0

Aspasia0

Rezensionen
6 - 10 von 57
Aspasia0 vor 2 Jahren 51 12
Morgens in der Bahn
Halb Acht morgens auf der Berliner Ringbahn. Berufsverkehr. 1,3 Millionen Menschen befördert die Berliner S-bahn jeden (Werk)tag und gefühlt quetscht sich die Hälfte davon morgens mit mir in die Ring (wenn sie denn fährt).
Da, eine 4er Sitzgruppe ist fast völlig frei, nur eine zusammengesunkene Person sitzt da. An dieser Stelle zeigt sich beim Einsteigen nun, wer ein wahrer Berliner ist und wer nicht. Touristen und frisch Zugezogene stürmen freudig zu den Plätzen, nur um 2 Minuten später mit entsetztem Blick und gerümpften Nasen zu fliehen. Echte Berliner sind schon längst über alle Berge, im nächsten Wagon, denn sie wissen es besser: Wenn mitten im Berufsverkehr ein 4er leer bleibt, dann hat das immer einen Grund.

Was hat das alles mit diesem Parfum zu tun? Nun es ist das olfaktorische Bild, dass mir zuerst in den Sinn kam, als ich Sécrétions Magnifiques gerochen habe: ein ungewaschener trauriger Mensch.
Es ist ein Geruch von elend und staatlichem Versagen. Man möchte Mitleid mit diesen Menschen haben, ich möchte mich an dieser Stelle auf keinen Fall über sie lustig machen, doch der unrühmliche Fakt ist: man hält es keine 2 Minuten neben ihnen aus.

Es ist dieses säuerliche, ein bisschen wie vergorene Milch, gemischt mit Schweiß, was dieses Parfum ausmacht und diese Assoziationen weckt.

Mir ist schon klar, dieses Parfum ist ein Konzept, kein Duft, aber mit dem, was laut Marketingtext hier eingefangen werden soll, nämlich ein Orgasmus, hat das für mich mal so rein gar nichts zu tun, und wenn Höhepunkte bei mir oder meinen Partner so eine Duftwolke hinterlassen würden, wäre ich freiwillig für den Rest meines Lebens zö­li­ba­tär und die Menschheit womöglich ausgestorben.
12 Antworten
Aspasia0 vor 2 Jahren 8 3
8
Sillage
7
Haltbarkeit
6.5
Duft
Was andere sich so erlauben...
Baklava und ich, wir haben da so ein Hass-Liebe Ding am laufen. Entweder will ich mich in das Zeug reinlegen, wenn sie so richtig nussig und mit dunklem Honig vollgesogen sind. Oder ich will sie hochkant wieder ausspucken, wenn sich das, was ich für Honig hielt, nur als Zuckersirup entpuppt (Was dann aber meist nicht möglich ist, weil das Zeug klebt wie nichts und nur Augen zu und kauen einen vor dem nahenden Erstickungstod rettet)

So viel zu meiner kulinarischen Einstellung zum Baklava. Kommen wir zum Olfaktorischen. Auf meiner Suche nach DEN Honigdüften, kam ich auch an diesem nicht vorbei, zumal ich ebenfalls Pistazien liebe. Also den Duft ersoukt nd losgeschnuppert und er begann wirklich vieversprechend.

Die Pistazien waren sofort da, zusammen mit einem intensiven Röstaroma. Der Honig bewegte sich im Hintergrund. Insgesamt ein wahnsinnig leckerer Start, der durch das Röstaroma aber herb genug blieb, um tragbar zu sein. Ich war sehr angetan davon. Weit im Hintergrund meldete sich die Orangenblüte, aber noch ganz zögerlich.

Ich also glücklich mit meinem leckeren Baklava. Sauge das Aroma ein, bewundere, wie diese süße Sünde, golden auf dem Teller glänzend vor mir liegt.
Und dann, als ich einmal wegsah, besitzt doch glatt jemand die Dreistigkeit mein formvollendetes Baklava mit einem x-beliebigen Blümeleparfum kräftig einzudieseln! Mit einem diabolischem Grinsen muss diese Person einen halben Flakon irgendeines LVEB Klons darauf ausgekippt haben, denn auf einmal duftet mein Baklava nicht mehr nach süßer Versuchung, sondern wie naja, eben ein Baklava, dass mit einem LVEB Dupe überschüttet wurde, anders mag man es nicht beschreiben.

Wenn ick die Flitzpiepe erwische, die mir meen Baklava versaut hat, dann kannse wat erleben! Dann klatsch's, aber keen Beifall!
3 Antworten
Aspasia0 vor 2 Jahren 18 7
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
An Artemis Seite
Wenn man sich wie ich in letzter Zeit mit Honigdüften befasst, stößt man schnell auf Bee von Zoologist und bekommt, wenn man die Rezensionen und Statements so liest den Eindruck, dass dieser Duft die Königsdiziplin der Honigdüfte ist. Honig für Hardcorefans des flüssigen Goldes, die sich auch von geballter Bienenpower nicht abschrecken lassen. Friss oder stirb!
Klar, dass das meine Neugierde wecke und nach einigen versuchen den Bienentraum zu ergattern (verdammt, bist du teuer T_T ), hielt ich gestern endlich eine Probe in den Händen und habe sie sofort aufgesprüht.

Sofort tropft der Honig dick und zäh in mein Hirn, bettet sich da auf den struppig aromatischen Ginster, das das übliche Chaos in meinem Kopf darstellt und weil meine Nerven bereits "Ode an die Freude" singen, streuen sie fröhlich tanzend noch ein paar Blütenblätter darüber. Draußen in der realen Welt gibt es ein Lagerfeuer aus frisch geschlagenen, noch von Harz bedecktem Holz, doch das bekommt mein dümmlich selig lächelndes Ich nur noch am Rande mit.

Bee hat keinen großartigen Verlauf, denn alle Noten sind in der ein oder anderen Form von Beginn an da und bleiben auch bis zum Schluss. Es ist ein Gesamtkunstwerk, eine Ode an den Honig, aber keiner, der fein kultiviert vom Imker produziert wurde, sondern ein weitaus urtümlicher. Ich kann es nicht genau erklären, aber der Duft hat etwas Wildes an sich. Nichts stark animalisch dreckiges, aber eben auch nichts, was innerhalb von vier Wänden oder Zäunen gehört und schon gar nicht aufs Brot.
Viel mehr stelle ich mir vor, dass so Ambrosia, die Speise der griechischen Götter, von dem Homer und Vergil schreiben, dass es auch als Duftessenz diente, riecht und in meinen Gedanken schmieren sich Nymphen damit ein und jagen dann zusammen mit Artemis durch den Wald. Elegant und unbändig zugleich.

Was soll ich noch weiter sagen, ich liebe ihn, will auch ein bisschen Ungezähmtheit im Alltag und das ist jetzt ein gravierendes Problem. Jemand mit mehr Vernunft, als ich, meinte mal, sie testet nichts, was sie sich nicht leisten kann. Ich sag ja, mehr Grips, als ich, denn hier hab ich nun den Salat, oder eher den Honig...
7 Antworten
Aspasia0 vor 2 Jahren 39 23
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
2.5
Duft
Ungewollter Flashback
XerJoff, eine prominente Marke, die in der Parfumwelt vor allem für (Mainstream) Luxus steht. Stolze 270 Euro kostet aktuell der 100ml Flakon zur weißen Dame. Selbst mit dem Wissen zu den schon obszön hohen Margen im Luxusparfüm Segment erwartet man da doch ein bisschen Parfumkunst und Qualität, oder?

Als ich also meinen ersten XerJoff richtig testen konnte, freute ich mich auf ein gehaltvolles Dufterlebnis. Dama Bianca, das klingt elegant, das klingt nach High Society im weißen Leinenkleid auf Capri "Nimm mich mit in eine Welt voll Glanz und Galmour" flüstere ich sanft mit geschlossenen Augen und sprüh.

BAMM Ball in die Fresse, Zweifelderball, Teamauswahl, der Albtraum für jedes unbeliebte Kind wie mich. Nach einer Stunde Schwitzen und gesellschaftlich akzeptierter Demütigung ab in die Umkleide. Wir schreiben das Jahr 2006, ich um meine Klassenkameradinnen sind um die 12. Die Brüste wachsen, erste Haare sprießen fern des Hauptes und in den Köpfen herrscht noch die völlig unsinnige Vorstellung, dass der Eintritt in die Pubertät etwas Tolles sein (Arme Dinger, sie wussten noch nicht, was kommen wird). Stolz wie Bolle, dass Mama und Papa nun erlauben Deo zu benutzen und man damit ja so erwachsen ist, wird sich kräftig eingedieselt. Und was war 2006 (noch immer) voll im Trend: Das Impulse Vanilla Kisses Deo. So gut wie jede Schülerin der 6. Klassenstufe hatte es und um zu zeigen, dass man richtig doll erwachsen ist, musste man minimum bis 20 zählen, während man den Sprühknopf betätigte. Mädels, die im immer dichter werdenden Synthetiknebel keuchend und um Atemnot ringend zu Boden gingen? Egal, Kollateralschaden, nur die Harten kommen in den Garten! Und nur wer ohne mit der Wimper zu zucken 10ml nebulisierte Vanilla Kisses auf Ex durch die Nase einsaugen kann wie ein Staubsauger mit Glitzerlippgloss, darf sich Teenagerin nennen, so die vorherrschende Meinung.

Ich hole schnappend Luft, bin wieder im Hier und Jetzt. Ich zittere etwas, das Trauma von 12 Jahren Schulsport und dem generellen gesellschaftlichen Spießrutenlauf in der Schulzeit sitzt tief. Ich versuche die unliebsame Erinnerung abzuschütteln, aber das eklige Vanilledeo, dass ich damals schon nicht leiden konnte, klebt mir immer noch wie Sirup in der Nase, wo kommt das blos her? Verstört suche ich die Quelle und bleibe an meinem Handgelenk hängen. Nein! Doch! Oh!
Das Luxusparfum versprüht doch tatsächlichen den herzallerliebsten Charme dieser 90er/2000er Synthetikvanillebombe und das in einer Potenz, die als einziges den Titel gehaltvoll verdient hat.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da gibt man 270€ aus, um wie ein 99 cent Deo zu riechen (ok 1,15€ eigentlich heute).
Und es ist noch nicht mal ein gutes Deo. Diese eklig künstliche Vanille, die die Vanille-Duftkerzen aus dem Ein-Euro-Shop wie frisch ausgeschabte Schoten duften lässt und die alle anderen Duftnoten wie ein Profiwrestler in die Mangel nimmt und niederringt, war weder in der pfirsichfarbenden Aludose toll, noch jetzt im sündhaft teuren Flakon.

Ich selbst stelle die Probe vorsichtig in den Giftschrank. Vielleicht würde eine Therapeutin mir raten, mit ihm meine Schulzeit aufzuarbeiten und vielleicht würde das sogar funktionieren und irgendwann sitze ich lachend mit meinen neuen BFFs in einer Synthetikvanillewolke und denke "Hach ist die Welt doch schön". Aber ganz ehrlich: Null Bock drauf!
23 Antworten
Aspasia0 vor 2 Jahren 7 2
7
Sillage
8
Haltbarkeit
6.5
Duft
Wenn Pu der Bär zu tief ins Glas schaut
Aufregung im Hundertsechzig-Morgen-Wald. Pu der Bär ist weg! Christopher Robin und all seine Freunde suchen den Bär von geringem Verstand, wo steckt er blos? Steckt er wider in Rabbits Vordertür fest? Schwebt er als schwarzes Wölkchen vor einem Bienennest? Hat ihn gar ein Heffalump verschlungen?

Nein, er ist zu Hause unter der Decke und ihm brummt ordentlich der Schädel und das, liebe Kinder, nennt man einen Kater!
Was war geschehen? "War die goldene Flüssigkeit in dem Fass, das Christopher Robin heimlich seinen Eltern stibitzt und zur Feier mit seinen Freunden mitgebracht hat, vielleicht doch kein besonders dünnflüssiger Honig gewesen?", fragt sich Pu, der in seinem Übermut das Fass alleine leerte, stöhnend. Und so machte der Knuddelbär unwissend seien erste Erfahrung mit Rum.

Warum ich euch von dieser vergessenen Geschichte von den Abenteuern von Pu der Bär, die A. A. Milne dann doch lieber nicht mit ins Buch aufnahm, um seinen Sohn nicht auf dumme Gedanken zu bringen, berichte ist, weil es so ziemlich den Duftcharakter von Bee, so wie ich ihn wahrnahm, widerspiegelt.

Auf meiner Suche nach DEM Honigduft der sich mit Pure Honey messen lassen kann, aber besser haltbar ist, wurde mir vielfach Bee von Ellis Brooklyn empfohlen. Als die Probe mich erreichte, war ich dementsprechend voller Vorfreude. Und ja Bee performt besser als mein geliebter Pure Honey, ABER besonders nach Honig riecht er für mich nicht. Dafür sind Rum und Vanille einfach zu stark.
Ersterer macht deutlich riechbar mit der Darvana den Auftakt und zusammen legen sie einen flotten Samba auf das Paket, dass man schon kubanische Glocken läuten hört. Der Honig ist zwar auch da, steht aber am Rande und schaut den beiden zu. Nach einiger Zeit verschwindet dann die Darvana, der Rum hat jedoch ordentlich mehr Ausdauer, für mich ist er bis zum Ende deutlich wahrnehmbar und wird nach dem Auftakt den Großteil der Zeit von einer ebenso potenten Vanille begleitet.

Alles in allem ein toller Duft, wenn man einen süßen Gourmand mit karibischem Flair sucht, aber eben nicht das, was ich wollte, nämlich Honig in Reinform.
2 Antworten
6 - 10 von 57