Jasminroedig

Jasminroedig

Rezensionen
1 - 5 von 60
Jasminroedig vor 5 Monaten 37 2
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Weniger ist einfach mehr
Da hat Saint Laurent ( bzw. Die Künstlerin dahinter, Marie Salamagne) mal wieder den Vogel abgeschossen.

Gut, meine Begeisterung für dieses Werk könnte eventuell auch damit zusammenhängen, dass hier meine persönliche Creme de la Creme der Duftnoten aufeinander trifft: Vanille - Lavendel - Iris. Ich glaub mehr geht für mich nicht.

Insofern hatte ich schon sehr hohe Erwartungen an Muse - und eines wird hoffentlich durch diese Rezension klar - sie wurden übertroffen.
Wer auf der Suche ist nach dem Duft neuer Designerklamotten, die in unnötig bedrucktes Seidenpapier und anschließend eine viel zu große Designerpapiereinkaufstasche gepackt wurden, der wird hier fündig. Muse duftet für mich nach dem Moment, wenn man zu Hause ankommt, eben diese Papiertüte öffnet und sein viel zu teures Stück Stoff erneut bewundert, um sich daran erneut zu ergötzen. Ja Ja, jeder weiß, diese Freude hält nicht lange an, doch sie ist da - für einen kurzen Moment.
Und jetzt stellt euch vor, ihr findet einen Duft, der eben diesen Moment festhält?!
Muse schenkt euch die Möglichkeit, einen Glücksmoment zu verlängern, ihn gar zu übertragen auf jede erdenkliche Klamotte, auf jedes erdenkliche Körperteil (bleibt bitte bei der Sache…)

Der Lavendel sehr zurückhaltend, alles andere als bestimmend und streng
Die Vanille dezent holzig und auch sie entscheidet sich für die feine Milde
Ja und dann hätte wir da noch die Iris als den dritten großen Player. Das zarte Blümchen in Creme-Puder-Manier äußert sich auch nicht mehr als der Rest.
Genau das ist die Stärke des Parfums.
Understatement ist das Motto und ich liebe alles daran!

2 Antworten
Jasminroedig vor 9 Monaten 16 2
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
9
Duft
mein Heiligenschein
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieser Duft, nicht nur metaphorisch, nach goldenem Holz duftet.
Bois Doré ist einer dieser Düfte, die mich an einem anderen Ort bringen und es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis.

Das Parfum entführt euch in einen Wald, in dem andere Gesetze gelten. Hier duftet es nirgends nach erdigem Waldboden, frischem Nebel und Tannenbäumen. An diesem Ort wachsen edelste Hölzer auf vergoldeten Steinen, die ständig vom Licht der Sonne erwärmt werden. Hier erblickt man Vanilleorchideen, wohin das Auge sieht. Die Luft ist nicht frisch und doch ist sie gut. Sie duftet nach einem sorgenfreien Leben, nach edelsten Rohstoffen und großer Liebe.
Der ganze Wald ist durchflutet von einem goldenen Strahlen. Es ist fast so, als gehe das Strahlen vom Wald selbst aus, als ob es sich um einen heiligen Wald handeln würde. Ja - das ist Bois Doré.

Hier trifft die milde Würze des Pfeffers auf die wohl sinnlichste Duftnote überhaupt - die Vanille.
Diese Kombination ist wahrlich nichts neues und doch kommt sie jedesmal überraschend und geradezu berauschend auf uns zu. Bois Doré vereint die aphrodisierende Wirkung der Vanille und der Tonkabohne mit dem prickelnden Kick des Pfeffers. Umgarnt wird diese Liebesgeschichte von Hölzern, die Ruhe und Klarheit mit ins Spiel bringen. Durch die Hölzer bekommt der Duft Ausdruck und Charakter, während die süßen Spieler für den "falling in love" Effekt sorgen.

Ein samtig weicher Duft, der dich mit einem heiligen Schein ausstatten wird. Da sag ich nur - her damit
2 Antworten
Jasminroedig vor 2 Jahren 24 1
9
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Birken im Schnee
Ich möchte euch von einem meiner Träume erzählen.
Ein schöner Tag im Winter, es schneit in Berlin. In ein paar Tagen wird das jetzt noch vom Himmel fallende saubere Weiß sich in viele dreckige Matschklumpen verwandeln, die dann die Straßen der Großstadt zieren und den Schnee von gestern auf eine traurige Art entromantisieren. Und dann will wieder jeder Sommer haben. So ist das im Leben...Denn man kann ja auch nicht alles haben.

doch nicht in meinem Traum.

Hier bleibt der Schnee liegen, für immer. Es wird nie zu viel Schnee auf dem Boden liegen, eben gerade so viel, wie es noch schön und richtig ist. Hier fällt das weiße Puder vom Himmel und bedeckt die weiße Birkenrinde der Edelbäume, sodass man gerade noch deren Umrisse in der Ferne erahnen kann. Kein Teer, kein Gras, nur eine weiße Decke und ab und zu ein weißer Stamm, der in den Himmel ragt. Die Zweige und der Schnee werden eins, verschmelzen, vereinen sich, man erkennt nichts außer das große Ganze. Je länger ich zusehe, desto ruhiger werde ich. Dieses Bild hat sich in mein Hirn gebrannt.

In meiner Arbeit in einer psychiatrischen Einrichtung unterstützen wir unsere Patienten dabei, verschiedene Entspannungstechniken zu erlernen. Eine davon nennen wir "der innere sichere Ort".
Dieser "Ort" ist ein Moment, eine Situation oder ein Bild, dass nur du kennst und immer dann im Kopf erzeugen kannst, wenn die innere Anspannung in dir hochkocht. Es ist nicht ganz leicht, man muss es üben, doch nach und nach wird das Bild immer klarer und du kannst dir selbst zusehen, wie du innerlich zur Ruhe kommst.

Mein innerer sicherer Ort ist das Bild von Birken im Schnee.
Nichts ist zu viel, nichts ist zu kalt oder zu laut. Niemand stört, niemand schreit - es ist einfach alles gut und richtig so wie es ist

Genau das erlebe ich auch bei diesem Duft.
Das unberührte Schöne, wenn es einfach ganz ohne Einflüsse und Bewertungen über mich kommt, mich einnimmt und entführt an einen Ort, an dem dem die Birken und der Schnee eins werden. Ein Ort, der mich beruhigt, mir Sicherheit, Trost und Energie spendet.

Richwood duftet natürlich nicht nach Schnee und auch nicht nach Birken, vielmehr erwartet euch ein cremig-holziges Wunder gespickt mit freundlichen Rosen und initial fruchtig-frischen Nuancen.
Das wird dem Duft natürlich nicht gerecht, ihr müsst ihn einfach kennenlernen, meinen inneren sicheren Ort, oder zumindest den Geruch dieses Ortes.


1 Antwort
Jasminroedig vor 2 Jahren 19 3
Von nie endender Liebe zu Nimm 2 Bonbons
Wisst ihr noch, wie die Nimm2 Bonbons schmecken? Bei mir hat sich der Geschmack der mit flüssigem Kern gefüllten Leckereien ins Gehirn eingebrannt. Umso schöner ist es doch, wenn ein Parfum es schafft, Momente aus der Kindheit in neuem Licht erstrahlen zu lassen. Ich werde die Bonbons immer lieben - Forever Love - wie passend.

Umso verlockender erscheint der Verlauf des neuen Sterns am Himmel der Zitronendüfte. Die Melone lockt mit ihrer verspielten, doch natürlichen Säure und bringt Leichtigkeit und Varianz mit ins Spiel. Im Verlauf entwickelt sich die frische Säure immer mehr in eine süße Richtung, was auch der Haltbarkeit des Duftes nicht schadet. Zugegeben, ich bin kein Fan von den frisch-säuerlichen Zitronendüften, einfach, weil sie mir häufig zu linear und zu unspektakulär sind. Ich würde mir oft ein wenig mehr Facetten wünschen, was ja, sofern zielgerichtet umgesetzt, auch der Performance gut tun könnte. Pana Dora spielt bei dem Spiel einfach gar nicht mit und macht da seine ganz eigene Sache draus, was ich bereits bei Aqua de Dora bestaunt habe. Das Haus scheint es verstanden zu haben, die Zitrik in Freshies als wesentlichen Baustein in das Fundament miteinzubauen und gleichzeitig Noten wie hier die Melone, das Maiglöckchen und auch die Mango genauso strahlen zu lassen.
Forever Love ist komplex, zwar nicht mehr als Orientalen, Floralen usw,. doch in seiner Duftrichtung jedenfalls komplexer als Vergleichskandidaten. An Ausgeglichenheit mangelt es Forever Love ebenso wenig. Selten hat es sich so gut und richtig angefühlt, einen Duft einzuatmen.

Hier bekomme ich eine Erinnerung aus meiner Kindheit serviert auf dem Silbertablett, garniert mit Melonenstückchen und Mangostreifen - kein Hauch von Synthetik - einzigartig pur und elegant. Was will man mehr


3 Antworten
Jasminroedig vor 2 Jahren 26 1
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Eine Liebeserklärung
Wie konnte ich solange vom Haus Xerjoff wissen, ohne diesen Duft kennen zu lernen ?
Ich meine es ist nicht so, dass die anderen Düfte des Hauses mich weniger beeindrucken würden. Doch Uden Overdose hat mich gewonnen.

Ich meine wie zauberhaft, balsamisch-zitrisch kann ein Duft-Opening sein? Von Beginn an hänge ich an meinem Handgelenk wie besessen. Pure Neugierde ist geweckt, denn wenn ein Duft so anfängt, welch tolle Entwicklung wird mir dann noch bevorstehen?

Uden Overdose ist mein wehrgewordener Traum. Ich war lange auf der Suche nach einem Duft, der in seiner Würzigkeit gezähmt wurde und mich nicht gleich in 1001 Nacht zurückwirft. Ich wünschte mir einen modernen Klassiker, einen multidimensionalen, unverwechselbaren Duft.
Und ich glaube jetzt, dass ich ihn gefunden habe.

Der hervorragend eingearbeitete Tabak, der sanfte Kaffee und dazu der scharfe Ingwer, was für ein Kunstwerk. Allein das Herz bekommt von mir eine glatte 10. Die Zitrik vom Start zieht sich ein wenig zurück und eröffnet dem Moschus neue Möglichkeiten, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Immer mehr verwandelt sich Uden Overdose in eine feuchte Wolke aus Würzdämpfen, die man nur dann in seiner Schönheit wahrnimmt, wenn man sich darauf einlässt.

Ich für meinen Teil bin Uden Overdose verfallen.
Auch wenn die Projektion wider Erwarten nicht zu seinen Stärken zählt.

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