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JeanMarc

JeanMarc

Rezensionen
1 - 5 von 7
Eine Schönheit unter tiefen Harzen

Eigentlich hätte Oud Ibento den Namen Apurikotto Noir verdient, aber da es sich um ein Eventrelease handelt, blieb es bei diesem Namen. Ich finde diesen Duft thematisch sehr interessant und teile hier meine Abendgedanken mit euch.

Oud Ibento wurde von Marius für das gleichnamige Event damals in München entwickelt und da davon nur wenige Exemplare produziert wurden, kennen ihn auch nur die Wenigsten.

Um Oud Ibento zu verstehen beginne am Besten bei dem Duft Apurikotto Extrait de Parfum den viele von euch wahrscheinlich kennen. Er erschien in drei Auflagen und Oud Ibento ist im Grunde das Gegenstück dazu. Wenn Apurikotto der Himmel ist, dann ist Oud Ibento die Unterwelt – nicht von der Qualität her, sondern vom Charakter.

Beide Düfte vereinen Oud mit Aprikose. Apurikotto ist hell, freundlich, fruchtig und transparent. Oud Ibento hingegen ist eine dunkle, schwarz-umhüllte Schönheit...geheimnisvoll, pulsierend, die einen in den Bann zieht und gleichzeitig wenig Preis gibt. Das Duft scheint zu sagen: Ich weis etwas, was du nicht weißt.

Er erinnert mich an eine Probe von rohem Oud Harzes, die ich einmal von Ensar bekommen habe. Dieser tiefe, rauchige, schwarze Oud-Charakter ist hier der Inbegriff. Der Duft wirkt manchmal schon erstickend, erdrückend, dicht und einehmend...gerade am Anfang, bis man sich irgendwann daran gewöhnt hat. Er ist voller blubbernder, schwarzer Harze. Ein pechschwarzer Sud von balsamischer Natur.

Dieser tiefdunkle Charakter wird permanent von einer wunderschönen vollmundigen Aprikose begleitet. Sie bleibt im Hintergrund, aber immer dicht hinter der omnipräsenten Oud-front. Der Duft ist dabei nie süß, was ihn für mich besonders attraktiv macht. Er ist eher herbfruchtig, wobei die Frucht immer wieder blitzartig durchscheint.

Er bringt mir folgendes Bild in den Kopf:

Eine schlafende Schönheit um die sich schwarzer Schatten legt, der sie einnimmt. Sie versucht stehts zu entkommen, allerdings gelingt ihr das nicht. Beide kämpfen um die Kontrolle des Anderen. So in etwa ist des Spiel zwischen Aprikose und Oud. Dem Machtspiel schließt sich irgendwann der Tabak an, welcher mit seiner herben-holzigen Würze beide unterstützt. Eine leichte Mineralik der Ambra ist erkennbar.

Dieser Duft hat für mich eine sehr tiefgehende Wirkung. Er ist vielleicht einer der rohesten harzigsten Oud-Düfte, die mir bislang begegnet sind.
3 Antworten
Parallele Entwicklungen am Fuße der 6 Berge
Minimalismus, Reduktionismus und doch hohe Komplexität. Das Augenmerk liegt auf nur wenigen Inhaltsstoffen, die jedoch sind so vielschichtig, so tief und so komplex sind, dass sie wie eine deutlich größere Komposition wirken….das sind Releases wie ich sie liebe.

Im Zentrum stehen hier Hainan Oud und Pu-Erh-Tee. Beide Zutaten verbindet eine gemeinsame Herkunft aus dem Prozess der Fermentation. Pu-Erh-Tee reift durch Fermentation während seiner Lagerung und entwickelt dabei zunehmend tiefere, erdigere und holzigere Nuancen. Je älter der Tee, umso erdiger und holziger wird er, umso dunkler wird er.

Im Duft ist der Tee ist der noch relativ jung, die Bitterkeit ist zurückhaltend, die Holzigkeit noch nicht dominant…er ist vielmehr weich, rund und fein fermentiert, der ersten Jahre des Pu Erh in denen das Aroma noch stark ist.

Zu Beginn bekomme ich den Eindruck von feuchter Erde und frischem Ton… hell und klar. Sandelholz und süßlich-erdiger Lehm bilden im Fundament… ruhig und geerdet, zugleich transparent.

Darüber kommen buttrige Noten, die dem Duft eine cremige Textur verleihen. Sie verbinden sich mit einer Süße aus nussiger Milch und Tonkabohne und erzeugen eine warme Umhüllung. Ich werde an helle Hölzer und Matten erinnert, auf denen der Tee ruht.

Grüne, leicht würzige Noten durchziehen die Komposition, begleitet von einer medizinischen Würze …ätherisch, leicht herb, mit einer feinen nasalen Astringenz.

Im Hintergrund schwebt immerzu ein leichter modriger Unterton… pilzig, moosig, etas flechtenartig. Er erinnert an die Rinde eines alten Baumes, die sich langsam ablöst, bereits Käfer in sich trägt ist und auch den Duft von leichten Fermentationsnoten aufweist. Nie dominant, aber immerzu präsent.
Im Verlauf bleibt er hell und offen, süßlich-erdig und doch luftig, getragen von transparenten Holznoten und einer sanften, medizinisch-würzigen Aura….warm, ruhig, meditativ.

Er muss jedoch anmerken, dass als ich den Duft zunächst blind gerochen habe keine Idee hatte was ich da eigentlich rieche, da alles schon sehr in sich verwoben ist und mir erst durch Kenntnis der Noten eine Separation der Dufteindrücke gelang, Meine Pu Erh Teekuchen waren auch eine große Hilfe.
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Zurück zur Hauptrolle

„Gebt alle Hoffnung auf, die ihr hier eintretet“ – die Hölle eines jeden Oud Liebhabers: Kopfnoten-basierte Releases ohne Fundament, fruchtiges Allerlei, Pseudo-Kinam oder Kynam? Dazu maximale Intransparenz.
Man hätte es doch einfach mal wieder wagen können, einen soliden Oud-Duft zu kreieren – wenn auch nur der alten Zeiten willen.

Rückblende …
Oud, der Protagonist, der Charakterdarsteller, der kantig, rau und stoisch die Szenerie prägt. Er sagt mehr durch Mimik als durch Worte, während er grimmig seine Kippe raucht. Nichts von der Plantage – wild gewachsen im dichten Dschungel Malaysias. Eine finstere Seele, sein Blut schwarz wie Teer. Es trägt seinen Zorn, seinen Frust, seinen Schmerz – ein Relikt seines Weges. Die Augen und die Seele eines Tigers, der einsam seine Runden dreht.

Zurück in der Gegenwart …
die Hoffnung auf den Atavismus, den echten Oud-Duft. Die anderen Komponenten nur Nebendarsteller, die den Charakter des Ouds unterstreichen und hervorheben sollen, getragen von Ambra und Moschus.

Und plötzlich springt etwas aus dem Dschungel … Tigerwood '91 .
Er folgt auf Tigerwood 1990 und den famosen Tigerwood Royale .

Der Duft – Schritte einer Evolution

Tigerwood Pure Parfum basierend auf Tigerwood Royale war eine Urgewalt: ein mineralisches, rauchiges, ledriges und gleichzeitig ätherisches Oud, das einen umhaut. Ergänzt durch schwarze Ambra, Pfeffer und Perubalsam entstand eine oudige, animalische, würzig-altledrige Mischung.

Tigerwood '91 wohnt derselbe Geist inne. Allerdings ist das Oud heller und holziger. Die Kampfernoten sind gedämpft, der mineralische Charakter sanfter. Entsprechend wurden auch die anderen Duftnoten angepasst. Die raue Animalik ist Vergangenheit. Der Moschus geht eine Melange mit vietnamesischem Oud ein, genannt Ha Tinh LTD , welches schon im gleichnamigen Duft Tigerwood Ha Tinh enthalten war. Die Tinktur dient als Träger und wird durch graue Ambra unterstützt – so ergibt sich eine cremige, leicht mineralische Basis.

Das vietnamesische Oud hebt das malayische Oud an. Das Ergebnis sind braun gebrannte Röstnoten mit leichten Nuss- und Karamellnoten, die für mehr Wärme sorgen und eine ideale Verschmelzung der harzigen Noten mit Kakao, Kaffee und Tabak ermöglichen. Glücklicherweise sticht – abgesehen vom Oud – nichts besonders heraus. Die übrigen Noten wirken unterstützend im Hintergrund. Im Verlauf wird der Duft eine Spur grüner, bleibt seinem Ursprung jedoch treu.

Für mich ist Tigerwood 1991 das schönste und gleichzeitig tragbarste Oud der drei. Der Biss und die Spitzen der alten Versionen fehlen zwar etwas, dafür ist die 91er-Version deutlich besser austariert. Das Ergebnis ist ein erstklassiger Oud-Duft, der diesen Namen auch verdient und eine konsequente Weiterentwicklung seiner Vorgänger darstellt.

Tatsächlich ist auch der Flakon einer der besten der Marke. Die Kappe, gefertigt aus Tigerauge – einem goldbraun-gelb gestreiften Quarz-Edelstein –, passt nicht nur namentlich, sondern spiegelt mit ihrer Farbe auch den Charakter des Duftes wider.
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Der Früchtekorb im Palast
Heute geht es für mich um den vierten Duft von Roja’s Gulf Collection den ich nach Qatar , "United Arab Emirates | Roja Parfums" und Sultanate of Oman bereits mehrfach testen durfte. Obwohl ich das Konzept der Gulf Collection für sehr opportunistisch halte (aka wie schaffe ich es in den Emiraten möglichst gut anzukommen?) finde ich Düfte wie "United Arab Emirates | Roja Parfums" wirklich top. Beim Aufbau der Gulf Collection Düfte wird in meinen Augen nach einem relativ einfachen Konzept vorgegangen. Die Basis ist bei allen Düften ziemlich ähnlich: Oud, Patchouli, irgendwas holziges (Kaschmirholz oder Zedernholz), Safran, Labdanum oder Weihrauch, Gewürznelke oder Kreuzkümmel, Leder. Variiert wird vor allem an den Herznoten. Die zitrischen Kopfnoten sind oft nur Beiwerk.

Nun aber zu Kingdom of Saudi Arabia. Dieser Duft ist für mich der Versuch fruchtige Herznoten mit holzig-oudigen Basisnoten zu verheiraten. Warum auch nicht? Die Kombination von Himbeere mit Oud-Leder in der Basis ist mittlerweile Mainstream und liefert oft sehr gute Resultate und auch Pflaume mit Oud-Leder klappt gut. Also insgesamt eine sehr solide Grundlage für einen Duft.

Zum Duft:

Im Opening kommt erwartungsgemäß der Fruchtcocktail zum Vorschein gestützt von etwas Zitrik. Direkt schießt mir die Banane in der Nase. Etwas unangenehme synthetische Noten überschatten die leicht florale Fruchtigkeit. Das Ergebnis ist ein ziemlich olfaktorisches Wirrwarr. Da die Basisnoten nicht länger unbeteiligt zuschauen wollen greifen diese nun ein. Das grüne Veilchen ist der Vermittler. Der Übergang der Fruchtigkeit in einen leicht würzigen grünen Mittelteil ist wunderschön. Anschließend wird der würzig-balsamische Charakter des Duftes etwas stärker. Begleitet wird das Ganze von mildem Oud (medizinisch nicht animalisch) und einem Hauch Kakao. Die süße der Früchte wird mit Sandelholz, Vanille und einer zusätzlichen für mich nicht genau identifizierbaren süßen Note noch langlebiger. Nach etwa 3-4h bleibt ein leicht fruchtiger balsamisch holziger Oud Duft.

Insgesamt gewinnt der Duft für mich im Verlauf zunehmend an Attraktivität. Das Opening gefällt mir nicht besonders. Die synthetischen Noten (gerade die Banane) stören mich doch sehr und mindern auch etwas die Wertigkeit des Duftes. In der Folge verwandelt sich der Duft dann aber in wunderbar ausbalancierte Orientalik und besitzt eine sehr gute Haltbarkeit von 10h+. Daher ist Kingdom of Saudi Arabia für mich insgesamt ein doch sehr gelungener Duft und ich finde es schade dass er nicht mehr produziert wird. Die Preisgestaltung ist für mich jedoch ein deutlicher Minuspunkt. Hier wird in meinen Augen insgesamt mit zu vielen günstigen synthetischen Geruchsstoffen gearbeitet um einen derart hohen Preis zu rechtfertigen.

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Versunken im Blumenmeer
Zunächst muss ich einräumen dass ich bislang kein großer Fan von Roja’s frisch-blumigen Düften wie A Midsummer Dream war. Meistens lang es an bestimmten Basisnoten wie Elemiharz oder Tannenbalsam die den Duft für mich nach einer Weile in eine unerwünschte Richtung lenkten. Diese Diskrepanz in der Kopf und Herznoten in meinen Augen nicht so richtig zu den Basisnoten passen erlebe ich häufig. Ich hatte daher keine allzu hohen Erwartung als ich "Roja Dove Haute Parfumerie | Roja Parfums" testete. Jedoch wurde ich angenehm überrascht…..

Zum Duft:

Die klassischen Roja Zitrik Akkorde im Opening reihen sich sehr elegant hinter den sofort präsenten fruchtig floralen Noten ein und verleihen diesen eine angenehme Frische. Die Hauptdarsteller sind Pfirsich, Heliotrop, Zistrose und Veilchen. Im Opening erinnert mich der Duft auch etwas an eine weniger süße Version mit Cašmir Eau de Parfum . Diese Assoziation vergeht jedoch im fortschreitenden Duftverlauf. Die zunächst zitrisch unterstützen floralen Hauptakkorde gehen mit der Zeit ins holzige über. Auch hier untermalen die holzigen Noten von Kaschmirholz, Sandelholz und etwas Patchouli sehr schön die floralen Noten. Ein wirklich sehr gelungener Übergang in meinen Augen. Der Duft behält im Verlauf seine leichte Süße aufgrund von Vanille und Sandelholz welche die Pfirsich Note unterstützen. Im weiteren Verlauf wird der Chypre Charakter noch etwas stärker. Zum Vorschein kommen nun auch balsamische Noten die von einer sehr milden Animalik begleitet werden. Allen die den Zibet Duftakkord nicht mögen sei gesagt, dass es sich hier überhaupt nicht um stechende oder dominante Noten handelt. Eher eine homöopathische Dosierung zur Abrundung der Basisnoten.


Insgesamt ist "Roja Dove Haute Parfumerie | Roja Parfums" ein durch und durch puderiger Duft. Einmal aufgesprüht versinkt man selbst und sein Umfeld in einem Meer aus Blumen. Der Duft ist für mich absolut rund, alles ist durchdacht und passt wirklich gut zusammen. Der Duft ist für mich sehr androgyn. Auch sehe ich ihn sowohl bei einer jüngeren wie auch bei einer älteren Person zu gleichen Teilen. Die Haltbarkeit ist außerordentlich gut mit 10h+. Jedoch ist der Duft gerade aufgrund seines pudrigen Charakters am Anfang sehr raumfüllend und kann je nach Dosierung auch erdrückend auf das Umfeld wirken. Das übliche Problem in geschlossenen Räumen :)

Preis/Leistung ist bei diesem Roja Duft mit ca. 580 €/100ml vertretbar, jedoch auch verbunden mit den üblichen Kosten und Problemen für Düfte aus UK. Der Flakon ist wie immer bei Roja absolut top und mit den violetten Steinen ein echter Hingucker.

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