Dialog mit meinem Gewissen
I: Der ist einfach genial. Für mich vielleicht der beste NR überhaupt bisher. Haben will.
G: Geh bitte, jetzt hast du schon drei davon. Ist doch eh immer das gleiche Gebräu.
I: Das stimmt überhaupt nicht. Die Richtung ist natürlich ähnlich, aber dieser ist viel sanfter als der For her. Und viel reifer als der L'eau for her. Und viel frühlingshafter und unbeschwerter als der Musc Collection. Und da ist ein minimaler süsslicher Unterton dabei, nur ganz zart, den die anderen gar nicht haben - vielleicht eine Spur von Orange oder Mandarine...
G: Jaja, was man sich alles einreden kann... Sogar die Flakons schauen alle gleich aus.
I: Zum Glück, denn die gefallen mir richtig gut. Und dieses klare Weiss passt einfach perfekt zum Frühling und Sommer, einfach ein Traum.
G: Wenn das Ding so leicht ist, hält das wahrscheinlich wieder nicht bei dir.
I: Und ob, vor 6 Stunden aufgesprüht und noch immer da, sogar das passt.
G: Aber du wolltest deine Sammlung nicht mehr vergrössern. Du wolltest nichts mehr kaufen. NICHTS, hast du gesagt.
I: Ich weiss, Du hast ja recht. Das ist jetzt der letzte. Der ist einfach perfekt und der L'eau for her und der Musc werden bald leer werden und beide gibt's nicht mehr. Das ist also eine echt sinnvolle Investition in meine Narciso-Zukunft.
G: Geh bitte, redet von sinnvoll und weiss nicht mehr, wohin mit den Flakons.
I: Hab noch immer alle gut untergebracht. Und der ist so schön schmal, da findet sich ein Platz, wenn die anderen NRs ein bissl zusammenrücken.
G: Dein Limit ist 30. Und vor 1,5 Jahren war es 13, wenn ich erinnern darf.
I: Darfst du nicht. Und jetzt SCHNAUZE.
Haben will!!!
Nachtrag, 8 Tage später: in meiner Begeisterung, am Heimweg vom Urlaub, nochmal im dutyfree damit eingedieselt. Stop, was ist das? Ziemlich (zu?) blümelige, fast schwülstige Note in der Herznote, meine bessere Hälfte (sonst Narciso-Fan) fühlt sich im Flieger (O-ton) "belästigt". Uje, Eindruck schwankt (nach Tagesverfassung?), muss wohl vor Bestellung noch mal testen...
Der kurze Frühling im Herzen
Die wunderschönen Kommentare zu diesem Duft. Der Name, der so viel Glück verspricht. Der Flakon, der schon beim Anschauen gute Laune macht.
So lange war er schon auf meiner Merkliste und blinzelte mir zu.
Oft war ich kurz davor, eine Abfüllung zu bestellen. Ich gebe zu, fast ein Fall für die Klapse, aber vor ein paar Tagen hab ich allen Ernstes in Erwägung gezogen, ihn blind zu bestellen (wegen eines -48% Angebots)... Sehr, sehr unvernünftig wäre das gewesen, keppelt mein Gewissen.
Und heute stand er plötzlich in dieser Parfümerie vor mir.
Die Sonne lachte in meinem Herzen, zarte Frühlingsgefühle keimten auf, als ich ihn aufsprühte.
Die ersten 15 Minuten eine wirklich feine, nicht alltägliche harmonische Süsse. Zart und verführerisch und sehr speziell! Wow, das wird teuer, raunte mein Gewissen in Alarmbereitschaft...
Doch dann machte mir meine Haut, die wirklich ihr Eigenleben haben dürfte, (wieder mal) einen Strich durch die Rechnung. MÜFFELALARM!!! 2 Stunden lang. Es. Riecht. Einfach. Nicht. Gut. An. Mir. Nicht mehr und nicht weniger. Da hilft kein Drumrumreden. Und auch nicht, dass die Basis dann wieder ganz angenehm rauchig-vanillig ausklingt.
Insofern war ich auch nicht böse, dass "Sunshine" bei mir auch keine nennenswerte Sillage entwickelt, sondern ziemlich hautnah vor sich hin dümpelte.
Sehr unerwartet, aber vor die Sonne haben sich schwarze, dicke Wolken geschoben. Mein Herz zerdrückt eine kleine Träne.
Und es ist immer noch Winter.
Haarspray to go
Da ich inzwischen zumindest zwei Tesoris in mein Herz geschlossen habe (beim 3. bin ich mir noch nicht ganz sicher), war ich auch auf diesen sehr gespannt. Ich freue mich auch von Herzen für alle Vorschreiber, die in diesem Duft einen vertrauten Begleiter gefunden haben, aber ich werde mit ihm absolut nicht warm.
Die erste halbe Stunde nach dem Aufsprühen hält sich bei mir eine penetrante, künstliche Haarspraynote, die unbarmherzig und ohne jegliche Veränderung in der Luft liegt und mir - auch bei geringer Dosierung - viel zu intensiv, kalt und dominant ist.
Die nächste ungefähr Stunde macht sich eine staubtrockene Creme-Puder-Mischung breit, bei der mein geistiges Auge alle paar Minuten in der Endlosschleife das Bild eines in der Sonne vergessenen, geöffneten Cremetiegels an mein Gehirn schickt. Die Creme ist durch die Hitze schon so trocken und porös geworden, dass sich bereits dünne Risse darin bilden, die langsam, aber stetig vor sich hin schrumpeln.
Da beide Phasen nicht unbedingt das sind, was ich mir von einem Parfum wünsche, bin ich nicht allzu böse, dass sich bei beiden Testanläufen danach entweder meine Nase oder meine Wahrnehmung (oder beide) ins Nirwana verabschiedet haben, indem sie mich einfach "duftblind" machten - ich konnte nach ungefähr 1,5 Stunden beide Male fast nichts mehr von dem Duft wahrnehmen und kann daher über die weitere Entwicklung auch nichts berichten.
Das wird nichts mit uns beiden - der vierte Tesori darf weiterziehen und landet im Ordner "Flakons to go"...
Verzaubert, vergessen, verzaubert, VERSPIELT
Wie oft bin ich um Dich herumgeschlichen, Du herrlich schlichter blauer Flakon mit dem schönen Stern. Viele Male über mehrere Jahre verteilt hab ich Dich gesehen, vergessen, wiederentdeckt, war verzaubert, hab Dich getestet, war fasziniert, aber nicht restlos überzeugt. Aber ganz vergessen konnte ich Dich auch nie. Zu gern wollte ich, dass mir Dein Inhalt genauso gut gefällt wie Deine Optik.
Im Herbsturlaub in einer kleinen Parfümerie in Spanien suchte ich die Regale ab auf der Suche nach einem Duft zum Testen. Keine aufregende Auswahl, doch plötzlich sehe ich Dich. Gesprüht, verzaubert, wieder. Eine Stunde später war von Dir nichts mehr zu riechen. Wohl zu wenig gesprüht, dachte ich. Es war warm und ich wollte keine Duftwolke nachziehen, daher war ich sehr sparsam.
Kürzlich war mir danach, Abwechslung in meine Sammlung zu bringen. Du kamst mir wieder in den Sinn. Sollte ich Dich kaufen, obwohl ich all die Jahre nicht vollends überzeugt war? Die Vernunft siegte, ich würde Dich im Rahmen eines Tauschpakets als Probe zu mir holen. Dann kann ich Dir in aller Ruhe nochmal auf den wunderhübschen Zahn fühlen, unbeeinflusst von Deiner schönen Fassade.
Glücklich nahm ich Dich in Empfang und sprühte Dich heute mittag sehr großzügig auf. Es ist kalt, da kann man ruhig ein bisschen mehr dieseln, dachte ich. Auf meiner Haut riechst Du zu Beginn vor allem nach einer Mischung aus Mandeln und Johannisbeere (die ich schon an "Eve" so mag). Eine herrliche Kombination, eine unglaublich leckere Süße, aber keine klebrige, sondern eine mit einem frischen, leichten, unbeschwerten Hintergrund - genau diese Mischung hat mich immer wieder beeindruckt, sie ist einfach magisch.
45 Minuten später, im Freien, schnüffle ich in verzückter Erwartung an meinem Handgelenk - ich brauche Glücksgefühle am kalten, windigen Weg zur Straßenbahn. Ich rieche Dich nicht. Wo bist Du? Zwei Stunden später, in einem Lokal: ich rieche Dich nicht. Drei Stunden später: ich rieche Dich nicht.
Warum auch immer, Du magst meine Haut nicht oder umgekehrt. Wir passen einfach nicht zueinander, Du hübscher blauer Flakon und ich. Auch wenn mir das sehr leid tut. Mit dieser (Nicht)Haltbarkeit auf meiner Haut hast Du verspielt. Jetzt. Wirklich. Endgültig.
Die Mauer um mich herum
Nie im Leben hätte ich mir Black Orchid gekauft. Falls ich es irgendwann mal zufällig getestet hätte, wäre ich mit einem erschrockenen Kopfschütteln schnell weitergezogen.
Ich hab ihn von meiner besseren Hälfte geschenkt bekommen, als es den Duft erst ein paar Jahre gab. Warum grad Black Orchid???????? (diese Frage hab ich sofort - in krampfhaft bemüht neutralem Tonfall - nach dem ersten Sprüh gestellt): "Weil der Duft mal was anderes ist und weil ihn nicht alle tragen." Dem ist nichts hinzuzufügen.
Es dauerte lange - sehr lange - bis ich ihn zum ersten Mal trug. Und noch viel viel länger dauerte es, bis ich nun den Mut habe, einen Kommentar darüber zu verfassen.
Wäre dieses Parfum ein Getränk, wäre es ein alter schwerer Whiskey, bei dem man sich schon beim ersten Nippen augenblicklich benebelt fühlt.
Es fällt mir nie leicht, bei Düften die verschiedenen Duftnoten zu beschreiben. Bei Black Orchid ist es schlicht und ergreifend unmöglich. Beim daran Riechen fällt mir nur ein: dunkel, schwer, üppig, geheimnisvoll, fast erschlagend.
Er passt eigentlich (ich verwende hier bewusst dieses Wort) nicht zu mir. Ich kann ihn nicht aus vollem Herzen mögen. Er ist mir unheimlich. Er erstaunt mich immer wieder aufs Neue.
Und doch gibt es Tage, an denen Black Orchid genau das richtige Parfum für mich ist. Das sind die (seltenen)Tage, an denen ich meine Ruhe brauche und für mich sein will, auch wenn ich raus in den Alltag muss. An diesen Tagen lege ich es auf. Das mag widersprüchlich klingen, weil viele meiner Vorschreiber angeben, dass man damit auffällt und nicht unbemerkt bleibt. Auch wenn das stimmen mag, hat es für mich genau den gegenteiligen Effekt.
Wenn ich Black Orchid trage, fühle ich mich sicher. Es schützt mich vor neugierigen Blicken und lästigen Fragen. Es verleiht mir eine Aura der Unnahbarkeit. Es hält die Menschen auf Distanz und das ist genau das, was ich an solchen Tagen brauche. Black Orchid ist mein kleiner schwarzer Kampfpanzer. Es baut eine unsichtbare Mauer um mich herum.
Die Haltbarkeit kann man nur als phänomenal bezeichnen. Auch nach vielen Stunden ist die Mauer noch da, genauso stabil wie zu Beginn. Risse in der Mauer? Fehlanzeige. Einsturzgefahr? Keine.
PS. Beim Duschen lieber mit doppelter Portion Seife schrubben, sonst klappt das wieder nicht mit dem Einsturz....