NuiWhakakore

NuiWhakakore

Rezensionen
1 - 5 von 106
NuiWhakakore vor 3 Monaten 28 38
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Die Essenz der Blume
Ma chère Joséphine,
ich schreibe Dir von dieser Insel, die nicht die meine ist, in einem fremdem Ozean, so weit entfernt von allem, das mir Lieb und Teuer ist. Der kaiserliche Hofstaat ist mir auch hier zu Diensten, aber er kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies hier ein Gefängnis ist, kein Kerker aus Stein, aber umgeben von Mauern aus Wasser.
So schreibe ich meine Erinnerungen nieder, auf dass die Nachwelt sich ein Bild von meinem Wirken machen mögen. Ich kehre immer wieder zurück zu zwei Punkten meines Lebens. Die Jugend auf Korsika, die Gerüche der Jahreszeiten, das trockene Heu des Herbstes, die würzigen Blumen und die Pfirsiche, das Moos zwischen den Händen. Hier gibt es nur immerwährendes Grün oder die kargen Hänge der Vulkane, keinen Wandel und somit auch keinen Neubeginn. Der andere Punkt bist Du, die einzige, die ich jemals geliebt habe.
So bitte ich Dich, sende mir Dein sous-vêtements, so dass ich Dich wenigstens noch einmal riechen kann, als wären sie noch warm von Deinem Körper, der süße Puder noch im feinen Gewebe, denn die Dirnen hier sind jung und gesund, aber sie haben keine Klasse.
Adieu, mon amie, porte-toi bien.
BP*

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Immortelle Corse stellt die Immortelle in all ihren Facetten in den Mittelpunkt: da sind zart florale Töne, stohig-trockenes, herbe Würze. Eine, durchaus zu Recht, gefürchtete Magginote schwing hier auch mit. Das ganze wird aber nie aufdringlich oder monothematisch, denn dazu ist die Immortelle zu ausgeglichen und wird zudem durch ein paar andere Noten unterstützt.
Da wären zunächst einmal Safran und Zitrone, die in Kombination etwas frisch-scharfes zur Immortelle addieren. Etwas später kommt die Aprikose. Diese ist fruchtig, aber nicht sonderlich süß. Ich denke nicht an eine saftige Aprikose direkt vom Baum. Mit den würzigen Noten der Immortelle hat das eher etwas von einem Chutney, wobei ich auch leicht an Harze denken muss. Langsam kommt das Eichenmoos stärker durch, trocken und frisch. Zeitweise habe ich etwas Ingwer in der Nase.
Zur Basis hin wird der Duft etwas süßer und pudriger. Das könnte vielleicht dem Eichenmoos geschuldet sein, ich würde allerdings eher auf etwas Moschus tippen (Pyramide hin, Pyramide her). Diese Pudrigkeit fällt mir allerdings nur auf, wenn ich mich auf den Duft konzentriere und auch eher aus der Nähe, im normalen Tragen und mit mehr Entfernung ist das kaum wahrzunehmen. Somit ein ausgesprochen angenehmer Frühlings- und Frühsommerduft, der mich, entgegen dem Eau de Glorie nicht nach Korsika entführt, sondern einfach nur ein gutes Parfum ist.

Danke an Spatzl für die Probe!

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*Zur historischen Einordnung:
Napoleon Bonaparte wurde auf Kosika geboren, machte Karriere im Militär, wurde Erster Konsul Frankreichs und später auch Kaiser der Franzosen. Er heiratete Josèphe Marie Rose de Beauharnais (möglicherweise sogar aus Liebe), lies sich später von ihr scheiden und starb in der Verbannung auf St. Helena im Südatlantik. Es ist außerdem gesichert, dass er Joséphine auch nach der Scheidung noch schrieb und mit BP für Bonaparte signierte. In den Schreiben ging es aber wohl mehr um die Höhe der Alimente. Zumindest dürfte der Ton ein etwas frostigerer gewesen sein, der letzte Brief Napoleons an Joséphine endet mit den Worten: „Lebe wohl, meine Freundin; schreib’ mir, daß es Dir wohl geht. Man sagt, Du würdest fett, wie eine dicke normännische Pächtersfrau.“
Zweifelhaft ist auch, dass Napoleon nach Immortelle, herb oder sonstwie im heutigen Sinne maskulin roch. Sein Cologne wurde zumindest im Bildungsfernsehen der ARD (Sendung mit der Maus) als frisch, lieblich und sehr blumig beschrieben.
38 Antworten
NuiWhakakore vor 5 Monaten 24 42
6
Sillage
7
Haltbarkeit
8
Duft
Eine Insel mit Bergen
Die Massen an Touristen sind weg Anfang September. Man ist nicht allein, aber man hat Platz, Ruhe kehrt ein. Die Temperarturen sind immer noch hoch, es ist trocken, vertrocknet gar. Aber die Pinien spenden Schatten und eine frische Brise weht hier unten, nahe am Meer, bringt Gerüche von Kräutern und Harzen und den reifen Beeren der Myrte. Weiter oben in den Bergen wird es karg. Das Gras zu Stroh geworden, die Blumen getrocknet und bald leistet nur noch die Macchia Gesellschaft. Dornenbewehrt lädt sie nicht zum Verweilen ein. Also geht es wieder hinab, zum Strand, zum Sonnenuntergang. Die letzten Strahlen genießen sich am besten mit einem Glas Wein. Salute!

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Eau de Gloire ist für mich ein Erinnerungsduft. Erinnerungen an eine Reise kurz nach dem Abitur, als ich mit einem Freund in seinem VW-Bus einen Monat auf Sardinien herumgetuckert bin. Und auch wenn Eau de Gloire aus der Collection L'Héritage Corse ist, denke ich, das macht nicht so viel unterschied, Korsika ist ja nahe.

Der Duft startet mit deutlichem Mastixharz: süßlich, würzig, grün, ein bisschen gummiartig. Dabei ist er auch frisch und leicht fruchtig, wobei die Zitrusfrüchte sich eher im Hintergrund halten. Für mich schwingt auch etwas zwar nicht direkt Feuchtes, aber doch leicht süffiges mit, wohl von den Harzen und vielleicht auch etwa von der Myrte, die man hier mehr erahnt als erkennt. Der Eindruck verfliegt allerdings recht schnell, trocknet in der mediterranen Sonne in dem Maße weg, in dem sich die Immortelle bemerkbar macht. Sie gibt sich strohig, trocken, würzig und auch leicht blumig, jedoch nicht harsch oder medizinisch. Das liegt zum einen sicher an den Harzen, hier jetzt vor allem Weihrauch und Zistroseharz (aka Labdanum), zum anderen aus jetzt auch besser wahrnehmbaren frischen Noten, die sich mir allerdings nicht so deutlich erschließen (Neroli, Rosmarin, Bergamotte machen aber Sinn). Etwas Moos ist auch erkennbar. Zur Basis hin wird es weniger frisch, dafür harziger, würziger und insgesamt etwas dunkler. Der Duft bleibt dabei aber immer relativ sanft, zumindest für einen Duft, in dem die Immortelle eine wesentliche Rolle spielt. Kein Vergleich zu The Afternoon of a Faun oder auch nur Ganymede, bei dem ich die Immortelle als, teilweise wesentlich (Faun), harscher empfinde. Dabei hilft es sicher auch, dass Eau de Gloire recht zurückhaltend ist.

Napoleon Bonaparte, der bekanntlich auf Korsika geboren wurde und seine Jugend dort verbrachte, bevor er sich den Rest Europas genauer angeschaut hat, behauptete, er könne Korsika mit verbundenen Augen am Duft erkennen. Zumindest soll er das gesagt haben, wenn auch auf einer anderen Insel, in einem anderen Meer, auf der er nicht ganz freiwillig war, aber sind wir ehrlich, verdient hatte er es. Vielleicht kannte Marc-Antoine Corticchiato die Geschichte und hat deshalb einen Duft kreiert, der wie Korsika duftet. Ich kann es nicht beurteilen, war leider noch nie dort, finde aber Eau de Gloire passt auch ganz wunderbar auf Korsikas südliche Nachbarin. Oder natürlich auch gerne in unsere Breitengrade, gerade jetzt, wo endlich der Frühling vor der Tür steht.

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Ein kurzer Vergleich noch zum Immortelle Corse, den anderen Immortellen-Duft aus der Collection L'Héritage Corse (die übrigens allgemein sehr empfehlenswert ist): beim Immortelle Corse finde ich die Immortelle mehr noch in den Mittelpunkt gerückt, sie ist auch etwas herber, inkl. einer Spur von Maggi, dabei aber trotzdem sanft. Er ist auch frischer, nicht zuletzt durch das Eichenmoos. Als Parfum finde ich Immortelle Corse ein wenig besser, allerdings erweckt er keine Erinnerungen an Landschaften, gleich wo.
42 Antworten
NuiWhakakore vor 10 Monaten 34 52
7
Sillage
8
Haltbarkeit
5
Duft
Exklusives Tigeraugen-Chakra für Gläubige
Inspiriert von Kerala, dem Gewürzgarten Indiens, kommt ein frischer Duft, der seinesgleichen sucht! Mit seinen hochwertigen und kraftvollen Inhaltsstoffen bildet er den Reichtum und die Eleganz aus der Zeit der Maharadschas ab und führt sie gleichzeitig charismatisch in eine avantgardistische Zukunft. Die Duftreise beginnt mit einem zitrisch-frischen Akkord aus saftiger Grapefruit und scharfen Ingwer. Luxuriöses Ambergris rundet den Duft ab und verleiht im eine unvergleichliche Tiefe. Inspiriert von der Eleganz und Anmut... xXxOooo .. . >C: #promt fcuk // error

‚parfuKI Service Desk, wie kann ich Ihnen helfen?‘
‚Ja, hallo erst mal, ich habe ja gerade mit der aktuellsten Version von parfuKI einen großartigen Text zu einem Duft erstellt, aber dann ist die App abgestürzt.‘
‚Oh, das ist bedauerlich. Haben Sie denn schon einen Neustart versucht?‘
‚Ja, natürlich, aber die KI antwortet jetzt auf Anfragen nur noch mit beleidigenden und obszönen Kinderreimen.‘
‚Das ist tatsächlich neu, könnten Sie da mal ein Beispiel nennen?‘
‚Will ich lieber nicht, das ist mir zu peinlich zum Vorlesen…‘
‚Schade, wäre für unseren Research interessant gewesen. Wir hatte leider ein paar Probleme mit der neuesten Version, sie scheint für manche Aufgaben mittlerweile zu intelligent zu sein. Bei Anfragen, die eine starke Diskrepanz zwischen Imagination und Faktizität verlangen, kann es zu Problemen kommen.‘
‚Faktizi-häh…?‘
‚Anders ausgedrückt: wenn der Duft gelobt werden soll, obwohl er eigentlich Mist ist, mag die KI nicht.‘
‚Aber was mache ich denn jetzt, der Duft ist natürlich mies, sonst würde ich ja nichts dazu schreiben, aber ich habe doch einen Abgabetermin in der Agentur! Ich kann mir das doch nicht alles selbst ausdenken.‘
‚Nein, natürlich nicht, dafür gibt es schließlich parfuKI! Verwenden Sie einfach die Vorgängerversion, die ist strunzdumm und macht was man ihr sagt.‘
‚Danke parfuKI, Ihr seid meine Rettung!‘

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Eines vorweg: der Text wurde ohne KI erstellt, ich habe allerdings abgeschrieben von der Bvlgari-Homepage und mich auch von anderen Quellen inspirieren lassen. Vielleicht ist indirekt also doch etwas KI enthalten, allerdings gefiltert durch mein Hirn. Insofern kann man nicht mehr von künstlich sprechen, vielleicht auch nicht von Intelligenz.

Le Gemme – Tygar startet mit einer recht deutlichen Grapefruit, frisch und fruchtig. Leider ist die Grapefruit gleichzeitig auch sehr muffig und leicht aasig, wie mit einer Spur indolischem Jasmin versetzt. Das Problem habe ich mir Grapefruit öfter, das mag also nur persönliche Wahrnehmung sein. Nach 5 Minuten wird der Duft süßer, leicht harzig und das muffige verfliegt. Die Grapefruit erkenne ich dann aber nicht mehr als solche, es ist unbestimmt süßlich-harzig-fruchtig. Besonders frisch ist der Duft nicht, den hier angegebenen Ingwer erkenne ich nicht (bei Bvlgari kommt er auch nicht vor). Im weiteren Verlauf wird das Ambrox (Bvlgari spricht von Ambergris, man meint das Gelächter der Marketingabteilung im Hintergrund noch nachhallen zu hören) deutlicher, es wird süßer und leicht holzig. Das Ambrox sticht hier nicht sonderlich in der Nase und hält sich auch mit duschgeligen Tendenzen zurück und das ist das Positivste, was man über Tygar sagen kann. Erst in der Basis wird das Holz etwas trockener und ganz leicht stechend.

Le Gemme – Tygar steht aktuell bei einer Wertung von 8,4. Das ist ein Mysterium, das sich mir nicht erschließt, haben wir hier doch einen in erster Linie langweiligen, beliebigen Designer-Duft synthetischer Machart, wie es sie zuhauf gibt. Ja, er tut nicht sonderlich weh und die Synthetik könnte schlimmer sein, aber reicht das aus für den aufgerufenen Preis? Das darf jeder selbst entscheiden, interessant finde ich nur, dass es so nicht laufen muss, das zeigt Le Gemme – Kobraa: derselbe Parfümeur nur vier Jahr später und ein ganz anderes Dufterlebnis.

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Lesetip: der Eintrag zu Le Gemme – Tygar auf der Bvlgari-Homepage, das ist Realsatire vom Feinsten.
52 Antworten
NuiWhakakore vor 11 Monaten 57 64
7
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Bekenntnisse eines Lohnparfümeurs
Es war klar, was sie wollen würden, auch vor dem Meeting schon, das hätte man sich auch sparen können, aber solche Meetings sind die einzige Daseinsberechtigung für das Management, also machen sie Meetings. So etwas dauert gerne mal drei Stunden und es gibt nicht mal Häppchen, die wurden wegrationalisiert von einer der Unternehmensberatungen, die hier alle halben Jahre die Prozesse neu optimieren. Die einzig wichtige Information war: wir brauchen etwas Dunkles, maskulines. Wobei maskulin hier natürlich keiner sagt, sie sagen selbstverständlich unisex, nicht weil sie von Gleichberechtigung überzeugt wären, aber 50% potentiellen Marktanteil lässt man sich nicht entgehen, sagt auch das Controlling und letztendlich bestimmen die immer.

Ich übersetze das ganze Marketing-Geseier mal kurz und sage, was erwartet wird:
- neuer Duft, dunkel (aber nicht zu sehr versteht sich)
- schnell, Zeit ist Geld, also nimmt man Bestandteils aus dem Portfolio und mischt die neu
- wichtig: Frucht (Himbeere, Pflaume oder so, läuft doch immer), Vanille, Blümchen, Schnaps
- nicht wichtig: ein innovatives Konzept (Marketing schreibt schon irgendwas dazu)
- ganz unwichtig: Kreativität, Spannung, Kanten
Am Anfang meiner Laufbahn dachte ich ja noch, ich könnte meine kreativen Ideen in den Prozess mit einbringen, aber das hier ist eine Maschine, deren einziger Zweck die Rendite ist. Mit Kreativität läuft die nicht so rund, meint die Führung, also weg damit.

Aber ich habe keine Lust mehr, bei dem Spiel mitzumachen, es ist Zeit für ein wenig Widerstand, etwas Sand im Getriebe. Aus Zeitgründen nehme ich aber dann doch eine etablierte Basis, ich habe heute Abend noch was vor. Dazu kommt: beißender Lack, brennendes Plastik, schmelzendes Vinyl, Rauch, der einem den Atem nimmt. Wollte ich schon so lange Mal machen und man könnte meinen, das geht doch nie durch die Qualitätskontrolle. Ist aber nur ein Problem, wenn man den Laden nicht kennt. Geprüft wird hier nur die Kalkulation und die stimmt, das Zeug ist spottbillig. Worauf es wirklich ankommt, ist etwas anderes, ich nenne es die Illusion der Worte, eine ganz spezielle Magie des glauben Wollens.

Also zunächst Hölzer, aber sie müssen edel sein und auch dunkel, also nehmen wir Ebenholz, da kann sich jeder was drunter vorstellen. Nehmen wir Makassar-Ebenholz, ist sehr selten, also exklusiv. Wir könnten hier auch Eisenholz schreiben, zum Beispiel Mpingo, aber das kennt keiner und zu exotisch darf es dann auch nicht sein. Weiters Harze, da nehme ich gerne Styrax, das hört sich schon so schön dunkel an. Ein paar andere noch dazu, passt. Lack und Vinyl sollten drinstehen, schmorendes Plastik lieber nicht. Damit wäre der Duft eigentlich schon beschrieben, aber für die Marketingleute schreibe ich noch Aprikose (nie wieder im Leben werde ich Himbeere oder Pflaume auch nur schreiben!), Rum und eine Rose dazu. Nehmen wir heute mal eine Pfingstrose, besser noch, schwarze Pfingstrose. Voila, fertig!

Das wird durchgehen, ihr werdet sehen…

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Ja, es ging durch und das ist durchaus beachtlich, wenn man sich das Portfolio von Tom Ford so betrachtet. Black Lacquer sticht hier tatsächlich etwas heraus und, soviel vorneweg, im positiven Sinne.

Für meine Begriffe besteht der Duft im Wesentlichen aus zwei Akkorden. Zum einen wäre da ein holzig-harziger Akkord, mit trockenen, würzigen Hölzern und warmen, dezent süßen Harzen. Es raucht auch leicht, ist angenehm abgedunkelt und sanft. Oud Wood lässt hier ganz herzlich grüßen. Der andere Akkord ist eine stechend synthetische Lacknote, gemischt mit schmelzendem Vinyl und kokelndem Plastik. Dem schwingt auch etwas leicht Frisches mit, wohl vom Pfeffer (natürlich schwarz), den man auch aus Noir Anthracite kennt, dort aber wesentlich dominanter eingesetzt wird. Was nicht in dem Duft vorkommt, ist Aprikose, Rum und die Rose, wofür ich sehr dankbar bin. Vetiver und Tannennadeln erkenne ich zwar auch nicht, sie scheinen aber nachvollziehbar.

Viel Entwicklung hat der Duft nicht, zuerst ist der Plastik-Akkord deutlicher, später der Holz-Akkord. Beide bleiben aber immer erkennbar. Meiner Meinung nach hätte man Black Lacquer getrost auch Oud Wood 2.0 nennen können, aber klar, da spielt das Marketing nicht mit. Für mich ist es jedenfalls der bessere Oud Wood und ein Duft, der sehr gut auch von Comme des Garçons sein könnte, wenn ich auch den hier genannte Black nicht als ähnlich sehe (der ist doch sehr viel würziger, im Sinne von Küchengewürzen).

Black Lacquer ist bei aller Synthetik, die man für sich durchaus als stechend und beißend bezeichnen kann, stets sehr sanft und weich, wie letztlich alle Tom Ford Düfte, die ich kenne. Das klingt vielleicht paradox, aber wenn man Holz lackiert, muss das ja auch abgeschliffen sein und darf keine scharfen Kanten haben, sonst reißt der Lack. So gesehen passt er also doch wieder perfekt ins Portfolio.
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NuiWhakakore vor 12 Monaten 26 42
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Kurt mag Blumen
Natürlich muss man was gegen den Klimawandel machen, er ist ja da, man sieht es ja jeden Rekord-Sommer und Nicht-Winter, es leugnen ja auch nur noch die Simpelsten. Ich mach ja auch was ich kann, keine Frage, aber man muss doch nicht immer so negativ sein, man kann ja auch mal die positiven Seiten sehen.

Ich habe ja von Oma das Haus geerbt, mit dem riesigen Grundstück, mit viel Rasen, Wald und einem kleinen Teich. Mit den Sommern der letzten Jahre sieht das eh ein bisschen wie Savanne aus und da habe ich dann halt einen kleinen afrikanischen Elefanten adoptiert. Er heißt Kurt, nach meinem Opa. Kurt mag Blumen. Die Blumen sind das Einzige, was ich im Garten noch gepflegt habe, sie waren Omas ein und alles. Kurt wälzt sich gerne drin und dann riecht er tatsächlich ein wenig nach Oma. Also nach deren Parfum, so ein bisschen. Keine Ahnung, wie ein Elefant normalerweise riecht.

Kurt durfte anfangs auch ins Haus, aber da ist dann doch so manches zu Bruch gegangen. Vasen vor allem. Das Blumenwasser hat dem Parkett nicht gutgetan, sein Gewicht auch nicht, ich habe aber alles wieder gut geklebt. Auch die erdigen Elefantenfußabdrücke gehen nicht mehr aus dem Perser, aber ich mache Kurt keine Vorwürfe, es war ja nicht absichtlich, er ist halt noch klein und etwas ungeschickt. Ins Haus darf er aber nicht mehr. Wäre aber eh nicht lange gegangen, die Kleinen werden ja so schnell groß!

Kurt entwickelt sich prächtig, nur eins macht mir Sorgen: er ist geradezu versessen auf Kokosmilch. Ich frage mich sogar, ob er nicht eigentliche ein asiatischer Elefant ist. Nicht, dass es mir was ausmachen würde, aber wissen würde ich es schon gerne. Außerdem habe ich extra Swahili gelernt und habe jetzt keine große Lust auch noch Thailändisch zu lernen. Google Lens weiß leider auch keinen Rat, Kurt ist wohl einfach noch zu klein um das zu erkennen. Da heißt es wohl abwarten. Ich bin jedenfalls froh, dass ich ihn Kurt genannt habe und nicht Ngũgĩ, oder so, das würde zu einem asiatischen Elefanten ja so gar nicht passen.

Und denkt dran, immer auch das Positive sehen! Wenn es weiter so geht mit dem Klima, bestelle ich mir noch ein paar Strauße und hoffe, dass keine Emus ankommen…

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Es fällt mir bei Zoologist oft schwer, das Konzept zu begreifen, also das jeweilige Tier im Duft zu erkennen. Manchmal funktioniert es gut (Bat, Bee oder Dodo zum Beispiel), oft aber auch nicht und dann bleibt nur ein Name und ein nettes Tierchen auf dem Etikett. Elephant ist so ein Fall: er startet recht üppig (auch von der Silage her) mit süß-cremigen Blüten, bei denen zum Glück auch das wässrig Grüne der Stängel und Blätter erkennbar ist. Ohne das wäre bereits der Beginn zum Davonlaufen. Interessant finde ich an dem Duft aber ohnehin nicht die vordergründigen Noten, sondern das, was sich darunter abspielt: holzige, würzige, leicht rauchige Noten. Wobei der Rauch (wohl vom Weihrauch) bald auch wieder verschwindet. Was bleibt ist das würzige Holz mit einem leichten Klebstoff-Einschlag (Sandelholz, wenn auch nicht ganz Mysore). Das bewahrt den Duft vor dem Absturz.

Zumindest so lange, bis die Kokosmilch erkennbar wird. Damit wird die Blumen-Creme-Mischung sehr, sehr süß, fast schon klebrig. Hier war ich kurz davor, das ganze abzuschrubben. Doch wieder schafft es das würzige Sandelholz gerade noch, den Duft aufzufangen. Mit Rückgang der Kokosnote bleibt ein grünlich-blumiger Duft, der so weit okay wäre. In der Basis kommt dann leider erdiger Patch mit einer deutlichen Kakao-Note dazu, auch wieder etwas, das ich so gar nicht mag. Es bleibt aber wieder erträglich durch die würzig-holzigen Noten und ein wenig Harz. Elephant schafft also das Kunststück, wie auf Messers Schneide mehrmals die Katastrophe gerade so zu vermeiden, was unterm Strich zu einem recht durchschnittlichen Duft führt (Merke: aus meiner Sicht, wer Blumen, Creme, Kokos, Patch mag, kann damit sehr glücklich werden).

Nur, was hat das ganze jetzt mit Elefanten zu tun? Ich kann es nicht sagen, zumal hier auch jedwede Animalik fehlt. Nach meiner Erinnerung riecht es jedenfalls im Elefantenhaus im Zoo deutlich anders. Ob das als Duft besser wäre, sei aber mal dahingestellt…

Danke an Spaztl für den Zoobesuch!
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