ParfumAholicParfumAholics Parfumkommentare

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ParfumAholic vor 23 Monaten 25
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Wiederholte Wiederauferstehung – oder Totgesagte leben länger
Ich kann mich noch gut erinnern, wie sehr mich damals „Gucci pour Homme“ gepackt hat. Diese Mischung aus Papyros, deutlichen, aber ach so verführerischen Weihrauch und absoluten Weichzeichnern in der Basis hat mich stehenden Fußes in seinen Bann gezogen. Gucci pour Homme war und wollte nie subtil sein, sondern auf eine elegante Art und Weise coole Sexyness versprühen, die absolut zum damaligen Gucci Kreativ-Direktor Tom Ford passte. Vom Flakon ganz zu schweigen. Dieser schwere Glasklotz mit dem geriffelten Boden war sicherlich kein Handschmeichler, aber dennoch ungemein sexy, eckig, kantig, männlich-markant und überaus edel.

Was für ein Schock, als der Duft eingestellt worden ist. Noch schockierender, dass ich in Unkenntnis davon doch glatt noch einen Flakon verkauft hatte, weil ich mich irgendwie satt gerochen hatte. Aber hinterher ist man ja (fast) immer schlauer.

So begannen dann die Gucci pour Homme – freien Jahre. Hier und da tauchten Flakons in der Bucht auf – zu Mondpreisen, die ich nicht gewillt war zu zahlen. Irgendwann konnte ich dann doch noch einen 30ml Flakon ergattern, den ich seither hüte wie einen Schatz und nur „für gut“ benutze. Wobei das streng genommen Quatsch ist, denn der Duft wird durch’s Herumstehen ja nicht besser….

Doch da scheint es noch jemanden zu geben, den dieser Duft nicht loslässt: Michel Almairac. Schöpfer des Gucci pour Homme, der zudem noch Bentley for Men Absolute und Papyrus Oud aus der Duft-Wiege gehoben hat. Das nenne ich mal eine echte Passion, wenn ein Parfümeur nicht von (s)einem Duft ablassen möchte.

Auf Bentley for Men Absolute wäre ich ohne Parfumo nie gekommen. Ich habe den Duft auch noch nirgendwo bewusst wahrgenommen. Für mich ein perfekter Nachbau des Originals mit einer traumschönen Basis.

Und nun also Papyrus Oud, der eigentlich das Original Gucci pour Homme hätte werden sollen, hätte Tom Ford keine Änderungen gewünscht. Streng genommen wäre dann also Papyrus Oud das Original Gucci pour Homme :-o

Alle drei Düfte beinhalten Weihrauch und Papyros und erzeugen somit dieses absolute und unverkennbare Gucci pour Homme–Feeling. Die weitere Ausgestaltung verläuft dann etwas anders, aber die Grund-DNA bleibt immer erkennbar.

Papyrus Oud will bei mir aber zu keiner Zeit und Stunde weich oder gar kuschelig werden. Es verbleibt im namensgebenden Rahmen. Nicht harsch oder gar kratzig, ich würde es eher als nüchtern, straight und etwas distanziert beschreiben wollen. Diese sinnliche Wärme des GpH sucht man hier vergebens.

Gucci und Bentley schaffen den Sprung zur Sexyness wahrscheinlich gerade, weil beide eine Brücke zwischen Weihrauch und Papyrus einerseits und Weichzeichnern wie Sandelholz, Tonka und Vanille andererseits schlagen.
Da genau das bei Papyrus Oud nicht (oder nur im geringsten Moschus-Maß) passiert, hebt sich Papyrus Oud deutlich von den anderen beiden Düften ab.

Ich finde alle drei Düfte sehr gelungen und würde auch jeden tragen, meine persönliche Rangfolge lautet jedoch ganz klar:
Platz 1: Gucci pour Homme
Platz 2: Bentley for Men Absolute
Platz 3: Papyrus Oud

Wer das alte Gucci pour Homme mag (und auf der Suche nach einer wertigen Alternative ist), dem seien die beiden Nachbauten auf jeden Fall empfohlen.

Merci Monsieur Almairac!
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ParfumAholic vor 24 Monaten 34
10
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Duft-Weltkulturerbe? Duft-Weltkulturerbe! (oder: Wahre Schönheit ist unvergänglich!)
Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich dem Hause Guerlain sehr zugetan bin. Schaffen es die Düfte der Neuzeit auch nicht immer, mich zu begeistern, so sind es gerade die alten Klassiker, die mich mehr und mehr in ihren Bann ziehen.
Zu Anfang meiner Parfumo-Zeit fand ich viele solcher Düfte einfach nur alt(modisch) und nicht gerade reizvoll. Doch das hat sich grundlegend geändert. Zum Glück. Je intensiver ich mich mit Düften beschäftigt habe, desto mehr taten sich – gerade bei den Klassikern – ungeahnte Duftwelten auf. Wahrscheinlich braucht es einfach seine Zeit, bis man da hineinwächst. Der „Parfumo-Bildungsaufrag“ war also ein Erfolg ;-))

Vor einigen Tagen ist mir zufällig die unscheinbare Probe des Jicky Extraits in die Hände gefallen. Das EdT und EdP kenne und schätze ich sehr, insofern war der Test des Extraits nur eine logische Fortführung dieser Reihe.

Das Extrait startet direkt mit der Lavendel-Peitsche, die bei jedem Schwung ein paar zitrische Sprenkler mit sich führt. Diesen Auftakt muss man bzw. ich einfach mal ertragen. Wahrscheinlich ist dieses Opening auch dem Entstehungsjahr geschuldet.

Direkt dabei ist auch das Tier. Zunächst alles andere als ein schnurrendes Kätzchen, eher eine fauchende Großkatze. Aber dennoch wohlerzogen. Sie weiß sich zu benehmen und mit ihrer Kraft umzugehen.

Nach diesem sehr fulminanten Start wird der Duft zusehends ruhiger und sanfter ohne dabei allerdings langweilig oder gar beliebig zu werden.

Zarte Rose und blühender Jasmin werden von der etwas bitteren Iriswurzel gut ergänzt, um ein Abdriften in eine allzu gängige Blümeligkeit zu vermeiden.

Das Tier ist nach wie vor vorhanden und begibt sich langsam in den Schnurr-Modus.

Je weiter der Duftverlauf (dieser Duft verdient den Begriff dann auch wirklich mal völlig zu Recht) in Richtung Basis voran schreitet, desto balsamischer, weicher und runder wird er.
Kein Gedanke mehr an den kratzbürstigen Lavendel (allenfalls noch als eine Ahnung), dafür nun super softe Guerlinade, weiches Leider, feine Gewürze und leicht harzig-bernsteinfarbener Amber. Und unter allem liegt das nun sanft schnurrende Kätzchen.

Jicky – was für Schönheit und was für ein Hochgenuss! Es ist fast unglaublich, dass dieser Duft schon derartig alt ist und trotzdem nicht altmodisch wirkt. Eine zeit- und alterslose Schönheit, die schlichtweg überzeugt. Und dafür keine Kapriolen schlagen muss. Jicky hat eine immense Kraft ohne dabei laut zu sein. Jicky berührt Herz und Seele, ist gleichsam tröstend, fordernd und umhüllend. Jicky ist die pure Verführung ohne anzüglich zu sein. Jicky ist….so Vieles mehr und eigentlich nicht zu beschreiben. Ein Duft, der erlebt werden muss.

Jicky – ein Duft für Frauen UND Männer, die den Spagat zwischen Gestern und Heute erleben möchten.

Danke Guerlain!
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ParfumAholic vor 2 Jahren 19
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Die Magie der Sterne
Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen, dass für mich bislang die Formel

Tiziana Terenzi-Düfte + ich = nicht kompatibel

galt.

Nein, das liegt gewiss nicht daran, dass die Düfte schlecht gemacht sind. Ganz im Gegenteil empfinde ich sie stets als sehr hochwertig und in mancherlei Hinsicht auch als unique. Sie haften allesamt sehr lange und sind in der Regel auch mit einer deutlichen Projektion ausgestattet. Eigentlich alles Merkmale, auf die ich gerne anspringe. Ich habe sie nur sehr oft als eigenwillig dominant und mitunter kratzig(bürstig) erlebt, so dass eher selten der Wunsch aufkam, einen TT-Duft in meiner Sammlung haben zu wollen.

Doch durch die neuen Düfte der Luna-Collection und durch „Porpora“ (ständiger innerer Kampf, ob ich ihn haben möchte oder nicht) hat sich meine Sichtweise etwas geändert.

„Sirrah“ (Stern im Sternbild Andromeda) kam in meine persönliche Test – Umlaufbahn:
Sofort nach dem Aufsprühen habe ich den Eindruck, knöcheltief in säuerlich-herben Früchten (Quitte / Passionsfrucht) zu stehen. Eigentlich bin ich kein großer Frucht-Duft-Fan, insbesondere dann nicht, wenn sie klebrig-süß erscheinen. Ich schätze aber die säuerlichen Früchte, weil sie mir besonders vital und lebendig erscheinen und damit oftmals für einen angenehmen Frische-Kick sorgen.

Bereits zu diesem Zeitpunkt bin ich davon angetan, was Paolo und Tiziana Terenzi hier erschaffen haben. Das Prädikat „die beiden können Früchte“ ist Ihnen aus meiner Sicht sicher.

Ganz allmählich und langsam „reifen“ die Früchte nach, gewinnen an Fruchtigkeit und verhaltener Süße.

Sehr feine Safran-Fäden und pritzelnder Pfeffer durchwirken die Früchte und sorgen für einen ganz speziellen Twist. Überhaupt scheinen alle Duftbestandteile sehr agil zu sein, purzeln wild durcheinander und halten sich an keine Ordnung. Aber genau das macht diesen Duft so lebendig.

Rose und Amber werfen ihre Vorzüge in den Ring und sorgen für ein feinblumig-ambriertes Klima. Nicht zu viel und nicht zu wenig, sondern auf den Punkt austariert.

Das muss man können und die Terenzis scheinen es zu können.

Aromen aus hellen Hölzern und fluffig weichem Moschus unterfüttern das muntere Treiben.

Noch immer ist keine wirkliche Ordnung in Sicht, alle Mitwirkenden tanzen durcheinander und schaffen es dennoch, eine Einheitlichkeit und Synchronität herzustellen, die dem Duft extrem gut tut.

Und dann gibt es da noch eine spezielle Note, die den gesamten (sehr langen) Duftverlauf über präsent ist. Zunächst habe ich auf helles Oud getippt. Bei meiner Recherche bin ich dann aber darauf gestoßen, dass es wohl dieses spezielle Sauerstoff-Molekül sein muss, das für diesen besonders hellen und leicht schneidenden Duft-Eindruck verantwortlich zeichnet. Wie das geht? Keine Ahnung. Ist aber auch eins, denn es macht einen ziemlich guten Job.

„Sirrah“ ist für mich weit weg von einem klassischen Frucht-Duft. Ich empfinde ihn für eine längere Zeit als eher herb-frisch-säuerlich. Das ändert sich im Duftverlauf, wenn die anderen Duft-Protagonisten hinzukommen und für verhaltene Süße, Blumigkeit und Würzigkeit sorgen. Richtig süß wird „Sirrah“ für mich nicht, wohl aber milder, feiner und mit einer Wohlfühl-Basis ausgestattet.

Mir persönlich gefällt „Sirrah“ am besten, wenn es etwas wärmer ist und der Duft seine erfrischende Seite voll ausspielen kann. Hierfür spricht auch die Sillage, die zwar deutlich wahrnehmbar, aber nicht übertrieben ist. Aus meinen persönlichen Test-Erfahrungen heraus, würde ich ihn als unisex einstufen, da bei mir das Säuerlich-Fruchtige im Vordergrund steht. Aber das kann natürlich bei jedem anders sein.

Wie bei den Terenzis üblich, handelt es sich auch bei „Sirrah“ um ein Extrait de Parfum, das mit 365€ für 100ml einen ambitionierten Preis hat. Ob die wirklich hochwertigen Ingredienzien und der schmucke Flakon das wert sind, muss jeder für sich entscheiden.

Meine eingangs erwähnte Formel werde ich nun allerdings (gerne) ändern…

**********
Hier noch ein Zitat von „AusLiebezumDuft“, das ich sehr schön und treffend für die Luna-Collection finde:

„Das Projekt von Tiziana Terenzi beschäftigt sich mit der „Zukunft der Erinnerungen“. Einer Legende zufolge enden Herzensangelegenheiten, alles Unvollständige und Einsame, auf dem Mond. Hier werden Gedanken, Gefühle, Träume und Tränen, verstrichene Gelegenheiten und unvollendete Taten in kostbaren Ampullen aus Glas aufbewahrt. Tiziana Terenzi hat sich von diesen Bildern für ihre Kollektion exquisiter Extraits de Parfum inspirieren lassen. Indem wir sie über den Geruchssinn wahrnehmen, erlangen wir erneut Besitz des Verloren-Geglaubten. Indem wir sie auf der Haut tragen, erleben wir von Neuem ein Gefühl von Glück und wunderbarem Staunen.
Diese Kollektion ist dem „Wiederentdecken“ gewidmet, dem, was wir scheinbar vergessen haben und dem, was wir nicht vergessen konnten. Tiziana Terenzi geht zurück an die Orte mit ihren lauen Sommernächten unter einem strahlenden Mond und glitzernden Sternen. Mit den Augen eines Kindes betrachtet, erscheinen sie voller Magie und Wunder. Die Erinnerung selbst lässt sie noch zauberhafter erscheinen.“
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ParfumAholic vor 2 Jahren 28
9
Duft
10
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Urlaubs-Impressionen von Calice und Yves
Liebe Calice,
lieber Yves,

vielen Dank für Eure tollen Urlaubs-Impressionen aus dem Orient. Eure wort- und bildgewaltigen Erlebnisse wirkten so real, dass ich das Gefühl hatte, ein Teil Eurer kleinen Reisegruppe zu sein. Auf einem Foto trägst Du einen Kaftan. Sehr ungewohnt, da man Dich ja ansonsten mit High-Fashion und Haute-Couture in Verbindung bringt. Aber es passt zu Deiner Einstellung, dass immer auch die kleinen Details stimmen müssen.

Allein die Beschreibung Eures Hotels (Yves, die beiläufige Erwähnung, dass es ein 5 Sterne Ressort war, wäre nicht nötig gewesen, denn Du wärst nicht Yves, wenn es kein Luxus-Hotel wäre) mit dem herrlichen Duft nach frisch-spritziger, mit ordentlich Pfeffer gespickter Mandarine hat mich schon beeindruckt. Den wohligen Unterschied zwischen der Hitze draußen und der angenehm kühlen Frische innen konnte ich sofort spüren.

Auch die dortigen Märkte müssen ein besonderes Erlebnis gewesen sein. Den Geruch von Gewürzen und Harzen, die in der flirrenden Luft ihr ganz eigenes Aroma entfalteten, hatte ich sofort in der Nase. Erstaunlicherweise sind sie nicht so dominant, wie ich es mir vorgestellt hätte. Nicht brutal würzig-harzig, sondern mehr ein Hauch aus beidem. Sehr belebend und genau richtig dosiert.

Obwohl dies nicht Dein erster Ausflug in den Orient war (ich erinnere nur an die 1970er Jahre, als Du bereits so beeindruckt vom Orient warst, dass Du Opium als Duft lanciert hast), entdeckst Du immer wieder Neues. Calice scheint da wirklich die perfekte Reisebegleitung zu sein, da sie Dein Faible offenbar teilt. Denn wie sonst wäre ihre intensive Zusammenarbeit mit Kilian zu erklären? Natürlich habt Ihr besichtigt, was in der Kürze der Zeit zu besichtigen war. Ich weiß ja, wie inspirierend neue Eindrücke für Dich / Euch sind.

Der alte Sultans-Palast muss es Euch wirklich angetan haben. Dicke Mauern, die im Inneren für fast so etwas wie Eiseskälte sorgen und einen spannenden Kontrast zur Hitze bilden. Bemerkenswert fand ich auch, dass dieser Palast offenbar ohne Pomp auskam, eher nüchtern, bescheiden und fast schon sakral anmutend. Dein Eindruck, dass in dem Gemäuer ein fast klerikaler, kalter Geruch von Weihrauch lag, passt da bestens in’s Bild. Normalerweise schüttelt es mich, da ich diese Art von Weihrauch nicht sonderlich mag, aber in diesem Fall muss es ein besonderer Weihrauch sein. Wer weiß, vielleicht haben die mit Moschus beträufelten Schalen dafür gesorgt, dass der Weihrauch trotz seiner Kälte und Strenge auch etwas Weiches und Harmonisches hat? Aber man muss ja auch nicht jedes Geheimnis lüften. Manchmal liegt der Reiz ja gerade in der Nicht-Entzauberung.

Du hast mich gefragt, wie ich einen Duft beschreiben würde, der das von Euch Erlebte zum Thema hätte. Nun, ich würde sagen, dass er warm und kühl zugleich ist, dabei anmutig und edel, dunkel und hell, hart und weich, präsent und doch zurückhaltend. Aber alles zusammen in einem ausgewogenen und sehr harmonischen Verhältnis. Wie ich ihn nennen würde? Na Kaftan natürlich ;-))

Ich freue mich auf weitere Reiseberichte und -erlebnisse!
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ParfumAholic vor 2 Jahren 31
9
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
8
Flakon

Ich und Tattoos? Niemals!! Oder doch?
Es gibt Duftstoffe, die die reinsten Lockstoffe für mich sind. Iris gehört unbestritten dazu. Besonders schön finde ich, dass sie in Düften sehr facettenreich zum Einsatz kommt, mal außerordentlich kühl („Hiris“ v. Hermès), mal holzig (Bois d’Iris v. van Cleef & Arpels) und dann auch wieder würzig (Iris Nazarena v. Aedes de Venustas). Iris in Verbindung mit Veilchen lassen mich dann vollends im siebten Dufthimmel schweben. Diese Pudrigkeit à la Dior’s Homme oder Terry de Gunzburg’s Ombre Mercure sind für mich echte „Nasen-Catcher“.

Womit ich persönlich weitaus weniger anfangen kann, sind allerdings Tattoos. Erstens bin ich wohl eher nicht der Typ dafür (mir reicht schon vollends die Piekserei beim Zahnarzt oder beim Blutabnehmen) und zweitens habe ich in einigen Urlauben (und / oder an heißen Tagen bei uns) wohl zu viele Tattoos gesehen, die das Prädikat ästhetisch nun wirklich nicht (mehr) verdient haben. Natürlich gibt es auch geglückte Beispiele.

Nun also ein „Iris-Tattoo“ von Parle Moi de Parfum. Hm, komischer Name. Oder ist der Name Programm, weil er das Beste aus beiden Welten verbinden soll? Ich war jedenfalls sehr gespannt. Gerade auch, weil es ja offenbar ein monothematischer Duft sein soll. Würde die Iris (bzw. Irisbutter = Öl der Iriswurzel) „einen ganzen Duft lang durchhalten“ können?

Als der Umschlag aus Frankreich ankam, gab es kein Halten mehr. Sofort habe ich einige Sprühstöße auf meinen Handrücken gegeben. Und da war sie, sofort und unverkennbar in all ihrer Schönheit: die Iris.

Kein sanfter oder gar übersüßer Pudertraum und kein Lippenstift-Akkord, sondern eine tendenziell eher trockene und cremig-feinwürzige Iris. Begleitet wird sie von einem Hauch Amber und Veilchen (oder Lavendel, da bin ich mir nicht sicher).
Diese Iris ist nicht verspielt und frühlingsfrisch, sondern erwachsen mit einer unanstrengenden Ernsthaftigkeit. Eine selbstverständliche Eleganz, die nicht bemüht oder aufgesetzt wirkt, verleiht ihr einen besonderen Charme. Sie erscheint frisch und gehaltvoll, zurückhaltend und präsent zugleich.
Kurzum, diese Iris-Interpretation hat mich im Sturm erobert.

Auch der Test auf „Tragetauglichkeit im Alltag“ verlief nicht anders. Diese Iris ist eine treue Begleiterin, die einfach für Wohlbefinden sorgt. Dabei ist sie, je nach Außen- oder Körpertemperatur, mal mehr und mal weniger präsent, aber immer da. Sie bleibt zwar eher körpernah, ist aber dennoch für das Umfeld wahrnehmbar.

Und nun begreife ich auch, was das mit dem Tattoo im Namen soll. Ein Tattoo geht sprichwörtlich unter die Haut und eben das passiert auch mit diesem Duft. Orris Tattoo legt sich nicht einfach auf die Haut, sondern verschmilzt förmlich mit ihr, um dann nach und nach seine ganz spezielle Duftaura zu entfalten.
Natürlich könnte man jetzt sagen, dass das langweilig sei, denn Orris Tattoo durchlebt keine Entwicklung und kann (und möchte) schon gar nicht mit überraschenden Wendungen aufwarten. Diese Iris ist sich einfach selbst genug und verzichtet auf schmückendes Beiwerk. Und in dieser monothematischen Ruhe liegt für mich gerade der Reiz und das Besondere dieses unaufgeregten und geerdeten Dufts, der aus meiner Sicht absolut unisex, ganzjährig und zu fast allen Gelegenheiten tragbar ist.

Und so wird’s dann doch noch was mit den Tattoos und mir ;-))
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