ParfumAholicParfumAholics Parfumkommentare

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ParfumAholic vor 3 Monaten 45
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Gut und laut gebrüllt Löwe
Die Les Exclusifs-Düfte aus dem Haus Chanel haben es mir - seitdem ich bei Parfumo bin - wirklich angetan. Ich schätze die hohe Qualität und Unaufgeregtheit der Düfte, die für mich klassisch und zeitlos gehalten sind. Ebenso wie die weltberühmten Bouclé-Jacken und die 2.55 Taschen werden sie wohl nie aus der Mode kommen.
Die Düfte sind nie laut oder haben extreme / besondere Ecken und Kanten. Sie scheinen sich wie selbstverständlich in den Chanel-Kosmos einzufügen und das hochnoble Sortiment gekonnt zu ergänzen / abzurunden.

Und so war natürlich klar, dass der neue „Le Lion de Chanel“ direkt einen festen Platz auf meiner Merkliste bekam. Die Beschaffung einer Probe / Abfüllung gestaltete sich allerdings sehr schwierig, da der Duft wohl zunächst nur im Nahen Osten lanciert worden ist. Umso dankbarer war ich einer lieben Parfuma, die mir eine Abfüllung verkauft hat.

Unnötig zu erwähnen, dass ich den Dufttest nicht auf die lange Bank geschoben habe ;-))

Direkt nach dem Aufsprühen macht sich schweres, dunkles und sehr rauchiges Leder breit, das wohl auch ein paar harzige Flecken abbekommen hat. Leder ist zwar in der Duftpyramide nicht gelistet, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass nur das gelistete Labdanum derartig ledrige Eigenschaften haben könnte.
Ich muss gestehen, dass mir dieses sehr opulente Leder-Opening schon fast etwas zu viel ist. Auch mein Gedanke (meine Hoffnung), dass das nur kurz in der Kopfnote so sein wird, sollte sich als falsch erweisen. Ich empfinde dieses Leder als sehr brachial und dominant. Und es mag für mich so gar nicht zu Chanel passen. Derbe Leder-Boots / Leder-Jacken zu dünnen Chanel-Kleidchen oder strengen schwarz-weiß-Looks mögen als Style-Brecher funktionieren, aber dann würde ich mir eher den Geruch von feinem Wildleder vorstellen.
Nach und nach gesellt sich würziges Patchouli hinzu, was den etwas derben Eindruck nur minimal mindert.
Quasi durch die Hintertür schleust Olivier Polge dann noch Vanille ein. Rauchige Vanille, die mich direkt an Shalimar denken lässt. Nicht ganz so wuchtig, wie bei Guerlain‘s Klassiker, aber eine gewisse Verwandtschaft lässt sich nicht abstreiten.
So raucht und dampft es für Stunden um mich herum und ich weiß gar nicht so genau, wie ich das nun finden soll. Eigentlich dachte ich, dass das Thema Leder mit Chanel‘s Cuir de Russie abgefrühstückt sei. Wozu dann diesen Leder-Duft? Und wie ich diesen Gedanken so nachhänge, lässt die Leder-Peitsche merklich nach und das Duftbild wandelt sich in eine warme, fast schon balsamische Basis. Hier ordnet sich das rauchige Leder mehr oder minder brav ein und lässt nun auch der Vanille (die offenbar ihre Rauchigkeit verloren hat) Raum zur Entfaltung. Es wird trotz allem kein Kuschel-Duft, eher ein harmonischer Leder-Duft mit einer weichen und unsüßen Vanille-Basis.
Gerade zum Ende hin mag ich den Chanel-Löwen. Auch wenn der Duft weiterhin eine eher dunklere Aura hat. Dieser Neue von Chanel ist wirklich anders und verlässt die bekannten Chanel-Duft-Pfade bzw. ergänzt diese um neue Facetten. In meine Sammlung einziehen wird der Duft nicht, ich erkenne aber gerne an, dass man mal etwas Neues gewagt hat.
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ParfumAholic vor 4 Monaten 23
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Schönheit und Eleganz
Dieser Kommentar und meine Bewertung des Duftes beziehen sich auf das Eau de Parfum. Da das EdP aber nicht gelistet ist, platziere ich den Kommi hier unter dem Extraît.
Die Marke Henry Jacques war mir bisher, wie wahrscheinlich einigen anderen auch, eigentlich kein wirklicher Begriff. Erst durch die Sharings von Witwe Bolte sollte sich das ändern.
Das Netz gibt nicht wirklich viel über das Traditionshaus her. Man hat dort sehr lange ausschließlich maßgeschneiderte Düfte auf Kunden-Bestellung hergestellt. Das klingt elitär. Ist es wohl auch. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, wäre es ein echter Traum, mir meinen ganz persönlichen Duft kreieren zu lassen. Erst nach und nach hat man sich (zögerlich) dem breiten Publikum geöffnet. Wobei „breites Publikum“ jetzt auch nicht wirklich stimmt, denn die Dependancen sind rar und anscheinend sehr ausgesucht. In Europa sind die Düfte offenbar nur bei Harrod‘s erhältlich. Den Habitus einer privaten und exklusiven Duft-Manufaktur hat man im Hause Henry Jacques zumindest nicht abgelegt. Harrod‘s ruft Preise ab ca. 500€ bis über 2.000€ für die Düfte auf. Das ist eine Ansage. Eine derartige Preispolitik schützt natürlich auch davor, dass die Düfte breitgetreten werden. Bevor ich aber derart tief in die Tasche greifen würde, müsste viel, sehr viel passieren. Aber ich will jetzt auch nicht länger auf den Preisen herum reiten. Das muss jeder für sich individuell einordnen.
Nun aber zum Duft selbst. Blue Vanille ist ein Gesamt-Kunstwerk, das es mir fast unmöglich macht, es in seine Einzelbestandteile zu zerlegen.
Der Duft startet irgendwie „frisch“, wobei ich nicht sagen könnte, welche Duftnoten dafür verantwortlich sein könnten. Es ist keine normale Frische, eher ein heller und freundlicher Eindruck mit einem Hauch Süße. Die in der Pyramide angegebenen „aromatischen Noten“ könnten es sein.
Direkt im Anschluss folgt hellwürziger, feiner Tabak. Der ist gut erkennbar und zudem eine Konstante über den ganzen Duftverlauf.
Trockene, helle Hölzer legen sich unter den Tabak. Sehr fein und subtil.
Ganz fein-rauchige, würzige Vanille und ultrafeiner, sehr heller Moschus legen sich schließlich wie ein Schleier über alle Komponenten, umgarnt und vernetzt sie.
Überhaupt ist Blue Vanille ein dicht verwobener Duft, in dem es keine wirklichen Solisten gibt. Der Duft erscheint mir mehr wie ein Orchester. Man erkennt hier und da einzelne Instrumente, aber das große Ganze ist das Entscheidende.
Blue Vanille ist für mich pure und wie selbstverständliche Eleganz und Schönheit, die allerdings zu keinem Zeitpunkt arrogant oder blasiert wirkt. Hier erscheint nichts aufgesetzt und hier wird auch nichts zur Schau getragen. Der Duft strahlt Souveränität aus, alles Laute und Gewöhnliche ist ihm einfach fremd. Das manifestiert sich auch in der Projektion, die eher mäßig und körpernah ist. Blue Vanille geht eine Symbiose mit dem/der Träger/in ein, schmiegt sich eng an und verleiht ein unglaubliches Geborgenheitsgefühl. In gewisser Weise erscheint Blue Vanille somit ähnlich öffentlichkeitsscheu wie das Haus Henry Jacques selbst.
Der Qualitätsanspruch des Hauses ist klar erkennbar. Hier gibt es nichts von der Stange. Und schon gar nicht würden diese Düfte in ein 08/15 Sortiment einer beliebigen Parfümerie passen. Wohl aber in das einiger deutscher Big Player (Alsterhaus / KaDeWe / Breuninger). Zumal gerade Reisen nach London momentan ja auch eher riskant sind.
Vielleicht hat man bei Henry Jacques ja irgendwann Erbarmen...
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ParfumAholic vor 2 Jahren 26
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Wiederholte Wiederauferstehung – oder Totgesagte leben länger
Ich kann mich noch gut erinnern, wie sehr mich damals „Gucci pour Homme“ gepackt hat. Diese Mischung aus Papyros, deutlichen, aber ach so verführerischen Weihrauch und absoluten Weichzeichnern in der Basis hat mich stehenden Fußes in seinen Bann gezogen. Gucci pour Homme war und wollte nie subtil sein, sondern auf eine elegante Art und Weise coole Sexyness versprühen, die absolut zum damaligen Gucci Kreativ-Direktor Tom Ford passte. Vom Flakon ganz zu schweigen. Dieser schwere Glasklotz mit dem geriffelten Boden war sicherlich kein Handschmeichler, aber dennoch ungemein sexy, eckig, kantig, männlich-markant und überaus edel.

Was für ein Schock, als der Duft eingestellt worden ist. Noch schockierender, dass ich in Unkenntnis davon doch glatt noch einen Flakon verkauft hatte, weil ich mich irgendwie satt gerochen hatte. Aber hinterher ist man ja (fast) immer schlauer.

So begannen dann die Gucci pour Homme – freien Jahre. Hier und da tauchten Flakons in der Bucht auf – zu Mondpreisen, die ich nicht gewillt war zu zahlen. Irgendwann konnte ich dann doch noch einen 30ml Flakon ergattern, den ich seither hüte wie einen Schatz und nur „für gut“ benutze. Wobei das streng genommen Quatsch ist, denn der Duft wird durch’s Herumstehen ja nicht besser….

Doch da scheint es noch jemanden zu geben, den dieser Duft nicht loslässt: Michel Almairac. Schöpfer des Gucci pour Homme, der zudem noch Bentley for Men Absolute und Papyrus Oud aus der Duft-Wiege gehoben hat. Das nenne ich mal eine echte Passion, wenn ein Parfümeur nicht von (s)einem Duft ablassen möchte.

Auf Bentley for Men Absolute wäre ich ohne Parfumo nie gekommen. Ich habe den Duft auch noch nirgendwo bewusst wahrgenommen. Für mich ein perfekter Nachbau des Originals mit einer traumschönen Basis.

Und nun also Papyrus Oud, der eigentlich das Original Gucci pour Homme hätte werden sollen, hätte Tom Ford keine Änderungen gewünscht. Streng genommen wäre dann also Papyrus Oud das Original Gucci pour Homme :-o

Alle drei Düfte beinhalten Weihrauch und Papyros und erzeugen somit dieses absolute und unverkennbare Gucci pour Homme–Feeling. Die weitere Ausgestaltung verläuft dann etwas anders, aber die Grund-DNA bleibt immer erkennbar.

Papyrus Oud will bei mir aber zu keiner Zeit und Stunde weich oder gar kuschelig werden. Es verbleibt im namensgebenden Rahmen. Nicht harsch oder gar kratzig, ich würde es eher als nüchtern, straight und etwas distanziert beschreiben wollen. Diese sinnliche Wärme des GpH sucht man hier vergebens.

Gucci und Bentley schaffen den Sprung zur Sexyness wahrscheinlich gerade, weil beide eine Brücke zwischen Weihrauch und Papyrus einerseits und Weichzeichnern wie Sandelholz, Tonka und Vanille andererseits schlagen.
Da genau das bei Papyrus Oud nicht (oder nur im geringsten Moschus-Maß) passiert, hebt sich Papyrus Oud deutlich von den anderen beiden Düften ab.

Ich finde alle drei Düfte sehr gelungen und würde auch jeden tragen, meine persönliche Rangfolge lautet jedoch ganz klar:
Platz 1: Gucci pour Homme
Platz 2: Bentley for Men Absolute
Platz 3: Papyrus Oud

Wer das alte Gucci pour Homme mag (und auf der Suche nach einer wertigen Alternative ist), dem seien die beiden Nachbauten auf jeden Fall empfohlen.

Merci Monsieur Almairac!
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ParfumAholic vor 2 Jahren 34
10
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
10
Flakon

Duft-Weltkulturerbe? Duft-Weltkulturerbe! (oder: Wahre Schönheit ist unvergänglich!)
Wer mich ein wenig kennt, der weiß, dass ich dem Hause Guerlain sehr zugetan bin. Schaffen es die Düfte der Neuzeit auch nicht immer, mich zu begeistern, so sind es gerade die alten Klassiker, die mich mehr und mehr in ihren Bann ziehen.
Zu Anfang meiner Parfumo-Zeit fand ich viele solcher Düfte einfach nur alt(modisch) und nicht gerade reizvoll. Doch das hat sich grundlegend geändert. Zum Glück. Je intensiver ich mich mit Düften beschäftigt habe, desto mehr taten sich – gerade bei den Klassikern – ungeahnte Duftwelten auf. Wahrscheinlich braucht es einfach seine Zeit, bis man da hineinwächst. Der „Parfumo-Bildungsaufrag“ war also ein Erfolg ;-))

Vor einigen Tagen ist mir zufällig die unscheinbare Probe des Jicky Extraits in die Hände gefallen. Das EdT und EdP kenne und schätze ich sehr, insofern war der Test des Extraits nur eine logische Fortführung dieser Reihe.

Das Extrait startet direkt mit der Lavendel-Peitsche, die bei jedem Schwung ein paar zitrische Sprenkler mit sich führt. Diesen Auftakt muss man bzw. ich einfach mal ertragen. Wahrscheinlich ist dieses Opening auch dem Entstehungsjahr geschuldet.

Direkt dabei ist auch das Tier. Zunächst alles andere als ein schnurrendes Kätzchen, eher eine fauchende Großkatze. Aber dennoch wohlerzogen. Sie weiß sich zu benehmen und mit ihrer Kraft umzugehen.

Nach diesem sehr fulminanten Start wird der Duft zusehends ruhiger und sanfter ohne dabei allerdings langweilig oder gar beliebig zu werden.

Zarte Rose und blühender Jasmin werden von der etwas bitteren Iriswurzel gut ergänzt, um ein Abdriften in eine allzu gängige Blümeligkeit zu vermeiden.

Das Tier ist nach wie vor vorhanden und begibt sich langsam in den Schnurr-Modus.

Je weiter der Duftverlauf (dieser Duft verdient den Begriff dann auch wirklich mal völlig zu Recht) in Richtung Basis voran schreitet, desto balsamischer, weicher und runder wird er.
Kein Gedanke mehr an den kratzbürstigen Lavendel (allenfalls noch als eine Ahnung), dafür nun super softe Guerlinade, weiches Leider, feine Gewürze und leicht harzig-bernsteinfarbener Amber. Und unter allem liegt das nun sanft schnurrende Kätzchen.

Jicky – was für Schönheit und was für ein Hochgenuss! Es ist fast unglaublich, dass dieser Duft schon derartig alt ist und trotzdem nicht altmodisch wirkt. Eine zeit- und alterslose Schönheit, die schlichtweg überzeugt. Und dafür keine Kapriolen schlagen muss. Jicky hat eine immense Kraft ohne dabei laut zu sein. Jicky berührt Herz und Seele, ist gleichsam tröstend, fordernd und umhüllend. Jicky ist die pure Verführung ohne anzüglich zu sein. Jicky ist….so Vieles mehr und eigentlich nicht zu beschreiben. Ein Duft, der erlebt werden muss.

Jicky – ein Duft für Frauen UND Männer, die den Spagat zwischen Gestern und Heute erleben möchten.

Danke Guerlain!
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ParfumAholic vor 3 Jahren 18
8.5
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Die Magie der Sterne
Wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen, dass für mich bislang die Formel

Tiziana Terenzi-Düfte + ich = nicht kompatibel

galt.

Nein, das liegt gewiss nicht daran, dass die Düfte schlecht gemacht sind. Ganz im Gegenteil empfinde ich sie stets als sehr hochwertig und in mancherlei Hinsicht auch als unique. Sie haften allesamt sehr lange und sind in der Regel auch mit einer deutlichen Projektion ausgestattet. Eigentlich alles Merkmale, auf die ich gerne anspringe. Ich habe sie nur sehr oft als eigenwillig dominant und mitunter kratzig(bürstig) erlebt, so dass eher selten der Wunsch aufkam, einen TT-Duft in meiner Sammlung haben zu wollen.

Doch durch die neuen Düfte der Luna-Collection und durch „Porpora“ (ständiger innerer Kampf, ob ich ihn haben möchte oder nicht) hat sich meine Sichtweise etwas geändert.

„Sirrah“ (Stern im Sternbild Andromeda) kam in meine persönliche Test – Umlaufbahn:
Sofort nach dem Aufsprühen habe ich den Eindruck, knöcheltief in säuerlich-herben Früchten (Quitte / Passionsfrucht) zu stehen. Eigentlich bin ich kein großer Frucht-Duft-Fan, insbesondere dann nicht, wenn sie klebrig-süß erscheinen. Ich schätze aber die säuerlichen Früchte, weil sie mir besonders vital und lebendig erscheinen und damit oftmals für einen angenehmen Frische-Kick sorgen.

Bereits zu diesem Zeitpunkt bin ich davon angetan, was Paolo und Tiziana Terenzi hier erschaffen haben. Das Prädikat „die beiden können Früchte“ ist Ihnen aus meiner Sicht sicher.

Ganz allmählich und langsam „reifen“ die Früchte nach, gewinnen an Fruchtigkeit und verhaltener Süße.

Sehr feine Safran-Fäden und pritzelnder Pfeffer durchwirken die Früchte und sorgen für einen ganz speziellen Twist. Überhaupt scheinen alle Duftbestandteile sehr agil zu sein, purzeln wild durcheinander und halten sich an keine Ordnung. Aber genau das macht diesen Duft so lebendig.

Rose und Amber werfen ihre Vorzüge in den Ring und sorgen für ein feinblumig-ambriertes Klima. Nicht zu viel und nicht zu wenig, sondern auf den Punkt austariert.

Das muss man können und die Terenzis scheinen es zu können.

Aromen aus hellen Hölzern und fluffig weichem Moschus unterfüttern das muntere Treiben.

Noch immer ist keine wirkliche Ordnung in Sicht, alle Mitwirkenden tanzen durcheinander und schaffen es dennoch, eine Einheitlichkeit und Synchronität herzustellen, die dem Duft extrem gut tut.

Und dann gibt es da noch eine spezielle Note, die den gesamten (sehr langen) Duftverlauf über präsent ist. Zunächst habe ich auf helles Oud getippt. Bei meiner Recherche bin ich dann aber darauf gestoßen, dass es wohl dieses spezielle Sauerstoff-Molekül sein muss, das für diesen besonders hellen und leicht schneidenden Duft-Eindruck verantwortlich zeichnet. Wie das geht? Keine Ahnung. Ist aber auch eins, denn es macht einen ziemlich guten Job.

„Sirrah“ ist für mich weit weg von einem klassischen Frucht-Duft. Ich empfinde ihn für eine längere Zeit als eher herb-frisch-säuerlich. Das ändert sich im Duftverlauf, wenn die anderen Duft-Protagonisten hinzukommen und für verhaltene Süße, Blumigkeit und Würzigkeit sorgen. Richtig süß wird „Sirrah“ für mich nicht, wohl aber milder, feiner und mit einer Wohlfühl-Basis ausgestattet.

Mir persönlich gefällt „Sirrah“ am besten, wenn es etwas wärmer ist und der Duft seine erfrischende Seite voll ausspielen kann. Hierfür spricht auch die Sillage, die zwar deutlich wahrnehmbar, aber nicht übertrieben ist. Aus meinen persönlichen Test-Erfahrungen heraus, würde ich ihn als unisex einstufen, da bei mir das Säuerlich-Fruchtige im Vordergrund steht. Aber das kann natürlich bei jedem anders sein.

Wie bei den Terenzis üblich, handelt es sich auch bei „Sirrah“ um ein Extrait de Parfum, das mit 365€ für 100ml einen ambitionierten Preis hat. Ob die wirklich hochwertigen Ingredienzien und der schmucke Flakon das wert sind, muss jeder für sich entscheiden.

Meine eingangs erwähnte Formel werde ich nun allerdings (gerne) ändern…

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Hier noch ein Zitat von „AusLiebezumDuft“, das ich sehr schön und treffend für die Luna-Collection finde:

„Das Projekt von Tiziana Terenzi beschäftigt sich mit der „Zukunft der Erinnerungen“. Einer Legende zufolge enden Herzensangelegenheiten, alles Unvollständige und Einsame, auf dem Mond. Hier werden Gedanken, Gefühle, Träume und Tränen, verstrichene Gelegenheiten und unvollendete Taten in kostbaren Ampullen aus Glas aufbewahrt. Tiziana Terenzi hat sich von diesen Bildern für ihre Kollektion exquisiter Extraits de Parfum inspirieren lassen. Indem wir sie über den Geruchssinn wahrnehmen, erlangen wir erneut Besitz des Verloren-Geglaubten. Indem wir sie auf der Haut tragen, erleben wir von Neuem ein Gefühl von Glück und wunderbarem Staunen.
Diese Kollektion ist dem „Wiederentdecken“ gewidmet, dem, was wir scheinbar vergessen haben und dem, was wir nicht vergessen konnten. Tiziana Terenzi geht zurück an die Orte mit ihren lauen Sommernächten unter einem strahlenden Mond und glitzernden Sternen. Mit den Augen eines Kindes betrachtet, erscheinen sie voller Magie und Wunder. Die Erinnerung selbst lässt sie noch zauberhafter erscheinen.“
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