PlutoPlutos Parfumkommentare

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21.01.2020 09:47 Uhr
26 Auszeichnungen
Unter einer Waldfee hab ich mir als kleines Mädchen eine schwebende Lichtgestalt vorgestellt, eine eher androgyn anmutende Frau mit zarter Figur, langen rötlichen Haaren und grünen Augen, gekleidet in wallender, hellgelber Seide und betörend duftend nach einer taubenetzten Blumenwiese und würzigen Kräutern.

Mit dem Auftragen von Couture erscheint mir die Waldfee aus meiner Kindheit. Der Duft startet intensivst grün und leicht bitter, Galbanum sollte man zugetan sein. Iris, Rose und Mimose vereinen sich zu einem Strauß mit leicht krautiger Würze und Ambrettesamen gibt diese wunderbare herbe und pfeffrige Note. Die Iris pudert hier nicht, sie cremt eher, tritt ohne Möhrennote auf und ist die Blume, die ich am stärksten wahrnehme. Der Duft legt sich schwebend um mich, spielt mit mir, verschwindet kurz, kommt wieder… In der ersten Zeit des Tragens fand ich die Sillage daher eher schwach, aber das täuscht, bitte nicht überdosieren.

Couture ist ein grüner Florale, elegant, distanziert, kühl und duftet teuer. Herr Pluto bemerkte mal, ich sähe heute so aus, als wäre ich vermögend, (Jeans, Lederjacke, weiße Bluse, schlichte Perlstecker, Sneakers) das lag wohl mehr am Duft, also besser nicht tragen, wenn ihr um Rabatt bittet. :o).

Den Duft würde ich unisex einstufen, die Haltbarkeit ist mittel bis gut, von Frühling bis Herbst entwickelt Couture sich am besten. Und zweifellos hat Couture Chypretendenzen, das wird hier einige ansprechen.


13.01.2020 10:18 Uhr
34 Auszeichnungen
Bevor ich zu Nuits komme, muss ich kurz den Düften von Scherrer Respekt zollen. Scherrer, der Klassiker von 1979, ist ein grünwürziger, frischer Chypre, den ich schon seit vielen Jahren liebe und immer wieder gerne trage. Jahre später lernte ich Scherrer 2 kennen, ein honigsüßer Florientale, den ich trotz der Süße mag, aber sparsam auflegte, der vor allen Dingen Herrn Pluto gut gefällt (deshalb zog er kürzlich wieder ein). Dann kam One Love, ein kühler, eleganter Chypre, den ich sehr schätze und der einen etwas unnahbar wirken lässt, im Job schon mal nötig. Und nun, Dank an MissKitty, Nuits de Scherrer, der mich betört…. Und eigentlich, wie auch Scherrer 2, eher etwas für dunkle, kalte Winterabende ist.

Trotzdem trag ich heute Nuits de Scherrer, tagsüber und im Büro, er hat sowas Tröstliches, hilft über den Winterblues hinweg und lässt Graupelschauer vergessen, ist warm und weich.

Nuits startet fruchtig mit Pfirsich und zitrischen Noten, nur leicht säuerlich. Schnell gesellen sich Heliotrop und Flieder hinzu, vereinen sich zu einer floralen Mandelcreme. Benzoe gibt diesen orientalischharzigen, leicht süßlichen Ton, Sandelholz dunkelt erdig ab, der Zibet ist nur ganz dezent eingesetzt. Andernfalls hätte Herr Pluto schon das böse Worte Katzenpisse benutzt, da ist er sehr empfindlich. Die Tonkabohne in der Basis spendet das süßbittere Amaretto Aroma. All diese Zutaten zusammen vereinen sich zu einem cremigen, weichen Florientalen, der bezaubert. Glaubt es mir, selbst der ständig schlecht gelaunte, muffelige Kurierfahrer bekam im Lift heute mal die Zähne auseinander und erwiderte meinen Gruß, beinah war ein Lächeln zu erkennen.

Sillage und Haltbarkeit liegen im mittleren bis guten Bereich, der geriffelte, schmale Glasflakon ist formschön und liegt gut in der Hand. Die tragbare Jahreszeit ist Herbst bis Frühling, den Hochsommer schließe ich aus, aber wer möchte… Und die Zielgruppe ist eindeutig weiblich.


03.12.2019 20:20 Uhr
37 Auszeichnungen
Die Marke Weil war mir schon als junges Mädchen ein Begriff. Der Vater einer Freundin aus Kindheitstagen reiste jobmäßig viel durch Europa, am liebsten nach Paris. Dort hatte er Kontakte zu Vertretern von Chanel, Dior und Weil. Oder besser gesagt, auch Verhältnisse, vorzugsweise mit jungen Blondinen. Seine Frau, eine brünette, rassige Schönheit und ebenfalls seine beiden Töchter (auch rassig und brünett) bekamen immer zu hören wie „engelsgleich“ und „wundervoll“ Blondinen wären. Seine Frau starb früh, trank zu viel, schaffte die Trennung leider zu spät. Ach, sprechen wir nicht über die traurigen Familienverhältnisse, wo ist schon alles golden. Von seinen Parisreisen brachte er Tüten voll mit Make-up und Düften der angesagten Modehäuser mit. Und da ich so etwas wie eine dritte Tochter war (trotz brünetter Haarfarbe..) und bei ihnen ein- und ausging  bekam ich von diesen Wundertüten auch immer etwas ab. Vorzugsweise zu Weihnachten, dann verschenkte er gerne und großzügig Pröbchen (kost ja nix, bekam er ja geschenkt, denn sparsam war er auch...-... vor allem an der Familie..)
 
Nach Duftklassikern wie Chunga, Antilope, Zibeline und Weil de Weil blieb es duftmäßig ein wenig still im Hause Weil. Ich hatte sie schon gar nicht mehr auf dem Schirm, als plötzlich die Essence Düfte auftauchten. Die Flakons nicht mehr klassisch elegant und mit altmodischem Charme, sondern rund, bunt und modern, nicht hässlich, aber ich hätte sie vom Erscheinungsbild nicht unbedingt dem Hause Weil zugeordnet. Die Essence Düfte scheinen auf eine jüngere Klientel abzuzielen, sind zeitgemäß und die Preise zivil. Ehrlich gesagt, mein Interesse war nicht geweckt. Aber ich bekam ein Pröbchen von Suki Essence. 

Suki startet bei mir nur mit einem Hauch Zitrus, direkt gefolgt von fruchtigen Noten, die Pflaume ist gut wahrnehmbar, serviert mit einer Ladung trockenen Zimt. Amber und Labdanum steuern die harzige Note bei, Vanille süßt nur leicht, Holz erdet und dunkelt ab. Suki ist trocken pudrig, erinnert mich an Haferflocken – keine Ahnung, warum ich bei manchen Düften diese Note wahrnehme, es spielt auch keine Rolle, denn mir gefällt das. Weihrauch ist nur ganz zart vertreten und die Rose nehme ich nicht wahr. Ich finde den Duft recht linear, weil alle Zutaten sich rasch und harmonisch miteinander vereinen. Suki ist weich und gleichzeitig etwas ernsthaft. Und obwohl er so gar nicht in mein Beuteschema passt, mag ich ihn und trag ihn bei den jetzigen Temperaturen gerne. Die Süße ist moderat und  nicht klebrig, Sillage und Haltbarkeit bewegen sich im guten bis mittleren Bereich. Der gelbe Flakon ist fröhlich und gut zu händeln, ich hätte für den Duft aber eher einen bronzefarbenen Flakon gewählt, gelb suggeriert bei mir Zitrus, Sonne, Sommer, das ist nicht Suki (für mich). Rundum ein gelungener Duft, den man aber nicht an den Klassikern des Hauses Weil messen sollte.

Liebe Frau P. aus L., nochmals danke für dein großzügiges Duftgeschenk. :o) 

Und an dieser Stelle wünsch ich euch allen eine besinnliche Adventszeit, tief durchatmen, nicht stressen lassen, innehalten, weniger ist mehr - hoffentlich beherzige ich das auch ;o)


29.11.2019 09:24 Uhr
33 Auszeichnungen
Angua: Sonnigzitrisch, frisch und leichte Minze, fein. Minze? Ist doch gar nicht drin….Eau D’Ikar, Terre D’Iris..

Das waren meine Notizen zu London 1969 im Sommer 2019. Die liebe Frau A. aus B. hatte mir mal wieder ein tolles Duftpäckchen geschickt. Und ich halte hier fest, ich vermisse ihre fachkundigen Kommis, ihre ausführlichen Recherchen zu Düften und das Bekanntmachen von Duftmarken, von denen ich im Leben ohne sie nie etwas gehört hätte. Dafür an dieser Stelle noch einmal ein großes DANKE an das Trüffelschwein unter den Parfumos (und dies ist nicht despektierlich, sondern durchaus liebevoll gemeint).

Die Abfüllung London 4169 liegt in einer Schachtel, die, hätte sie eine Aufschrift, heißt: „Nochmals testen, lohnt sich, aufbrauchen, kaufen?“ Der Duft startet mit würziger Zitrone, frisch und authentisch, nicht sauer die Nase rümpfend. Gleichzeitig steigt eine harzige, leicht süßlich krautige Note auf und etwas wie Minze meine ich zu erkennen. Zum Herz finden sich holzige Noten ein und Moschus ist auch schon zu erkennen. Hm, Weihrauch ? Wirklich? Vielleicht ganz in der Ferne, dafür ist Patch wahrnehmbar, aber recht dezent. Zusammenfassend finde ich diesen Duft sehr gelungen, tragbar für Männlein und Weiblein. Am schönsten kommt London 1969 auf warmer Haut zur Geltung, also würd ich ihn bevorzugt im Sommer tragen. Haltbarkeit und Sillage sind im mittleren Bereich, den Flakon kenn ich nur vom Foto, daher keine Bewertung. (Wie oft fand ich einen Flakon auf dem Foto wunderbar und teuer aussehend – und in Wahrheit… Plastik, Klebstoff, huch, die Verzierung ist wech.. – danke an dieser Stelle an die Fotokünstler, die eine „Flakon Illusion“ schaffen).

Wer Terre D’Iris oder Eau D’Ikar mag, wird diesen 4160 Duft bestimmt auch mögen.

Liebe Frau A. aus B. vielleicht schaust du ab und an hier rein: Deine Duftproben haben mich oft berührt und einige Düfte mein Herz erobert, wie Lost Paradise, Erbe Alpine und Mon Ame, auf letzteren spar ich noch. Oder schüttel Herrn Pluto.


29.10.2019 07:39 Uhr
40 Auszeichnungen
Kürzlich war ich mit Freunden im Theater an der Kö, unsere Plätze waren außen, was bedeutet, dass man einige Male aufstehen muss, um andere Besucher durchzulassen, der geübte Theaterbesucher kennt das. Ein älteres Pärchen streifte recht eng an mir vorbei, der alte Herr ging vorneweg, lächelte mich dankend an, seine Frau folgte hinterher und mich traf plötzlich eine Dunstwolke aus Urin und ranzigem Fett. Ich lächelte freundlich zurück, atmete durch den Mund und hoffte, sie hätten die Plätze weiter in der Mitte. Nein, sie saßen direkt neben mir. Und in diesem Moment ärgerte ich mich, dass ich L’Amour – mit Rücksicht auf andere Besucher und der Enge - so sparsam verwendet hatte. Nach der Pause tauschte Herr Pluto den Platz mit mir (dafür bin ich ihm immer noch dankbar, der Gute), seine Nase ist nicht so empfindlich, aber in diesem Fall nahm seine Nase auch so einiges Unschönes wahr. Ist schon gut, ich widme mich nun lieber den schönen Dingen des Lebens, L’Amour.

L’Amour startet zitrisch, Bergamotte und Neroli lassen grüßen, recht rasch gesellt sich eine seidige Rose dazu. Diese bringt zarte Seifentöne mit sich, auch einen Hauch von Grün. Die gelistete Tuberose verhält sich brav, ich rieche sie nicht und bin nicht böse drum. Die Gardenie verbreitet nur eben Süße, Moschus und Sandelholz geben diesem Blumenduft in der Basis einen adretten, cremigen Twist.

Zusammenfassend ist L’Amour der Frühling in Flaschen, ein frischer Florale, der einfach gute Laune macht und auch sportliche Eleganz verbreitet. Ein grundsolider, sympathischer Duft, der in der Klasse von Un Air de First spielt. Und mir sogar besser als letzterer gefällt, weil er ein wenig kantiger ist, nicht so gefällig. Die Sillage ist mittel, die Haltbarkeit erstaunlich gut. Der Glasflakon schaut schön und wertig aus (ist ja auch Lalique), ist allerdings bei 100 ml mit einer Hand schwer zu händeln. Preis/Leistung ist hier wirklich topp.

Und Komplimente bekam ich für L’Amour auch schon einige, allerdings nicht im Theater. Da dachte ich immer nur, wenn sich jemand umdrehte, ich bin’s nicht, ich bin’s nicht..

Abschließend noch eins, "Stinker" gibt es in jeder Altersklasse.


26.09.2019 07:37 Uhr
24 Auszeichnungen
Gestern hatte ich kurz einen Kommi zum Duft veröffentlicht, im festen Glauben, dieser Duft hier wäre ein Rasasi... ist er nicht, ich hab gepennt, aber beim Testen hätte ich geschworen, es kann nur ein Rasasi sein. Danke nochmal an Euer Majestät Kleopatra :o) *Hofknicks*

Meine Gedanken zum Duft sind zu zahlreich für ein Statement, daher gibt es einen kleinen Kommi zu Wisal Dhahab.

Die Duftschilderungen von Profuma und Minigolf sprachen mich sehr an und nun hatte ich die Gelegenheit, mit Minigolf einen Dufttausch zu wagen. Likörig, Obstplantage, das klang so wunderbar für mich. Aber nein, wieder kein Orientale für mich. Die Kopfnote wird mir komplett unterschlagen, kein Fusel, keine Früchte. Nur Rosengeranie, metallisch und kühl. Dieses kühle und spröde Metall, wie ich es schon in einigen Düften von Rasasi wahrnahm, Busaini und Oud al Mubakhar von Rasasi zum Beispiel. Und nicht mochte. Eine Art „Rasasinade“, die mich nun auch mit einem Ajmal verfolgt? Nun, da bleib ich doch lieber bei der Guerlainade oder der Chanel DNA. Wisal Dhahab hält lange, ändert sich auf meiner Haut allerdings kaum. Zur Rosengeranie gesellt sich nach einer Weile ein Klafter Holz, begleitet von einer zarten Gummiabriebnote und Patchouli. So klingt der Duft nach vielen Stunden aus.

Der Duft ist elegant, aber mir einfach zu kalt, zu widerborstig, er berührt mich nicht. Das irritiert mich ein wenig, weil ich doch zur herben Duftfraktion gehöre. Aber irgendwas packt mich nicht. Haltbarkeit und Sillage von Wisal Dhahab sind sehr gut, ich könnte ihn mir den Duft besser am Mann vorstellen, aber Herr Pluto mag den schon vom Schnuppern an mir nicht. Hm, vielleicht könnte ich ihn mal so im Vorbeigehen kurz ansprühen, ach besser nicht, das gibt nur Ärger. Und über den Flakon leg ich den Mantel des Schweigens....

Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall...


18.09.2019 09:02 Uhr
36 Auszeichnungen
Wer schon mal Kommis (Succus, Champs-Élysées) von mir liest, hat vielleicht mitbekommen, dass unsere Familie Spitznamen liebt. Herr Pluto und ich können uns mit Spitznamen blind verständigen, kein Außenstehender weiß, wen wir meinen. Da gibt es Schnipp-Schnapp, Schöner Rasenpeter, Lobster, der Schlafwarme, Bonsai 3 und einige mehr. Und es gibt Düfte z. B. Diemitdemwolftanzt für Azzaro Pour Elle Extreme (geliebt von Terrier Lucky), Bumbumhierbinich für Private Collection und jetzt gibt es noch Paulahandzahm für Selection Women. Die zickige Paula (Katze meiner Schwester) mit der niemand – außer meiner Schwester – alleine im Raum sein möchte (sie greift gerne unvermittelt an, wenn der Besuch ihr zu lange dauert und ich habe tatsächlich etwas Angst vor ihr) mag diesen Duft, ja, sie liebt ihn.

Ich las die vielversprechenden Kommis von JetonToni und FrauLohse und habe mir Selection beim nächsten Drogeriebesuch ohne Test gekauft. Selection startet nur eben zitrisch mit einer leichten Fruchtnote und duftet nach wenigen Minuten wie eine hochwertige Körperbutter. Für mich ist dieser Duft eher Cremepuder denn Parfüm. Man fühlt sich nicht parfümiert, sondern schlicht sauber und gepflegt. Florale Noten nehm ich nur schwach wahr, identifizieren könnte ich sie nicht. Im Großen und Ganzen überwiegt bei Selection der cremige Moschus, der in einer zartholzigen Basis endet. Der Duft ist angenehm, belästigt keinen und fällt nur beim Nahekommen auf. Und das übrigens auf höchst angenehme Weise. Kurzum ein idealer Alltagsduft für Büro und Freizeit.

Die Haltbarkeit ist gut, die Sillage verhalten und ich könnte ihn mir tatsächlich auch an androgynen Männern gut vorstellen, also nicht am Holzfäller, da will ich Black Masculin. Der weiße Flakon ist bei 30 ml gut zu händeln, formschön wie ich finde und man kann den Füllstand durch den durchsichtigen Streifen in der Mitte gut erkennen. 30 ml für 10,95 €.....

P. S. Paulahandzahm hat mich mit Selection mehr als 2 Stunden ertragen, ohne mich zu kratzen. Im Gegenteil, ihre Barthaare haben ekstatisch gezittert beim Schnuppern an meinem Handgelenk. Und Lobster arbeitet übrigens an der Fischtheke, das hab ihr geahnt, nicht? :o)


29.08.2019 08:14 Uhr
48 Auszeichnungen
ich habe mehr als 20 Jahre nicht an Röschen gedacht, aber mit dem Duft von Champs-Élysée steht sie wieder vor mir, stutzt ihre Rosen, schneidet Flieder und spricht mit mir über das Gartentörchen. Ich weiß nicht, ob sie Parfum trug oder ob ihr Garten so verführerisch duftete, aber mit diesem Guerlain erscheint sie aus der Vergangenheit.

Röschen Kummerfeld wohnte in einem winzigen, verwinkelten alten Häuschen, das zwischen Mehrparteien Mietshäusern aus den 70er Jahren stand. Der kleine, aber verwunschen schöne Garten vor dem Haus war herrlich zugewachsen, so dass man nur ab Herbst etwas mehr vom Haus sehen konnte. Schräg gegenüber wohnte meine Schwester im Parterre. Röschen Kummerfeld war eine zierliche Frau, hatte ihre blonden Haare immer zum Chignon gesteckt, war nie geschminkt und trug Baumwollkleider im Landhausstil. Sie war schön, eher apart, das sah man nur, wenn man ihr einen zweiten Blick gönnte, ihr Alter war schwer zu schätzen. Ich mochte sie, obschon ich sie kaum kannte. Sie winkte meiner Schwester nachbarschaftlich zu und auch ich wurde mit einem freundlichen Nicken gegrüßt, wenn ich zu Besuch kam. Aber sie hatte etwas an sich, dass sie schwermütig wirken ließ. Aus diesem Grund taufte meine Schwester sie Röschen Kummerfeld, denn ihren Namen wussten wir nicht und haben ihn auch nie erfahren.

Champs-Élysées startet bei mir direkt mit Flieder, jeder Menge. Und mit einem sommerlichen Früchtekorb, Pfirsich ist gut wahrnehmbar. Aber die Früchte unterliegen allmählich der Kraft der Blumen, Flieder, Rose, ganz zart ein Maiglöckchen, Honig süßt angenehm, Anis gibt feine Würze. Letztere Zutaten sind der Mimose, wohl aus Konzentrat geschuldet. Mimose duftet eigentlich nicht, zumindest die gelbe nicht, die wir hier kennen. Mein Vater hat gerne Mimosen in Blumenbuketts verarbeitet, sie dufteten nicht, aber sie waren schön anzuschauen. Diesen wunderbaren Blütenzauber versprüht Champs-Élysées einige Zeit, dann kommt eine angenehme Seifennote hinzu und ein Hauch Vanille.

Champs-Élysées ist ein frischer Florale mit angenehmer Süße, sehr guter Haltbarkeit und die Sillage ist nicht zu unterschätzen. Ein Duft, der im Frühling und Sommer am schönsten zur Geltung kommt. Und ich finde, er ist den Weibsleuten vorbehalten. So was Hübsches wird nicht geteilt. Eingezogen bei mir ist er schon, endlich wieder ein Duft, der mich berührt.

Und heute Abend ruf ich meine Schwester an und frage, was damals aus Röschen geworden ist. Das Haus gibt es leider schon lange nicht mehr.


03.06.2019 11:32 Uhr
30 Auszeichnungen
Die Yves Rocher Düfte sind lange an mir vorbeigegangen. Um die Weihnachtszeit stöbere ich dort schon mal gerne und kaufe Handcreme, Body Lotion, Duschgel etc. zum Verschenken an liebe Menschen. Und ich weiß, dass ich vereinzelt Düfte aufgesprüht habe, die mich allerdings nie zum Kauf bewegt haben. Nee, nicht wahr, Transat hab ich mal für Herrn Pluto gekauft, ein Aquate, den ich ganz gern mochte, diese Richtung ist hier im Forum nicht so angesagt. Und nun hab ich direkt zwei YR in meiner Sammlung, das alte Chèvrefeuille und dieses hier, Comme une Evidence L'Eau de Parfum. Letzteres hab ich vor Jahren im YR Shop aufgesprüht, puh, es kratzte und biss mich, eine störrische, widerborstige Rose…

Dann lange Zeit später noch ein Test, ich registrierte, dass Annick Ménardo die Parfumeurin ist, 67, Jaipur Homme und Au Masculin sind auch von ihr. Und da ich diese Düfte mag, gab es eine weitere Chance als ich am YR Shop vorbeikam. Kurzum, plötzlich gefällt mir Comme une Evidence. Der Duft startet grünfruchtig und leicht bitter mit Petitgrain, der Auftakt ist eher grün als zitrisch, nur leicht sauer. Es geht weiter mit Rosen, diesmal taubenetzt frisch und gar nicht garstig, das Maiglöckchen bimmelt zart. Und ich habe, wie Irini, auch Flieder in der Nase – obschon laut Duftpyramide nicht enthalten. Eine leichte Seifennote gibt einen adretten Touch, selbst wenn man mit den Stöckeln im erhitzten Asphalt stecken bleibt, mit Comme une Evidence L'Eau fühlt die Dame von Welt sich sauber und gepflegt. Patch und Moos bilden die Basis, ja, der Duft ist ein Chypre der leichten Art. Und er ist auch Frühling pur, die Blumen blühen und duften, es grünt, wird wärmer, die Laune steigt, man fühlt sich unbeschwert.

Der Glasflakon ist schlicht und gut zu händeln, mir gefällt er. Die Sillage ist dezent und die Haltbarkeit beträgt an mir ca. 4 - 5 Stunden. Bei dem günstigen Preis wird mittags nachgelegt. Und wenn man um 6:30 Uhr, montags!!, durchs Sommergewitter muss, klatschnass, mit quietschenden Schuhen und mieser Laune im Aufzug steht und die Kollegin bemerkt, .... oh, du duftest aber lecker heute, man meint, draußen wäre Sonnenschein... dann startet die Woche doch nicht sooo schlecht.


08.05.2019 08:51 Uhr
32 Auszeichnungen
Rosuerrier sprühte ich ganz unbefangen auf, nicht ahnend was mich erwartete. Zunächst las ich Rosterrier auf dem Pröbchen und vor meinen Augen sah ich etwas Nettes wie einen Lakeland Terrier. Nun, der Duft riecht tatsächlich wie nasser Hund, nein, nicht ganz, sondern schweißig. Aber leider hat Rosuerrier nicht diese menschelnde, salzige und erotische Schweißnote wie z. B. in Reveal von CK, die ich manchmal ganz gerne mag. Zum Schweiß kristallisiert sich eine grüne Rose heraus, mit Gewürzkräutern und Weihrauch unterlegt. Dieser Duft irritiert mich ganz gewaltig, ich kenne auch die Zutaten nicht und die Marke ist mir bisher unbekannt. Egal, der bleibt jetzt drauf, die Sillage ist GsD mit einem Testsprüher am Handgelenk eher schwach. Zwei Stunden später entwickelt sich tatsächlich noch eine tragbare, frischblumige Note, die nicht übel ist, aber auch nichts Besonderes. Die Haltbarkeit ist im mittleren Bereich.

Am Abend rufe ich den Duft hier auf und staune über die Zutaten. Hier ist ein Rosenduft wie ein Resteessen a la Hoppelpoppel kreiert worden, alles muss weg. Rosenstachel, Kümmel, Kreuzkümmel, Bibergeil, Zibet, Weihrauch…. Dies ist auf jeden Fall ein „Finger weg Duft“ denke ich. Vor einiger Zeit führte ich Herrn Pluto ein neues Kleid vor, mit einer links gebundene Schleife. Das ist falsch, sagte Herr Pluto, du bist verheiratet und musst die Schleife rechts tragen. Aha, sagte ich, es ist aber kein Dirndl. Egal, meinte Herr Pluto, rechts heißt „Finger weg“, dann gibt es keine Missverständnisse. Einige Zeit später bekam Herr Pluto in der Stadt einen Duft aufgesprüht, der mir nicht gefiel. Ach, sagte ich den kannst du ruhig tragen, wenn du ausgehst, da kommt dir keine zu nah, das ist ein „Finger weg Duft“. Rosuerrier fällt leider auch in diese Duft Kategorie.


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