Die Qual der Wahl
Beim Anblick von Kinderzimmern, die übervoll mit Spielsachen zugerödelt sind, nehmen Eltern ja gern mal Ihren geliebten Kleinen etwas weg u. verwahren es für eine gewisse Zeit im Keller. Denn bei einer zu unübersichtlichen Auswahl fühlen sich die Kleinen oftmals völlig überfordert und wissen überhaupt nicht, womit sie nun eigentlich spielen wollen und werden dann quengelig.
Mir geht es ähnlich, wenn ich die Auswahl meiner Düfte betrachte u. morgens vor dem Schrank stehe. Über viele Jahre Sammelleidenschaft, hat sich einfach auch viel angehäuft. Alles Düfte, die ich mag und auch regelmäßig verwenden möchte. Doch die Qual der Wahl macht mich manchmal etwas unschlüssig und nervös, deshalb greife ich aus Gewohnheit zu den meistgeliebten Fläschchen, die sich bewährt haben, die ich total angenehm an mir empfinde und mit denen ich Komplimente einheimse. Mal ehrlich: Schließlich freut sich jeder Parfümierte über einen netten Kommentar zu seinem Parfum.
Je älter ich werde, umso weniger experimentierfreudig erlebe ich mich. Ich möchte mit einem Duft nicht beeindrucken, sondern bestenfalls angenehm für die Menschen um mich herum riechen und mich selber mit ihm wohlfühlen. Er soll mich nicht ablenken oder gar stören, sondern eine harmonische Einheit mit mir bilden, damit er wie selbstverständlich zu mir passt. Ich mag durchaus gefällige Düfte, mit denen sich auch meine Mitmenschen erfahrungsgemäß wohlfühlen. Wähle ich am Morgen mal einen etwas neuen, zu eigenwilligen, kapriziösen Duft, kann es sein, dass er mich im Laufe des Tages anfängt zu stören und mich irritiert. Ja, und je älter ich werde, umso vorsichtiger und dezenter parfümiere ich mich.
Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es sehr unangenehm u. auch rücksichtslos ist, wenn Menschen z. B. zu laut reden u. ich empfinde es auch als unangenehm, wenn man seinen Duft zu stark u. extrovertiert trägt. Ich denke, man sollte immer nur so viel Duft auftragen, dass man den Duft des Anderen noch wahrnehmen kann. Riecht man nur sich selber - dann stimmt mit der Dosierung etwas nicht.
Ich dachte nicht immer so, denn als ich jung war, habe ich mir darüber keinen Kopf gemacht und so ging ich auch eine Freundin im Krankenhaus besuchen und sprühte mich vorher kräftig mit meinem geliebten Shalimar ein. Ein übler Fehler. Fast schon ein schlechtes Benehmen, wie ich heute finde. Meine Freundin war frisch operiert! Heute weiß ich, wie man sich nach einer OP fühlt und dass ein noch so schöner Duft in dieser Stärke nicht ins Krankenhaus gehört. Das war absolut unsensibel u. unpassend von mir, obwohl es meine Freundin nicht störte. Aber so benimmt man sich gelegentlich als junger Mensch.
Auch erinnere ich mich an zwei Krankenschwestern, die viel zu stark parfümiert waren: Die eine trug Joop Le Bain, ein Duft, den ich seit diesem Erlebnis nicht mehr riechen mag. Und eine verwendete tatsächlich Hypnotic Poison.
Seltsamerweise hat sich bei Hypnotic Poison kein Widerwille bei mir eingestellt, und ich mag ihn noch sehr als Ausgehduft. So sonderbar ist es mit unserem Duftgedächtnis - irgendwie bleibt es auf geheimnisvolle Weise unberechenbar.
Precious vor 12 Jahren
Chypienne vor 12 Jahren
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