Puderperle
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Zuhause
Ich hatte es nicht kommen sehen. Vielleicht wollte ich es auch nicht sehen. Die Wunschvorstellung war manchmal schöner als die nackte Realität. Nackt und verletzlich. So fühlte ich mich gerade. Die Tränen schmeckten salzig, als ich in meine Einfahrt bog. Minuten verstrichen, bis sich meine Beine in Bewegung setzten und aus dem Autositz hievten. Wie Bleiklumpen.
Teile meines Herzens betäubt, durcheinander, in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die bunt gemalte Zukunft löste sich plötzlich auf, wie ein gewaltiger Sandsturm. Nichts ließ sich mehr greifen. Nichts wirklich erkennen, orientierungslos.
Wie ein angeschossenes Reh sank ich in die Wanne. Den emotionalen Schmutz der Seele abspülen. Alles, was nicht zu mir gehörte. Im heißen Dampf beruhigte sich der innere Strom ein wenig.
Der Körper bitzelte und mechanisch verstrichen die Fingerkuppen eine dicke, weiche Creme auf der durstigen Haut. Ich stellte mir vor, helle Tauben würden mich mit ihrem Flügelschlag streicheln. Im Hintergrund sang die sanfte Stimme meiner Babuschka ein Wiegenlied. Wie sehr waren die Erinnerungen an sie bereits verblasst, aber jetzt schienen sie klar wie nie zuvor. Sie hatte mich wirklich geliebt. Ich war immer ihr Mädchen gewesen.
Auf nackten Füßen wanderte ich ins Bett. Nur bekleidet mit zarter Creme. Der sanfte Duft der weißen Baumwolllaken umarmte mich. So sauber, so rein. Kein Schmutz und kein Lärm. Einfach die müden Glieder fallen lassen und getragen werden.
Mit geschlossenen Augen vergrub ich das Gesicht im weichen Nest, zwischen leise knisternden Daunenfedern.
„Hier bist du sicher.
Hier darfst du sein.
Hier bist du zuhause“,
flüsterten sie mir zu. Zuhause! Hier war ich wirklich zuhause. Das Glück was ich im Außen gesucht hatte, lag doch so nah. Ein Pflaster aus Spitze legte sich um mein trauriges Herz.
„Zeit heilt alle Wunden. Trust the Process“ stand auf einem kleinen Zettel, den ich unter dem Kopfkissen fand. Getröstet konnte ich wieder lächeln, während sich meine Seele in den Schlaf wiegte.
————————————————-
Takhail heißt aus dem arabischen übersetzt „Vorstellungskraft“.
Der Duft lässt jedoch nur einen begrenzten Rahmen für innere Bilder zu, da die Assoziation zur reichhaltigen Dove oder Nivea Körpercreme bereits vorgegeben zu sein scheint. Frisch geduscht, Sauberkeit und weiße Bettwäsche schenken das Gefühl von Geborgenheit und Angekommen sein. Einfach wohlfühlen. Eine liebevolle Person, die es aufrichtig gut meint und gestärkte Laken bis zur Nasenspitze hochzieht, um sicher zu gehen, dass die Kälte keinen Schlupfwinkel findet.
Im „sauberen“ Cotton-Rahmen sind der Vorstellungskraft dann keine Grenzen mehr gesetzt.
Takhail ist nicht altmodisch, auch wenn die Babushka Erwähnung fand. Eher vertraut. Trotz leicht süßer Anklänge könnten auch Herren an ihm Gefallen finden. Nichts sticht, nichts stört. Keine synthetischen Nadeln, wie sie zur Zeit öfters in arabischen Parfums zu finden sind. Dem Statement von Smellnice zu urteilen, soll der Duft alkoholfrei sein, weshalb die Dosierung auf Textilien eher zu bedenken ist.
Takhail würde ich nicht als Waschmittelduft bezeichnen, eher als eingecremter Hautduft ohne Vanille und anderen überflüssigen Blüten.
Der Flakon lässt weiterträumen, wenn man es sich bereits gemütlich gemacht hat. Gefrostetes, durchsichtiges Glas mit hübschem, orientalischen Muster. Das Schleifchen verleiht eine romantische Note. Auch die milchig weiße Flüssigkeit ist im Gesamtbild stimmig. Insgesamt eine Veredelung für jeden Schminktisch, schön drapiert neben Perlenketten und Puderdosen.
Als Büroduft oder im Kunden-/ Patientenkontakt kann ich mir Takhail durchaus auch vorstellen.
Die Haltbarkeit bewegt sich im moderaten Bereich, die Sillage ist erstaunlich dicht für einen sauberen Cremeduft. Ein bis zwei Sprüher reichen, um ihn sehr gut wahrzunehmen. Nivea hingegen verhält sich wie ein wässriges Schlückchen.
Der erste Test löste eine Schockliebe aus, die mich alle Sandstürme vergessen ließen.
Danke Duftwolke77, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, Takhail kennenzulernen. Seit dem ist er bei mir eingezogen. Manchmal weiß man es sofort, wenn man sein zuhause gefunden hat. Er ist unfassbar schön.
Teile meines Herzens betäubt, durcheinander, in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die bunt gemalte Zukunft löste sich plötzlich auf, wie ein gewaltiger Sandsturm. Nichts ließ sich mehr greifen. Nichts wirklich erkennen, orientierungslos.
Wie ein angeschossenes Reh sank ich in die Wanne. Den emotionalen Schmutz der Seele abspülen. Alles, was nicht zu mir gehörte. Im heißen Dampf beruhigte sich der innere Strom ein wenig.
Der Körper bitzelte und mechanisch verstrichen die Fingerkuppen eine dicke, weiche Creme auf der durstigen Haut. Ich stellte mir vor, helle Tauben würden mich mit ihrem Flügelschlag streicheln. Im Hintergrund sang die sanfte Stimme meiner Babuschka ein Wiegenlied. Wie sehr waren die Erinnerungen an sie bereits verblasst, aber jetzt schienen sie klar wie nie zuvor. Sie hatte mich wirklich geliebt. Ich war immer ihr Mädchen gewesen.
Auf nackten Füßen wanderte ich ins Bett. Nur bekleidet mit zarter Creme. Der sanfte Duft der weißen Baumwolllaken umarmte mich. So sauber, so rein. Kein Schmutz und kein Lärm. Einfach die müden Glieder fallen lassen und getragen werden.
Mit geschlossenen Augen vergrub ich das Gesicht im weichen Nest, zwischen leise knisternden Daunenfedern.
„Hier bist du sicher.
Hier darfst du sein.
Hier bist du zuhause“,
flüsterten sie mir zu. Zuhause! Hier war ich wirklich zuhause. Das Glück was ich im Außen gesucht hatte, lag doch so nah. Ein Pflaster aus Spitze legte sich um mein trauriges Herz.
„Zeit heilt alle Wunden. Trust the Process“ stand auf einem kleinen Zettel, den ich unter dem Kopfkissen fand. Getröstet konnte ich wieder lächeln, während sich meine Seele in den Schlaf wiegte.
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Takhail heißt aus dem arabischen übersetzt „Vorstellungskraft“.
Der Duft lässt jedoch nur einen begrenzten Rahmen für innere Bilder zu, da die Assoziation zur reichhaltigen Dove oder Nivea Körpercreme bereits vorgegeben zu sein scheint. Frisch geduscht, Sauberkeit und weiße Bettwäsche schenken das Gefühl von Geborgenheit und Angekommen sein. Einfach wohlfühlen. Eine liebevolle Person, die es aufrichtig gut meint und gestärkte Laken bis zur Nasenspitze hochzieht, um sicher zu gehen, dass die Kälte keinen Schlupfwinkel findet.
Im „sauberen“ Cotton-Rahmen sind der Vorstellungskraft dann keine Grenzen mehr gesetzt.
Takhail ist nicht altmodisch, auch wenn die Babushka Erwähnung fand. Eher vertraut. Trotz leicht süßer Anklänge könnten auch Herren an ihm Gefallen finden. Nichts sticht, nichts stört. Keine synthetischen Nadeln, wie sie zur Zeit öfters in arabischen Parfums zu finden sind. Dem Statement von Smellnice zu urteilen, soll der Duft alkoholfrei sein, weshalb die Dosierung auf Textilien eher zu bedenken ist.
Takhail würde ich nicht als Waschmittelduft bezeichnen, eher als eingecremter Hautduft ohne Vanille und anderen überflüssigen Blüten.
Der Flakon lässt weiterträumen, wenn man es sich bereits gemütlich gemacht hat. Gefrostetes, durchsichtiges Glas mit hübschem, orientalischen Muster. Das Schleifchen verleiht eine romantische Note. Auch die milchig weiße Flüssigkeit ist im Gesamtbild stimmig. Insgesamt eine Veredelung für jeden Schminktisch, schön drapiert neben Perlenketten und Puderdosen.
Als Büroduft oder im Kunden-/ Patientenkontakt kann ich mir Takhail durchaus auch vorstellen.
Die Haltbarkeit bewegt sich im moderaten Bereich, die Sillage ist erstaunlich dicht für einen sauberen Cremeduft. Ein bis zwei Sprüher reichen, um ihn sehr gut wahrzunehmen. Nivea hingegen verhält sich wie ein wässriges Schlückchen.
Der erste Test löste eine Schockliebe aus, die mich alle Sandstürme vergessen ließen.
Danke Duftwolke77, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast, Takhail kennenzulernen. Seit dem ist er bei mir eingezogen. Manchmal weiß man es sofort, wenn man sein zuhause gefunden hat. Er ist unfassbar schön.
21 Antworten
Man sieht sich immer zweimal
Der Verriss soll keinem Liebhaber des Dufts zu Nahe treten, es sollte eher mit einem Zwinkern zu lesen sein.
Was gibt es schöneres, als an einem Montag Morgen im Sommer mit der Bahn auf die Arbeit zu fahren? Der einzige Trost sind die vertrauten Gesichter am Gleis, die mir aufmunternd zum Gruße zunickten. Wir teilten also das gleiche Schicksal und saßen auch gewohnheitsmäßig auf den gleichen Plätzen.
Ein neuer Fahrgast kam in unser Abteil und pflanzte sich mit einem riesigen Rollkasten mit Lenkstange raumeinnehmend dazu. Was sich wohl in diesem mobilen Sarg befand? Ich ahnte noch nicht, dass ich meine Neugier in wenigen Stunden bereuen würde.
Ich bemerkte, dass alle Augenpaare entsetzt auf ihn gerichtet waren, während er eine Dose mit Warnzeichen auf hochgiftige Inhaltsstoffe aus seinem Rucksack herausholte. Pfeifend kippte er den Inhalt über ein kleines Schälchen Fruchtsalat und vermatschte alles mit einem Plastiklöffel zu einem Kompott. „Kacke“ sagte er, während er mit Spucke auf dem Daumen versuchte, gespritzte Matschflecken von seinem türkisen Samtanzug zu entfernen. Ging natürlich nicht. Das Zeug hielt wie Pattex. Eine ungeschickte Handbewegung und der Fruchtsalat klatschte gegen die Decke und regnete auf uns herab. Undankbar wie wir waren, rissen wir durch den Mund atmend die quietschenden Klappfenster auf. Was für eine chemische Geruchswolke! Das Sommerthermometer stieg und der Gärungsprozess nahm zu. Als der Fahrkartenkontrolleur kam, schmiss er den Herrn bei der nächsten Station raus. Aha. Dosenobst, aber kein Ticket haben. Die Menge applaudierte und winkte ihm durch die Scheibe zu. Seinen Kasten ziehend, winkte er fröhlich mit der freien Hand zurück. Vielleicht würden wir irgendwann wieder aufatmen können.
Fragt mich nicht wie ich es mit tränenden Augen und zerrütteter Hochsteckfrisur ins Büro geschafft habe. Melli erschrak, als sie mich sah. Ich muss wohl wie ein Waschbär ausgesehen haben mit der verlaufenen Mascara.
„Was ist denn mit dir passiert? Mach dich etwas frisch, gleich wird der Neue vorgestellt. Er verspätet sich etwas.“
Ach stimmt, der neue Kollege hatte heute seinen Einstand. Regina, unsere gute Seele flüsterte uns zu „Wir müssen nett zu ihm sein, ich hab gehört er ist der Erbe!“
„Der Erbe? Von was? Der Firma?“ Mein Puls beschleunigte sich als ich mich im Spiegel durch eine Papiertüte atmen sah. Das Zugtrauma saß noch tief. Wie sollte man in dem Aufzug einen guten Eindruck hinterlassen?
Eine Stunde später fand sich die ganze Belegschaft erwartungsvoll im Konferenzsaal zusammen. Ich verdrängte den Gedanken an ein Déjà-vu, aber weshalb bekam ich diesen stechenden Geruch immer noch nicht aus der Nase? Mein Kopf schmerzte entsetzlich.
„Ja hallo, ich bin der Erba Pura“, hörte ich eine laute, euphorische Stimme. Ich traute meinen Augen kaum, denn da stand der junge Mann aus dem Zug in seinem türkis farbenen Samtanzug mit Matschfleck am Revers. Zweifellos sah er gut aus. Er rieb seine Handinnenflächen aneinander, sodass das Hemd über seiner ausgeprägten Muskulatur unter dem Jackett gut spannte.
„Regina, das is nich der Erbe, der heißt nur so“, flüsterte Melli. Regina glotzte wie ein Fragezeichen und schaltete ihr Hörgerät wieder ein.
„Ja was soll ich sagen? Ich bin der Neue und hab was zum Einstand mitgebracht. 70 Kilo stabilen Fruchtsalat. Selbstgemacht.“ Ist ja nett, aber meine Güte weshalb schrie er so ins Mikrophon bis es eine Rückkopplung gab?
Er grinste stolz und lud mit einer Handbewegung zu dem Rollkasten ein, sich daraus zu bedienen. Aha. Das Rätsel war gelüftet.
In dem Moment als Inge den Deckel vom Bottich im Kasten nahm, ging ein Raunen durch den Saal und sie kippte rückwärts um. Ricardo war nicht mehr in der Lage sie aufzufangen, weil die hohe Konzentration auch ihn umwarf. Die Dämpfe erschlugen die Mitarbeiter wie Dominosteine.
„Was um alles in der Welt machen denn Nadeln im Salat?“ fragte der Geschäftsführer japsend, während er seine Krawatte vom Hals riss.
Nun ja es waren keine Nadeln, sondern Ambroxenid. Das was Erba als stabil empfand, stach den Kollegen wortwörtlich die Gehirne aus den Buchsen. Ambroxenid ist nach meinen Recherchen ein synthetischer Stoff, der als Duftverstärker dient.
Erba Pura ist mein persönlicher Endgegner. Meine Nase riecht einen chemisch, stechenden Fruchtsalat. Süß, laut, nach Aufmerksamkeit brüllend. Genau- durchs Mikrophon. Nicht mehr und nicht weniger. Nichts ist hier filigran oder dezent. Haltbarkeit: Ich sag’s in Erbas Worten: „Perfekter Beastmode!“ Sillage holt längst dahin Geschiedene aus ihren Gräbern. Shaghaf Oud ist ein Hosenscheißer dagegen.
Im Freien, aus weiter Ferne oder durch eine Glasscheibe getrennt, ist Erba Pura in Ordnung. Auch in homöopathischer Dosierung, wie zB durch den Duftnebel zu schreiten, noch vertretbar. In geschlossenen Räumen und in unmittelbarer Nähe kann es in schlimmsten Fällen in höherer Dosierung von Kopfschmerzen und Übelkeit, zur Atemnot bis zum Herzstillstand von Unbeteiligten führen. Ok Herzstillstand war übertrieben, aber fühlt sich so an. Demnach kann diese Rezension auch als Triggerwarnung betrachtet werden.
Wer jedoch unvorbereitet mit dem Duft konfrontiert wird, zB in einem Getränkemarkt, möchte ich mit dem Gedanken trösten, dass jeder Trend mal vorbei geht. Und auch jeder das Recht hat, zu tragen was gefällt.
Was gibt es schöneres, als an einem Montag Morgen im Sommer mit der Bahn auf die Arbeit zu fahren? Der einzige Trost sind die vertrauten Gesichter am Gleis, die mir aufmunternd zum Gruße zunickten. Wir teilten also das gleiche Schicksal und saßen auch gewohnheitsmäßig auf den gleichen Plätzen.
Ein neuer Fahrgast kam in unser Abteil und pflanzte sich mit einem riesigen Rollkasten mit Lenkstange raumeinnehmend dazu. Was sich wohl in diesem mobilen Sarg befand? Ich ahnte noch nicht, dass ich meine Neugier in wenigen Stunden bereuen würde.
Ich bemerkte, dass alle Augenpaare entsetzt auf ihn gerichtet waren, während er eine Dose mit Warnzeichen auf hochgiftige Inhaltsstoffe aus seinem Rucksack herausholte. Pfeifend kippte er den Inhalt über ein kleines Schälchen Fruchtsalat und vermatschte alles mit einem Plastiklöffel zu einem Kompott. „Kacke“ sagte er, während er mit Spucke auf dem Daumen versuchte, gespritzte Matschflecken von seinem türkisen Samtanzug zu entfernen. Ging natürlich nicht. Das Zeug hielt wie Pattex. Eine ungeschickte Handbewegung und der Fruchtsalat klatschte gegen die Decke und regnete auf uns herab. Undankbar wie wir waren, rissen wir durch den Mund atmend die quietschenden Klappfenster auf. Was für eine chemische Geruchswolke! Das Sommerthermometer stieg und der Gärungsprozess nahm zu. Als der Fahrkartenkontrolleur kam, schmiss er den Herrn bei der nächsten Station raus. Aha. Dosenobst, aber kein Ticket haben. Die Menge applaudierte und winkte ihm durch die Scheibe zu. Seinen Kasten ziehend, winkte er fröhlich mit der freien Hand zurück. Vielleicht würden wir irgendwann wieder aufatmen können.
Fragt mich nicht wie ich es mit tränenden Augen und zerrütteter Hochsteckfrisur ins Büro geschafft habe. Melli erschrak, als sie mich sah. Ich muss wohl wie ein Waschbär ausgesehen haben mit der verlaufenen Mascara.
„Was ist denn mit dir passiert? Mach dich etwas frisch, gleich wird der Neue vorgestellt. Er verspätet sich etwas.“
Ach stimmt, der neue Kollege hatte heute seinen Einstand. Regina, unsere gute Seele flüsterte uns zu „Wir müssen nett zu ihm sein, ich hab gehört er ist der Erbe!“
„Der Erbe? Von was? Der Firma?“ Mein Puls beschleunigte sich als ich mich im Spiegel durch eine Papiertüte atmen sah. Das Zugtrauma saß noch tief. Wie sollte man in dem Aufzug einen guten Eindruck hinterlassen?
Eine Stunde später fand sich die ganze Belegschaft erwartungsvoll im Konferenzsaal zusammen. Ich verdrängte den Gedanken an ein Déjà-vu, aber weshalb bekam ich diesen stechenden Geruch immer noch nicht aus der Nase? Mein Kopf schmerzte entsetzlich.
„Ja hallo, ich bin der Erba Pura“, hörte ich eine laute, euphorische Stimme. Ich traute meinen Augen kaum, denn da stand der junge Mann aus dem Zug in seinem türkis farbenen Samtanzug mit Matschfleck am Revers. Zweifellos sah er gut aus. Er rieb seine Handinnenflächen aneinander, sodass das Hemd über seiner ausgeprägten Muskulatur unter dem Jackett gut spannte.
„Regina, das is nich der Erbe, der heißt nur so“, flüsterte Melli. Regina glotzte wie ein Fragezeichen und schaltete ihr Hörgerät wieder ein.
„Ja was soll ich sagen? Ich bin der Neue und hab was zum Einstand mitgebracht. 70 Kilo stabilen Fruchtsalat. Selbstgemacht.“ Ist ja nett, aber meine Güte weshalb schrie er so ins Mikrophon bis es eine Rückkopplung gab?
Er grinste stolz und lud mit einer Handbewegung zu dem Rollkasten ein, sich daraus zu bedienen. Aha. Das Rätsel war gelüftet.
In dem Moment als Inge den Deckel vom Bottich im Kasten nahm, ging ein Raunen durch den Saal und sie kippte rückwärts um. Ricardo war nicht mehr in der Lage sie aufzufangen, weil die hohe Konzentration auch ihn umwarf. Die Dämpfe erschlugen die Mitarbeiter wie Dominosteine.
„Was um alles in der Welt machen denn Nadeln im Salat?“ fragte der Geschäftsführer japsend, während er seine Krawatte vom Hals riss.
Nun ja es waren keine Nadeln, sondern Ambroxenid. Das was Erba als stabil empfand, stach den Kollegen wortwörtlich die Gehirne aus den Buchsen. Ambroxenid ist nach meinen Recherchen ein synthetischer Stoff, der als Duftverstärker dient.
Erba Pura ist mein persönlicher Endgegner. Meine Nase riecht einen chemisch, stechenden Fruchtsalat. Süß, laut, nach Aufmerksamkeit brüllend. Genau- durchs Mikrophon. Nicht mehr und nicht weniger. Nichts ist hier filigran oder dezent. Haltbarkeit: Ich sag’s in Erbas Worten: „Perfekter Beastmode!“ Sillage holt längst dahin Geschiedene aus ihren Gräbern. Shaghaf Oud ist ein Hosenscheißer dagegen.
Im Freien, aus weiter Ferne oder durch eine Glasscheibe getrennt, ist Erba Pura in Ordnung. Auch in homöopathischer Dosierung, wie zB durch den Duftnebel zu schreiten, noch vertretbar. In geschlossenen Räumen und in unmittelbarer Nähe kann es in schlimmsten Fällen in höherer Dosierung von Kopfschmerzen und Übelkeit, zur Atemnot bis zum Herzstillstand von Unbeteiligten führen. Ok Herzstillstand war übertrieben, aber fühlt sich so an. Demnach kann diese Rezension auch als Triggerwarnung betrachtet werden.
Wer jedoch unvorbereitet mit dem Duft konfrontiert wird, zB in einem Getränkemarkt, möchte ich mit dem Gedanken trösten, dass jeder Trend mal vorbei geht. Und auch jeder das Recht hat, zu tragen was gefällt.
33 Antworten
Emotional support
Wenig auf dieser Welt kann mich so in finstere Tiefen meines Seins stürzen, wie die näherrückende Frist einer Steuererklärung. Fristablauf war der 1.8. und all die Monate vorher winkte ich ab: Aaach ich hab ja noch genug Zeit.
Als staatlich geprüfte Dipl. Prokrastiniererin sah ich mich nun selbst auf dem Wohnzimmerteppich sitzen, umringt von Ordnern, unsortierten Belegen, Briefen, Papier, Papier, Papier.
Es war der 31.7. Immerhin war der erste Schritt getan, mich zu dem Papierkram zu gesellen. Leider stellte ich- wie jedes Jahr- fest, dass das so gar keinen Spaß machte. Überraschenderweise bin ich trotzdem jedesmal aufs Neue schockiert darüber. Noch nicht mal die Sitzposition war bequem. Also brauchte ich zunächst was? Genau, Getränke. Nicht irgendwelche, sondern heute kam ich auf die kreativsten Ideen. Heidelbeeren mit nach nichts schmeckender Honigmelone und Kurkumamilch in den Smoothie, Lavendelhonig hinzu… hm ging so. Ich steigerte mich. Es durfte keine Langeweile aufkommen und so kam ich zurück zum Papierbombeneinschlag mit fünf verschiedenen Kreationen.
Es war aber immer noch, als würde mich eine unsichtbare Wand aufhalten meine Zahlen einzutippen. Das Badezimmer zu putzen fühlte sich außerdem in dem Moment wichtiger an. Anschließend fiel mir siedend heiß ein, endlich mal meine Küchengewürze nach Ablaufdatum auszusortieren. Die Anzahl ist recht überschaubar und demnach kam wenigstens kurz ein oberflächliches Glücksgefühl auf. Es reichte aber immer noch nicht als Motivationsschub. Mit jedem Blick auf die Uhr stieg der innere Druck merklich an. Was brauchte ich nun, um mich endlich auf den Hosenboden zu setzen und diese Bürokratie durchzuziehen? Ammoniak hatte ich jedenfalls nicht da, um mich aus der Gehirnlähmung zu holen. Erba Pura auch nicht.
Die liebe Senses aus dem Forum schien es bestimmt gewusst zu haben, denn sie teilte mit, dass Bugatti gerade einen neuen Duft herausgebracht hat. Er soll Ähnlichkeit mit dem sonnigen
Cheirosa '62 haben. Da Câline mich mit ihrem neuesten Wurf so richtig enttäuscht hatte, schnappte ich meinen Schlüssel und marschierte direkt los. Ich hatte schließlich keine Zeit zu verlieren. Da stand der neue
Bella Donna Dolce Amore . Verschweißt und ohne Tester. Die Rosa Packung irritierte mich zunächst, da der Flakon im Internet gold abgedruckt war und der Rest der Bugattis über hellrosa bis Bordeaux nach süß-spritzigen Drogeriebeeren duften. Alles nicht mein Fall. Ich vergewisserte mich nochmals online bevor ich einen Blindkauf wagte. Glaube versetzt Berge und so hoffte ich innerlich er möge mir gefallen. Da es ohnehin eine Frechheit ist, sich an so einem schönen Sommertag mit Akten zu beschäftigen, brauchte ich einen emotionalen Seelentröster. Ja Bugatti hatte nun eine große Aufgabe.
Der Flakon erinnert entfernt an
Goddess Eau de Parfum mit dem eckigen Design. Der Deckel ist schön gold massiv und ein orientalisches Muster auf der Front. Sieht gut aus.
„Bitte gefall mir bitte gefall mir, du musst mir helfen“ bat ich, während ich sprühte. Pftpft…
Ohjaaa eine sehr vertraute DNA des
Cheirosa '62 begrüßte mich. Aber nur im Hintergrund. Süß, cremig, nussig geröstet, an Sonnenmilch erinnernd. Copa Capana, Pina Colada… ok ich träumte wieder. Die Kopfnote hat jedoch einen speziellen Charakter, der sich insgesamt als reines Dupe vom Vorbild abhebt. Es sind für meine Nase undefinierbare Früchte, die einen kurzen Moment leicht säuerlich mit meiner Haut reagieren. Das hält sich aber zum Glück noch im Rahmen. Blumige Noten kommen hinzu, definieren kann ich sie nicht. Nicht mal Ylang-Ylang. Im Verlauf nimmt die Ähnlichkeit zum
Cheirosa '62 weiter ab, die Früchte und Blumen bilden nun einen eigenen, cremigen Duft.
Sonnenstrahlen durchdrangen die dunklen Zahlenwolken und streichelten zu Südseeklängen mein leidendes Seelchen. Ich fühlte mich emotional abgeholt und in meinem Leid getröstet. Selbst wenn keine drin sind, macht mich der bloße Anschein nach Kokosnüssen einfach glücklich.
Den Schädel ordentlich mit
Bella Donna Dolce Amore betäubt und bei Parfumo erste Eindrücke ausgetauscht, konnte ich nun endlich den Finger zum Knopf bewegen, um den Laptop zu starten.
Da die Sillage Bugatti typisch recht leicht ausfällt, legte ich noch eine Ladung drauf. Eigentlich macht ihn diese transparente Eigenschaft auch zu einem guten Begleiter bei hohen Temperaturen. Nicht zu süß, nicht zu fruchtig, nicht zu blumig, nicht zu sonnencremig, sondern eine gute Balance. Nichts sticht, nichts nervt.
Mittlerweile war es schon spät am Abend und ich musste nach 2,5 Stunden nachlegen, um ihn wieder präsenter wahrzunehmen. Selbst auf der Kleidung. Meiner neuen Duftfreundin sei Dank suchte ich nun mitten im Zeitdruck und einem Produktivitätshoch nach den Anlagen „Hawaii“, „Hängematte“ und „Sandstrandpauschale“.
Selbst die Ausgaben für Erste Hilfe Maßnahmen eines Sonnenbrands konnte ich nicht finden. Na es gab ja immerhin noch einen Freitext für freundliche Zeilen an das Finanzamt.
Die Zeit flog nur so dahin und als ich endlich nach dem Drölfzigsten mal geprüft hatte, klickte ich mit glühenden Wangen auf meinen Lieblingsbutton „abschicken“. Ich musste wirklich lachen, als ich den Zeitstempel der Übermittlung sah: 31.07. um 23:59 Uhr.
Hey, geschafft ist geschafft oder?
Aber noch besser war die Angabe, wer bei meiner Steuererklärung mitgewirkt hat:
Bella Donna Dolce Amore natürlich! Ohne ihren emotionalen Support würde ich wahrscheinlich immer noch Schnittlauch-Ananas-Tomaten Smoothies mixen oder so.
Als staatlich geprüfte Dipl. Prokrastiniererin sah ich mich nun selbst auf dem Wohnzimmerteppich sitzen, umringt von Ordnern, unsortierten Belegen, Briefen, Papier, Papier, Papier.
Es war der 31.7. Immerhin war der erste Schritt getan, mich zu dem Papierkram zu gesellen. Leider stellte ich- wie jedes Jahr- fest, dass das so gar keinen Spaß machte. Überraschenderweise bin ich trotzdem jedesmal aufs Neue schockiert darüber. Noch nicht mal die Sitzposition war bequem. Also brauchte ich zunächst was? Genau, Getränke. Nicht irgendwelche, sondern heute kam ich auf die kreativsten Ideen. Heidelbeeren mit nach nichts schmeckender Honigmelone und Kurkumamilch in den Smoothie, Lavendelhonig hinzu… hm ging so. Ich steigerte mich. Es durfte keine Langeweile aufkommen und so kam ich zurück zum Papierbombeneinschlag mit fünf verschiedenen Kreationen.
Es war aber immer noch, als würde mich eine unsichtbare Wand aufhalten meine Zahlen einzutippen. Das Badezimmer zu putzen fühlte sich außerdem in dem Moment wichtiger an. Anschließend fiel mir siedend heiß ein, endlich mal meine Küchengewürze nach Ablaufdatum auszusortieren. Die Anzahl ist recht überschaubar und demnach kam wenigstens kurz ein oberflächliches Glücksgefühl auf. Es reichte aber immer noch nicht als Motivationsschub. Mit jedem Blick auf die Uhr stieg der innere Druck merklich an. Was brauchte ich nun, um mich endlich auf den Hosenboden zu setzen und diese Bürokratie durchzuziehen? Ammoniak hatte ich jedenfalls nicht da, um mich aus der Gehirnlähmung zu holen. Erba Pura auch nicht.
Die liebe Senses aus dem Forum schien es bestimmt gewusst zu haben, denn sie teilte mit, dass Bugatti gerade einen neuen Duft herausgebracht hat. Er soll Ähnlichkeit mit dem sonnigen
Cheirosa '62 haben. Da Câline mich mit ihrem neuesten Wurf so richtig enttäuscht hatte, schnappte ich meinen Schlüssel und marschierte direkt los. Ich hatte schließlich keine Zeit zu verlieren. Da stand der neue
Bella Donna Dolce Amore . Verschweißt und ohne Tester. Die Rosa Packung irritierte mich zunächst, da der Flakon im Internet gold abgedruckt war und der Rest der Bugattis über hellrosa bis Bordeaux nach süß-spritzigen Drogeriebeeren duften. Alles nicht mein Fall. Ich vergewisserte mich nochmals online bevor ich einen Blindkauf wagte. Glaube versetzt Berge und so hoffte ich innerlich er möge mir gefallen. Da es ohnehin eine Frechheit ist, sich an so einem schönen Sommertag mit Akten zu beschäftigen, brauchte ich einen emotionalen Seelentröster. Ja Bugatti hatte nun eine große Aufgabe. Der Flakon erinnert entfernt an
Goddess Eau de Parfum mit dem eckigen Design. Der Deckel ist schön gold massiv und ein orientalisches Muster auf der Front. Sieht gut aus.„Bitte gefall mir bitte gefall mir, du musst mir helfen“ bat ich, während ich sprühte. Pftpft…
Ohjaaa eine sehr vertraute DNA des
Cheirosa '62 begrüßte mich. Aber nur im Hintergrund. Süß, cremig, nussig geröstet, an Sonnenmilch erinnernd. Copa Capana, Pina Colada… ok ich träumte wieder. Die Kopfnote hat jedoch einen speziellen Charakter, der sich insgesamt als reines Dupe vom Vorbild abhebt. Es sind für meine Nase undefinierbare Früchte, die einen kurzen Moment leicht säuerlich mit meiner Haut reagieren. Das hält sich aber zum Glück noch im Rahmen. Blumige Noten kommen hinzu, definieren kann ich sie nicht. Nicht mal Ylang-Ylang. Im Verlauf nimmt die Ähnlichkeit zum
Cheirosa '62 weiter ab, die Früchte und Blumen bilden nun einen eigenen, cremigen Duft. Sonnenstrahlen durchdrangen die dunklen Zahlenwolken und streichelten zu Südseeklängen mein leidendes Seelchen. Ich fühlte mich emotional abgeholt und in meinem Leid getröstet. Selbst wenn keine drin sind, macht mich der bloße Anschein nach Kokosnüssen einfach glücklich.
Den Schädel ordentlich mit
Bella Donna Dolce Amore betäubt und bei Parfumo erste Eindrücke ausgetauscht, konnte ich nun endlich den Finger zum Knopf bewegen, um den Laptop zu starten.Da die Sillage Bugatti typisch recht leicht ausfällt, legte ich noch eine Ladung drauf. Eigentlich macht ihn diese transparente Eigenschaft auch zu einem guten Begleiter bei hohen Temperaturen. Nicht zu süß, nicht zu fruchtig, nicht zu blumig, nicht zu sonnencremig, sondern eine gute Balance. Nichts sticht, nichts nervt.
Mittlerweile war es schon spät am Abend und ich musste nach 2,5 Stunden nachlegen, um ihn wieder präsenter wahrzunehmen. Selbst auf der Kleidung. Meiner neuen Duftfreundin sei Dank suchte ich nun mitten im Zeitdruck und einem Produktivitätshoch nach den Anlagen „Hawaii“, „Hängematte“ und „Sandstrandpauschale“.
Selbst die Ausgaben für Erste Hilfe Maßnahmen eines Sonnenbrands konnte ich nicht finden. Na es gab ja immerhin noch einen Freitext für freundliche Zeilen an das Finanzamt.
Die Zeit flog nur so dahin und als ich endlich nach dem Drölfzigsten mal geprüft hatte, klickte ich mit glühenden Wangen auf meinen Lieblingsbutton „abschicken“. Ich musste wirklich lachen, als ich den Zeitstempel der Übermittlung sah: 31.07. um 23:59 Uhr.
Hey, geschafft ist geschafft oder?
Aber noch besser war die Angabe, wer bei meiner Steuererklärung mitgewirkt hat:
Bella Donna Dolce Amore natürlich! Ohne ihren emotionalen Support würde ich wahrscheinlich immer noch Schnittlauch-Ananas-Tomaten Smoothies mixen oder so.
10 Antworten
„Mangelhafte Qualitätskontrolle“ sagt Linda
Der letzte Tag vor dem Urlaub ist meistens stressiger. An was Linda noch alles denken musste, bevor es an den Strand ging. Sie war Reinigungskraft bei Câline und mochte die Mitarbeiter. Aber noch lieber mochte sie die angenehmen Düfte, die ihr aus jedem Labor entgegenströmten. Entsorgte Reagenzgläser dufteten nach Rosen, Kaffee oder Vanille. Es gab wahrlich schlimmere Jobs.
Der Hunger trieb und da das gesamte Geschirr bereits in der laufenden Spülmaschine stand, holte sie sich eine Plastikschale aus dem Labor. Kokosmilch und ein paar Haselnüsse zum Einweichen. Zum Essen kam sie aufgrund des Aufgabenpensums nicht, da sich ein neuer Duft in der Produktion befand. Eine Kopie des beliebten
Cheirosa '62 sollte es werden, „die Mädels werden es lieben“ jauchzte der Chef euphorisch. Süß, salzige Pistazie in Karamell getaucht. So sollte er riechen. Die kreativen Köpfe rauchten.
„Wenn ich nicht mehr gebraucht werde, verabschiede ich mich jetzt in den Urlaub.“, winkte Linda in die Runde.
„Nur wenn du verrätst, wohin deine Reise geht“, bekam sie zur Antwort. „In die französische Sonne“ zwinkerte sie.
Die Mitarbeiter zuckten zusammen und warfen sich verheißungsvolle Blicke zu.
Linda hatte keine Zeit für Interpretationen. Vielleicht hatten sie auch zu lange an den Tonkabohnen geschnüffelt. Die Nebenwirkungen einer Tätigkeit im Parfumlabor nehmen machmal seltsame Formen an.
Sie konnte noch nicht ahnen, dass der Erholungseffekt ihres einwöchigen Urlaubs schneller dahin war, als gedacht.
Was lag denn da in der Luft? Eine eigenartige Note, die sie nicht zuordnen konnte. War aber nicht weiter von Belang, denn alle wurden im Konferenzraum erwartet, um der Präsentation des neuen Câline beizuwohnen. Die CEOs und Geschäftsführer etlicher Drogerien schüttelten sich kräftig die Hände, in freudiger Erwartung auf das was nun vorgestellt werden würde. Linda ertappte sich dabei, tanzende Dollarzeichen in den Augen der Anwesenden erkannt zu haben.
Die Präsentation startete. „Soleil de France“ erschien als Deckblatt in Câline typischem Glasflakon mit kleinen eingefassten Röslein am Fuß. Sehr schön! Die Parfumeure schauten mit einem Lächeln zu Linda. Warte mal, war sie etwa die Inspirationsquelle gewesen? Bauchgepinselt freute sie sich auf den ersten Test. Könne sie bald einen Signatureduft ihr Eigen nennen?
Jeder Schritt der Herstellung wurde fotografisch dokumentiert und auf einer XXL Wand projiziert.
„… und hier sehen Sie die Kokosmilch, die für die Cremigkeit in der Kopfnote zuständig war…“
Moment mal… Linda rieb sich die Augen. War das etwa ihre Müslischale, die sie vor dem Urlaub vergessen hatte?
Ihr Herz hämmerte bis zum Hals. Die Bilder zeigten jedes Detail ihres Frühstücks, das wunderschön mit allen anderen Duftstoffen verarbeitet wurde. Niemand schien zu wissen, dass die gefüllte Schale fast eine Woche lang herumstand. Sie brauchte Sicherheit. Das konnte unmöglich sein. So stand sie leise auf und suchte das Labor auf. Etliche Müllsäcke warteten schon hübsch aufgereiht auf sie, denn eine Vertretung hatte sie nicht. Mit zitternden Fingern fand sie was sie suchte… eine seltsam verformte Müslischale. Das Kunststoff schien angeschmolzen gewesen zu sein. Da fiel es ihr siedend heiß ein: Sie hatte ihr Frühstück auf der Herdplatte stehen gelassen.
Die Übelkeit war nicht nur der aufsteigenden Angst geschuldet entdeckt zu werden, sondern auch dem beißenden Plastikgeruch, der sich mit den Resten verrotteter Kokosmilch verband.
Natürlich verriet sie niemandem davon und setzte sich nach diesem Schock wieder unauffällig in den Saal. Scheinbar schienen die Anwesenden einer Massenhypnose zum Opfer gefallen zu sein, als sie den hübschen Flakon herumreichten in einer dicken Duftwolke „aaahs“ und „ooohs“ ausstießen. Sie überwarfen sich selbst beim Brainstorming über ein kluges Marketing in den Sozialen Medien. Zur Krönung erhielt Linda den ersten Flakon als Namensgeberin. Unter tosendem Applaus wollte sie nur noch eins: sich übergeben.
So wie riecht denn nun die französische Sonne? Die Pyramide klingt nach einem Traum. Eine Alternative
Cheirosa '62 ? Ha, kaufe ich natürlich! Youtuber produzierten schon Videos, bevor der dauernd ausverkaufte Duft überhaupt meine Drogerien erreichte. Meine Spannung stieg ins unermessliche, ich wollte ihn so sehr haben. Vor allem zu dem erschwinglichen Preis. Was solls, wenn die Haltbarkeit wie das bekannte Bodyspray ausfallen würde, dann kauf halt zwei Flaschen.
Als ich ihn endlich testen dufte, war ich voll freudiger Erwartung eines gourmandigen Sonnencremeduftes. Der Test war jedoch wie ein Bauchklatscher in ein Schwimmbad mit knöcheltiefem Wasser.
Eine strenge Note durchzieht die Kopfnote, die bis zum Drydown leider nicht verschwindet. Was ist das? Vergorene Kokosmilch? Geschmolzenes Plastik? Verdorbene Haselnüsse? Ich kann es nur als solches identifizieren. So etwas habe ich noch nie gerochen. Leider viel zu stechend penetrant, um es zu ignorieren. Im Hintergrund die süss salzige Pistazie. Die Herznote zeigt schon Ähnlichkeit zum
Cheirosa '62 auf. Aber die Störnote bleibt. Im Drydown gibt sie nochmal richtig Gas. Die Haltbarkeit ist moderat, ich hätte sie mir in diesem Fall kürzer gewünscht.
Ich konnte nicht glauben, was ich da roch und ging zunächst von einem Defekt an meiner Nase aus, so viele Kunden können sich doch nicht täuschen. Mehrere Tests an unterschiedlichen Tagen in unterschiedlichen Filialen und Testern brachten aber exakt die gleichen Ergebnisse. Eine Kopie zum
Cheirosa '62 Bodyspray oder dem Parfum
Sol Cheirosa '62 ist es somit nicht.
Câline ich hätte euch gern mein Geld hinterhergetragen. Aber nicht für einen Plastikunfall. Ich schlage eine Reformulierung vor. Potential ist vorhanden, aber nächstes mal ohne geschmolzene Müslischale mit verdorbenen Zutaten. Die haben nix im Parfum zu suchen.
An der Stelle Liebe Grüsse von Linda. Sie kann nichts dafür.
Der Hunger trieb und da das gesamte Geschirr bereits in der laufenden Spülmaschine stand, holte sie sich eine Plastikschale aus dem Labor. Kokosmilch und ein paar Haselnüsse zum Einweichen. Zum Essen kam sie aufgrund des Aufgabenpensums nicht, da sich ein neuer Duft in der Produktion befand. Eine Kopie des beliebten
Cheirosa '62 sollte es werden, „die Mädels werden es lieben“ jauchzte der Chef euphorisch. Süß, salzige Pistazie in Karamell getaucht. So sollte er riechen. Die kreativen Köpfe rauchten. „Wenn ich nicht mehr gebraucht werde, verabschiede ich mich jetzt in den Urlaub.“, winkte Linda in die Runde.
„Nur wenn du verrätst, wohin deine Reise geht“, bekam sie zur Antwort. „In die französische Sonne“ zwinkerte sie.
Die Mitarbeiter zuckten zusammen und warfen sich verheißungsvolle Blicke zu.
Linda hatte keine Zeit für Interpretationen. Vielleicht hatten sie auch zu lange an den Tonkabohnen geschnüffelt. Die Nebenwirkungen einer Tätigkeit im Parfumlabor nehmen machmal seltsame Formen an.
Sie konnte noch nicht ahnen, dass der Erholungseffekt ihres einwöchigen Urlaubs schneller dahin war, als gedacht.
Was lag denn da in der Luft? Eine eigenartige Note, die sie nicht zuordnen konnte. War aber nicht weiter von Belang, denn alle wurden im Konferenzraum erwartet, um der Präsentation des neuen Câline beizuwohnen. Die CEOs und Geschäftsführer etlicher Drogerien schüttelten sich kräftig die Hände, in freudiger Erwartung auf das was nun vorgestellt werden würde. Linda ertappte sich dabei, tanzende Dollarzeichen in den Augen der Anwesenden erkannt zu haben.
Die Präsentation startete. „Soleil de France“ erschien als Deckblatt in Câline typischem Glasflakon mit kleinen eingefassten Röslein am Fuß. Sehr schön! Die Parfumeure schauten mit einem Lächeln zu Linda. Warte mal, war sie etwa die Inspirationsquelle gewesen? Bauchgepinselt freute sie sich auf den ersten Test. Könne sie bald einen Signatureduft ihr Eigen nennen?
Jeder Schritt der Herstellung wurde fotografisch dokumentiert und auf einer XXL Wand projiziert.
„… und hier sehen Sie die Kokosmilch, die für die Cremigkeit in der Kopfnote zuständig war…“
Moment mal… Linda rieb sich die Augen. War das etwa ihre Müslischale, die sie vor dem Urlaub vergessen hatte?
Ihr Herz hämmerte bis zum Hals. Die Bilder zeigten jedes Detail ihres Frühstücks, das wunderschön mit allen anderen Duftstoffen verarbeitet wurde. Niemand schien zu wissen, dass die gefüllte Schale fast eine Woche lang herumstand. Sie brauchte Sicherheit. Das konnte unmöglich sein. So stand sie leise auf und suchte das Labor auf. Etliche Müllsäcke warteten schon hübsch aufgereiht auf sie, denn eine Vertretung hatte sie nicht. Mit zitternden Fingern fand sie was sie suchte… eine seltsam verformte Müslischale. Das Kunststoff schien angeschmolzen gewesen zu sein. Da fiel es ihr siedend heiß ein: Sie hatte ihr Frühstück auf der Herdplatte stehen gelassen.
Die Übelkeit war nicht nur der aufsteigenden Angst geschuldet entdeckt zu werden, sondern auch dem beißenden Plastikgeruch, der sich mit den Resten verrotteter Kokosmilch verband.
Natürlich verriet sie niemandem davon und setzte sich nach diesem Schock wieder unauffällig in den Saal. Scheinbar schienen die Anwesenden einer Massenhypnose zum Opfer gefallen zu sein, als sie den hübschen Flakon herumreichten in einer dicken Duftwolke „aaahs“ und „ooohs“ ausstießen. Sie überwarfen sich selbst beim Brainstorming über ein kluges Marketing in den Sozialen Medien. Zur Krönung erhielt Linda den ersten Flakon als Namensgeberin. Unter tosendem Applaus wollte sie nur noch eins: sich übergeben.
So wie riecht denn nun die französische Sonne? Die Pyramide klingt nach einem Traum. Eine Alternative
Cheirosa '62 ? Ha, kaufe ich natürlich! Youtuber produzierten schon Videos, bevor der dauernd ausverkaufte Duft überhaupt meine Drogerien erreichte. Meine Spannung stieg ins unermessliche, ich wollte ihn so sehr haben. Vor allem zu dem erschwinglichen Preis. Was solls, wenn die Haltbarkeit wie das bekannte Bodyspray ausfallen würde, dann kauf halt zwei Flaschen. Als ich ihn endlich testen dufte, war ich voll freudiger Erwartung eines gourmandigen Sonnencremeduftes. Der Test war jedoch wie ein Bauchklatscher in ein Schwimmbad mit knöcheltiefem Wasser.
Eine strenge Note durchzieht die Kopfnote, die bis zum Drydown leider nicht verschwindet. Was ist das? Vergorene Kokosmilch? Geschmolzenes Plastik? Verdorbene Haselnüsse? Ich kann es nur als solches identifizieren. So etwas habe ich noch nie gerochen. Leider viel zu stechend penetrant, um es zu ignorieren. Im Hintergrund die süss salzige Pistazie. Die Herznote zeigt schon Ähnlichkeit zum
Cheirosa '62 auf. Aber die Störnote bleibt. Im Drydown gibt sie nochmal richtig Gas. Die Haltbarkeit ist moderat, ich hätte sie mir in diesem Fall kürzer gewünscht.Ich konnte nicht glauben, was ich da roch und ging zunächst von einem Defekt an meiner Nase aus, so viele Kunden können sich doch nicht täuschen. Mehrere Tests an unterschiedlichen Tagen in unterschiedlichen Filialen und Testern brachten aber exakt die gleichen Ergebnisse. Eine Kopie zum
Cheirosa '62 Bodyspray oder dem Parfum
Sol Cheirosa '62 ist es somit nicht. Câline ich hätte euch gern mein Geld hinterhergetragen. Aber nicht für einen Plastikunfall. Ich schlage eine Reformulierung vor. Potential ist vorhanden, aber nächstes mal ohne geschmolzene Müslischale mit verdorbenen Zutaten. Die haben nix im Parfum zu suchen.
An der Stelle Liebe Grüsse von Linda. Sie kann nichts dafür.
16 Antworten
Gehirnrüttler
Sublime ist kein Storyteller.
Dies wird meine erste sachliche Rezension. Sicherlich für den ein oder anderen nützlich, aber da ich mich in Phantasiewelten und Geschichten heimischer fühle, könnte diese vielleicht weniger bunt werden.
La vie est Belle hat mich sensibilisiert. Auf schwarze Johannisbeeren. Die rieche ich jetzt meistens treffsicher heraus.
So auch im Sublime.
Die ersten Sekunden: schwarze vorlaute Johannisbeere. In Extrasüß. Wie- der soll unisex sein? Heimlich lache ich hinter vorgehaltener Hand. Ist Armani Si mit ihrem Johannisbeerlikör etwa auch unisex..? Na lassen wir das. Der Parfumeur hat sich schließlich etwas dabei gedacht. Ich schätze kreative Künstler hinter diesem Handwerk.
Machen wir weiter.
Rose. Richtig viel Rose. Aber sie hat ernsthafte Konkurrenz. Das Holz will auch gehört werden. Ich rätselte erst eine Weile, ob es Oud ist. Pyramide sagt Nö. Es sind Hölzer aus Afrika, Italien, Kuba und Indonesien. Oha.
Und der von mir sehr verehrte Safran. Egal in welcher Form, ob im Reis oder im Duft. Ich liebe Safran. Irgendwie veredelt er. Ja man riecht ihn hier heraus, obwohl er sich ganz gut verblendet.
Die Kopf- und Herznote lassen mich mit Fragezeichen zurück. Was ist es denn? Ein holziger Rosenduft? Eine Safranrose oder Johannisbeersafranholz?
Ist er schlecht? Nein ist er nicht. Ist er gut? Ich bin noch unschlüssig. Irritiert. Es ist so ein Gefühl als würde man im Zug sitzen und aus dem Fenster einen anderen, losfahrenden Zug beobachten und nicht wissen, wer in diesem Moment fährt. Dieser kurze Moment des Kontrollverlusts. Ok vielleicht nicht so dramatisch, aber mein Gehirn bekam es bis dahin nicht gebacken.
Fast minütlich halte ich mein Handgelenk unter die Nase. Aber er will sich einfach nicht sortieren. Die Sillage ist gut, über Stunden bekomme ich immer wieder einen kräftigen Hauch des Dufts von nur einem einzigen Sprüher in die Nase.
Nochmals die Pyramide studierend bemerke ich, dass ich mir den Duft anders vorgestellt hatte. Aber wie?
Da kommt mir der Gedanke, dass einer meiner Lieblingsdüfte
True Icon ist trotz Johannisbeere weniger süß. Patchouli ist der Inhaltsstoff, der dem Duft den erdenden Rahmen gibt und alles zusammenhält, ohne dominant zu sein. Harmonisch. Die Rose ist hier rot, tief und richtig satt.
Safran ist genauso wie im Sublime. Wunderschön. Aber dunkel und tief. Er geht bis in den Keller.
Jetzt wird mir klar, worin der Unterschied besteht. Es ist die Heckenrose.
Ich wohne in der Nähe eines Rosengartens. Bei jedem Spaziergang muss ich an allen Sorten riechen. Heckenrosen empfinde ich als heller, leichter, minimal säuerlicher oder frischer als die tiefroten Samtrosen. Ich glaube mir ist bis dahin noch kein Heckenrosenduft in einem Parfum ins Bewusstsein gekommen.
Dazu kommen die Hölzer, die doch anders als das zur Zeit recht beliebte Oud sind. Rose-Oud ist eine bekannte Kombination, aber Sublime beschreibt das Blatt neu mit Heckenrose und anderen, internationalen Hölzern. Safran wirkt wiederum vertraut, aber meistens eben auch in Kombination mit Rose-Oud. Deshalb also die Irritation. Patchouli ist zwar auch hier ein Bestandteil, aber versteckt sich vor meiner Nase.
Das was sich durchweg treu bleibt ist die Johannisbeere. Sie wird in der Basisnote etwas leiser, die Hölzer sind jetzt zuständig. Weihrauch kommt bei mit nicht vorbei. Schade.
Also Sublime ist heller, bzw anders, sie wandert nicht in die dunklen Tiefen, wo all die orientalischen Rosen zuhause sind. Sie bleibt im EG wo die Wände rosa Tapeten tragen und das Licht die Räume flutet. Der Holzboden ist weich und freundlich, die kullernden Johannisbeeren süß und lecker.
All die anderen gelisteten Blüten kann ich nicht herausriechen. Die bereits genannten Komponenten bleiben prominent. Ab und zu meldet sich eine dezente Cremigkeit, die ich dem Moschus zuschreibe. Pudrigkeit hätte ich verneint, würde ich nicht wissen, dass Iris und Veilchen mit von der Partie sind. Die Rose und Johannisbeere sind einfach zu laut.
Die Haltbarkeit ist mit 5-6 Stunden völlig in Ordnung.
Sublime ist ein interessanter Duft, aber keine Liebe die mich im ersten Kontakt mit ihrer Flamme verzehrt hat. Er wirkt reifer. Ich ziehe wieder den Vergleich zum Armani Si. Jugendliche sehe ich nicht als Zielgruppe. Fürs Büro trotz Heckenrose nicht wirklich passend, eher für festlichere Anlässe. Das mag ich an ihm.
Ich brauchte eine Weile, um mich von meinen Vorstellungen und Erfahrungen zu lösen. Als mir das gelang, konnte ich ihn wirklich genießen. Morgen wird er mich auf den Spaziergang in den Rosengarten begleiten und vielleicht zu neuen Geschichten inspirieren. Und vielleicht finde ich dann auch den verlorenen Weihrauch.
Danke Parfumo für die Möglichkeit, den Duft testen zu dürfen.
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