Ein preiswerter Duft für eine Nische
Issey Miyake-Düfte sind für mich pure Nostalgie. Seit dem originalen L’Eau d’Issey von Meisterparfümeur Jacques Cavallier faszinieren mich die aquatischen und frischen Kompositionen der Marke. Beim Einkaufen bin ich zufällig über Le Sel d’Issey gestolpert und konnte nicht widerstehen, ihn direkt aufzusprühen. Schon beim ersten Sprühstoß entfaltet sich eine ausgeprägte aquatische Frische, die mich sofort an meine Kindheit erinnert – an warme Sommertage, an denen ich an einem Weiher spielte, dessen markanter Duft sich mir bis heute eingeprägt hat. Nach wenigen Minuten setzt sich eine deutliche Meeresbrise durch, die allmählich von feinem Zedernholz begleitet wird. Diese Entwicklung verleiht dem Duft eine eigenwillige, fast schon kühle Note, die sich von klassischen frischen Düften abhebt. Dadurch wird Le Sel d’Issey sicherlich nicht jedem gefallen – ein Blindkauf ist daher nicht zu empfehlen. Mit zunehmender Tragedauer wird das Zedernholz immer präsenter, während die anfängliche Meeresfrische sanfter wird. Insgesamt wirkt der Duft auf meiner Haut angenehm kühlend und scheint perfekt für die warmen Monate geeignet. Besonders schätze ich, dass er mutig von den typischen aquatischen Düften abweicht und eine eigenständige Identität besitzt.
Der Flakon ist schlicht gehalten, wirkt aber durch das dicke Glas wertig und robust. Er passt perfekt zum minimalistischen Stil von Issey Miyake und unterstreicht die kühle, frische Charakteristik des Duftes.
Zur Haltbarkeit kann ich nur Positives sagen: Nach meinem ersten Test habe ich einen Duftstreifen mitgenommen und in meinem Wohnzimmer abgelegt – eine Woche später war der Duft noch immer wahrnehmbar. Für einen frischen Duft ist das absolut bemerkenswert. Die Sillage ist ebenfalls stärker als erwartet, aber durch die harmonische Komposition niemals aufdringlich. Dadurch eignet sich Le Sel d’Issey auch als Büroduft, sofern man nicht zu großzügig sprüht.
Fazit:
Für den Preis ist dieser Duft eine echte Überraschung. Dennoch sollte man ihn vor dem Kauf unbedingt testen – Le Sel d’Issey ist eigenwillig, hat aber definitiv das Potenzial, ein persönlicher Signature-Duft zu werden.
French Tobacco – Solides Drydown, aber überteuert
Nachdem ich bereits Art of Arabia 1, Aqua Dubai und Zara Sunrise ausprobiert habe, war ich gespannt auf French Tobacco. Besonders das Drydown wurde oft mit Imagination verglichen – ein Vergleich, den ich nach ausgiebigem Testen durchaus nachvollziehen kann.
Der Duft startet weniger zitrisch als die anderen genannten Düfte und setzt stattdessen auf eine dezente Tabaknote. Diese kann polarisieren – für mich persönlich wirkt sie eher unpassend und stört die Harmonie der Duftkomposition. Während Art of Arabia 1 für mich das beste Opening vorweist, entfaltet sich French Tobacco mit der Zeit in eine angenehm weiche und vertraute Richtung, die tatsächlich stark an das Original erinnert.
Die Haltbarkeit ist moderat, die Sillage in der ersten Stunde gut wahrnehmbar, danach entwickelt sich der Duft zu einem hautnahen Erlebnis. Alles in allem handelt es sich um einen gelungenen Klon, der insbesondere im Drydown seine Stärken zeigt. Allerdings ist der Preis mit über 100 € aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt – realistisch betrachtet würde ich ihn eher in der Preisklasse von 30 bis 35 € sehen.
Louis Vuitton Imagination – Ein frischer Duft mit überraschender Tiefe
Lange Zeit hielt ich Imagination für ein überhyptes Parfum, das seinem Ruf nicht gerecht wird. Doch kurz vor Weihnachten stand ich vor einer Louis Vuitton Filiale und entschied mich, doch einmal hineinzugehen. Die Atmosphäre war etwas unangenehm, aber immerhin konnte ich in Ruhe die Düfte testen.
Beim ersten Aufsprühen war ich enttäuscht. Die Eröffnung erinnerte mich stark an Art of Arabia I – für mich kaum zu unterscheiden. Daher verließ ich die Boutique mit einigen Proben, aber ohne einen Kauf. Doch während ich weiter durch die Stadt schlenderte, roch ich immer wieder an der Probe – und nach etwa einer Stunde nahm der Duft eine völlig neue Wendung.
Der Moschus rückte in den Vordergrund, wodurch Imagination eine maskuline, aber zugleich weiche Ausstrahlung erhielt. Dieser Wandel faszinierte mich, und plötzlich war ich begeistert. Ich konnte nicht widerstehen und bestellte den Duft noch am selben Abend.
Die Haltbarkeit und Sillage sind für einen frischen Duft außergewöhnlich gut. Der Preis ist zwar hoch, aber für diese Komposition absolut gerechtfertigt. Imagination ist kein gewöhnlicher Citrusduft – er hat Tiefe und Charakter. Eine klare Empfehlung für alle, die einen eleganten, vielseitigen Duft mit besonderer Entwicklung suchen.
Al Haramain Aqua Dubai – Eine Welle, die nie das Ufer erreicht
Manchmal baut sich eine Erwartung auf wie eine gewaltige Welle – monatelang wächst sie, türmt sich auf, getrieben von Versprechungen und Sehnsucht. Doch wenn sie schließlich bricht, bleibt nur Schaum auf der Wasseroberfläche zurück. Genau so fühlte sich meine Erfahrung mit Al Haramain Aqua Dubai an.
Nach all dem Hype, nach all dem Warten, landete der erste Sprühstoß auf meiner Haut – und traf mich wie eine kühle Welle, die statt belebender Frische nur einen künstlichen, beinahe stechenden Unterton hinterließ. Wo ich die sanfte, elegante Citrus-Explosion von Imagination erwartet hatte, fand ich stattdessen eine unnatürliche Härte, begleitet von einer merkwürdigen Gumminote, die sich wie ein störender Beigeschmack durch die Komposition zog.
Ich wartete geduldig auf den magischen Drydown, dieses sanfte, fast schwerelose Spiel aus Moschus und Amber, das das Original so unvergleichlich macht. Doch er kam nicht. Stattdessen verlor sich der Duft in einer blassen, austauschbaren Weichheit, ohne Tiefe, ohne das besondere Funkeln, das ihn hätte retten können.
Die Haltbarkeit? Akzeptabel. Die Sillage? Enttäuschend – ein Hauch, der sich viel zu schnell verflüchtigte, als hätte der Duft selbst keine Lust, sich länger auf der Haut aufzuhalten.
Am Ende blieb nur die Erkenntnis: Nicht jede Welle, die sich majestätisch am Horizont aufbaut, trägt einen sicher ans Ziel. Manche brechen, bevor sie je das Ufer erreichen – und genau so war es mit Aqua Dubai. Viel Lärm, viel Erwartung, doch das, was blieb, war nur ein fahler Nachgeschmack einer Enttäuschung.
„Frische Welle mit sanfter Brise – Ein Sommerduft mit Stil“
Ein Sprühstoß, und man taucht ein in die erfrischende Kühle eines Barbershops am frühen Morgen – der Duft von frisch geschnittenem Haar, sauberem Rasierschaum und einer leichten Pudrigkeit liegt in der Luft. Doch anstatt in diesem klassischen Bild zu verharren, nimmt Cool Water Intense eine sanfte Wendung. Wie die Morgensonne, die langsam über das Meer steigt und die ersten warmen Strahlen auf die Haut wirft, weicht die Frische einer geschmeidigen, weichen Note.
Die versprochene Kokosnuss bleibt ein Phantom – vielleicht ein Hauch in der Ferne, aber niemals dominant. Stattdessen bestimmen zitrische Akkorde das Bild und verleihen dem Duft eine fast aquatische Leichtigkeit, die selbst an den heißesten Sommertagen wie eine kühle Brise über die Haut streicht.
Die Haltbarkeit? Solide wie der Schatten einer Palme am Strand – nicht ewig, aber lang genug, um durch den Tag zu tragen. Die Sillage bleibt dezent, fast intim, als würde sich der Duft nur denjenigen offenbaren, die nah genug herantreten.