China White (Extrait de Parfum) von Nasomatto

China White 2008 Extrait de Parfum

Meggi
20.08.2017 - 14:48 Uhr
28
Top Rezension
7Duft 8Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon

Eckernförde Green vom Klorollenhalter-Deckel

Keine Ahnung, ob der Matrose B. damals ‚China White‘ konsumierte. Vielleicht eher ‚Eckernförde Green‘ (die Grundausbildung fand in oliv statt…). Ist ja auch egal. Seinerzeit hatte ich gerätselt, welcher Idiot überall auf den Klos in unserem Block die Metall-Deckel der Klorollen-Halter abgerissen haben mochte. Derlei konnte nämlich durchaus sippenhaft-artige Repressalien nach sich ziehen, ersonnen von den zahlreichen geistig-emotionalen Wichten unter jenen, die, zumindest zu Wehrpflicht-Zeiten, auf mittlerer Ebene der Truppe das Sagen hatten.

Ich wurde irgendwann aufgeklärt, dass der Matrose B. die Deckel benötigt habe, um das Heroin zu oxidieren, das er anschließend an Ort und Stelle zu rauchen pflegte. Aha. Das war mein glücklicherweise bislang dichtester Kontakt mit dem Zeug. Plausible Geschichte, wie mir scheint; übrigens wohl nur einzelner Baustein des Drogen-Konsums, denn besagter Kollege erschien beim allgemeinen Antreten zumeist als Letzter und außerdem empööörend unzackig - gern mit heraushängendem Hemd und stets mit einem recht debilen Grinsen im Gesicht.

Ob China White tatsächlich eine geruchliche Brücke in die Drogenszene schlägt, vermag ich folglich nicht zu beurteilen. Ich rieche zunächst, dass sich auf einer Unterlage aus Duro-Holz eine eigenwillige Gemengelage entfaltet: Floral-süß auf der einen, krautig-rauchig auf der anderen Seite. Originell. Was ist daran weiß? Hm, womöglich eine seifige Anmutung nach ein paar Minuten, die sich hier in alchemistischem Wunder zusammenfindet.

Die noch relativ breite Aufstellung verschwindet binnen einer Stunde und der Duft ist dann im Charakter-Kern zuckrig-metallisch, dazu versehen mit einer Art offen laborieller Zuckererbsen-Schoten-Note. Mittags nehme ich direkt auf dem Handgelenk was Weißblüherhaftes wahr, mit einem Löffel Jasmin-Stink darin. Auf dem Handrücken ist es demgegenüber eher cremig-warm, mehr holzig als rauchig.

Mich erinnert das Holz inzwischen an die Variante, die in einigen der (leider nicht im freien Verkauf erhältlichen) Divergent-Düfte eingesetzt ist. Ich denke insbesondere an „Peitschenschlag“, auch wegen einer diffusen Nähe zum Halspastillen-Leder. Was/Wem immer diese Infos jetzt hier nützen mögen…

Auf jenem nebulös-künstlichen Holz richtet sich China White im Fortgang ein. Mich langweilt das auf lange Sicht etwas, die erste Hälfte war unterhaltsamer. Wenn es wenigstens einfach „schön“ wäre, allerdings enthüllt das Holz, wenn ihm nun die passende Begleitung fehlt, doch gewisse Schwächen. Der genannte Moschus lässt sich als cremiges Sonstwas identifizieren, das dem Holz einen schrägen Kosmetik-Dreh gibt. Eine Meinetwegen-Rose nehme ich erst nach hinten raus nahe der Haut wahr. Und ohne Ansage hätte ich das nicht einordnen können.

Und so bleibt letztlich ein leicht fades Gefühl zurück. Die zuweilen berichtete Animalik verspüre ich nicht. Ich wurde neulich von der lieben G./S. sinngemäß gefragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte, den Duft an einem ziemlich warmen Tag zu testen. Meine Antwort soll heute als Fazit durchgehen: „Ach, so schlimm finde ich den gar nicht. Mittlerweile nervt er mich zwar ein bisschen, aber das liegt nicht am Wetter, sondern an diesem seltsamen Holz-Kosmetik-Gebräu, das schon den ganzen Nachmittag andauert.“

Ich bedanke mich bei MisterE für die Probe.
13 Antworten
HyazintheHyazinthe vor 7 Jahren
Ich fand den irgendwie auch sehr spannend, doch gegen Ende war ich dann auch etwas gelangweilt, und er flog wieder runter von der Wunschliste.
AzaharAzahar vor 8 Jahren
Ein spannender Einblick! Die (halbe) versifftes Klo-Assoziation passt, das war einer der wenigen Düfte, die ich wirklich richtig ekelhaft fand...
PaloneraPalonera vor 8 Jahren
Vom Duft jetzt mal ganz abgesehen: Ich bin echt erstaunt. Bis gerade eben dachte ich, Heroin könne man nur gespritzt konsumieren - und nun lerne ich, daß man es auch rauchen kann. Da siehst Du einmal, wie meilenweit entfernt ich von solchen Dingen bin, ;-/...
PlutoPluto vor 8 Jahren
Hm, merk ich mir den nun oder doch nicht?
MarWicMarWic vor 8 Jahren
Selten einen Duft so unterschiedlich beschrieben gesehen-da hilft echt nur selber testen.....
ErgoproxyErgoproxy vor 8 Jahren
Was es mit dem Namen auf sich hatte, habe ich erst nach dem Verfassen meines Kommentars erfahren. Ich bin da ja eher von Porzellan ausgegangen. :) Für mich ist das immer noch der beste Nasomatto .
FlankerFlanker vor 8 Jahren
Na, schau an! Manchmal hast du doch mehr Glück als ich ;)
Weiter als "Kunststoffknöpfe im Backofen" bin ich bei dem hier nicht grkommen. Es gibt Düfte die für meine empfinden ungesund riechen. Der hier gehört definitiv dazu.
MisterEMisterE vor 8 Jahren
Also ich mag ja diese Kombination aus metallischer, rauchiger Kühle in Verbindung mit den gesüßten Blümchen. Dieses Spiel mit den Gegensätzen finde ich recht spannend!
FirstFirst vor 8 Jahren
Offensichtlich war Matrose B. damals schon ein Pionier der Wegwerf-Gesellschaft, also Klorollenhalterdeckelwegwerfgesellschaft. Musste der die gleich alle abreißen? Im Übrigen: Jasmin und Kunstholz - nööö.
JumiJumi vor 8 Jahren
Ich mochte ihn nicht, wobei ich den Grund für die Abneigung gar nicht namentlich benennen könnte (am Namen allein und der damit verbundenen Assoziation lag es wohl kaum).
KovexKovex vor 8 Jahren
Die olfaktorischen Ausflüge in die Drogenszene gehen doch meistens ziemlich daneben ;)
YataganYatagan vor 8 Jahren
Da ich den Wehrdienst verweigert habe, weiß ich nicht, was man in der Truppe raucht, aber ein guter Duft würde da vielleicht für etwas Entspannung sorgen. China White sollte es wohl aber besser nicht sein.
TaurusTaurus vor 8 Jahren
Mich dünkt, der würde mir nix geben ...