Esprit du Roi Penhaligon's 2011
Top Rezension
Le Roi est mort, vive le Roi!
Dieser König ist nicht mehr. Apicius hat vor 9 Jahren prophezeit, dass man diesen Mittelfeld-Penhaligon’s einst einstellen würde. Esprit du Roi war 2011 eine Neuauflage eines Parfums mit gleichem Namen aus dem Jahr 1983. Zur 83er-Version kann ich nichts sagen, ich beziehe mich hier nur auf die Neuveröffentlichung.
Nun sehe ich das royale Abdanken nicht in seiner angeblichen Mittelklassigkeit begründet, sondern darin, dass die Effekte-gewohnten Konsumenten schlicht „griffigere Konzepte“ verlangen, als man in so einem etwas verschrobenen kräuterigen Herrenchypre erkennen könnte.
Dieser Duchaufour ist sicher handwerklich ein gelungenes Kunstwerk, bei genauerer Betrachtung aber weder Fisch noch Fleisch. Und wenig daran mutet königlich an. Er stammt aus einer Zeit, wo sich klassische grosse und laute Herrendüfte eine breite Fanbasis erwarben, die auch heute oft noch immer besteht. Warum das in den frühen 80ern diesem eher leisen Penhaligon‘s nicht gelingen mochte, kann ich nicht beurteilen, so meilenweit neben den Schuhen kann er allerdings mit seinem bisschen Tomaten-Extravaganz auch nicht gestanden haben.
Doch warum musste nun das königliche Haupt rollen? An der Qualität mag es ja kaum liegen, denn dieser Duft ist wirklich hochwertig gemacht. Entspricht die royalistische Betitelung zuwenig dem Zeitgeist?
Wenn man die neuesten Penhaligon’s Outputs anschaut, dann ist es ja gerade der Noblesse-Faktor, worauf die Marke setzt… allerdings nun auch mit einem Fünkchen britischem Humor ausgestattet, welcher dem armen Tomatenkönig wohl stets abging. Damit sähen wir das Scheitern also beim freudlosen Marketing, das in dieser langweiligen weissen Etikette ihren Konsens findet?
Sei’s drum, ich möchte hier nicht lange philosophieren, warum sich ein Produkt auf dem Markt bewähren kann und ein anderes nicht. Interessant ist aber schon, dass es am Duftkonzept allein nicht liegen kann, haben doch allerlei „altbackene“ Rezepturen in den letzten Jahren eine fast übertrieben gefeierte Renaissance erlebt. Etwa „Chypre Palatin“, „Sartorial“ (beide von Duchaufour), „Invasion Barbare“, „Masculin Pluriel“ (Kurkdjian) etc etc die alle besagen, dass Totgeglaubte oft länger leben.
Bei Esprit du Roi macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit. Dieser Duft kann sich nicht recht entscheiden. Der König regiert, aber er herrscht nicht.
In den Jahren, in denen ich mich mit Düften beschäftigte, hat sich mein Geschmack teilweise stark verändert, teilweise derart erweitert, dass ich heute Parfums zu meiner Sammlung zähle, die ich früher nie und nimmer gemocht hätte.
Sagten mir zu Beginn beispielsweise nur zitrische, relativ naturnahe Düfte ohne jede Süsse zu, so habe ich mich mit ambrierten, süsslicheren oder gar gourmandigen Düften auseinandergesetzt und oft auch angefreundet. Ähnlich ging es mit floralen Düften, die ich zu Beginn überhaupt nicht schätzte.
Und ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch gut an meinen ersten Test dieses Penhaligon’s . Ich hatte ein Pröbchen zusammen mit Endymion erhalten, wobei mir letzterer sofort gefiel.
An der royalen Kopfnote fand ich durchaus gefallen, kräuterig-minzig, dann folgt eine frische nicht zu extreme florale Seifigkeit im Herzen, wie ich es mag.
Die ganz leicht süsslich ambrierte Vetiver-Moos-Basis fand ich eher unpassend und sie liess mich etwas hilflos zurück. Ich habe ihn damals mit lediglich 6.5 Punkten bewertet und es dabei belassen. Mein Urteil muss meiner damaligen Alles-oder-nichts-Maxime unterworfen worden sein: gewürzig-exotisch oder zitrus-frisch. Dass dieser Ansatz nicht endlose Gültigkeit besass, merkte ich, seit ich anfing, die Klassiker von Guerlain & Co. zu testen, wo Zitrus-Komplexe und florale Herzen im Zusammenspiel mit einer wohltemperierten Vanille-Holz-Basis wunderbar funktionieren. Einige Kompositionen dieser Art halte ich für die grössten (und komplettesten) Parfums aller Zeiten.
Dieser Penhaligon’s ist im Grunde ziemlich klassisch arrangiert und man könnte ihn glatt übersehen, weil es doch nichts wirklich Neues darstellt. Die viel zitierte Tomaten-Note katapultiert ihn dann aber doch etwas aus dem Gewohnheitsmässigen heraus und ist vielleicht gerade der Stein des Anstosses für manche.
Esprit du Roi ist dennoch einen Test wert, falls man generell mit britischer Duftschmiedekunst was anfangen kann. Im Netz findet man hie und da noch günstige Restposten, auch ich habe bei einem solchen bedenkenlos zugegriffen.
Und musste den König überraschenderweise rehabilitieren.
Es lebe der tote König!
Nun sehe ich das royale Abdanken nicht in seiner angeblichen Mittelklassigkeit begründet, sondern darin, dass die Effekte-gewohnten Konsumenten schlicht „griffigere Konzepte“ verlangen, als man in so einem etwas verschrobenen kräuterigen Herrenchypre erkennen könnte.
Dieser Duchaufour ist sicher handwerklich ein gelungenes Kunstwerk, bei genauerer Betrachtung aber weder Fisch noch Fleisch. Und wenig daran mutet königlich an. Er stammt aus einer Zeit, wo sich klassische grosse und laute Herrendüfte eine breite Fanbasis erwarben, die auch heute oft noch immer besteht. Warum das in den frühen 80ern diesem eher leisen Penhaligon‘s nicht gelingen mochte, kann ich nicht beurteilen, so meilenweit neben den Schuhen kann er allerdings mit seinem bisschen Tomaten-Extravaganz auch nicht gestanden haben.
Doch warum musste nun das königliche Haupt rollen? An der Qualität mag es ja kaum liegen, denn dieser Duft ist wirklich hochwertig gemacht. Entspricht die royalistische Betitelung zuwenig dem Zeitgeist?
Wenn man die neuesten Penhaligon’s Outputs anschaut, dann ist es ja gerade der Noblesse-Faktor, worauf die Marke setzt… allerdings nun auch mit einem Fünkchen britischem Humor ausgestattet, welcher dem armen Tomatenkönig wohl stets abging. Damit sähen wir das Scheitern also beim freudlosen Marketing, das in dieser langweiligen weissen Etikette ihren Konsens findet?
Sei’s drum, ich möchte hier nicht lange philosophieren, warum sich ein Produkt auf dem Markt bewähren kann und ein anderes nicht. Interessant ist aber schon, dass es am Duftkonzept allein nicht liegen kann, haben doch allerlei „altbackene“ Rezepturen in den letzten Jahren eine fast übertrieben gefeierte Renaissance erlebt. Etwa „Chypre Palatin“, „Sartorial“ (beide von Duchaufour), „Invasion Barbare“, „Masculin Pluriel“ (Kurkdjian) etc etc die alle besagen, dass Totgeglaubte oft länger leben.
Bei Esprit du Roi macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit. Dieser Duft kann sich nicht recht entscheiden. Der König regiert, aber er herrscht nicht.
In den Jahren, in denen ich mich mit Düften beschäftigte, hat sich mein Geschmack teilweise stark verändert, teilweise derart erweitert, dass ich heute Parfums zu meiner Sammlung zähle, die ich früher nie und nimmer gemocht hätte.
Sagten mir zu Beginn beispielsweise nur zitrische, relativ naturnahe Düfte ohne jede Süsse zu, so habe ich mich mit ambrierten, süsslicheren oder gar gourmandigen Düften auseinandergesetzt und oft auch angefreundet. Ähnlich ging es mit floralen Düften, die ich zu Beginn überhaupt nicht schätzte.
Und ich erinnere mich in diesem Zusammenhang noch gut an meinen ersten Test dieses Penhaligon’s . Ich hatte ein Pröbchen zusammen mit Endymion erhalten, wobei mir letzterer sofort gefiel.
An der royalen Kopfnote fand ich durchaus gefallen, kräuterig-minzig, dann folgt eine frische nicht zu extreme florale Seifigkeit im Herzen, wie ich es mag.
Die ganz leicht süsslich ambrierte Vetiver-Moos-Basis fand ich eher unpassend und sie liess mich etwas hilflos zurück. Ich habe ihn damals mit lediglich 6.5 Punkten bewertet und es dabei belassen. Mein Urteil muss meiner damaligen Alles-oder-nichts-Maxime unterworfen worden sein: gewürzig-exotisch oder zitrus-frisch. Dass dieser Ansatz nicht endlose Gültigkeit besass, merkte ich, seit ich anfing, die Klassiker von Guerlain & Co. zu testen, wo Zitrus-Komplexe und florale Herzen im Zusammenspiel mit einer wohltemperierten Vanille-Holz-Basis wunderbar funktionieren. Einige Kompositionen dieser Art halte ich für die grössten (und komplettesten) Parfums aller Zeiten.
Dieser Penhaligon’s ist im Grunde ziemlich klassisch arrangiert und man könnte ihn glatt übersehen, weil es doch nichts wirklich Neues darstellt. Die viel zitierte Tomaten-Note katapultiert ihn dann aber doch etwas aus dem Gewohnheitsmässigen heraus und ist vielleicht gerade der Stein des Anstosses für manche.
Esprit du Roi ist dennoch einen Test wert, falls man generell mit britischer Duftschmiedekunst was anfangen kann. Im Netz findet man hie und da noch günstige Restposten, auch ich habe bei einem solchen bedenkenlos zugegriffen.
Und musste den König überraschenderweise rehabilitieren.
Es lebe der tote König!
Aktualisiert am 29.05.2020 - 03:55 Uhr
12 Antworten


Für mich persönlich hat Tomatenblatt einen Geruch, den ich oft nur schwer toleriere.
Tolle Rehabilitation, vive le roi!