Sammlerleidenschaft, wer kennt sie hier nicht im Forum. Da wächst einem eine tolle Marke vom Konzept und Duftprofil her ans Herz. Insbesondere, wenn der allererste Duft, Lapidus pour Homme Eau de Toilette , hammermäßig einschlug und standesamtlich wie eine herzensgute Klette an einem in guten wie schlechten Zeiten kleben wird, bis dass… Ach, lassen wir uns noch viel Zeit zum Beenden des Satzes, liebe und lebensfrohe Nasen!
Dass man aber nicht alles an Duftmischmasch durchgehen lassen kann, habe ich bereits beim güldenen Lapidus pour Homme Gold Extreme gezeigt.
Dieses Mal plant zwar die GAF - Gefrässige Armee Fraktion - keine politische Entführung samt Nasensabmurksen, dafür schaffen es Synthiepop Wiedergänger der 1980er im blauen Gewand, mir eine blaue Stunde der besonderen Art zu bescheren.
Vor mir steht ein toller Flakon, welcher äußerst schwer zu beschaffen ist.
Tief blau das Glas, die Kanüle sonderedel phantasmagorisch passend in Spektralblau gehalten. Ich vermute, dass sie weiß oder farblos ist, dennoch erhält sie durch die faszinierende Farbe des Flakons diesen Schimmer. Einfach eine herrliche Augenweide! Ganz ehrlich? Einer der gelungensten Entwürfe seit langem!
So richtig breit beworben wurde die dunkelblaue Pulle nicht. Seltsamerweise geschah dies außerhalb des französischen Mutterlandes nur in der südlichen Hemisphäre, genauer in Südafrika, Chile und Argentinien. Meine Vermutung wäre, dass zum Zeitpunkt der Verkaufsstarts in Europa kalter Winter herrschte, während in Richtung 34. Breitengrad Süd gerne geschwitzt wurde. Sportliche Gauchos u.a. als Zielgruppe? Die Werbung bleibt da gewohnt vage.
Gut, der Sportler vom Urlapidus darf dieses Mal erheblich mehr seines Allerwertesten inmitten einer kühlen Nacht zeigen. Tja, 1987 wäre dieser Schachzug terriblement effrayant gewesen. Muskulöser Rücken genehm, Sitzfleisch bitte bedecken. Was der Lauf der Zeit und blaue Schattierungen vermögen…
Doch nun lebt ein Duftkonzept nicht nur von der Verpackung und Vermarktung allein. Und Ihr ahnt es schon, dieses Mal erwartet mich gar Wiederkehrendes mithilfe von Voodoo-Künsten.
Doch bevor das Abtauchen ins Reich gefangener Seelen beginnt, möchte ich zum Versüßen - auch ein wiederkehrendes Motiv des Duftverlaufs - der Zombie-Saga folgende Popperle unterbreiten (bitte als Pop Perle und nicht kopulierend südwestdeutsch verstehen). „Blue Savannah“ von Erasure ist prädestiniert, sowohl als Originalversion wie Remix als Rauschkulisse genossen zu werden. Na, rollen sich schon Zehennägel zurück?
Zisch!
Gewöhnlich benötigt der Voodoo-Priester Opfergaben, um dunkle Kräfte gütig zu stimmen. Und die gibt es hier körbeweise! Kunstapfel, Kunstananas, Kunsthesperiden. Wundermolekül Nr.1 zaubert diese catchy augmented reality pics illusorischer Märkte von Port au Prince, Haiti bis nach Lomé, Togo. Der Saft besagter Früchte in Süß rinnt regelrecht an meiner Halsschlagader runter. Dass hier bereits die Schwelle zum Unnatürlichen überschritten wurde, beweist ein kleiner Feldversuch. Irgendwo macht es sich eine überdimensionale Hornisse japanischen Ausmaßes in der Nähe meines Balkons recht bequem. Wir vertagen uns dennoch relativ gut. Normalerweise würde Fruchtsaft sie geradezu zu Tisch bitten und mir meine Luftröhre nach einem Stich etwas zudrücken lassen. Doch hier verhält es sich anders, sie sucht das Weite. Punkt für Lapidus, Abwehrhaltung gelungen!
Ok, es stichelt etwas in der Nase, nervt ein wenig, aber ich gebe dennoch nicht auf.
Wundermolekül Nr.2 der 1980er beginnt mit den Zuckungen. Totgeglaubte leben länger!
Langsam wird das Klopfen gegen den Sargdeckel lauter, das morsche Holz gibt nach und das Gespenstische steigt schließlich aus dem Grab!
Ein für den heutigen Geschmack angepasster „Lavendel“ weht so vertraut im Dihydromyrcenol Nebel wie Anno 1988. Und der putzige Andy Bell von Erasure spielt vergnügt mit blauen Blättern und goldenen Putten auf seiner Haut, welche er von einer blauen Hand aufgesetzt bekommt.
Liebe Nasen, so wie der Sänger im Video immer blauer wird, umso schlimmer ein neuerlicher Alptraum meinerseits wurde.
Die recht kühlen Nächte des Frühlings 2024 halfen vielleicht suggestiv, wer weiß. Töricht wie ich es zu pflegen bin, sprühte ich zu später Stunde auf meinem Handrücken den hier rezensierten Duft, dann ab in die Heia. Ich meine, schließlich ist es Cool Night! Aber leider nicht good night!
Im Traum saß ich in einem Food Court gegenwärtiger Einkaufskulissen, so weit so banal. Langsam gesellten sich leise sonderbare Gestalten zuerst an den Nachbartischen, dann an meinem. Weit geöffnete Augen, hier und da blaue Blutergüsse, groteske Mode eingestellter Marken. Ich meine, wer bei Schildkappen von Boy London, moonwashed Jeans von Closed samt Hosenträgern in Paisley-Muster über Benetton-Aussage T-Shirt, Dr. Martens in Leopard und nach Kunstfrüchten à la The Body Shop riechend nicht augenblicklich schreiend aufwacht, der ist getrost mausetot.
Laut Zombieabwehr-Almanach sollen spitze Gegenstände im Bereich der Augenhöhlen wie Wunder wirken. Klar helfen ein paar Essstäbchen, aber die Anzahl duftender Untoter überstieg das vorhandene Besteck. Und wie es in gutbürgerlichen Alpträumen immer so ist, versagen einem immer mehr die Beine beim Fliehen vor der unfashionable Meute, irgendwie bleibt man im Fussboden stecken.
Hier kommt der Einsatz von Wundermolekül Nr.3 ins Spiel.
Meine leider lädierte bessere Hälfte wurde durch mein Jammern geweckt und rüttelte mich wach, dem Himmel sei Dank!
Ich roch noch eine gewisse grün bläuliche Kühle am Handgelenk.
Das ist also der Weisheit letzter Schluss, trockene Kühle als Duftmerkmal!
Ironischerweise hatte meine bessere Hälfte nicht minder schlimm geträumt, synchronisierte Heimsuchung kann ich da nur sagen.
Machen wir es abschließend kurz, Wundermoleküle Nr. 4 und 5 sind so altbacken gewöhnlich, dass man sie getrost mit holzig tonkaesk abfertigen kann.
Was den kopulierenden Faktor der kühlen Nacht angeht, so sei beruhigend angemerkt, dass die stichelnde, süß säuerliche Note für tote Hose sorgt. Selbst die „krautige“ Kühle vermag keine schlafenden Einbalsamierten zu erwecken.
Aber wer weiß, vielleicht bin ich noch nicht mit der blauen Szene vertraut. Lieber Merkzettel, wird irgendwann im nächsten Leben nachgeholt. Im Jetzigen kann ich nur meine relativ großzügige Bewertung der Plörre damit begründen, dass der Lavendel andersartig kühl poppig moduliert wurde, abzüglich besagter „Früchte“.
Und, dass ich dem Zombie-Genre nicht ganz abgeneigt bin.
Den LpHCN kenne ich nicht. Dennoch bin ich der Marke sehr gewogen, weil Altamir mein Herz im Sturm erobert hat: Duftet wunderbar (mein Mann hat mir den Flakon sofort begeistert entrissen 😄) und schont den Geldbeutel. Damit hat die Marke bei mir einen Stein im Brett.
Vielen Dank für deine tolle Rezension!
Dein Alptraum hat mir gefallen... Vor allem Dr. Martens in Leo.
Was für eine großartige Zeit! 🙈
Was mir nicht ganz klar ist: Erasure... Gut oder nicht?
Da ist er ja endlich!
Meinen Horrorfilm muss ich heute jedenfalls nicht mehr gucken, danke dafür.
Und meine Anerkennung, du hast dich diesem Test wacker gestellt. Ich hoffe, du kannst es alsbald seelisch verarbeiten und dann wieder besser schlafen. Dafür habe ich jetzt wieder meine Hornissenphobie, die ich bereits verdrängt hatte.
für diese amüsante Horrorgeschichte einen blauen Pokal!
die 7,5 für den Duft verstehe ich eher nicht.. für die Vielfalt, Mensch & Tier in die Flucht zu schlagen?
Also ich nehm dann lieber das Lied von Erasure im Original... da könnte man doch glatt mal wieder das "Wild"-Album rauskramen.
Der Duft erscheint mir nicht so erbaulich, trotz des andersartig kühl poppig modulierten Lavendels.
Aber so wie ich es verstanden habe, ging die Dufterfahrung ohne Exorzismus ab :-D
„Blue Savannah“ hat anscheinend nicht gereicht (außer der Farbe). Ein bisschen „Oh L‘Amour“ und/oder „Abba-Esque“ hätte dem Duft womöglich besser getan 😀.
Der Song von Erasure war ja nie meins und Düfte in blauen Flakons lassen selten Gutes erwarten, von ein paar wenige Ausnahmen mal abgesehen. Dein Kommentar war mal wieder total corall.
Den Duft aufgesprüht? Muss man sich Sorgen machen?
Hatte schon Kopfkino der besonderen Art 😂🤣✌️
Diese ganzen Zombie-Wundermoleküle wären mir viel zu anstrengend…bevorzuge es natürlicher.
Gerne gelesen !! 🏆
Dein Alptraum hat mir gefallen... Vor allem Dr. Martens in Leo.
Was für eine großartige Zeit! 🙈
Was mir nicht ganz klar ist: Erasure... Gut oder nicht?
Bin schon bei den furchtbaren Opfergaben raus...
Meinen Horrorfilm muss ich heute jedenfalls nicht mehr gucken, danke dafür.
Und meine Anerkennung, du hast dich diesem Test wacker gestellt. Ich hoffe, du kannst es alsbald seelisch verarbeiten und dann wieder besser schlafen. Dafür habe ich jetzt wieder meine Hornissenphobie, die ich bereits verdrängt hatte.
Liebe Grüße
die 7,5 für den Duft verstehe ich eher nicht.. für die Vielfalt, Mensch & Tier in die Flucht zu schlagen?
😂😂😂😂
Wieder köstlich amüsiert bei dir, gehe jetzt zur blauen Stunde rüber…
Danke Dir!
Der Duft erscheint mir nicht so erbaulich, trotz des andersartig kühl poppig modulierten Lavendels.
Aber so wie ich es verstanden habe, ging die Dufterfahrung ohne Exorzismus ab :-D
😂😂😂😂
Schön, Dich wieder hier zu haben!
Das tröstet über den Duft hinweg.
Danke Dir!
🤓
Klar, dass der Stammbaum nicht immer die besten Früchte abwerfen wird.
😂😂😂😂
😂😂😂😂😂
Ganz lieben Dank, lieber Faunman!
Hallo? Ich bin Schwabe.
Danke Dir!
🏆
Sehr gern gelesen, unterhaltsam und aufschlussreich 🤓
Nun kannst Du ja in Echtzeit den Duftverlauf mit verfolgen!
Aber wir sind bessere gewohnt.
Danke Dir!