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Top Rezension
Hail to thee, rose of Glamis!
An RP habe ich mich ziemlich abgearbeitet. Zu Anfang fand ich ihn reichlich verwirrend. Erst nach diversen Tagen des Testens hat sich für mich eine Linie herausgeschält.
Der Auftakt ist noch was für Freunde eindeutiger Ansagen oder für Hakelmacher: Was steht drin? Schwarzer Pfeffer, Rosa Pfeffer, Koriander (bei TDC in dieser Reihenfolge genannt). Aufsprühen, Schnuppern: Jawoll! Schwarzer Pfeffer, Rosa Pfeffer, Koriander. Reihenfolge? Passt. Kopfnote abgehakt. Zügig weiter mit der Herznote: Damaszener Rose, Zentifolie. Bereits an dieser Stelle zögert die Hand, einen Haken zu machen. Rose, so viel ist eindeutig. Aber die? Wir werden sehen: RP hat eine Überraschung parat.
Mit Rosen-Düften ist das so eine Sache. Mir ist bislang kein Parfüm untergekommen, das dem echten Rosenduft das Aroma auf Nasenhöhe hätte polieren dürfen. Geschweige denn dem Duft Alter Rosen. Der hat wenig gemein mit den schwächlichen Gerüchlein, die beispielsweise in Rosensträußen üblicherweise zu finden sind.
Auch RP zeigt in der ersten halben Stunde eher die gängige Anmutung duftschwächerer moderner Zuchtformen, obwohl es erfreulicherweise weniger seifig-synthetisch wird als sonst oft. Hier hat der Rosenduft sogar eine gewisse Wässrigkeit. Keine schlabberige wie abgestandene Fruchtschorle, sondern eine frische und durchaus elegante. Es riecht tatsächlich ein wenig wie Wassermelone, wie meine stets zum Test gebetene Kollegin gleichermaßen befand.
Die Alten Rosen um ihre betörende Fülle zu erleichtern, bietet zunächst keinen Anlass für ein Qualitätsurteil. Man mag es vielmehr für verständlich halten, auch – wenngleich nicht nur – im Hinblick auf den Unisex-Gedanken. So sehr ich den klassisch-opulenten Duft Alter Rosen mag, an mir möchte ich ihn nicht riechen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Und selbst für Damen wäre ein "echter" Alte-Rosen-Duft sicherlich nur für handverlesene, schlechthin pompöse Anlässe geeignet – Kategorie Hochzeit des Papstes und aufwärts.
Um sich ohne Erregung öffentlichen Ärgernisses den Alten Rosen zu nähern, greift Monsieur Ellena zu einem Trick. Denn in den zunächst seifig-wässrigen Rosenduft schleicht sich langsam eine stichige, regelrecht strenge, pflanzliche Note, die den Geruch deutlich intensiver werden lässt. Ich habe mich bereits einmal beim stinkenden Storchschnabel in "Whitehall" gefragt, was das Pflanzen-Äquivalent zu animalisch sein mag. Mich wenigstens erinnert das hier an Narzisse oder besser Hyazinthe. Und Letztere ist nun wirklich ein Stinker! Doch wozu das Ganze?
Man geht in die Irre, wenn man zu dicht an der Haut schnuppert (oder zu offensiv dosiert hat...). Dann wird diese Hyazinthe (durchaus lebensecht!) nahezu unerträglich. Mit ein wenig Abstand zur Haut jedoch mischt sich der Stinker mit dem wässrigen Rosenduft zu einer Gemeinschafts-Note, die Ähnlichkeit bekommt mit dem, was gelegentlich als "Myrrhe-Duft" im Zusammenhang mit einigen Rosen-Sorten bezeichnet wird. Das ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern stellt einen der vielen im Grunde hilflosen Versuche dar, sich ohne Tautologien dem Wunder Rosenduft begrifflich zu nähern. "Echte" Alte Rosen dieser so bezeichneten Duftrichtung wird es geben, ich besitze keine solche. Mir ist der Ausdruck vielmehr bekannt im Zusammenhang mit Züchtungen David Austins, also mit Englischen Rosen und zwar einigen seiner Hybriden Alter Rosen.
Bestes Beispiel aus meiner Sammlung ist "Glamis Castle" – als Ort literarisch von Shakespeare in "Macbeth" verewigt. Austin hat den Namen allerdings gewählt, weil Queen Mum dort ihre Kindheit verbrachte. Diese Rose ist selbst für Austin-Maßstäbe empfindlich und ich sehe sie (vermutlich deshalb) im Handel nur selten. Bei mir im norddeutschen Klima mickert sie seit Jahren mehr schlecht als recht vor sich hin. Ich müsste sie wahrscheinlich gelegentlich mit Gin gießen…
"Mary Rose" oder ihr Sport "Winchester Cathedral" gehen geruchlich zumindest in die gleiche Richtung, obschon sie weniger streng daherkommen. Sie sind häufiger zu finden – für den Fall, dass jemand während der Rosen-Saison nachriechen will. Wer nicht (warten) möchte und zudem gerade keine Hyazinthe in Reichweite hat, kann sich eine geöffnete Nivea-Dose unter die Nase halten. Das verschafft immerhin eine grobe Ahnung vom speziellen Dreh des Geruchs. Spätestens nach diesem Vorschlag ist klar, dass wir es in RP mit der wohl abseitigsten und meines Erachtens am wenigsten femininen Variante unter den Rosendüften zu tun haben. Das ist zweifellos etwas Besonderes.
Die Rose bleibt lange von der pfeffrigen Note unterlegt, stellenweise wird das Gewürz wieder geradezu intensiv. Als reine Kopfnote lässt es sich am Ende dann doch nicht so einfach abhaken. Das Vetiver, das nach rund vier bis fünf Stunden an den Start geht, wird ebenfalls schlüssig im Hinblick auf die Englische-Rosen-Camouflage, denn es schiebt sich schleichend statt der Hyazinthe in den Duft und übernimmt deren Aufgaben, bis schlussendlich dem Rosen-Eindruck die Puste ausgeht. Insgesamt finde ich das gelungen und originell.
Der Zibet hält sich tatsächlich zurück. Mit tierisch-wilden Assoziationen, wie manche Kommentatoren sie nostalgisch beschreiben, wartet dieser Duft nicht auf. Das macht ihn in meiner Nase nicht zwingend schlechter. Kann ich ohnehin nicht fundiert beurteilen, da ich die Variante nicht kenne, die vor der mehrfach diagnostizierten Reformulierung in Umlauf war. Für mich persönlich stelle ich lediglich fest, dass ich für solche Contenance eher dankbar bin, denn animalische Noten in den vorderen Reihen sind nicht so meins und Zibet am allerwenigsten.
Die Haltbarkeit ist sehr ordentlich. Vor allem im Hinblick darauf, dass die Rose schön lange bleibt. Die Sillage fällt - dem Mischungskonzept angemessen - erträglich aus.
Bei meiner Bewertung ging es zu wie bei Aale-Dieter auf dem Hamburger Fischmarkt ("...und noch'n Aal!"): Zunächst habe ich den Duft im Mittelmaß gesehen, im Laufe der Beschäftigung damit hat er mir jedoch immer besser gefallen und ich habe diverse Aale in Form zusätzlicher Prozente drauf gelegt. Einziges Manko für mich: Er kommt mir bislang schwer tragbar vor, schließlich könnte er meine Umgebung genauso irritieren wie mich zu Beginn. Vielleicht sollte mir das aber auch egal sein. Ich werde unverdrossen den einen oder anderen weiteren Feldversuch im Büro durchführen.
Fazit: RP ist ein spezieller Rosenduft, der es einem nicht allzu leicht macht. Einigermaßen frisch über Stunden, zwar streng, gleichwohl rein und nie muffig. Lohnt definitiv einen Test, gerade für Herren, die an anderen Rosendüften das Duftig-Schwebende für sich zu feminin finden.
Der Auftakt ist noch was für Freunde eindeutiger Ansagen oder für Hakelmacher: Was steht drin? Schwarzer Pfeffer, Rosa Pfeffer, Koriander (bei TDC in dieser Reihenfolge genannt). Aufsprühen, Schnuppern: Jawoll! Schwarzer Pfeffer, Rosa Pfeffer, Koriander. Reihenfolge? Passt. Kopfnote abgehakt. Zügig weiter mit der Herznote: Damaszener Rose, Zentifolie. Bereits an dieser Stelle zögert die Hand, einen Haken zu machen. Rose, so viel ist eindeutig. Aber die? Wir werden sehen: RP hat eine Überraschung parat.
Mit Rosen-Düften ist das so eine Sache. Mir ist bislang kein Parfüm untergekommen, das dem echten Rosenduft das Aroma auf Nasenhöhe hätte polieren dürfen. Geschweige denn dem Duft Alter Rosen. Der hat wenig gemein mit den schwächlichen Gerüchlein, die beispielsweise in Rosensträußen üblicherweise zu finden sind.
Auch RP zeigt in der ersten halben Stunde eher die gängige Anmutung duftschwächerer moderner Zuchtformen, obwohl es erfreulicherweise weniger seifig-synthetisch wird als sonst oft. Hier hat der Rosenduft sogar eine gewisse Wässrigkeit. Keine schlabberige wie abgestandene Fruchtschorle, sondern eine frische und durchaus elegante. Es riecht tatsächlich ein wenig wie Wassermelone, wie meine stets zum Test gebetene Kollegin gleichermaßen befand.
Die Alten Rosen um ihre betörende Fülle zu erleichtern, bietet zunächst keinen Anlass für ein Qualitätsurteil. Man mag es vielmehr für verständlich halten, auch – wenngleich nicht nur – im Hinblick auf den Unisex-Gedanken. So sehr ich den klassisch-opulenten Duft Alter Rosen mag, an mir möchte ich ihn nicht riechen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Und selbst für Damen wäre ein "echter" Alte-Rosen-Duft sicherlich nur für handverlesene, schlechthin pompöse Anlässe geeignet – Kategorie Hochzeit des Papstes und aufwärts.
Um sich ohne Erregung öffentlichen Ärgernisses den Alten Rosen zu nähern, greift Monsieur Ellena zu einem Trick. Denn in den zunächst seifig-wässrigen Rosenduft schleicht sich langsam eine stichige, regelrecht strenge, pflanzliche Note, die den Geruch deutlich intensiver werden lässt. Ich habe mich bereits einmal beim stinkenden Storchschnabel in "Whitehall" gefragt, was das Pflanzen-Äquivalent zu animalisch sein mag. Mich wenigstens erinnert das hier an Narzisse oder besser Hyazinthe. Und Letztere ist nun wirklich ein Stinker! Doch wozu das Ganze?
Man geht in die Irre, wenn man zu dicht an der Haut schnuppert (oder zu offensiv dosiert hat...). Dann wird diese Hyazinthe (durchaus lebensecht!) nahezu unerträglich. Mit ein wenig Abstand zur Haut jedoch mischt sich der Stinker mit dem wässrigen Rosenduft zu einer Gemeinschafts-Note, die Ähnlichkeit bekommt mit dem, was gelegentlich als "Myrrhe-Duft" im Zusammenhang mit einigen Rosen-Sorten bezeichnet wird. Das ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern stellt einen der vielen im Grunde hilflosen Versuche dar, sich ohne Tautologien dem Wunder Rosenduft begrifflich zu nähern. "Echte" Alte Rosen dieser so bezeichneten Duftrichtung wird es geben, ich besitze keine solche. Mir ist der Ausdruck vielmehr bekannt im Zusammenhang mit Züchtungen David Austins, also mit Englischen Rosen und zwar einigen seiner Hybriden Alter Rosen.
Bestes Beispiel aus meiner Sammlung ist "Glamis Castle" – als Ort literarisch von Shakespeare in "Macbeth" verewigt. Austin hat den Namen allerdings gewählt, weil Queen Mum dort ihre Kindheit verbrachte. Diese Rose ist selbst für Austin-Maßstäbe empfindlich und ich sehe sie (vermutlich deshalb) im Handel nur selten. Bei mir im norddeutschen Klima mickert sie seit Jahren mehr schlecht als recht vor sich hin. Ich müsste sie wahrscheinlich gelegentlich mit Gin gießen…
"Mary Rose" oder ihr Sport "Winchester Cathedral" gehen geruchlich zumindest in die gleiche Richtung, obschon sie weniger streng daherkommen. Sie sind häufiger zu finden – für den Fall, dass jemand während der Rosen-Saison nachriechen will. Wer nicht (warten) möchte und zudem gerade keine Hyazinthe in Reichweite hat, kann sich eine geöffnete Nivea-Dose unter die Nase halten. Das verschafft immerhin eine grobe Ahnung vom speziellen Dreh des Geruchs. Spätestens nach diesem Vorschlag ist klar, dass wir es in RP mit der wohl abseitigsten und meines Erachtens am wenigsten femininen Variante unter den Rosendüften zu tun haben. Das ist zweifellos etwas Besonderes.
Die Rose bleibt lange von der pfeffrigen Note unterlegt, stellenweise wird das Gewürz wieder geradezu intensiv. Als reine Kopfnote lässt es sich am Ende dann doch nicht so einfach abhaken. Das Vetiver, das nach rund vier bis fünf Stunden an den Start geht, wird ebenfalls schlüssig im Hinblick auf die Englische-Rosen-Camouflage, denn es schiebt sich schleichend statt der Hyazinthe in den Duft und übernimmt deren Aufgaben, bis schlussendlich dem Rosen-Eindruck die Puste ausgeht. Insgesamt finde ich das gelungen und originell.
Der Zibet hält sich tatsächlich zurück. Mit tierisch-wilden Assoziationen, wie manche Kommentatoren sie nostalgisch beschreiben, wartet dieser Duft nicht auf. Das macht ihn in meiner Nase nicht zwingend schlechter. Kann ich ohnehin nicht fundiert beurteilen, da ich die Variante nicht kenne, die vor der mehrfach diagnostizierten Reformulierung in Umlauf war. Für mich persönlich stelle ich lediglich fest, dass ich für solche Contenance eher dankbar bin, denn animalische Noten in den vorderen Reihen sind nicht so meins und Zibet am allerwenigsten.
Die Haltbarkeit ist sehr ordentlich. Vor allem im Hinblick darauf, dass die Rose schön lange bleibt. Die Sillage fällt - dem Mischungskonzept angemessen - erträglich aus.
Bei meiner Bewertung ging es zu wie bei Aale-Dieter auf dem Hamburger Fischmarkt ("...und noch'n Aal!"): Zunächst habe ich den Duft im Mittelmaß gesehen, im Laufe der Beschäftigung damit hat er mir jedoch immer besser gefallen und ich habe diverse Aale in Form zusätzlicher Prozente drauf gelegt. Einziges Manko für mich: Er kommt mir bislang schwer tragbar vor, schließlich könnte er meine Umgebung genauso irritieren wie mich zu Beginn. Vielleicht sollte mir das aber auch egal sein. Ich werde unverdrossen den einen oder anderen weiteren Feldversuch im Büro durchführen.
Fazit: RP ist ein spezieller Rosenduft, der es einem nicht allzu leicht macht. Einigermaßen frisch über Stunden, zwar streng, gleichwohl rein und nie muffig. Lohnt definitiv einen Test, gerade für Herren, die an anderen Rosendüften das Duftig-Schwebende für sich zu feminin finden.
11 Antworten


Ich unterschreibe.
Wollerton Old Hall finde ich übriges auch recht myrrhig. Zwischen die (am Bogen) und Winchester Cathedral habe ich Walderdbeeren gepflanzt, weil ich die Kombi einfach himmlisch finde. Und ja, selber so duften ist dann doch irgendwie too much.
Fein reflektierter Rosenpokal!