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Top Rezension
Basar bei Nacht
Nanu? Sphingen als gestrenge Krokodilbeobachter? Im Text zu Luxor Oud ist zu lesen, solche würden auf die Krokodile herabblicken, die am Ufer des Nils am Tor zu den Tempelanlagen von Luxor herumschlängeln. Aha. Als ich DIE Sphinx mal besucht habe, schlappe 500 km weiter nördlich in Gizeh, guckte sie auf ein paar Zelte und Gruben herab und wirkte keineswegs an der Fauna rundherum interessiert. An Krokodilen waren freilich in der näheren Umgebung ohnehin allenfalls Nachbildungen aus Holz zu finden oder entsprechende Figürchen baumelten in Plastikform von Nippes-Schlüsselanhängern herab; ich weiß nicht mehr, was an den Souvenir-Ständen alles feilgeboten wurde. Vielleicht nehmen die zahlreichen, deutlich kleineren Kolleginnen in Luxor regeren Anteil, laut den Bildern sind sie jedoch selbst kaum groß genug, um sich gegenüber einem kapitalen Krokodil dicke tun zu können.
Aber zum Duft: Da hat MisterE mir ja was Feines ausgesucht – vielen Dank dafür!
Der Auftakt bietet derart milde Frucht, dass er als Einstieg in eine Therapie für Fruchtduft-Phobiker geeignet schiene. Durchweg hält sich die fruchtige Note gut. Trotz ihrer Milde geht sie nicht unter, denn der ganze Duft ist recht zurückhaltend. Diese Mandarine ist weder zu sauer, noch süßlich-angemufft wie etwa die letzten, unwürdig nachgereiften Exemplare nach den Weihnachts-Feiertagen. Sie ist genau richtig.
Die Rose ist in ihrem Charakter zunächst einigermaßen nahe an vielem anderen, was z. B. unter „türkisch“ oder so läuft. Was mir allerdings im vorliegenden Fall besonders gefällt, ist ihre natürlich-kompakte Art, ohne Spagat zwischen plakativem Rosen-Lärm und Edelrosen-Wässrigkeit wie beispielsweise in Black Aoud von Montale. Stattdessen sind florale, süße und fruchtige Anteile schön austariert - die angegebenen „Früchte“ subsummiere ich an dieser Stelle einfach mal. Speziell für Rosenduft-Fans mag die Sache ein bisschen zu dezent ausgefallen sein, ich finde sie gleichwohl im Stil sehr gelungen, geradezu lebensecht, sie ist an dieser Stelle genau richtig. Garten-Referenz: „Nostalgie“, ein zweifarbiges Meisterwerk aus dem Hause Tantau. Dauerblühend, duftstark und ziemlich robust, diese Kombination ist die rosen-züchterische Herausforderung schlechthin.
Ob es die Bedeutung der Zutat Zistrose unterstreichen soll, dass Memo sie auf seiner französischen Website doppelt aufführt, einmal englisch, einmal französisch...? Kleiner Scherz am Rande. Auch die Zistrose ist zurückhaltend. Im bisherigen Kontext genau richtig.
Ab dem frühen Nachmittag (ungefähr im Laufe der siebten Stunde), schiebt sich allmählich eine leicht medizinische Oud-Note in den Vordergrund. Im Laufe des Vormittags war sie sozusagen in dezenter Holz-Andeutung bereits zu erahnen. Ungestützt hätte ich dort auf Zeder getippt, wenngleich nicht solo-luftig, sondern labdanum-vercremt. Auch diese Oud-Note ist leise. Erstaunlich, wo die Pharaonen-Gewänder angeblich in dem Zeug gewissermaßen gebadet wurden, wie ich mal irgendwo gelernt habe.
Einen Hinweis auf den Grund dafür liefert womöglich, dass der Hersteller nicht von Oud, vielmehr von einem Oud-Akkord spricht. Durchaus denkbar folglich, dass es sich um selbstgebasteltes Oud handelt, ähnlich wie bei Oud Immortel von Byredo. Von den Oud-Krachern ist dies hier jedenfalls weit entfernt. Macht aber nix, passt zum Ansatz und angesichts der Gefährdung des Adlerholzbaumes ist das doch in Ordnung. Und wiederum ist die Note an dieser Stelle genau richtig.
Gegen Ende des Duftverlaufs beglückt eine Kombination aus nunmehr luftigerem, patchouli-staubigerem, meinetwegen oud-artigem Holz, Früchten („rote“ ist absolut plausibel) und einer Idee Cumarin. Das ist sogar nach zehn Stunden noch gut wahrzunehmen, die Haltbarkeit ist mithin sehr ordentlich.
Warum breche ich jetzt nicht in Jubel aus, obwohl alles richtig ist? Hm. Am Ende beschleicht mich der Eindruck, es habe an mancher Ecke der Mut gefehlt, Dinge zu Ende zu denken, einen Schwerpunkt zu setzen. Dennoch: Ein insgesamt gelungenes Parfüm. Wer einen grundsätzlich orientalischen Duft wünscht, der trotzdem uneingeschränkt tragbar ist, vergleichsweise still wie vielleicht (ich weiß es nicht) ein arabischer Markt-Platz bei Nacht sein mag, liegt damit: genau richtig.
Aber zum Duft: Da hat MisterE mir ja was Feines ausgesucht – vielen Dank dafür!
Der Auftakt bietet derart milde Frucht, dass er als Einstieg in eine Therapie für Fruchtduft-Phobiker geeignet schiene. Durchweg hält sich die fruchtige Note gut. Trotz ihrer Milde geht sie nicht unter, denn der ganze Duft ist recht zurückhaltend. Diese Mandarine ist weder zu sauer, noch süßlich-angemufft wie etwa die letzten, unwürdig nachgereiften Exemplare nach den Weihnachts-Feiertagen. Sie ist genau richtig.
Die Rose ist in ihrem Charakter zunächst einigermaßen nahe an vielem anderen, was z. B. unter „türkisch“ oder so läuft. Was mir allerdings im vorliegenden Fall besonders gefällt, ist ihre natürlich-kompakte Art, ohne Spagat zwischen plakativem Rosen-Lärm und Edelrosen-Wässrigkeit wie beispielsweise in Black Aoud von Montale. Stattdessen sind florale, süße und fruchtige Anteile schön austariert - die angegebenen „Früchte“ subsummiere ich an dieser Stelle einfach mal. Speziell für Rosenduft-Fans mag die Sache ein bisschen zu dezent ausgefallen sein, ich finde sie gleichwohl im Stil sehr gelungen, geradezu lebensecht, sie ist an dieser Stelle genau richtig. Garten-Referenz: „Nostalgie“, ein zweifarbiges Meisterwerk aus dem Hause Tantau. Dauerblühend, duftstark und ziemlich robust, diese Kombination ist die rosen-züchterische Herausforderung schlechthin.
Ob es die Bedeutung der Zutat Zistrose unterstreichen soll, dass Memo sie auf seiner französischen Website doppelt aufführt, einmal englisch, einmal französisch...? Kleiner Scherz am Rande. Auch die Zistrose ist zurückhaltend. Im bisherigen Kontext genau richtig.
Ab dem frühen Nachmittag (ungefähr im Laufe der siebten Stunde), schiebt sich allmählich eine leicht medizinische Oud-Note in den Vordergrund. Im Laufe des Vormittags war sie sozusagen in dezenter Holz-Andeutung bereits zu erahnen. Ungestützt hätte ich dort auf Zeder getippt, wenngleich nicht solo-luftig, sondern labdanum-vercremt. Auch diese Oud-Note ist leise. Erstaunlich, wo die Pharaonen-Gewänder angeblich in dem Zeug gewissermaßen gebadet wurden, wie ich mal irgendwo gelernt habe.
Einen Hinweis auf den Grund dafür liefert womöglich, dass der Hersteller nicht von Oud, vielmehr von einem Oud-Akkord spricht. Durchaus denkbar folglich, dass es sich um selbstgebasteltes Oud handelt, ähnlich wie bei Oud Immortel von Byredo. Von den Oud-Krachern ist dies hier jedenfalls weit entfernt. Macht aber nix, passt zum Ansatz und angesichts der Gefährdung des Adlerholzbaumes ist das doch in Ordnung. Und wiederum ist die Note an dieser Stelle genau richtig.
Gegen Ende des Duftverlaufs beglückt eine Kombination aus nunmehr luftigerem, patchouli-staubigerem, meinetwegen oud-artigem Holz, Früchten („rote“ ist absolut plausibel) und einer Idee Cumarin. Das ist sogar nach zehn Stunden noch gut wahrzunehmen, die Haltbarkeit ist mithin sehr ordentlich.
Warum breche ich jetzt nicht in Jubel aus, obwohl alles richtig ist? Hm. Am Ende beschleicht mich der Eindruck, es habe an mancher Ecke der Mut gefehlt, Dinge zu Ende zu denken, einen Schwerpunkt zu setzen. Dennoch: Ein insgesamt gelungenes Parfüm. Wer einen grundsätzlich orientalischen Duft wünscht, der trotzdem uneingeschränkt tragbar ist, vergleichsweise still wie vielleicht (ich weiß es nicht) ein arabischer Markt-Platz bei Nacht sein mag, liegt damit: genau richtig.
13 Antworten
JoHannes vor 10 Jahren
Dein Kommentar ist schön, der Luxor Oud ist mir "zu" schön. Keine Ecken, einfach nur so wie sagst: Oud mit Rose (ein Novum!) und Früchten. Punkt. Dafür bin ich zu alt ;-) ... aber Memo hat ja noch den genialen "Shams Oud / Shams"! ;-)
Dobbs vor 10 Jahren
Das hört sich nach einer potentiellen Gefährdung meines Kontostandes an ;o) Nicht zu aufdringliches Oud mit Früchten und Rosen trifft bei mir ziemlich oft in die Vollen.
Zauber600 vor 10 Jahren
Gut geschriebener Kommi .. klingt interessant .. ich wollte Shams Oud mal testen. Die Marke hat scheinbar ein paar gute Düfte am Start! Irish Leather rulez :)
Pluto vor 10 Jahren
Klingt nach einem nicht zu schweren Orientalen, gar nicht so übel
Palonera vor 10 Jahren
Ja, die Memos sind fein und dieser hier scheint keine Ausnahme zu bilden. Und ein guter Oud-Nachbau zum Schutz des gefährdeten Adlerholzes gehört ohnehin gewürdigt. Dein Kommentar sowieso!
Gaukeleya vor 10 Jahren
Der würde mir als Oud-und-Rose-Feigling vermutlich gut gefallen *g* Hat das Alsterhaus den? Dann schnuppere ich mal rein demnächst. Die sind Memo-mässig ja ganz gut ausgestattet. *leise Pokal abstell*
Seerose vor 10 Jahren
Ich verleihe Dir mal einen Tritonuspokal, der etwas andere Akkord
DuftJunkie vor 10 Jahren
Ein Rose-Oud-Duft, bei dem weder Rose noch Oud den Ton angibt. Es hätte der Haute Parfumerie neue Wege eröffnen können, wenn (DU SAGST ES) man mit etwas Mut einen Schwerpunkt gesetzt hätte ...
MarWic vor 10 Jahren
Wunderbarer Titel !
Sarungal vor 10 Jahren
Gibt's eigentlich irgendwas Oudiges, das nicht beinahe ewig (+7h) hält? Schöner Vergleich, der nächtliche arabische Marktplatz! Sternenpokal
MisterE vor 10 Jahren
Prädikat "Besonders Wertvoll". Der Kommentar und der Duft. Einer meiner absoluten Lieblinge. Würdig skizziert!
Ormeli vor 10 Jahren
Hört sich doch alles recht vernünftig an :-)
Ergoproxy vor 10 Jahren
Stiller Pokal.

