Düfte in Filmen und Serien N°17
1978
New York
Discohölle de luxe
Und eine Welle von seltsamen Morden
Heute möchte ich einen Film vorstellen, welcher mich schon recht früh heimsuchte. Verbotenerweise durfte ich, damals Dreikäsehoch, als Mutprobe diesen Thriller bei einem Schulfreund auf Videokassette - seltener Luxus jener Zeit - schauen und heimste mir eine gehörige Gardinenpredigt daheim ein. Hätte ich nur auf meine Eltern und ihre Freunde gehört. Aber es war nunmal geschehen.
Himmel, irgend etwas geisterte während der gesamten Dauer des Streifes rum, etwas nicht Nennbares, Subtiles, Okkultes.
Irgendwann kam irgendwer und bestätigte mir meine späteren Beobachtungen als Erwachsener.
Und die heutigen Ereignisse dürften wohl für sich sprechen.
Vorhang auf für…
Die Augen der Laura Mars!
Die Geschichte ist relativ einfach erzählt.
Eine erfolgreiche Fotografin schießt äußerst kontroverse und schockierende Bilder, sie vermischt glamouröse Mode, heiße Körper und rohe Gewalt als Stilmittel. So entsteht eine verstörende Ästhetik, welche weitaus mehr darstellt, als ursprünglich beabsichtigt.
Denn diese Bilder spiegeln grausame echte Tatorte wider, ohne bewußte Kenntnis der Künstlerin. (In Wirklichkeit stand Helmut Newton hinter der Kamera.)
Sie verfügt über die unheimliche Gabe, unterbewußt diese blutigen Taten neu zu inszenieren.
Außerdem kann sie durch die Augen eines Mörders während seiner Schandtaten blicken.
Äußerst gruselig!
Der Film beginnt in media res und ohne Umschweif mit einem hinterhältigen Mord, alles aus der Perspektive des Mörders, neudeutsch POV.
Diese Gestalt schleicht sich in die Wohnung einer Frau ein, durchstöbert ihre Bücher, vorbei an einer Figurine, die recht Baal-mäßig rüberkommt.
Dann durchblättert ihre Hand den Bildband Eyes of Laura Mars, bleibt beim abgelichteten Opfer stehen und schneidet das Hochglanz-Foto aus.
Es wird in der Küche stattfinden, wonach die Mordlust gegiert hat.
Augenblicke später erwacht unsere Heldin, gespielt von Fay Dunaway, in ihrer Luxuswohnung in Manhattan auf und ahnt intuitiv, wer sich in Gefahr befindet. Doch die Müdigkeit übermannt sie und sie belässt es bei einem erfolglosen Anruf.
Denn sie wird noch Kraft für eine ihrer glanzvollen Ausstellungen brauchen.
Jener Austragungsort ihrer Vernissage gleicht dem Abstieg in einem modebewußten Folterkeller des dekadenten New Yorks Ende der 1970er, alles ist schwarz gehalten und nur ihre Bilder wirken wie Fenster in exquisite Abgründe.
Tanzbare Discomusik läuft im Hintergrund, Verkaufszahlen der Bilder werden wie Aktienkurse zelebriert, angewiderte Kommentare ignoriert.
Es wird der Beginn eines Katz und Maus-Spiels sein, jemand wird Laura Mars verfolgen, ihr nachstellen, ihr die fotografierten Grausamkeiten als waschechte Leichen aus ihrem Bekanntenkreis servieren.
Und sie wird ständig ihre Fotosessions unterbrechen müssen, da sie quasi zum Auge des Mörders wird.
Es bleibt bis zum Ende spannend, wer nun der Killer sein könnte.
Doch nun zur Einstufung des Filmes im zeitlichen Kontext und die aktuelle Bedeutung.
Kleine Details reihen sich wie eine Perlenkette dunkelster Orakel.
Während einer polizeilichen Absperrung eines Leichenfundorts kann man an einem Gebäude reklameartig den Namen Trump lesen. Schräg gegenüber „entrance“ und „hot rods“.
Yeah…
In jener Zeit wird der junge Donald Trump die Bekanntschaft des schillernden Roy Cohn machen, sich sogar mit ihm und dem Betreiber des Studio 54, Steve Rubell, ablichten lassen.
Schickeria de luxe und der Anfang einer wunderbaren freundschaftlichen Stilberatung.
Der gute Roy wird dem lieben Donald eine fantastische Politkarriere ermöglichen.
Aber wir wollen uns ja später beim Begräbnis jener Aids-Opfer in den 1980ern nicht zeigen, es ziemt sich nicht.
Nächster Hinweis: zwei Flaschen der Kosmetikfirma Erno Laszlo vor dem Bild des ehemaligen Gatten der Fotografin.
Zunächst nichts Ungewöhnliches, einfach etwas ramponiert, halbvoll und irgendwie dreckig. Die eine Flüssigkeit sieht wie gelbes Blutserum aus, die andere wie Schlamm.
Doch…
Die Firma waberte sonderbar im Kreise der Schönen und Reichen rum, versprach wundersame Verjüngung, recht exklusiv und verstörend diskret. Ihr Gründer stammte aus Ungarn, genauer Siebenbürgen, sprich Transsylvanien.
Gespenstisch…
Außerdem sind diese Flaschen wie Zwillingstürme arrangiert…
Dann wären noch Nummernschilder von Interesse.
Ein Bus mit dem Kennzeichen 9269 trägt Lauras Reklame einer Kosmetikfirma Côte d’Azur spazieren.
Und nachdem Lauras Fahrer sie zu einem Studio-Loft vorbei an den Zwillingstürmen des World Trade Centers in der Ferne fährt, erblicken wir das Kennzeichen des biederen Kombis: 911 WUO.
Zufälle während der Dreharbeiten Ende 1977 - Anfang 1978.
Ts ts ts
Zu den Düften, denn die kommen auch vor.
Leider konnte ich Lauras Geschmack nicht entziffern, auf ihrem teuren Schminktisch stehen recht edle Kristall-Flakons.
Solche waren recht beliebt in jener Zeit, genau wie die von Lalique.
Man ließ sich einfach das eigene Parfum abfüllen.
Saks bot in der exklusiven Abteilung solche Kostbarkeiten an.
Dann wäre noch ein recht modisch gehaltener Flakon mit metallischer Umrandung. Vielleicht eine echte Nische damals.
Alles schön und teuer, aber leider namenlos.
Sollten wir tatsächlich ohne bekannte Duftkreationen leer ausgehen bei einem so stylischen Streifen?
Mitnichten!
Die eine Szene, und ich meine tatsächlich die Kult-Szene schlechthin, wartet gut versteckt mit einem waschechten Klassiker auf, welcher heute noch zu kriegen ist.
Also, gut aufgepasst!
Das zweite Fotoshooting ist unter Kennern mitunter als okkultes Ritual zu verstehen.
Die Bildkomposition, die Musik, die Abfolge der Handlungen.
Das geübte Auge erkennt leicht, welche Kräfte hier walten.
Aber ich möchte nicht abdriften, sonst bekomme ich womöglich noch einen Alu-Hut verpasst!
Wie gesagt, diese Szene hat Filmgeschichte geschrieben.
Barbusige Modells werden geschminkt und gekleidet.
Eines davon muss ein malträtiertes Auge verbergen und wird entsprechend geschminkt und frisiert.
Ein verstörendes Bild von Laura an der Wand, eine liegende Nackte mit teuflischem Hund drauf, lädt zur Zeremonie ein.
Die Bewegungen, die Blicke, die mörderische Thematik, alles untermalt mit dem Kult-Discohit Let’s All Chant von Michael Zager Band.
Mehr 1978 geht nicht.
Und zwischen Haarbürsten, Schminkutensilien und Fummel blickt ganz scheu einer meiner Dauerbegleiter vom Schminktisch aus in die Kamera.
Ok, mein Schicksal wurde besiegelt!


Grey Flannel
Axiomatic
Der Film läuft auch auf YouTube!
Und damals gehörte Siebenbürgen zur ungarischen Hälfte vom Kaiserreich Österreich-Ungarn.
Später dann zu Rumänien.
Bin ganz froh, dass mein Grey Flannel mir nur schöne Momente beschert ☺️
Den Film kenne ich zwar nicht, jedoch war ich vor ein paar Jahren in einer Helmut-Newton-Ausstellung, die diesen Zeitgeist widerspiegelte!
Nun muss ich bloß nochmal den grey flannel-Mini testen..
Ich trage den auch hin und wieder und hoffe, dass ich nicht solch vestörende Visionen beim Tragen bekomme! ..... :o)
Grey Flannel ist fein und vielfältig einsetzbar.
Hast du eine Ahnung, welches Parfum die Zofe aus Bunuels "Tagebuch einer Kommarzofe" verwendet?