Grey Flannel 1975 Eau de Toilette

Grey Flannel (Eau de Toilette) von Geoffrey Beene
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7.2 / 10 712 Bewertungen
Grey Flannel (Eau de Toilette) ist ein Parfum von Geoffrey Beene für Herren und erschien im Jahr 1975. Der Duft ist grün-würzig. Es wurde zuletzt von French Fragrances, Inc. vermarktet.
Aussprache
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Duftrichtung

Grün
Würzig
Blumig
Holzig
Frisch

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GalbanumGalbanum NeroliNeroli PetitgrainPetitgrain ZitroneZitrone BergamotteBergamotte
Herznote Herznote
VeilchenVeilchen NarzisseNarzisse MimoseMimose RoseRose RosengeranieRosengeranie SalbeiSalbei IrisIris
Basisnote Basisnote
EichenmoosEichenmoos VetiverVetiver ZederZeder MandelMandel TonkabohneTonkabohne

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.2712 Bewertungen
Haltbarkeit
7.7548 Bewertungen
Sillage
7.0539 Bewertungen
Flakon
7.0526 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
9.1159 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 10.04.2024.

Rezensionen

76 ausführliche Duftbeschreibungen
9
Flakon
5
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
FrauLohse

68 Rezensionen
FrauLohse
FrauLohse
Top Rezension 64  
Die tragische Rolle des schwer Ertragbaren
Gestern schrieb ich zu Grey Flannel ein Statement und erntete darauf ein "schwer zu tragender Klassiker".
Kurios, denn der Duft ist sehr einfach zu ertragen. Er fordert mich nicht heraus und nervt auch nicht rum. Wieso ist er dann so schwer zu tragen? Diese Aussage deckt sich mit vielen Kommentaren hier. Vielleicht ist es nicht das Tragen an sich, sondern das wo und wann. Die Frage stellte ich mir daraufhin. Ja, wo und wann will ich ihn ertragen. Die Antwort kam prompt. Für mich. Aber sie beantwortet mir auch, warum dieser Duft zu dieser Einschätzung kommt.

Als der Flakon eintraf, schnüffelte ich erstmal am Sprüher. Macht man nicht, ich weiß, aber ich halt doch. Immer. Grey Flannel war der Duft in dem Paket, von dem ich erwartete, er würde mir am Wenigsten gefallen. Trotzdem hing mein Rüssel zuerst an diesem wunderschönen Flakon. Und direkt empfing mich Puder. Toll. Sprüh. Das staubt. Herrlich, auf sowas steh ich. Danach frischt der Duft auf, wird zitrischer, seifiger. Wenn es das gibt, grüne Irisseife. Abgeseift und abgepudert fühle ich mich. Es grünt nach. Nicht in Form von Eichenmoos, sondern von unserer Vorstellung von Moos. Wenn man darüber streicht, ist es wunderbar samtig und flauschig. Moos hat mich schon als Kind über alle Maße interessiert. Veilchen-Iris-Mooserinnerungs-Seifenschaum-Puder.

Und zack da bin ich. 4 oder 5 Jahre alt. In der Badewanne. Mit Schrumpelfingern und Füssen. Mein Papa hält mir ein Badetuch hin. Riesig groß und schön frisch. Wie Handtücher früher eben waren. In einer Zeit ohne Weichspüler und Trockner rochen Handtücher irgendwie anders. Die gleiche Zeit, in der Frische Luft Lufterfrischer nicht süß fruchtig waren, gab es die damals überhaupt? (Kleiner Einschub, mich regt das auf, wenn ich frische Luft Lufterfrischer kaufe, möchte ich auch frische Luft, wann hat das angefangen, dass die künstlich süss wurden? ) Frisch hieß frisch, so "Chemise Blanche" frisch eben. Frisch und knarzig waren die Badetücher und trotzdem kamen sie uns watteweich vor. Ich werde ordentlich abgerubbelt und eingecremt. Vielleicht geht es dann noch im Nachtpolter nach unten zu meinen Großeltern auf die Couch. So riecht das für mich. Zur Erklärung für die jüngere Generation, nicht nur die Handtücher waren anders, auch die Badezusätze rochen nicht nach Einhornschiss, sondern waren grün, vielleicht noch lila. Aber niemals rosa. Es waren 4 Liter Kanister und sie hießen Fichte. Oder so.
Ich rieche also einen ganzen Abenteuertag draußen mit grünen Knien, Träumen im Moos, Wattewölkchen vorbeiziehen lassen, ein ewig dauerndes Bad, Handtücher, Umarmungen von meinem Papa und meinem Opa. Und das alles wunderbar in Traumpudrigkeit eingebunden.

Trotz aller Euphorie über den Flashback in die späten 70er & frühen 80er, stellt sich verdient die Frage, wann will ich das tragen? Ist das tragbar? Und ich sage ja. Nach jeder Dusche, denn ich habe gar keine Badewanne, in jedem Sommer und immer dann, wenn mir die beiden ersten Männer meines Lebens fehlen und ich mich ihrer erinnern möchte. Durch die sanfte Pudrigkeit ist Grey Flannel ein sehr benutzbarer Duft für mich und ein Ersatzduft, wenn ich 19 Poudre von Chanel nicht mag.

Ist der Duft tragbar für die Herren da draußen? Absolut. Ich verstehe aber, wenn der Anlaß dazu fehlt. Mir jedoch würde dieser Duft sofort auffallen an einem Mann unter 65. Im Stilbruch zum Träger käme Grey Flannel richtig gut. Und wenn er den Duft nicht nur als Trendaccessoires (ja, ich sehe da das Klischee vom bärtigen Hipster) trägt, ist es ein Statement. Siehe Kommentar von Tipasa.

Die getestete EA Version ist langlebig, jedoch nach einer Weile sehr hautnah. In der lauten, echten Welt da draußen könnte der Duft zu leise sein. Es empfiehlt sich, nachzusprühen nach so 5 Stunden. Bei dem hippen Flakon macht es aber überhaupt nichts, diesen mitzuführen. Oder im Büro stehen zu haben.

Grey Flannel ist für mich derart altmodisch, dass der Duft schon wieder modern ist. Schwer zu tragen, tragisch Ertragbar? Nein. Probieren, unbedingt. Männlein, wie Weiblein.

28 Antworten
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Siebenkäs

63 Rezensionen
Siebenkäs
Siebenkäs
Top Rezension 45  
Heimweh
Ich hab‘ mich gar nicht so schlecht eingelebt hier,
und das sag‘ ich jetzt nicht nur, um mir’s schön zu reden.
Und auch nicht, weil man sich ja an alles gewöhnt.
Ich mag beide Sonnenaufgänge, ich mag unsere Siedlung
und ich mag sogar die Aviorer.
Blöde Bezeichnung, aber sie nennen sich tatsächlich selbst
so, der Delta-Tradux Translator ist da ganz korrekt.
Natürlich ist Avior ein absolut unbewohnbarer Doppel-
stern und nur die Monde 4 und 5 sind halbwegs gemütlich.
Und ja, es stimmt – ich fühl‘ mich hier auf 5 fast schon wohl.
Nicht wirklich zu Hause – aber immerhin.
Und nur manchmal hab‘ ich so was wie Heimweh –
Sehnsucht nach Wald zum Beispiel, nach Wiesen, nach
Nebel, Heu, Blumen oder grünenBergen. Und nach
anderen irdischen Gütern.
Und genau für diese Momente habe ich Grey Flannel.
Zum Glück.
Manche von euch würden die Kopfnote im ersten Moment
vielleicht ein wenig ruppig nennen, aber glaubt mir,
630 Lichtjahre von der Erde entfernt riechst du das
ziemlich anders.
Schnell packt es mich, das grasig-herbe Potpourri,
das sich um eine sehr kecke und taufrische Veilchen-
note rankt wie geliebtes Unkraut, das Beton versteckt.
Ein bisschen Lavendel steigt mir dazu in die Nase, ruft
Provence-Erinnerungen auf den Plan und treibt mir
vielleicht mal kurz ein Tränchen in die Augen.
Schon ist es wieder weggewischt. Quatsch, nur keine
Sentimentalitäten bitte.
Nach und nach wird alles weicher, leicht pudrig und
Iris-gedämpft, ein wenig Salbei und vielleicht ein paar
Narzissen sind noch mit im Spiel, sattgrünes Waldmoos
scheint unter allem zu liegen, federnd und die Realität
abpolsternd.
Ein grün-frischer Erdenwind, der holzig-balsamig und
fast ein wenig Tonka-süß verweht, langsam und geduldig,
wie der Nachklang eines Märchens in unseren Träumen.
Ein Waldspaziergang im Kopf, während ein paar hundert
Meter weiter violette Borsümpfe wabern.
(Nein, die sind nicht wirklich gefährlich.)
Und noch einiges mehr kommt mir in den Sinn – ein großes,
kühles, luftiges Blumengeschäft zum Beispiel, mit seinem
ganz eigenen Duft und Flair. Eines, in dem man sich zum
Flanieren eine kleine Nelke für’s Knopfloch besorgt.
Und natürlich ein perfekt geschneiderter Anzug, nicht
unbedingt neapolitanisch, sondern eher britisch. Aber
dennoch weicher und lässiger geschnitten, also eher
Anderson & Sheppard als Henry Poole.
Also kurz gesagt – für mich so eine Art Visitenkarte
unserer guten alten Erde, so wie ich sie ungefähr in
Erinnerung hab‘.
Also schon ein wenig verzerrt und verklärt.
Aber einfach schön und von eigenem Zauber.
Altmodisch?
Klar, so altmodisch wie einem die Erde vorkommt, wenn
man 14 Monate lang mit zig-facher Lichtgeschwindigkeit-
in einem G“127-Schiff von ihr weg gestürzt ist.
Und das nicht freiwillig. Tja – hätten wir vor 25 Jahren das
mit dem Klimawandel ein bisschen ernster genommen,
wären heute vielleicht noch mehr als 10% der Erde
bewohnbar. Und die ganze Umzieherei wäre nicht nötig
gewesen. Aber was soll’s.
Ihr fragt euch, was ich mache, wenn der Flakon leer ist?
Nun, es gibt mittlerweile weder im Sternbild Schiffskiel
noch im Pferdekopfnebel oder in einer anderen Galaxie
dieses Teils unseres schönen Universums auch nur einen
entlegenen Winkel, der nicht von Amazon beliefert wird.
Andere Quellen gibt es allerdings leider auch nicht mehr –
aber das haben ja anscheinend alle so in Kauf genommen.
Kinder, ich glaub‘ ich werd‘ grad ein bisschen allzu
besinnlich. Ich muss wohl mal raus, mit ein paar netten
Aviorern über ihren Urlaub auf Gliese 5 quatschen oder
eine Runde Bolf-Quod spielen. Bin mittlerweile schon
ganz gut, Level 7 ungefähr, wenn man mich ein klein
wenig schummeln lässt, und darin sind die Aviorer gut,
ich meine im Schummeln-ignorieren.
Können wir Menschen ganz gut gebrauchen, oder?

26 Antworten
9
Flakon
8
Duft
Konsalik

86 Rezensionen
Konsalik
Konsalik
Top Rezension 35  
Verzeihung, ich habe Sie missverstanden! (oder: Das, was unter dem Anzug passiert)
In dem Parfumkapitel seines Buches "Der Gentleman" schreibt Bernhard Roetzel über "Grey Flannel" u.a.:
"Diesem Duft merkt man zum Glück nicht an, dass er 1976, also mitten in einer nicht gerade für zeitlosen Stil bekannten Dekade, auf den Markt gekommen ist. Er passt am besten zu einer eher klassisch ausgerichteten Garderobe."
Das habe ich zuerst nicht verstanden. Im Gegenteil: Der von vielen Kommentatoren auf dieser Seite vermittelte Eindruck des Ungefügt-Unverständlichen kam eingangs auch in mir auf. Das Ende des Duftverlaufs war noch recht einleuchtend: Dezente Seife. Durchaus klassisch. Aber was sollte das wie aufgesetzt wirkende florale Bouquet im Auftakt und in der Herznote, das sich so gar nicht harmonisch mit der seifig-sauberen Basis verbinden wollte, sondern im Gegenteil auf mich in Kombination fast wie eine unreife Papaya roch? Gar nicht ausgewogen, gerundet, unaufdringlich - eben all das nicht, was man mit einem Duft assoziieren würde, der doch als Vollendung einer klassischen (sprich: alt-britischen) Garderobe aufzufassen sei. Also doch ganz die ungelenken Siebziger? Aber ganz so plakativ versteht "Grey Flannel" seine Aufgabe nicht!
Es gibt heutzutage bekanntlich eine beliebte Duftkategorie innerhalb der Gattung der "Freshies" (so nennen das anglophone Youtuber wohl), deren Vertreter den Eindruck erfrischter Ausgeh- oder Besuchsfertigkeit vermitteln sollen: Frisch geduscht, frische Wäsche von der Leine: Alles im Flakon konzentriert. "Grey Flannel" tut im Grunde nichts anderes, nur eben auf die alte und - wie ich finde - interessantere Weise. Das bedeutet konkret: Nicht geduscht, sondern gebadet. Nicht mit Flüssigseife und Duschgel eingeschmiert, sondern mit Kernseife abgerieben (wessen Eltern und/oder Großeltern hatten nicht dieses schier endlos ergiebige Stück Kernseife, evtl. mit Kiefernduft, im Bad liegen?). Die Wäsche nicht mit Lenor "Sommerwaldstrandbergquellzauber"-Weichspüler behandelt (schadet überdies den Fasern), sondern allein mit einem Schuss des krautig-floralen Bügelwasserzusatzes erfrischt (die Haushälterin sagt, schon ihre Uroma habe drauf geschworen).
Erst aus dieser Perspektive ergeben die oben geschilderten ersten Eindrücke Sinn: Deshalb dürfen die Duftkomponenten so scheinbar unverbunden nebeneinander stehen. Deshalb ist "Grey Flannel" eben doch ein stückweit ein "Anzug zum Aufsprühen": Er unterstreicht, verstärkt und verlängert die wesentlichen Schritte der Morgenroutine des sich stadtfein machenden Gentleman alten Zuschnitts. Kein Wunder, dass dessen Gewohnheiten und Vorlieben für unsere modernen Nasen im ersten Moment kein harmonisches, d.h. sofort und leicht einzusortierendes Bild abgeben. Roetzel hatte recht.
7 Antworten
9
Sillage
9
Haltbarkeit
8.5
Duft
Stulle

24 Rezensionen
Stulle
Stulle
Top Rezension 45  
Ein echter Charakterduft
Machen wir uns nichts vor: GREY FLANNEL ist nicht modern. Ganz und gar nicht. Kein bisschen. Absolut null. In keinster Weise - und gerade deswegen übt er eine immense Faszination auf mich aus.

Beim ersten Sprüher überkommt mich ein seltsames Gefühl - das Gefühl von Unnahbarkeit, Humorlosigkeit, nüchternem Ernst und Vergangenheit. Galbanum - hier offensiv - ist wirklich nicht jedermanns Sache, wie man hier bestimmt schon bemerkt hat.

Jedoch direkt nach diesem fast schon schroffen Beginn öffnet sich der Duft: eine helle Klarheit von zitrischen Noten und Neroli-Klängen entfaltet sich. Wie eine dichte & tiefhängende Wolkendecke, die nach dunklen und verregneten Novembertagen plötzlich ganz unerwartet aufreisst und blauer Himmel wieder Hoffnung gibt. Mut. Lebenskraft.

Ein bisschen auch wie: verschmitzter Humor, der auf einmal inmitten einer hanseatischen Ernsthaftigkeit aufblitzt und ein gutes, freundliches Wesen zeigt. Aber auch bloß nicht zu viel: „Na, dann wollen wir mal nich’ übermütig werden, junger Mann, näch?!“ (durch die Nase lachend).

In der Herznote gelangen wir zu einer Blumigkeit, die mit süßen Damendüften absolut nichts gemein hat. Also keine netten, kleinen Blümchen, die liebreizende Enkeltöchter im deutschen Heimatfilm der Fünfziger Jahre der knuffigen Großmutter von der grünen Wiese mitbringen.
Die Narzisse ist für mich die herausragende Blüte, die in ihrer Klarheit GREY FLANNEL als blumig-trockenen Herrenduft definiert. Ebenso vermeine ich einen Hauch Hyazinthe zu verorten, die für mich immer etwas herb-metallisch duftet und dabei an Klassiker wie z.B. Chanel Cristalle erinnert.
Neben einer Spur trocken-pudriger Iris glaube ich, Salbei in homöopathischer Dosis zu erkennen. Ich habe aber gerade eine Tasse Tee mit Salbei aus Mutters Garten getrunken, vielleicht hat das dem Kraut in die Karten gespielt.
Die Basis ist üppig eichenmoosig, jedoch ohne jegliche fruchtige Süsse, die ich oft in eichenmooshaltigen Damendüften wahrnehme (und auch sehr mag). Möglich, dass eine Spur Tonkabohne die Komposition abrundet, aber genau identifizieren kann ich sie nicht.

GREY FLANNEL ist nun beim besten Willen kein harmlos-unauffälliger Mainstream-Duft, der problemlos und stromlinienförmig in die Duftlandschaft der Zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts passt. Nein, es ist ein äußerst markanter und galbanumfrischer Narzissenduft mit einer maskulin-herben Basis, geprägt von einer wahren Fülle interessanter Duftnoten und einer höchst spannenden Entwicklung. Aus der Zeit gefallen? Unbedingt! Jedoch nicht zwangsläufig im negativen Sinne.

An jungen Männer kann ich mir den nur schwerlich vorstellen; ich vermute, dass man dafür schon einen gewissen Reifegrad benötigt. Andererseits - vielleicht sollte man es gerade deshalb mal wagen? Denn aus der süßlich-frisch und nett riechenden Masse herausragen wird man damit garantiert.
Was die Tragbarkeit für Damen angeht, würden mich Erfahrungen diesbezüglich interessieren; ich konnte leider kein weibliches Wesen meiner Umgebung zum Test überreden ;)

Mit Sicherheit ist GREY FLANNEL ein Charakterduft, den man als Meilenstein der Parfumgeschichte betrachten muss und auf jeden Fall gerochen haben sollte. Parfumneulinge, traut Euch - vielleicht findet Ihr ihn (noch) furchterregend, aber ich garantiere: Ihr werdet Euch an diesen Duft erinnern.
28 Antworten
10
Haltbarkeit
10
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 41  
Auf Linie geschneiderter Maßanzug
‚Grey Flannel’ habe ich bewusst zum ersten Mal an einem etwa dreißigjährigen Mann gerochen, der mir zum damaligen Zeitpunkt alt vorkam – ich selbst war kaum zwanzig und das Parfum meiner Wahl: Antaeus’.
Das war Anfang der achtziger Jahre. Die Düfte zu jener Zeit waren groß dimensioniert, ausladend und laut. Auch ‚Grey Flannel’ war laut, aber nicht massiv laut, sondern eher durchdringend laut – es machte sich bemerkbar. Doch anders als die süß-schwülstigen Kreationen à la ‚Kouros’, ‚Lagerfeld’ oder eben ‚Antaeus’, die so perfekt zum Hedonismus jener Jahre passten, kam ‚Grey Flannel’ seltsam steifleinen, irgendwie arrogant, jedenfalls kühl und alles andere als sinnlich oder gar wollüstig daher. Mir schien, es käme aus einer anderen Epoche (so wie ich seinen dreißigjährigen Träger schon zu einer anderen Epoche zählte) - einer klareren, sachlicheren, konservativeren, ja und in gewisser Weise auch männlicheren. Denn eines war schlicht unvorstellbar: dass man lila Latzhosen trug, dazu Kajal um die Augen, bei politischen Diskussionen schon mal das Strickzeug auspackte und obendrein nach ‚Grey Flannel’ roch.
So ein Typ war mein vermeintlich dreißigjähriger ‚Grey Flannel’-Träger auch nicht, ganz im Gegenteil: er trug gebügelte Hemden, ordentliche Hosen und hatte sogar einen Haarschnitt (wir hatten einfach nur lange Haare, die wir wahlweise selbst, oder gegenseitig mit Farben und Küchenscheren bearbeiteten...).
Na ja, jedenfalls verband ich lange Zeit mit dem Geruch von ‚Grey Flannel’ ein gewisses Maß an konservativer Haltung und ebensolchem Auftritt. Der Duft hätte auch aus einem anderen Jahrhundert sein können, es hätte mich nicht gewundert. Er war schlicht und ergreifend unzeitgemäß – jedenfalls empfand ich das so.

Seltsamerweise roch er trotzdem gut, ja sogar so gut, dass ich ihn mir quasi heimlich kaufte, das heißt: ohne ihn zu tragen, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Erst als ich einen neuen Job hatte – es war eine für damalige Verhältnisse äußerst schicke Bar, in der man nicht mehr wie der letzte Luschi herumlaufen konnte – erst da, mit halbwegs gebügeltem Hemd und einigermaßen ansehnlicher Hose, kam ‚Grey Flannel’ zum ersten publikumswirksamen Einsatz. Und siehe da: unter all den Düften die ich in jungen Jahren trug, sollte ‚Grey Flannel’ derjenige werden, der mit Abstand am häufigsten positiv kommentiert wurde. Eine Stammgästin war sogar derart angetan, dass sie selbst anfing es zu tragen (soviel ich weiß bis heute, wir haben uns nie ganz aus den Augen verloren).

Dennoch habe ich den Duft nie lange Zeit getragen. Immer mal wieder ein paar Tage, aber dann kehrte ich zu anderem zurück, zu altbewährtem, zu ‚Antaeus’ oder ‚Van Cleef & Arpels pour Homme’, zu sinnlicherem jedenfalls. Denn warm, oder wärmend, ein Sinne streichelnder Kuschelduft, das war ‚Grey Flannel’ – und ist es bis heute – nicht. Dabei hat es eine animalische Komponente, die durchaus reizvoll ist und voller erotischer Vibes steckt, doch das Frische, Kühle, Würzige und vor allem Grüne steht deutlich im Vordergrund. Dabei ist der Duft gar nicht mal so grün, eher – wie der Name schon sagt – grau. Nicht fahl oder aschgrau, nein, vielmehr intensiv grau, mit grünen Einsprengseln, fast strahlend, was irgendwie ein Widerspruch ist und dennoch zutrifft.

Im Zentrum des olfaktorischen Geschehens, sozusagen als Protagonist der Handlung: das für einen Herrenduft zum damaligen Zeitpunkt eher untypische Veilchen, bzw. in erster Linie dessen Blätter, aus denen ein ‚grün’ duftendes Destillat extrahiert wird.
Diese zwischen feucht-grasig und leicht blumig changierende Schlüsselnote von ‚Grey Flannel’ wird in seiner grünen Facette von einer guten Dosis Galbanum gestützt, während ein Mix aus zitrischen Noten (Bergamotte, Neroli, Zitrone) die frischen Nuancen verstärkt. Florale Noten (vor allem Geranium) werden eher dezent im Hintergrund gehalten, dienen aber erkennbar der Balance. Ebenso eine weitere Beigabe, die etwas deutlicher hervortritt: Salbei. Dessen würziges Aroma verleiht dem Duft einen Gutteil seines herben Charakters, bleibt aber dennoch gut eingebunden und entfaltet daher auch nicht sein bekanntes, leicht urinöses Potential.

Zur Basis hin entwickelt sich schließlich eine von Hölzern und Moosen geprägte Fougère –Struktur (manche mögen sie als Chypre-Struktur identifizieren – ein Grenzfall), die das Herz des Duftes in jeder Phase zu tragen versteht, ohne selbst übermäßig in Erscheinung zu treten. Wie für die besten Düfte der 70er Jahre üblich, ist ihre Konstruktion eher schlank, ja, verglichen mit den massiven Grundnoten späterer Kreationen, vor allem jener der 80er Jahre, fast schon fragil.
So vermittelt ‚Grey Flannel’ vom Anbeginn bis Ende des lange währenden Duftverlaufes den Eindruck eines exakt auf Linie geschneiderten Maßanzuges. Nichts ist über Gebühr betont: keine Schulterpolster, keine zu langen Rockschöße – alles sitzt.
Allein eine dezente animalische Note verrät, dass darin ein Mensch steckt – kein ungewaschener, nach Schweiß riechender, nein, ein Mensch mit sinnlichen Bedürfnissen und erotischem Verlangen.
Zur Zeit seiner Einführung war ‚Grey Flannel’ ein hoch innovativer Duft, der allerdings nicht viele Nachfolger fand. Die wenigen aber, die sich direkt auf ihn bezogen, fanden mitunter durchaus Beachtung: man denke nur an ‚Fahrenheit’ von Dior, oder neuerdings an Guerlains ‚Arsène Lupin’ (ehemals mit dem Zusatz ‚Dandy’).

‚Grey Flannel’ aber, ein Duft der nun schon 35 Jahre auf dem Buckel hat, und lange Zeit von ‚Fahrenheit’ gänzlich verdrängt wurde, wirkt heute ungebrochen modern – klassisch modern um genauer zu sein, denn diesem Duft haftet eine Modernität ähnlich der Architektur des Bauhauses an: eine Architektur, die trotz Dekonstruktivismus und postmodernem Firlefanz, bzw. gerade deswegen, in ihrer Strenge und Schlichtheit zeitlos modern wirkt.

Der wohltuend schlichte, irgendwie ernsthafte Flakon passt bestens dazu. Früher steckte er in einem feinen, grauen Flanell-Säckchen – es ist leider verschwunden.
Zum Glück aber – obwohl häufig totgesagt – ist der Duft noch da.
Ich halte ihn für eines der wenigen wirklichen Meisterwerke im Bereich der Herrenparfümerie.
7 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

111 kurze Meinungen zum Parfum
JonasP1JonasP1 vor 1 Jahr
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Mit dunklem Flannel-Anzug
Blickt
Der strenge Herr
Im Veilchen-Garten
Auf galbanische Landschaften
Glimmende Moose
Wärmen kühle Seelen
49 Antworten
SchoeibksrSchoeibksr vor 3 Monaten
6
Sillage
7
Haltbarkeit
7
Duft
(Vintage)
Grüne Zitrussäfte fließen
zum Blumenhain hinunter
vermischen sich zu einer seifigen Cremeschicht
aus grünstem Eichenmoos.*
38 Antworten
SchatzSucherSchatzSucher vor 3 Jahren
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Ganz toller Duftmix aus grünen, würzigen und floralen Tönen. Gepflegtes Understatement, das nie zu viel wird. Toller Klassiker.
29 Antworten
PinseltownPinseltown vor 3 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
NarzissenVeilchen fallen vom puderstaubigen Himmel
auf herbmoosiges Gras
Es riecht nach Erdverbundenheit
Zeitlos charakterstarker Gentleman
27 Antworten
SalvaSalva vor 3 Jahren
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Grüngewaltiges Naturspektakel
Moosig-Herbes Traumerlebnis
Lässt mich schweben in der Luft
Mein Klassikherz pocht empor
Fühlt sich zuhaus
21 Antworten
Weitere Statements

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So ordnet die Community den Duft ein.
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Diskussionen zu Grey Flannel (Eau de Toilette)

Colognissimo in Herren-Parfum
Hallo,ich hatte mir eine 240ml Flasche bestellt weil die Probe, die ich mal bekam, so genial war.Leider muss ich feststellen das die Flasche...

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