MajorTomMajorToms Parfumkommentare

1 - 5 von 77
MajorTom vor 1 Tag 2
7
Duft
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Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Die Schalen von Louis Vuitton
Nach den positiven Erfahrungen mit L‘immensite und Sur la Route (welches quasi aus dem Stand mein neuer Signaturduft geworden ist), war ich sehr gespannt, ob auch weitere LV-Kreationen das extrem hohe Level der beiden vorgenannten erreichen würden.

Meteore bricht wie ein Duftgewitter über mich hernieder, obwohl ich lediglich ein einziges Mal den „Abzug“ betätigt habe. Ergebnis: Brutal. Mein Kopf schnellt vom Handrücken nach hinten weg, abgeschreckt von Schärfe, Säure, generell einem für meine Nase äußerst unangenehmen Auftakt. Meine Hirnanhangsdrüse schreit - vollkommen nachvollziehbar - nach sofortigem Abwasch. Ich widerstehe tapfer dem Befehl meines Kopfes und meinem ersten instinktiven Reflex und zwinge mich, dem Meteor die Zeit der Entfaltung zu lassen.

Diese Chance versteht der Duft zu nutzen. Der unsägliche Start hat sich verflüchtigt und einem Ensemble Platz gemacht, das ich als durchaus tragbar bezeichnen kann. Der scharf-sauer-bissig-ätzende Geruch ist einer fruchtig-herben Mischung gewichen. Interessant finde ich die bittere Note, schwer in Worte zu fassen. Am ehesten vielleicht vergleichbar mit den Schalen von Bitterorangen, Mandarinen, Zitronen und Pampelmusen, dies alles vermischt und ein bis zwei Tage ruhen lassen. Ich kann mir vorstellen, dass sich das etwas komisch liest, aber wie gesagt, eine bittere Fruchtigkeit, die ich sehr schwer zu beschreiben finde. Eine große Veränderung im Verlauf der Stunden kann ich nicht wirklich feststellen, die nach etwa 15 Minuten vorherrschenden Noten ziehen sich über die komplette Zeit hin durch und klingen dann langsam aus.

Wie bei allen anderen Düften von LV schwingt auch beim diesem eine hohe Exklusivität mit, in dem Sinne, dass ich einen derartigen Duft so bislang nicht kenne. Und genau das ist heutzutage die hohe Kunst bei der Kreation eines neuen Parfums, dem ganzen einen exklusiven Charakter mitzugeben. Nicht leicht, bei der ungeheuren Anzahl an Düften, die auf dem Markt sind oder irgendwann einmal waren.

Kommen wir zu den Details.
Duft: Eine durchaus interessante Komposition, der ich aufgrund der Neuheit und Exklusivität einen Extrapunkt mitgebe. Tendenziell etwas für die Zeit von Frühjahr bis Herbst, an kalten Tagen kommen die zitrischen Anklänge nicht optimal zur Geltung. Durch den herben Grundton klar maskulin. Und obwohl Meteore ein echter Typ ist, mit Ecken und Kanten, am Ende des Tages nicht soooo mein Ding, zumindest keiner, der mich aus dem Sessel reißt.
Sillage. Anfangs enorm, mit der Zeit nachlassend, bei Überdosierung unangenehm.
Haltbarkeit: Wie nicht anders zu erwarten, auch hier eine überdurchschnittliche Performance. Auch nach Stunden bleibt der Schleier wahrnehmbar, was man bei einem LV aber auch erwartet.
Flakon: Hochwertig ausgeführt. Der Magnetverschluss klickt satt ein, vermittelt so ein wertiges Gefühl. Optik und Haptik im Stil der Marke. Macht sich einfach gut in jedem Badezimmer.

Unter dem Strich ein zwar durch den Mix zahlreicher Ingredienzien aufwendig gemachter Duft, für mich aber zu wenig überzeugend, um einen Kauf zu tätigen.
Dennoch eine klare Testempfehlung für jeden, der sich und seiner Nase mal etwas abseits des mainstream gönnen möchte.
1 Antwort

MajorTom vor 1 Monat 11
9.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Un gentleman par excellence
Die Marke Louis Vuitton ist ein Spalter. Für die einen ist es der (Shopping)Himmel auf Erden, für die anderen einfach nur überteuerte Designerware, die an irgendwelche affektierten, neureichen oder Möchtegern-Vollpfosten vertickert wird. Natürlich kann man geteilter Meinung über die Luxustempel sein, in den LV die produzierten Produkte an den solventen Mann oder die finanziell unabhängige Dame bringt, man kann auch geteilter Meinung über die Klientel, die dort einkauft, sein, aber jeder wird zugeben, was dort über die Ladentheke geht, hat eine gewisse Klasse.

Ob einem letztlich etwas gefällt oder nicht, liegt immer im Bereich des eigenen Geschmacks und was gekauft wird, ist in der Regel einerseits das Ergebnis persönlicher Vorlieben, andererseits die Größe des Geldbeutels bzw. die Potenz der Kreditkarte. Insofern finde ich, leben und leben lassen, jeder gibt Geld aus - wie und wo, ist jedem selbst überlassen. Die einen kaufen Taschen, die anderen Autos, wieder andere Klamotten, dann gibt es Leute, die hauen sich ihren Kopf mit Zigarettenrauch und Alkohol zu und es soll sogar diejenigen geben, die hunderte von Euros in Parfüms investieren :-)

Nachdem ich von L‘ Immensité sehr angetan war, nun also mein zweiter Kommentar zu einem LV-Duft und ich muss wirklich zugeben, die Jungs kleckern nicht, sie klotzen. Mit der gleichen Detailliebe wie die Taschen und sonstigen Accessoires hergestellte werden, ist man ganz offensichtlich auch an die Produktion der Duftlinie herangegangen. Der Auftrag muss gelautet haben: Kreieren Sie einen Duft, der genauso ist, wie unsere Marke selbst: edel, exklusiv und mit einem hohen Wiedererkennungswert.

Keine Frage, auch mit Sur la Route ist das Konzept perfekt umgesetzt worden. Als ich gelesen habe „zitrisch-frisch“, sank meine Erwartungshaltung nicht nur auf normal null sondern gleich in den negativen Bereich, denn wie viele zitrisch-frischen Düfte gibt es denn bitte schon auf dem Markt? Braucht es da tatsächlich noch einen weiteren?
Nun, wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht das gleiche. Und, um sogleich eine weitere Phrase hinterherzudreschen: Das Bessere ist des Guten Feind! In etwa so könnte man das ganze auf den Punkt bringen, aber wollen wir uns der Duftkreation etwas näher widmen.

Zunächst hat mich der Auftakt wirklich überrascht und das meine ich nicht positiv. Die Zitrone der Kopfnote empfinde ich im ersten Moment als fast stechend scharf, schlichtweg unangenehm. Das legt sich aber zum Glück schnell und übrig bleibt ein dann sehr zitrischer Auftakt, der sich ganz gut riechen lässt. Bis dahin nicht besonderes, interessant wird für mich dann die weitere Entwicklung. Denn die Zitrone tritt vornehm in den Hintergrund, bleibt leicht vernehmbar aber eben nicht mehr omnipräsent und macht einer grün-frisch-bergamottigen Note Platz. Ich habe einige Bergamotte-Vertreter zu Hause, sei es Bergamotto di Calabria von AdP (ich liebe für seine männliche Aura), Bergamote 22 von Le Labo (der feine dieser Art), aber dieses Endergebnis, Bergamotte zu arrangieren, ist mir so noch nicht unter die Nase gekommen. Weil eben nicht nur Bergamotte per se präsentiert wird, sondern dieser leicht grüne touch mit einhergeht.

Wäre ich store manager eines LV-Tempels, ich würde die sales clerks anweisen, im Stundentakt den ganzen Laden damit einzunebeln. Um ein Ambiente zu schaffen, wie ich bislang nur aus Hermes Flagship Stores kenne, in denen auch immer diese Duftwolke schwebt.

Die alles entscheidende Frage, ob man letztlich einen Duft kauft oder nicht, ist: Will ich so riechen? Meine Antwort: YESSSSS. Genau so. Ein eleganter, selbstbewusster, außergewöhnlicher und dennoch gefälliger Duft. Gentleman-like. Und damit gibt er auch ein bisschen die Richtung vor. An einem Metallrockfan kann ich mit Sur la Route beim besten Willen nicht vorstellen. Beim Anzugträger immer. Aber auch bei smart casual Klamotten, denn ein Duft unterstreicht letztlich ja die Persönlichkeit seines Trägers und nicht die seiner Kleidung. Ob jung oder alt, soll jeder selbst testen und entscheiden. Jahreszeit-technisch aus meiner Sicht breit einsetzbar, wenngleich vielleicht nicht unbedingt bei Minusgraden und Schnee.

Sillage und Haltbarkeit: Für einen frischen Duft sehr beachtlich. Die meisten Vertreter dieser Sorte machen leider leider viel zu Schnell die Biege und verschwinden durch die Hintertür. Auch da setzt sich LV wohltuend von der Masse ab. Bürofüllend, einnehmend, auf Kleidung fast beängstigend nachhaltigen Eindruck hinterlassend. Ein stundenlanges Statement setzend, ohne zu brüllen oder zu nerven. Du bist da und gut is.

Der Flakon: einfach smart. Mit einem Magnetverschluss, der auch hier beweist, man hat sich Gedanken gemacht und will die Hochwertigkeit betonen.

Man merkt mir an: Ich bin schwer begeistert. Und es ist schwer, mich schwer zu begeistern.

Louis Vuitton hat seinem Produktportfolio einen überragenden Duft hinzugefügt, der sich perfekt und nahtlos in das Gesamtsortiment einfügt. Und rechtfertigt somit auch den wenngleich absolut betrachtet immer noch hohen Preis.
4 Antworten

MajorTom vor 1 Monat 4
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Aufgefallen - Ausgefallen - Arrogant - Aristokratisch - Appolinisch - Androzentrisch
Ja, ich habe stets schwere Bedenken, wenn Luxus-Labels, noch dazu die „ganz oben“, versuchen, den Kunden auch noch über Parfüms das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Meist ist dieses Ansinnen von überschaubarem Resultat und Erfolg, mit einer ganz großen Ausnahme, und das ist für mich Terre d`Hermes, ein Duft, den ich sensationell gelungen finde, per heute unvorstellbar, dass keine Flasche davon bei mir zu Hause steht.

Nun ist also mit LVMH das nächste high end label der Versuchung erlegen, für die finanziell potente Klientel neben den üblichen angebotenen Waren auch den passenden Duft zu kreieren. Der erste, der mir davon unter die Finger respektive Nase kam, ist „die Unermesslichkeit“. Der Name des Duftes passt geradezu perfekt zum Selbstverständnis von Louis Vuitton, sieht man sich doch selbst „ganz groß“, „endlos“, „unvorstellbar“ undsoweiterundsofort. Unermesslich sind meist auch die Preisschilder, die die Damen und Herren bei LV an ihre Waren hängen, da muss ich manchmal echt schlucken, aber, so positioniert man eben eine Marke.

L´Immensite startet frisch fruchtig, in meiner Nase extrem gefällig, durchaus hochwertig und somit passend zur Erwartungshaltung. Nach einiger Zeit kommt Ambroxan durch und das ist ein wirklich gefährlicher Stoff, wenn nicht mit Bedacht eingesetzt. Es gibt diverse Vertreter dieses Genre auf dem Markt, die ich im wahrsten Sinn des Wortes ätzend finde. Umso schöner zu sehen oder zu riechen, dass es mit dem nötigen Fein- und Fingerspitzengefühl durchaus auch anders möglich ist. Denn Ambroxan bleibt zwar eine beherrschende Note, keine Frage, für mich aber nie aufdringlich oder penetrant, sondern einfach subtil vorhanden, ohne zu nerven.

Was da sonst an Zutaten mitschwingt, ganz ehrlich, ich kann’s nicht definieren. Ambra zitiert die Duftpyramide hier und Cascalone, also ein dem Reagenzglas entsprungenes fruchtig-aquatisches Gemisch. Wie auch immer, ich finde das klasse gemacht, mit der richtigen Menge der richtigen Ingredienzen zusammengebaut. Einen großen Duftverlauf kann ich zumindest nicht feststellen, nach dem fruchtigen Auftakt geht´s ohne große Paukenschläge weiter, was aber der Wirkung in kleinster Weise schadet.

Zum wem passt der Duft? Ich finde, er ist weder ein panty dropper noch ein Lautsprecher, aber er macht eine klare Ansage. Man merkt/riecht, hier kommt mal was anderes. Ein richtig guter Business Duft für Directors, Executive Directors, Managing Directors..... Aus meiner Sicht für Herren 35+, mit einer gewissen Grundreife, nix für Preppys, Yuppies oder Teenies. Für letztere schon alleine des Geldes wegen nix, es sei denn, man ist Millionario-Sohn. Wenn wir schon dabei sind, eine Bemerkung zum Preispunkt: Ich würde mal vorsichtig sagen, ambitioniert. Der Duft ist cool, elegant und sicherlich nichts, was einem dreimal am Tag um die Nase weht. Aber 225 Hämmer für 100ml.....hmmmm.....am Ende des Tages wie mit den Taschen: Jeder weiß, der Materialwert liegt klar drunter, aber der Brand Name reißt den Preis halt einfach an. So wie jedes Kind weiß, dass eine Rolex eine f**ing teure Uhr ist, so weiß auch jeder, dass Taschen und sonstige Accessoires von LV schweineteuer sind. Analog ist es einfach dekadent, einen LV-Flakon rumstehen zu haben, nobel geht schließlich die Welt zugrunde :-) und der Flakon hat was, der Magnetverschluss klickt hochwertig zu, das Ding selbst liegt wertig in der Hand, Optik und Haptik erfüllen das Markenklischee zu 100%.

Sillage: Ich bilde mir ein, dass auf meiner Haut viele Düfte schneller verschwinden als das beim einen oder anderen oder der einen oder anderen Forumsteilnehmer/in der Fall ist, hier nicht. Am Kaffeeautomaten stehend höre ich zwei Ladies aus der Liftkabine steigend „Du da drin hat sich aber einer eingedieselt gehabt, hab ich sogar durch meine Maske gerochen, aber gut!“ Mit der Tasse zurück an die Arbeit, die Unermesslichkeit macht sich in meinem Büro breit und provoziert sofort Nachfragen. „Morning, hey, ah, neuer Duft? Riecht super“....zwei Stunden später: „Hi, ehhhhh, was ist das für ein Duft, kenn ich nicht an dir“ (männlich, Anm. d. Verf.). Auch am Nachmittag duftet es unermesslich bzw. unermüdlich weiter, somit kann ich der Sillage und Haltbarkeit wirklich gute Noten geben.

Summa summarum, ein Duft, der die Marke LV perfekt repräsentiert. Edel, ausgefallen, prägnant und einprägsam, leider auch im Preis....aber es ist ja bald Weihnachten, will sagen: Schenken lassen ;-)

3 Antworten

MajorTom vor 2 Monaten 3
6
Duft
6
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Eternity - wirklich für die Ewigkeit?
Generell finde ich es sensationell, wenn Düfte, die im letzten Jahrhundert generiert wurden, auch heute noch erhältlich sind. Ist es doch schon eine kleine Adelung, wenn sich in unserer so extrem schnelllebigen Zeit ein Produkt mehr als 30 Jahre halten kann.

Auch ich war einer derjenigen, die (nicht nur diesen) CK zuhause stehen hatten, allerdings wurden alle Düfte der Marke dann bei mir durch den im gnadenlosen fragrance business exorbitanten Wettbewerb verdrängt und fanden bei Neukäufen keine Beachtung mehr. Zu interessant und zu verführerisch die Angebote in den Nullerjahren, mit teils nie vorher gesehenen respektive gerochenen Duftkreationen neuer Spieler und neuer Nischenproduzenten.

Letztlich aber beim freundlichen Türkisen ein Pröbchen mit eingepackt bekommen und somit wurden Erinnerungen an alte Zeiten (in denen nicht alles besser war, aber zumindest hatten wir damals keinen fucking SARS virus und auch keine Wellenbrecher Shutdowns!) wach. In den 90ern war mir persönlich wichtig, „gut“ zu riechen, einen idealerweise bleibenden Eindruck und nachhaltigen footprint, sowohl im job wie auch bei der holden Weiblichkeit zu hinterlassen. Mit Eternity hatte ich einen Duft gefunden, der diesem Zweck durchaus dienlich war. Ob sich dieser positive Effekt von damals auch heute wiederholen lässt?

Direkt nach dem Aufsprühen benebelt mich eine Lavendel-Wolke, die ich so von damals nicht in Erinnerung hatte. Fast schon etwas zu scharf für meinen Geschmack legt sich die Kopfnote nach einigen Minuten und wird deutlich angenehmer und zugänglicher. Dennoch frage ich mich, ob auch bei diesem Duft nicht irgendwann eine Art „Reformulierung“, „Neuformulierung“ oder ähnliches stattgefunden hat. Eine weitere Stunde ist vergangen und Eternity wird weich, nimmt fast schon ein bisschen weibliche Züge an, bleibt aber durchaus im für mich angenehmen Bereich. Dann der Drydown, der wiederum bekannte Assoziationen an die 90er weckt, mit einer ordentlichen Prise an Vetiver, welcher Eternity zum Ende hin sauber abrundet.

Was bleibt? Zunächst einmal die Erkenntnis, warum CK damals bei mir aus dem Regal gefallen ist. Denn wie schon oben angeschnitten, die Konkurrenz schläft nicht und hat in den Folgejahren jede Menge valider und performanter Alternativen auf den Markt gebracht, die den ehemaligen Platzhirschen das Leben sukzessive schwerer und schwerer gemacht haben. Zweitens, mal abgesehen vom Dufterlebnis per se, auch Haltbarkeit und Sillage haben große Mühe, mit den heutigen Stars mitzuhalten. Nach vier Stunden bleibt nicht mehr allzuviel von der gerühmten Ewigkeit, was sehr sehr schade ist und was ich aus früheren Zeiten auch anders im Kopf habe. Der Flakon hingegen ist und bleibt ein Klassiker.

Kommen wir zur Verteilung der Noten.
Duft: 6 - weil eine (zu) schwache Alternative zur großen Konkurrenz
HBK: 6 - auch das können andere Anbieter heute deutlich besser
S: 6 - Stark am Anfang, genauso stark nachlassend
Flakon: 9 - noch immer ein Blickfang. Nicht spektakulär aber ikonisch.

Am Ende ein ehemaliger Superstar, dessen beste Zeiten aus meiner Sicht aber leider vorüber sind.
4 Antworten

MajorTom vor 6 Monaten 11
8.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
8
Flakon

Gute-Laune-Macher und Erfrischer
Acqua Viva, das lebendige Wasser. Nun, mal sehen, ich habe bereits den einen oder anderen Vertreter von Profumum Roma zuhause stehen, warum also nicht mal was neues.

Der Flakon sieht aus wie alle anderen PRs, das kann man mögen oder nicht, ich schätze den sicheren Stand, die gleichermaßen einfache und doch irgendwie elegante Silhouette, alleine der Plastikverschluss ist auch dem aufgerufenen Preis in kleinster Weise würdig. Der Sprühkopf dagegen macht wie bei PR üblich einen exzellenten job und zerstäubt den Inhalt in einem schönen feinen Nebel.
Für PR-Ersttäter sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auch dieser Duft ein leicht öligen Film auf der Haut hinterlässt, bitte also aufpassen speziell mit weißen Klamotten.

Jetzt gibt es bekanntermaßen Zitrusdüfte, die sofort Assoziationen mit scharfen WC- oder Badreinigern hervorrufen, oder solche, die dermaßen synthetisch aufgebaut sind, dass es einem das Hirn vernebelt. Acqua Viva ist hier, wie es auch in dieser Preisklasse erwartet werden kann, aus einem feineren Holz geschnitzt. Klar, die Zitrone macht sich auch hier extrem bemerkbar, aber eben nicht scharf oder unangenehm, gerade das Gegenteil ist der Fall. Ein ganz feiner Geruch macht sich breit und hüllt den Träger (m/w/d, um political korrekt zu bleiben) in einen erfrischenden Mantel.

Die meisten PR-Kreationen sind aus meiner Sicht ziemlich eindimensional (und ich meine das vollkommen wertneutral, ein guter Auftakt muss ja nicht immer einen vielleicht dann sogar negativen Verlauf nehmen) und auch hier kann zumindest ich keine wirklich nennenswerte Entwicklung des Duftes feststellen. Es ist Zitrone, es bleibt Zitrone und am Ende war es Zitrone. Sommerlichen Düften haftet häufig eine eher mäßige Sillage und Haltbarkeit an, auch Acqua Viva kann sich hier leider nicht in eine andere Liga absetzen. Die Sillage lässt nach einer Stunde klar nach, die Haltbarkeit ist mit (je nach Anzahl Sprüstöße) 4-6 Stunden noch ausreichend.
Aber die zitrische Frische, die mich dieser Duft geniessen lässt, ist schon Spitzenklasse und hat ein enormes Alleinstellungsmerkmal gegenüber vielen anderen sommerlichen Vertretern. Auch das ist es ja, was einen guten Duft ausmacht, dass man ihn eben nicht an jeder Ecke riecht.

Und so ist Acqua Viva ein grandioser Sommerduft, geeignet gerade auch an Tagen mit Temperaturspitzen, aber auch mal im Frühjahr, wenn man den Sommer herbeisehnt. Ich bin normalerweise kein Freund von Unisexdingern, aber hier muss ich klar feststellen, sowohl Männlein wie Weiblein werden ihn mögen, diesen Gute-Laune-Macher.

Definitiv eine Testempfehlung für jede/n, die/der noch was passendes für die Jahreszeit sucht.

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