Precious

Precious

Rezensionen
31 - 35 von 41
Precious vor 11 Jahren 23 9
Ein Verführer der Extraklasse
Auf Bentley for Men Intense war ich richtig neugierig. Buchstäblich gierig nach einem neuen Herrenduft. Er hätte durchaus auch anders heißen können, es waren die Duftbeschreibungen, die mir gefielen. Jeden Kommentar hatte ich gelesen und mir in meiner Fantasie gewisse Vorstellungen gemacht. Die Parfumeurin Nathalie Lorson gehört ohnehin zu einer meiner favorisierten Duft-Künstlerinnen und fast alles, was ich an Kommentaren bei Parfumo und auch sonst im Netz über diesen Duft lesen konnte, klang ganz nach meinem Beuteschema, denn ich verwende sehr gern auch Herrendüfte mit starker Präsenz.

Eine liebe Parfuma gab mir die Möglichkeit, diesen Duft zu testen, sonst hätte ich mich wohl bald zu einem Blindkauf hinreißen lassen. An dieser Stelle nochmals vielen Dank, liebe C. Ich zögerte meine Vorfreude noch etwas heraus und ließ das Röhrchen zunächst ungeöffnet, denn ich war noch nicht bereit, eine mögliche Enttäuschung hinzunehmen, so hoch waren meine Erwartungen.

Heute war nun der Tag! Ich strich mit dem Dosierstäbchen eine winzige Menge auf meine Haut und… WOW … explosionsartig verströmte Bentley for Men Intense seine umwerfenden Duftmoleküle: Er kam aus der Flasche geschnellt wie ein gefangenes, wildes Tier aus seinem Käfig. Sehr maskulin, sehr orientalisch, stark würzig, warm, fast heiß. Sehr angenehm und doch ganz anders als die anderen orientalischen Herren- und Damendüfte, die ich bereits kenne. Hier schwingt etwas Einzigartiges mit in diesem Duft. Eine Nuance, die ich nicht benennen kann, schwebt regelrecht über dieser ausgefallenen Duftkreation. Bentley reizt mich. Ich will ihn näher kennen lernen. Ich schnuppere im Minutentakt ständig an der bedufteten Hautstelle.

Bentley Intense ist ein erstklassiger Kracher! Wenn bereits diese geringe Menge an Duft auf meiner Haut, eine solche Power besitzt, dann aber gaaanz viel Vorsicht mit diesem wilden Gebräu! Obwohl ich schon seit vielen Jahren immer wieder auch Herrendüfte verwende, habe ich bei Bentley for Men Intense ganz klar ausschließlich männliche Verwender im Sinn und kann mir diesen geheimnisvollen, glutäugigen Duft nicht gut an einem blonden Mann vorstellen und auch nicht an mir. Der Schauspieler Clive Owen wäre eine ideale Besetzung gewesen, um diesen Duft zu bewerben. Elegant, erotisch, sehr maskulin.
Selbst an Bond, James Bond, kann ich ihn mir nicht vorstellen. Der Duft ist dunkel und alles andere als sportlich. Es ist ein Duft zum Ausgehen und zum Angeben. Hier wird mit den Bizeps gespielt, nicht gekleckert, sondern geklotzt. Das ist kein sympathischer Schmuseduft, der einladend und harmlos riecht, sondern es ist ein Duft für einen Balztanz. Damit die Angebetete nicht frühzeitig in Ohnmacht fällt, sollte man ihn äußerst sparsam anwenden. Ich rate dringend dazu.

Der gockelnde Bentley Intense, krallt sich in meiner Nase fest und das pfeffrig-würzige Aroma brennt sich in mein Duftgedächtnis. Er ist ein Draufgänger und man braucht sicher etwas Mut, ihn zu tragen. Er ist auffällig und niemand bleibt unbemerkt, sobald er diesen Duft ausführt. Kein Duft für einen Bürohengst. Viel zu heftig, um noch bei klarem Verstand arbeiten zu können. Bentley for Men Intense ist ein Duft für die Nacht oder für extrem schicke Events.

Von Kopf- bis Basisnote verändert er sich kaum; verläuft also recht linear und wird nur langsam etwas leiser, um dann nach vielen Stunden sehr sanft und harmonisch auszuklingen. Herrlich finde ich das. Es begeistert mich, endlich mal wieder einen schönen Duft mit langem Stehvermögen ausfindig gemacht zu haben. Die Haftung auf meiner Haut ist wirklich hervorragend.

Mein blonder Mann hat sich wohl gerade in diesen Duft verliebt und da hilft auch nicht, dass ich Bentley for Men Intense nur dunkelhaarigen Männern zuordnen wollte. Kein Wunder, der ganze Raum ist erfüllt von verschiedenen aromatischen Gewürzen u. Hölzern, dass es eine Freude ist. Auch Zimt, Sandelholz, Weihrauch & Patchouli, ein bisschen Tabak vielleicht, glaube ich erkennen zu können. Rum und Leder kann ich nicht wahrnehmen. Ich vermute auch, dass ein Hauch von Vanille die sehr männliche und starke Komposition ein wenig lieblicher macht. Aber auch sie riecht nicht heraus. Falco, ja Falco, den hätte ich mir auch mit diesem Bentley-Duft vorstellen können, so eitel und extrovertiert.

Ich sehe es schon kommen, dass Bentley Intense bei uns sehr bald einziehen und mein Mann mir klar machen wird, dass das alles nur Firlefanz ist mit blond und dunkel. Und irgendwie hat er ja auch Recht.
9 Antworten
Precious vor 11 Jahren 23 15
EMERAUDE by Coty
*Emeraude* bekommt heute mal einen Kommentar von mir, weil ich es schon so viele Jahre kenne und liebe. Ich trage es nicht oft, vielleicht, weil es so sehr privat ist und eine Herzensangelegenheit. Zu einer Zeit, als meine Kolleginnen Calandre, Rive Gauche oder Miss Dior verwendeten, lernte ich Emeraude kennen, da war ich noch keine zwanzig Jahre.

Eine Kollegin, mit der ich auf einer Schulung war, kam eines Tages in mein Zimmer und duftete so ungeheuerlich gut, dass es mich beinah umwarf und ich wie elektrisiert war. Mein Verstand setzte aus und ich musste dieses Parfum unbedingt haben.

Damals kannte ich bereits Shalimar u. liebte es sehr. Alles, was nach schöner Vanille roch, war für mich begehrenswert und es passte auch gut zu mir. Meine Nase war noch jungfräulich und ich hatte noch nicht so viel Erfahrung mit Parfums und längst nicht das Duftwissen von heute. Aber ich liebe Emeraude immer noch mit der alten Begeisterung. Ein wahnsinnig schöner Duft zum sofortigen Verlieben.

Das Emeraude meiner frisch parfümierten Kollegin stieg mir also in die Nase und ich dachte augenblicklich: WAS ist das für ein Duft? Ich mag ohne ihn nicht mehr leben! Ich will ihn unbedingt, koste es was es wolle. Meine nette Kollegin nannte mir den Namen *Emeraude* und ich wusste, ich würde alles dafür tun, um an diesen Duft zu gelangen, den es damals nur in Amerika gab. Ich war jung und brauchte diesen Duft ;)

Wie ich letztendlich an mein erstes Fläschchen Emeraude gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr so richtig. Da lässt mich die Erinnerung im Stich. Aber irgendwann war es mein und ich überglücklich!! Für mich duftete es von Anfang an auch nach Waldmeister! Grüner Wackelpudding mit Waldmeistergeschmack und Vanillesoße. Yummy. Genau daran erinnerte mich das köstliche Emeraude. Und damit verbunden waren Kindheitserinnerungen. Wenn ich es genau betrachte, dann war Emeraude damals schon ein "Gourmand" u. Shalimar ebenfalls.

Wie einfach ist es heute, sich einen außergewöhnlich interessanten Duft über das Internet zu ordern. Was für ein Luxus. Damals war das längst nicht so einfach und man musste die Gelegenheit nutzen, solche Dinge aus USA zu bekommen. Gott sei Dank hatte ich ganz gute Karten, eine Freundin brachte mir aus Amerika alles mit, was mein Herz begehrte. Düfte, die hier in Deutschland niemand kannte. Genau das war mein Ding: Seltene Düfte kennenzulernen, meine Leidenschaft! Und damals noch in Unkenntnis, welch schöne Parfums ich noch entdecken würde im Laufe meines Lebens, genoss ich einen Duft möglicherweise mehr als heute. Welch unentdecktes Duftparadies lag vor mir und wie viele Düfte kamen noch in mein Leben, um mich zu begeistern und zu beglücken.

So entdeckte ich immer mehr feine Düfte, meine Nase wurde immer wählerischer und verwöhnter und den richtigen Kick gaben mir bei all der großen Auswahl nur wenige Düfte. Vielleicht zehn insgesamt, auf die ich niemals verzichten möchte.

Ich habe Emeraude u. Shalimar immer getragen. All die Jahre, obwohl so viel neue Parfums in mein Leben kamen. Ich blieb diesen Düften treu. Nur einige haben es von der Nase direkt in mein Herz geschafft. Das sind die ganz besonders schönen Kreationen, die mich im Sturm erobert haben, wie einst Emeraude.

P.S. Rose, Amber, Vanille, Sandelholz - das sollten meine Vorlieben in Düften sein, wie ich erst viel später erkannte. Angaben über die Inhalte gab es damals nicht. Erst der Haarmann & Reimer Duftatlas lehrte mich viel über die Zutaten in den Parfums.
15 Antworten
Precious vor 11 Jahren 9 6
Cabotine-Moonflower, du kleiner Schelm...
Hätte ich nicht die ansprechenden Kommis auf Parfumo zu Cabotine-Moonflower gelesen, ich hätte mir den Cabotine-Flanker nicht gekauft. Keine Verpackung, die mein Interesse wecken könnte: Mattes Schwarz mit stilisierten Fantasieblüten in grau, schwarz u. violett. Der vertraute, typische Cabotine-Flakon, der passend zur Box ebenfalls etwas düster gestaltet ist, hat den bekannten, halbtransparenten Blümchen-Verschluss aus Plastik, der in der Farbe Violett gehalten ist. In der 50 ml Größe wirkt Moonflower dann doch eher niedlich und handlich, und ich bin froh, keine 100 ml Flasche erworben zu haben. Die Flüssigkeit, also das Eau de Toilette selbst, ist farblos. Obwohl alle genannten Farben, zu meinen Lieblingsfarben in der Kleidung gehören, finde ich sie hier eher unpassend und traurig.

Pluto schrieb in ihrem Kommi von dunkler Schokolade, die dieser Duft in sich birgt. Das klang so verführerisch, dass dies ein Kaufargument für mich war. Ich sprühe also Moonflower auf meinen Handrücken und erwarte ein etwas dunkles, ernstes Dufterlebnis. Zu meiner völligen Überraschung entfaltet sich aber eine heitere, fruchtige Note, die so gar nicht zu der Verpackung passen will und die mir augenblicklich gut gefällt, zumal sie mir vertraut erscheint. Sie entwickelt sich sehr harmonisch, äußerst feminin und verführerisch. Das wundert mich nun eigentlich nicht, wenn ich sehe, dass der berühmte Parfumeur Michel Almairac diesen Duft für Grès komponiert hat. Viele seiner Kreationen gefallen mir sehr.

Wie schon oben unter Duftnoten zu lesen steht, scheint es sich um einen linearen Duft zu handeln, denn es werden weder Kopf-, Herz- noch Basisnote genannt, sondern nur die folgenden Zutaten aufgeführt: Bergamotte, Birne, Moschus, Pfingstrose, Rose, Sandelholz, Vanille, Weihrauch, Zeder. Die Komposition ist so rund und harmonisch fruchtig-blumig-warm, dass es mir unmöglich ist, einzelne Zutaten zu benennen. Da es alles Zutaten sind, die ich sehr schätze, ist es wohl logisch, dass meine Nase Moonflower als so ansprechend und angenehm empfindet. Vertraut im besten Sinne und doch ganz anders, als alle meine Düfte. Schokolade kann ich in dieser Komposition nicht herausriechen.

Moonflower ist ein ausgesprochen warmer Duft, trotz seiner lieblichen Fruchtigkeit. Ich versuche, eine Ähnlichkeit zu mir bekannten Düften zu finden. Schwierig. Grès, bzw. Almairac, bedient hier zwar die derzeitige Lust auf fruchtig-blumige Eau de Toilettes, aber Moonflower ist weitaus komplexer und kapriziöser als die gängigen Fruchtbomben. Es duftet einfach voluminöser und teuer. Die Haltbarkeit ist sehr gut. Der Duftverlauf in der Tat linear, was den Gedanken an synthetische Fruchtigkeit aufkommen lässt, aber nicht zum Nachteil für den Duft.

Alles in allem ein sehr feiner Cabotine Flanker, den ich persönlich in ganz anderen Farben verpacken würde, allein um seine Femininität zu unterstreichen. Gelb-orange-pink-rosa und viel Licht, das sind meine Farbfantasien, wenn ich diese Mixtur rieche. Ein Duft, der meiner Meinung nach zu jeder Jahreszeit passt, mich auf besondere Weise an den Sommer erinnert und mit seiner Freundlichkeit und Unbeschwertheit, ein echtes Duftvergnügen bietet.
6 Antworten
Precious vor 11 Jahren 7 5
Nilang - ein schwieriges Kerlchen
Nilang von Lalique ist ein etwas verrückter, nicht gefälliger Duft. Die außergewöhnliche Mixtur ist so gegensätzlich, dass sie schon wieder hoch interessant duftet. Als ich 1995 das erste Mal NILANG testete, war ich wirklich geschockt. Ich roch sofort eine wilde Mixtur aus Angel und L'Eau d'Issey und zwar 50:50.

Viele bei Parfumo schreiben ihre Fantasien auf, die ihnen durch den Kopf gehen, sobald sie einen Duft riechen. Mir geht das nicht so. Obwohl romantisch veranlagt, rieche ich nur den Duft und weiß, ob ich ihn mag oder nicht. Sollte ich eine Fantasie zu Nilang aus meinem Kopf quetschen wollen, so würde ich behaupten, dass eine modische, nach Angel duftende Frau ihren Badezimmer-Fußboden feucht wischt mit einem Putzmittel, das an das aquatische L'Eau d'Issey erinnert. Aber hey, das ist nun wirklich keine prickelnde Vorstellung.

Nilang (die Vintage-Version) ist sehr speziell. So speziell, dass ich sie mir damals kaufte und versuchte zu tragen, weil sie so unique roch. Aber es wurde keine Freundschaft zwischen uns. Wie auch? Die Kombi "aquatisch orientalisches Parfum" ist nicht wirklich das, wonach ich duften möchte. Und weder liebe ich Angel, noch L'Eau d'Issey. Aber manchmal ist man unvernünftig und lässt sich hinreißen, etwas sehr Modisches aufzusprühen und hofft, dass die Liebe noch aufflammen wird.

Wenn ich weit aushole, dann erinnert mich diese wilde Mixtur etwas an Krazy von Krizia. Erst glaubt man, einen orientalischen Duft zu riechen, der etwas an das warm-würzige Obsession erinnert, um dann in der Basisnote eine Ähnlichkeit zu Escape feststellen zu müssen, die alles Orientalische überlagert. Für mich passt das einfach nicht zusammen. In mir wehrt sich direkt etwas dagegen, obwohl ich Kontraste mag.

Auch der Kommi unter mir von LButterfly erwähnt Angel und am Ende Ming Shu in der Basisnote. Daran kann ich erkennen, dass ich mich nicht täusche. Wenn ich bös wäre, würde ich sagen, hier hat der Parfumeur Gérard Anthony einfach zwei Düfte kurz vor Feierabend zusammengekippt und war gespannt, was dabei raus kommt.

Ach ja, vielleicht hatte er auch einfach keinen guten Tag, als er NILANG "komponierte"...
5 Antworten
Pure Weiblichkeit
Eternity lernte ich 1991 kennen und ich war mir nicht sicher, ob ich es mochte oder nicht. Es war anders, für meine Nase völlig neu und außergewöhnlich, als alles was ich davor an Düften jemals gerochen hatte.

Eine Duft verrückte Freundin von mir trug es mit Freude und nebelte sich heftig damit ein. Ihre Duftschleppe verschlug mir manchmal den Atem, so stark war die Sillage von Eternity. Ich blieb skeptisch und vergaß diesen Duft auch wieder.

Wenige Jahre später las ich von der großen Parfumeurin Sophia Grojsman. Die Düfte, die sie komponiert hatte, gefielen mir bis auf wenige Ausnahmen alle besonders gut. Ihre überaus femininen Kreationen waren genau nach meinem Geschmack: So lieblich und einladend. Nicht streng und cool, sondern freundlich. Ja, ein Duft kann durchaus freundlich sein. Champagne, Beautiful, Paris, Gloria Vanderbilt, um nur einige zu nennen: Alles fantastische Grojsman Düfte, die die Weiblichkeit hervorheben und Freundlichkeit verbreiten.

Ich legte mir einige Düfte von Sophia Grojsman zu, aber um Eternity machte ich weiterhin einen Bogen. Es sprach mich nicht so richtig an.

Doch hin und wieder stieg mir unverhofft, z.B. beim Einkaufsbummel, Eternity in die Nase. Und ich erinnere mich auch, dass ich bei meiner Zahnärztin ebenfalls einen kaum merklichen Hauch von Eternity wahrnahm. So bezaubernd wenig, dass er unglaublich reizend und schön auf mich wirkte. Eternity umgarnte mich mit abstraktem "Marzipan" und zarter Freesie. Rose und Gartennelke gaben dem Duft eine betörende, moderne Blumigkeit. Für mich nun ungewöhnlich attraktiv. Um es kurz zu machen, Eternity hat mich etwa 10 Jahre nach seinem Erscheinen doch noch überzeugt und zum Kauf verführt.

Sein Geheimnis werde ich nie ergründen. Wie könnte ich auch? Die Pyramide ist lediglich ein Anhaltspunkt für mich und das Marzipan, das ich rieche, ist bestimmt keines und existiert nur in meiner Wahrnehmung. Die Komposition duftet für mich sehr ausgewogen und rund. Die Basisnote, bestehend aus Amber, Patchouli, Sandelholz, Moschus, Heliotrop, ist verführerisch und hält einen ganzen Tag an mir und meiner Kleidung. Ich verwende Eternity ganz zurückhaltend, denn nur so entfaltet es seinen Zauber.

In diesen Wintertagen fühle ich mich mit dem harmonischen Duft wohlig eingehüllt und ganz Frau.
9 Antworten
31 - 35 von 41