Aktuelle Trends auf dem Markt für Damendüfte
Wenn man sich ein paar aktuelle Veröffentlichungen ansieht (s. u.), dann zeichnen sich anhaltende Trends auf dem Markt für Damendüfte ab. Zu den Einflussfaktoren hinter diesen Trends gehört, dass die COVID-Pandemie die Verbraucherpräferenzen beeinflusst hat: Viele Menschen suchen Düfte, die ein Gefühl des Trostes, der Entspannung oder der Belebung vermitteln. Auch der Wunsch nach Stressabbau und Stimmungsaufhellung (z. B. durch angebliche Naturnähe) beeinflusst die Wahl der Verbraucher. Marken werben deswegen mit den entsprechenden (angeblichen) therapeutischen Vorzügen ihrer Parfüms. Gleichzeitig wird aus wirtschaftlichen Gründen wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt. Diese Faktoren verstetigen die schon seit einiger Zeit bestehende Orientierung hin zu Wohlfühldüften, holzigen, zitrischen und aquatischen Düften, grünen Noten, stillen Blumen und Früchten.
- Wohlfühldüfte: hier sehen wir eine Zunahme von Vanille-, Alkohol- ("Booze") und Gourmand-Noten.
- Hölzer: Zedernholz, Sandelholz, Vetiver oder Patchouli werden als erdend empfunden. (Diese Art von Düften ließe sich häufig auch als unisex vermarkten.)
- Zitrusnoten: Zitrusdüfte erfrischen und beleben.
- Aquatische Düfte: Solche Düfte rufen ein Gefühl von anhaltender Frische und Sauberkeit hervor.
- Grüne Noten: Grüne Düfte können frisch, aber auch erdig und strukturiert sein, besonders wenn sie Patchouli und Vetiver enthalten. Auch Früchte und Kräuternoten können verwendet werden, um den Eindruck von Natürlichkeit hervorzurufen.
- Stille Blumen: (frz. "fleurs muette") Das sind Blumen, die in der Natur einen Duft haben, den man aber nicht extrahieren kann, z. B. Maiglöckchen, Gardenie, Glyzinie, Flieder und Hyazinthe. Diese Noten werden in Parfüms mit langlebigen Kombinationen von Aromachemikalien nachgebaut. Synthetische Blumendüfte werden weiterhin beliebt bleiben.
- Früchte: Wir werden weiterhin bunte Früchte und süße Noten in Düften erleben.
Einordnung
Abgesehen davon, dass ich in der Regel grüne Düfte mag und natürlich nichts gegen Zitrik habe, klingt das für mich ziemlich vorhersehbar, langweilig und unattraktiv. Ich bin jedoch mit Sicherheit Teil einer verschwindend geringen Minderheit. Besserung (aus meiner Sicht) ist anscheinend so bald nicht zu erwarten: Ich möchte eigenwillige, auch wilde und herbe, herausfordernde und selbstbewusste Parfüms riechen. Oder klassisch-elegante. Oder ultra-luxuriöse. Auf jeden Fall "interessante". Das bedeutet, dass ich Parfüm als Teil einer Inszenierung, eines Auftritts erleben möchte. Für mich als Teil des Publikum ist es doch wertlos, wenn jemand anders Parfüm "nur für sich selbst" trägt - eine Einstellung, die leider so viele Parfumos und Parfumas vertreten, wie man bedauerlicherweise immer wieder im Forum lesen muss. Was hab ich denn davon? Der anhaltende Trend zur Nettigkeit und gelebten Aromatherapie gefällt mir nicht! Leute, fallt mehr auf! Bitte, wenigstens mir zuliebe?
Was macht für Euch einen Duft interessant? Berücksichtigt Ihr Eure Einstellung zur Parfümgarderobe anderer bei Eurer eigenen Parfümwahl?
Referenzen
Mintel
CosmeticsDesign
Persistence Market Research
Allied Market Research
Truly Experiences
Clement Gavarry (Firmenich)


SebastianM

Ich mag eine gefällige Duftaura - beruflich bevorzuge ich dezent und leise, privat nach Lust und Laune - aber auch hier macht die Dosis das Gift.
Avantgardedüfte waren aber auch schon mal spannender, denn irgendwie geht heute alles, was provozieren will, in Holz und Rauch unter. Schade eigentlich.
Den Begriff "fleurs muette" habe ich heute dazu gelernt :)
Ich persönlich trage tatsächlich Düfte nur für mich, nicht für meine Umgebung.
Ich überlege mir gut, welchen Duft ich auflege und zu welchem Anlass. Ich mache mir eine Freude, wenn ich einen Duft bewusst aussuche und kaufe, ich tue es nicht für andere Menschen. Olfaktorische Zurückhaltung ist mir sehr sympathisch. Ich möchte nicht das Großraumbüro beduften, auf der Suche nach argwöhnischer Aufmerksamkeit. Ich kann ja zum Glück frei entscheiden und daher einem Trend auch ausweichen, ganz selbstbewusst und kühn. Jeder wird seinen Weg finden...
"Für mich als Teil des Publikum ist es doch wertlos, wenn jemand anders Parfüm "nur für sich selbst" trägt": Selbstinszenierer haben wir wahrlich genug, auch unter Parfümnutzern.
Parfümgarderobe anderer interessiert mich wenig, ich möchte gar keinen Duft riechen (müssen), ob nett oder herausfordernd. Bis jetzt hat mir nur selten etwas gefallen, das ich draußen gerochen habe; vielleicht hatte ich nur Pech. Andererseits: auch meinen Duft möchte ich nicht ununterbrochen wahrnehmen - und mute es den anderen nicht zu.
Ich bin mir nicht so sicher ob ich richtig verstehe was Du da meinst.
Meine Einstellung zur Parfümgarderobe anderer ist weitestgehend: Ich mag's gerne wenn andere gut riechen, aber bitte gemäßigt und möglichst nicht mit Kopfweh- oder Übelkeitsdüften.
Ich überlege schon was ich trage, wenn die Kollegin im Büro einen Duft überhaupt nicht ausstehen kann oder gar Kopfweh davon bekommt bzw. ihr schlecht wird, dann werde ich diesen Duft eher nicht im Büro einsetzen sondern lieber etwas nehmen was sie auch mag.
Und ansonsten parfümiere ich mich eher gemäßigt, schon so dass es wahrnehmbar ist, aber eben nicht so dass ich den kompletten Biergarten bedufte...
Nicht dass ich der Meinung wäre dass man an solchen Orten keine Düfte tragen dürfe - aber da kommt es halt ganz extrem auf die Dosierung an.
Meine Omi war ja der Meinung dass auch der exklusivste, schönste Duft "billig" wirkt wenn man's damit übertreibt...