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SebastianM
SebastianMs Blog
vor 1 Jahr - 11.06.2024
20 19

Aktuelle Trends auf dem Markt für Damendüfte

Wenn man sich ein paar aktuelle Veröffentlichungen ansieht (s. u.), dann zeichnen sich anhaltende Trends auf dem Markt für Damendüfte ab. Zu den Einflussfaktoren hinter diesen Trends gehört, dass die COVID-Pandemie die Verbraucherpräferenzen beeinflusst hat: Viele Menschen suchen Düfte, die ein Gefühl des Trostes, der Entspannung oder der Belebung vermitteln. Auch der Wunsch nach Stressabbau und Stimmungsaufhellung (z. B. durch angebliche Naturnähe) beeinflusst die Wahl der Verbraucher. Marken werben deswegen mit den entsprechenden (angeblichen) therapeutischen Vorzügen ihrer Parfüms. Gleichzeitig wird aus wirtschaftlichen Gründen wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt. Diese Faktoren verstetigen die schon seit einiger Zeit bestehende Orientierung hin zu Wohlfühldüften, holzigen, zitrischen und aquatischen Düften, grünen Noten, stillen Blumen und Früchten.

  • Wohlfühldüfte: hier sehen wir eine Zunahme von Vanille-, Alkohol- ("Booze") und Gourmand-Noten.
  • Hölzer: Zedernholz, Sandelholz, Vetiver oder Patchouli werden als erdend empfunden. (Diese Art von Düften ließe sich häufig auch als unisex vermarkten.)
  • Zitrusnoten: Zitrusdüfte erfrischen und beleben.
  • Aquatische Düfte: Solche Düfte rufen ein Gefühl von anhaltender Frische und Sauberkeit hervor.
  • Grüne Noten: Grüne Düfte können frisch, aber auch erdig und strukturiert sein, besonders wenn sie Patchouli und Vetiver enthalten. Auch Früchte und Kräuternoten können verwendet werden, um den Eindruck von Natürlichkeit hervorzurufen.
  • Stille Blumen: (frz. "fleurs muette") Das sind Blumen, die in der Natur einen Duft haben, den man aber nicht extrahieren kann, z. B. Maiglöckchen, Gardenie, Glyzinie, Flieder und Hyazinthe. Diese Noten werden in Parfüms mit langlebigen Kombinationen von Aromachemikalien nachgebaut. Synthetische Blumendüfte werden weiterhin beliebt bleiben.
  • Früchte: Wir werden weiterhin bunte Früchte und süße Noten in Düften erleben.

Einordnung

Abgesehen davon, dass ich in der Regel grüne Düfte mag und natürlich nichts gegen Zitrik habe, klingt das für mich ziemlich vorhersehbar, langweilig und unattraktiv. Ich bin jedoch mit Sicherheit Teil einer verschwindend geringen Minderheit. Besserung (aus meiner Sicht) ist anscheinend so bald nicht zu erwarten: Ich möchte eigenwillige, auch wilde und herbe, herausfordernde und selbstbewusste Parfüms riechen. Oder klassisch-elegante. Oder ultra-luxuriöse. Auf jeden Fall "interessante". Das bedeutet, dass ich Parfüm als Teil einer Inszenierung, eines Auftritts erleben möchte. Für mich als Teil des Publikum ist es doch wertlos, wenn jemand anders Parfüm "nur für sich selbst" trägt - eine Einstellung, die leider so viele Parfumos und Parfumas vertreten, wie man bedauerlicherweise immer wieder im Forum lesen muss. Was hab ich denn davon? Der anhaltende Trend zur Nettigkeit und gelebten Aromatherapie gefällt mir nicht! Leute, fallt mehr auf! Bitte, wenigstens mir zuliebe?

Was macht für Euch einen Duft interessant? Berücksichtigt Ihr Eure Einstellung zur Parfümgarderobe anderer bei Eurer eigenen Parfümwahl?

Referenzen

Mintel
CosmeticsDesign
Persistence Market Research
Allied Market Research
Truly Experiences
Clement Gavarry (Firmenich)

20 Antworten
Helena1411Helena1411 vor 1 Jahr
2
Es gibt Begebenheiten im Leben, da passt ein auffälliger, für andere vielleicht sogar unangenehmer Duft nicht, sei es in bestimmten Berufen (ich möchte z.B. im Krankenhaus nicht von Pflegepersonal in animalisch anmutenden Oud-Düften gepflegt werden) oder Situationen (könnte man auch obiges Beispiel Krankenhaus, dann aber mit dem Besuch der Zimmergenossen ausfüllen). Da wäre Rücksicht doch eher passend. Und es gibt eben auch Tage, an denen ich einfach nicht auffallen will, auch nicht mit einem wie auch immer extrovertierten Duft. Darum bin ich kein Fan von grundsätzlich auffälligen Duftauftritten, aber wenn sich die/der TrägerIn wohl damit fühlt, die Situation nicht grenzüberschreitend ist, warum dann nicht auch mal einen etwas anderen Duft.
UntermWertUntermWert vor 1 Jahr
1
Ich merke immer mehr, dass ich Klassiker und Düfte, die ich mit Lebenszeiten in Verbindung bringe, als stimmungsaufhellend erlebe. Deshalb scheine ich wohl oder übel bisweilen bei Klassikern heraus zu kommen. Aktuelle Damendüfte (wenn so deklariert und meist im Vorbeigehen in regulären Parfümerien angeschnüffelt) chargieren für mich momentan leider zwischen Gummibärchen und Zuckerwatte auf Ambroxan oä. Grundsätzlich ist mein Eindruck, dass viele Düfte seit der Pandemie lauter und penetranter daher kommen und ich habe mich schon gefragt, ob der Ursprung darin mal gelegen hat, durch Masken riechbar zu sein. Aber das ist nur ein persönlicher Gedanke, bar jeder Recherchegrundlage.
Ich mag eine gefällige Duftaura - beruflich bevorzuge ich dezent und leise, privat nach Lust und Laune - aber auch hier macht die Dosis das Gift.
UntermWertUntermWert vor 1 Jahr
… hihi, wahrscheinlich nehme auch ich die Düfte einfach lauter wahr - mein Geruchssinn hat sich über die letzten paar Jahre schon verändert (und Hyposensibilisierung) … weniger Pollenallergie könnte auch heißen, ich rieche mehr… 😂
SebastianMSebastianM vor 1 Jahr
Das mit den Masken ist ein origineller Gedanke. Ebenfalls ganz ohne Recherche meine ich aber, dass man Masken in Zusammenhängen erzwungener Nähe, die man lieber vermieden hätte, trug. Des Nächsten Parfüm sogar durch die eigene Maske zu riechen, hätte deswegen wahrscheinlich eher zu unguten Gefühlen und noch größerem Abstand geführt. Außerdem sind lt. Parfumo-Suche die Top 20 Sillage-Knaller alle von (deutlich) vor Corona, den Zusammenhang bildest Du Dir also wahscheinlich nur ein.
AugustoAugusto vor 1 Jahr
1
Da bin ich bzw. sind wir etwas hin- und hergerissen. Ich, AugustA, brauche und liebe nicht immer die große Oper, sogar eher selten, aber dann richtig. Es verlangt mich aber ebenfalls zunehmend nach spannenderen Düften, als sie derzeit, besonders im sog. Damensegment, üblich sind. Da hilft oft nur noch der Rückgriff auf Vintage, Chypre und nischigste Nische.
Avantgardedüfte waren aber auch schon mal spannender, denn irgendwie geht heute alles, was provozieren will, in Holz und Rauch unter. Schade eigentlich.
Den Begriff "fleurs muette" habe ich heute dazu gelernt :)
PoesiefannyPoesiefanny vor 1 Jahr
1
Hi, Hi und nochmals Hi. Wo bitte, ist denn in unserer ziemlich lahmen Gesellschaft noch ein Hang zum großen Auftritt, zur Divenhaftigkeit und zur Freude am Starkult zu bemerken ? Außer bei unserem geschätzten Mister Sebastian natürlich... mal nachdenken. Nimm Dir stracks ein Opernabonnement und tritt ein in den Klub mäzenatischer Opernfreundinnen. Diese treffen sich gerne auf sonntäglichen Matineen im Foyer, wo sie schüchterne Versuche machen, derartiges anzudeuten ... darin steckt auf jeden Fall Potenzial. Besuche Sommernachtsbälle in Provinzgemeinden, denn dort ergreifen alle Anwesenden die Gelegenheit, sich ausnahmsweise einmal im Jahr ordentlich aufbrezeln zu dürfen. Da könntest Du einige Düfte für den großen Auftritt erschnuppern. Naja, und die Catwalkbesucher der Metropolen... stelle ich mir so vor, bin nie bei sowas. Liebe Grüße aus der Provinz !
PoesiefannyPoesiefanny vor 1 Jahr
Bitte um umgehende Berichterstattung. Auch, falls Du woandershin fahren solltest ...
SebastianMSebastianM vor 1 Jahr
1
Endlich jemand, der mir helfen will - Danke! Meine jüngsten Bemühungen in Richtung Catwalk (Paris!) hat leider die Bahn zunichte gemacht. Aber ich bleibe dran.
ExUserExUser vor 1 Jahr
1
Unterhaltsam und aufschlussreich geschrieben, wunderbar.
Ich persönlich trage tatsächlich Düfte nur für mich, nicht für meine Umgebung.
Ich überlege mir gut, welchen Duft ich auflege und zu welchem Anlass. Ich mache mir eine Freude, wenn ich einen Duft bewusst aussuche und kaufe, ich tue es nicht für andere Menschen. Olfaktorische Zurückhaltung ist mir sehr sympathisch. Ich möchte nicht das Großraumbüro beduften, auf der Suche nach argwöhnischer Aufmerksamkeit. Ich kann ja zum Glück frei entscheiden und daher einem Trend auch ausweichen, ganz selbstbewusst und kühn. Jeder wird seinen Weg finden...
MoniEMoniE vor 1 Jahr
11
"Ein Trend zur Nettigkeit" würde uns, meiner Meinung nach, allen guttun. Nicht nur beim Parfum im Hinblick auf rücksichtsvolles und dezentes Auftragen, sondern auch generell im Umgang mit Anderen. Ich hab das Gefühl, es gibt immer mehr rücksichtslose Rüpel, die sich nicht zu benehmen wissen, in jeder Hinsicht.
UntermWertUntermWert vor 1 Jahr
1
Huch, durch Zufall gerade im Vorbeilesen über Deine Rückmeldung gestolpert… Wie wie wahr, liebe M.! Wir hätten aus der Pandemie etwas über Rücksichtnahme lernen können, solidarisches Miteinander. Häufig aber erlebt man aber schon in der Dosierung von Parfum etwas raumfordernd-grenzüberschreitendes…
OdeurpassionOdeurpassion vor 1 Jahr
1
Wie wahr! Da stimme ich dir zu.
BeatriceABeatriceA vor 1 Jahr
8
Oh, die Leute brauchen keine Aufforderung, aufzufallen - das tun sie bereits. Mit aller Kraft.
"Für mich als Teil des Publikum ist es doch wertlos, wenn jemand anders Parfüm "nur für sich selbst" trägt": Selbstinszenierer haben wir wahrlich genug, auch unter Parfümnutzern.
Parfümgarderobe anderer interessiert mich wenig, ich möchte gar keinen Duft riechen (müssen), ob nett oder herausfordernd. Bis jetzt hat mir nur selten etwas gefallen, das ich draußen gerochen habe; vielleicht hatte ich nur Pech. Andererseits: auch meinen Duft möchte ich nicht ununterbrochen wahrnehmen - und mute es den anderen nicht zu.
SpatzlSpatzl vor 1 Jahr
1
Deine als "spannend" bezeichneten Düfte sind schon auch eher meine Richtung. Sowohl beim Ausgehen, als auch "nur für mich" auf der Couch. Da habe ich durchaus was davon. Meine Bandbreite ist weit gefächert. Ich sags mal so...von Guerlains Klassiker wie Mitsouko, L Heure Bleu über Santa Maria Novellas bis zu Flüsterdüften von Perfumer H wie Incense Water.
KJVKJV vor 1 Jahr
7
"Berücksichtigt Ihr Eure Einstellung zur Parfümgarderobe anderer bei Eurer eigenen Parfümwahl?"
Ich bin mir nicht so sicher ob ich richtig verstehe was Du da meinst.
Meine Einstellung zur Parfümgarderobe anderer ist weitestgehend: Ich mag's gerne wenn andere gut riechen, aber bitte gemäßigt und möglichst nicht mit Kopfweh- oder Übelkeitsdüften.
Ich überlege schon was ich trage, wenn die Kollegin im Büro einen Duft überhaupt nicht ausstehen kann oder gar Kopfweh davon bekommt bzw. ihr schlecht wird, dann werde ich diesen Duft eher nicht im Büro einsetzen sondern lieber etwas nehmen was sie auch mag.
Und ansonsten parfümiere ich mich eher gemäßigt, schon so dass es wahrnehmbar ist, aber eben nicht so dass ich den kompletten Biergarten bedufte...
ExUserExUser vor 1 Jahr
Ich kann dem nur zustimmen, danke.
KJVKJV vor 1 Jahr
5
@DasCroe Das ist natürlich der Extremfall - auf Stunden hinaus auf engem Raum mit jemand zusammengesperrt zu sein der es (nett ausgedrückt) "zu gut" gemeint hat. Ähnlich bei Indoor-Veranstaltungen wie Kino, Theater, Oper whatever aber eben auch Schule (!!! ja, liest man hier ja immer öfter dass heutzutage schon in der Schule Nischendüfte zu dick aufgetragen werden), Uni, etc..
Nicht dass ich der Meinung wäre dass man an solchen Orten keine Düfte tragen dürfe - aber da kommt es halt ganz extrem auf die Dosierung an.
Meine Omi war ja der Meinung dass auch der exklusivste, schönste Duft "billig" wirkt wenn man's damit übertreibt...
DasCroeDasCroe vor 1 Jahr
5
Bin komplett bei dir - vor allem nachdem ich gestern 90min im Flugzeug in der Reihe hinter einem Herrn sitzen "durfte", der im Duty free sich einmal großzügig orientalisch eingenebelt hat. War nicht zu ertragen.
UnverdünntUnverdünnt vor 1 Jahr
6
Aber Sonntag ist doch nur einmal die Woche! Manchmal würde ich gern mit einem Duft Eindruck schinden, dazu gehört dann aber eine Gesamtkomposition, Frisur, Kleidung, Ereignis. Der Alltag überwiegt aber nun mal. Da möchte ich einfach nur für mich gut duften, zur Stimmungsaufhellung, eventuell angenehm für meine Mitmenschen.
PollitaPollita vor 1 Jahr
Ich habe eine bevorzugte Richtung und die sollte der Duft schon teilweise streifen, damit ich interessiert bin. Ob es dann allerdings Liebe wird, kommt auf ein paar Tests an 😉

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