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Sugarspun

Sugarspun

Rezensionen
6 - 10 von 14
Understatement-Wohlfühlduft
Erste Begegnung: "Hmmm, hat was von L'Eau Papier Eau de Toilette, nur fruchtiger. Merk ich mir mal."

Zweite Begegnung: "Das könnte auch die süßere Version von Bal d'Afrique Eau de Parfum sein. Schon schön."

Dritte Begegnung: "Nein, das ist Gypsy Water Eau de Parfum mit Pfirsich statt Wacholder! Aber ist ja auch egal, es ist toll, kostet nicht viel, nehm ich jetzt mit."

Ich habe den Kauf nicht bereut. Hier hat Jérôme Epinette einen wunderschönen, komplexen und dichten Duft für den kleinen Geldbeutel geschaffen, über den rätselhafterweise niemand spricht. Der Pfirsich springt direkt in die Nase, reif, saftig und warm. Gleichzeitig entfaltet sich eine ebenso warme, leicht holzig-hautige Moschus-Ambroxan-Basis, die die fruchtige Süße ganz weich werden lässt. Dazu noch bergamottige Frische und das Gesamtbild ist rund. Fruchtig-Holzig-Cremig-Süß. Kein großartiger Verlauf: Der Duft ist da, mit all seinen Facetten, und bleibt, nur der Pfirsich verliert an Prominenz, schlussendlich klingt er einfach leise aus.

Das klingt, wenn ich es jetzt lese, ein wenig anstrengend und laut, aber halt! Der Duft ist leise und zurückhaltend, hautnah und auch nicht sehr lange haltbar (die Byredo-Referenzen hatten wir ja schon), aber auch das passt hier zum Gesamteindruck, denn das Leise, Flüchtige des Duftes wirkt wie ein weiterer Mosaikstein seiner Vielschichtigkeit, er will nicht auffallen, es verleiht ihm etwas Nachdenkliches, Melancholisches.

Ein angenehm dezenter Begleiter für laue Sommerabende, im Herbst kann ich ihn mir auch gut vorstellen, im Winter könnte er von dicken Wollpullovern vielleicht erdrückt werden.

Fazit: Eine angenehm zurückhaltende, tiefgründige und schwer zu kategorisierende Schönheit für kleines Geld, ein Zufallsfund, der mich wirklich glücklich gemacht hat.
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Feige und Sandelholz - wie schön das schon klingt!
Ich lasse mich gern vom Klang der Worte inspirieren. Einen Sandelholzbaum würde ich in freier Wildbahn nicht erkennen, Feigen schmecken mir nicht besonders - aber die Schönheit der Worte lässt mich nicht los. Sie klingen nach Geborgenheit und Stille, nach Wärme, fern vom städtischen Alltag. Sie klingen weich und sehnsüchtig, nach einer kleinen Traumreise. Und dann liegt eines Tages eine Abfüllung in meinem Briefkasten, die dem Klang der Worte einen Duft verleiht.

Santal Blanc startet mit einer klaren, hellen Feige. Sie ist ein bisschen süß, aber nicht klebrig, sie ist zart und weich; milchig, transparent und nicht laktonisch. Sie gibt dem Duft etwas Strahlendes, Reines. Und dann ist da die Sandelholznote, die den Duft wieder ein wenig erdet, sie ist warm und cremig und lässt die Feige nicht zu grün erscheinen. Der Moschus in der Basis ist sauber, aber nicht waschmittelscharf, und rundet den reinen, sonnig-leichten Charakter des Duftes ab.

Vor meinem inneren Auge: Das Bad einer Königin, der Raum ist luftig, hell und weiß, die feinsten Lotionen und Essenzen werden in ihre Haut gestreichelt, sie schließt die Augen, es ist warm, aber ein leiser Wind haucht Kühle herbei, es ist ganz still, die Wasseroberfläche kräuselt sich leicht.

Santal Blanc ist für mich pure Entspannung, ein leiser Hauch von Luxus. Wäre der Duft eine Farbe, wäre es ein warmes Cremeweiß. Vielleicht kann man ihn langweilig finden, er ist nicht aufregend, er eckt nicht an, weiß zu gefallen und ist auch mehr zurückhaltend als raumfüllend. Schlicht, elegant und gefällig, jederzeit gut tragbar.

Die Worte haben mich nicht getäuscht: Santal Blanc ist eine kleine private Ruheoase im Alltag, ein freundliches Lächeln, eine flüchtige Berührung eines lieben Menschen.
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Sommerspaziergang
Idylle

Es ist ein flirrend heißer Tag, der Hinmel strahlend blau. Mit nackten Füßen läufst du über die Wiese, das trockene Gras knirscht leise, die Luft ist erfüllt vom Zirpen der Grillen, es ist ein bisschen stickig. Dann trittst du in den Schatten des Orangenhains und atmest tief durch, die Bäume stehen in voller Blüte, die Bienen summen durch die Süße der Blütendüfte, die Sonne malt Schattenmuster durch das Blätterdach. Du lehnst dich an einen Baumstamm, wischst dir mit dem Ärmel deines Leinenhemdes den Schweiß von der Stirn und beißt in eine süße, saftige Feige. Und schließt die Augen. Genießt vie Vollkommenheit des Augenblicks. Die duftenden Aromen des Südens, die dich umfangen, die warme, leicht stickige Süße der Blüten. Die kurze Erfrischung durch den Saft der Feige, die Würze der Baumstämme, das Gras unter den Füßen, das sich hier im Schatten sanft und weich anfühlt. Weit weg vom Alltagsstress, hier ist die Zeit stehen geblieben. Es ist nur eine kurze Pause in der Idylle, bald zieht es dich weiter, aber du weißt, dass du bald, vielleicht morgen schon, an diesen Ort zurückkehren möchtest -


So ein schöner und doch wenig beachteter Sommerduft. Die Haltbarkeit ist für ein Eau de Toilette angemessen, 3-4 Stunden gut wahrzunehmen. Ein leiser, trotz der dominierenden Orangenblüten behutsamer Duft, sicherlich nicht einzigartig oder bahnbrechend. Im Drydown schön cremig-gepflegt, lieblich. Hier finde ich den Duft am schönsten, hier lässt sich auch die Feige am deutlichsten wahrnehmen, im vorigen Verlauf geht sie fast ein bisschen unter.

Zu Preis/Leistung muss ich nichts sagen, super, dass es die 10ml-Flakons gibt. Mango kann man definitiv auch duft-technisch im Auge behalten!
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Sommerfrische To Go
White Musk Eau de Parfum war zu Teenagerzeiten der Duft meiner Großstadtfreundin und ich war immer ein bisschen neidisch. Meine Freundin las Brigitte Young Miss, ich las Mädchen. Meine Freundin hatte The Body Shop, ich hatte Schlecker. The Body Shop, das hatte damals in den frühen 00er Jahren so etwas Erwachsenes, Abgeklärtes, Mondänes. In meiner Kleinstadt gab es natürlich keine Filiale, Online-Shopping steckte in den Kinderschuhen und der begehrte Duft blieb eine unbestimmte Sehnsucht. Meine Freundin las Brigitte Young Miss, ich las Mädchen. Meine Freundin hatte The Body Shop, ich hatte Schlecker.

Die Zeiten ändern sich: Die Großstadt ist nur noch eine Straßenbahnfahrt entfernt, aber der Body Shop ist geschlossen, ob es die Marke überhaupt noch geben wird, steht in den Sternen, und ich stolpere über die kleinen 15 ml-Flakons im untersten Fach des TK Maxx-Parfumregals. Noch nicht einmal in übergroßen Plastikboxen vor neugierigen Nasen geschützt! Ich nehme den Duft trotzdem ungetestet mit, der Nostalgie wegen, auch wenn ich ein bisschen skeptisch bin, was das "Radical" denn bedeuten soll.

Nostalgisch ist der Duft nicht. Eher ziemlich modern und das gefällt mir ganz besonders gut: Klare Linie, recht minimalistisch gehalten, Unisex und einfach gut. Basilikum rieche ich nicht heraus, aber einen grünlichen, zart holzigen Vetiver. Dazu gesellt sich ein herb-zitrisches Petitgrain. Ich reibe mich oft an jeglichen Bitterorangenkomponenten, sie stechen mir oft in der Nase, aber hier kann ich mir Petitgrain und Co. schönriechen, denn es verliert neben der Strahlkraft des Vetivers seine Kratzbürstigkeit und wird zudem vom Moschus aufgefangen, der hier cremig leicht daherkommt und die grünen Noten weichzeichnet.

Ein Sommerregen für die Handtasche, ein Immergeher, der ganz bestimmt niemandem auf die Nerven geht. Die Haltbarkeit ist erstaunlich gut, eine raumfüllende Projektion will und muss ein Duft dieser Kategorie gar nicht erreichen. Und das für fünf Euro im Bückregal!
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Wendungen und Drehungen
Hätte ich diesen Duft nicht als Abfüllung im minimalistischen Glaszerstäuber kennengelernt, wären wir uns wohl nie begegnet. Denn obgleich ich den Flakon wunderschön finde, ruft er doch: Nichts für dich, Sugarspun! Ich stehe stolz auf einem Sockel, das geschliffene Glas funkelt in der Sonne, das Logo prangt prominent am Deckel; das hier ist für die feinen Damen!

Twist #1: Das ist nicht der schwere Duft nach Luxus und Brillantbroschen. Hier zieht sich die feine Dame die Pumps aus, um barfuß in den kühlen Bach zu steigen, so erfrischend ist der Auftakt. Zwar synthetisch, aber zitrisch, grün und klar mit einer kleinen Prise dunkler Melancholie, nicht sehr süß. Den Apfelblüten-Schauma-Shampoo-Assoziationen stellt sich das hier recht herbe, schnörkellose Bergamottblatt entgegen. Die frische Euphorie der Blüten durch die holzigen Noten geerdet, die im Anschluss auch übernehmen.

Twist #2: Auftritt Zedernholz. Ist hier vielleicht ein gut duftender Herr hineingeschlichen? Nein, das bin ich! Und das aus dieser zartrosa eingefärbten Flüssigkeit? Langsam wird mir schwindelig. Es entfaltet sich eine geradlinige, sogar ernsthafte Holzigkeit, noch immer Hand in Hand mit leichter Zitrik, wird weicher und tiefer. Ein fokussierter Duft, eine kühle Brise an den ersten warmen Tagen des Jahres.

Mit seinen unerwarteten Facetten ist der Duft auch vielseitig einsetzbar: Er passt zum kleinen Schwarzen wie zu Jeans, ins Büro, zum Ausflug ins Grüne, im schicken Restaurant und beim Punk-Konzert. Geschlecht, Alter? Egal! Ein gutes Beispiel, was Marketing mit uns macht.

Twist #3: Nach einem langen Tag liege ich im Bett, an meinem Handgelenk plötzlich zarter Cremeduft. Immer noch Twist? Ja! Kaum wahrnehmbar, aber wunderschön subtil und schmeichelnd, wieder einmal vollkommen unerwartet. Denn wenn ich bisher an dem Duft eines zu bemängeln habe, dann seine mangelnde Subtilität; er kommt trotz seiner Stilbrüche recht laut und linear daher, es fehlt mir die letzte Raffinesse. An dieser Stelle auch eine Warnung bezüglich der Dosierung: Der Sprühkopf meines 50ml-Flakons ist ausgesprochen potent, ein Sprühstoß reicht!

Alles in allem ein gutes Match, der Twist und ich. Wir werden einen schönen Frühling zusammen verbringen, im Hochsommer wird er wohl zu schwer, zum Herbstlaub könnte er schon wieder passen. Ich freue mich auf das, was kommt. Weitere Plottwists nicht ausgeschlossen!
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