Soir de Marrakech Benchaâbane 2004 Eau de Parfum
Top Rezension
Tadelaktamber marrakchia
Der Duft kommt aus Marrakesch, heißt „Soir de Marrakech“ und spielt in der Amber-Liga… dass ich den schnuppern musste, war ein logischer Selbstläufer.
Und tatsächlich bringt mich der Stoff sofort und ohne Umwege direkt nach Marrakesch - allerdings nicht auf den Gewürz-, Leder- oder Holzschnitzer-Souk, ins menschenwimmelnde Treiben auf dem Djemaa el Fna oder bei trockener Abendhitze auf eine typischen Riad-Dachterasse der Medina, um eine Wasserpfeife zum Minz-Extremzucker-Tee zu schmauchen und Kringel über den lauten, bunten und riechenden Abend zu pusten…
… mehr in das Tadelakt-Badezimmer einer mondänen Kasbah, wo die hennatätowierte Haut gewaschen, geölt und in was Seidiges gekleidet wird um anschließend eher private Dinge zu tun.
Das mit dem Tadelakt ist nicht nur ein Bild, das ich stimmungsmäßig aufrufe, sondern tatsächlich duftbeschreibend.
Tadelakt ist ein marokkotypischer glatter Lehmputz, der auch gerne in Bädern verwendet wird. Abgesehen davon, dass das superhübsch ist, hat dieser Putz einen markanten Effekt auf Badezimmeraktivitäten und deren Geruch: Es gibt überhaupt nicht diese klinische Frische-Hygiene, die in einem weiß gekachelten Bad möglich ist. Alles, aber wirklich alles, riecht natürlicher, stofflicher, griffiger, irgendwie dichter und satter, egal, ob man Alepposeife oder zitrische, aquatische oder seifenmoschusartige Sauberknaller verwendet. Ein Tadelaktbad wirkt sehr sauber aber atmet dabei spürbar und sorgt irgendwie für eine sehr eigene Luft – gerade bei der manchmal hohen Luftfeuchtigkeit in einer „Nasszelle“.
Das entspricht sehr einer Qualität, die Amber haben kann: Wenn Amber sehr stumpf, matt, nass-pulverig und haptisch imaginiert „fest“ und "flächig" wirkt, dann nenne ich ihn „Tadelakt-Amber“. Und so einer ist hier Hauptcharaktergeber und vollends auf den Punkt gebracht, wie ich es sonst noch nirgends gerochen habe.
Damit er sich entwickeln und herausbilden kann, beginnt SdM zunächst mit einer fulimanten, gar nicht grünen Süß-Zitrone und führt dann leichtfüßig zu einer fruchtig-orientalisch inszenierten Orangen-Orangenblüte-Jasmin-Kombo, die superdeutlich mit oben nicht gelistetem Kakaopulver bepudert ist (null schokoladig, sehr unsüß-kakao-dunkel). Auf diesem Frucht-Blumen-Oriental-Kakao-Parkett macht nun ein samtsandig-feucht-warmer Amber voluminöse Schritte.
Sehr schön, sehr eigen, sehr marrakchia (= aus Marrakesch stammend).
Nach bereits anderthalb Stunden ist der Tadelaktamberzauber vorbei und es bleibt ein sehr bodenständiger, „normaler“ wirkender, stark vanillig anmutender Amber in der Basis. Die hält sich dann lang und gut.
SdM entdeckte ich beim Parfumo-Treffen.
Ein wunderschön-kostbarer Duft, der für mich nicht nur Marrakesch-Geruchsbilder, sondern auch Erinnerungen an einen großartigen 30. Juli duften lässt.
EDIT 10/2012: Nach einem Gespräch mit dem Parfumeur Abderrazak Benchaâbane, weiß ich ein wenig mehr über SdM: Es ist echtes Ambregris verwendet (die Ausscheidung von Pottwalen, die synthetische Amberduftstoffe inspiriert hat). Diese porös-pulverige und gleichzeitig fest-glatte Anmutung der Note ist dem natürlichen Amber geschuldet, der heutzutage so gut wie überhaupt nicht mehr in Parfum vorkommt. Der oben erwähnte Kakao-Eindruck entsteht durch Patchouli.(vgl.: http://www.parfumo.de/blog/2012/10/16/von-garten-sehnsucht-und-duft-ronin-und-louce-zu-besuch-bei-abderrazak-benchaabane/)
Und tatsächlich bringt mich der Stoff sofort und ohne Umwege direkt nach Marrakesch - allerdings nicht auf den Gewürz-, Leder- oder Holzschnitzer-Souk, ins menschenwimmelnde Treiben auf dem Djemaa el Fna oder bei trockener Abendhitze auf eine typischen Riad-Dachterasse der Medina, um eine Wasserpfeife zum Minz-Extremzucker-Tee zu schmauchen und Kringel über den lauten, bunten und riechenden Abend zu pusten…
… mehr in das Tadelakt-Badezimmer einer mondänen Kasbah, wo die hennatätowierte Haut gewaschen, geölt und in was Seidiges gekleidet wird um anschließend eher private Dinge zu tun.
Das mit dem Tadelakt ist nicht nur ein Bild, das ich stimmungsmäßig aufrufe, sondern tatsächlich duftbeschreibend.
Tadelakt ist ein marokkotypischer glatter Lehmputz, der auch gerne in Bädern verwendet wird. Abgesehen davon, dass das superhübsch ist, hat dieser Putz einen markanten Effekt auf Badezimmeraktivitäten und deren Geruch: Es gibt überhaupt nicht diese klinische Frische-Hygiene, die in einem weiß gekachelten Bad möglich ist. Alles, aber wirklich alles, riecht natürlicher, stofflicher, griffiger, irgendwie dichter und satter, egal, ob man Alepposeife oder zitrische, aquatische oder seifenmoschusartige Sauberknaller verwendet. Ein Tadelaktbad wirkt sehr sauber aber atmet dabei spürbar und sorgt irgendwie für eine sehr eigene Luft – gerade bei der manchmal hohen Luftfeuchtigkeit in einer „Nasszelle“.
Das entspricht sehr einer Qualität, die Amber haben kann: Wenn Amber sehr stumpf, matt, nass-pulverig und haptisch imaginiert „fest“ und "flächig" wirkt, dann nenne ich ihn „Tadelakt-Amber“. Und so einer ist hier Hauptcharaktergeber und vollends auf den Punkt gebracht, wie ich es sonst noch nirgends gerochen habe.
Damit er sich entwickeln und herausbilden kann, beginnt SdM zunächst mit einer fulimanten, gar nicht grünen Süß-Zitrone und führt dann leichtfüßig zu einer fruchtig-orientalisch inszenierten Orangen-Orangenblüte-Jasmin-Kombo, die superdeutlich mit oben nicht gelistetem Kakaopulver bepudert ist (null schokoladig, sehr unsüß-kakao-dunkel). Auf diesem Frucht-Blumen-Oriental-Kakao-Parkett macht nun ein samtsandig-feucht-warmer Amber voluminöse Schritte.
Sehr schön, sehr eigen, sehr marrakchia (= aus Marrakesch stammend).
Nach bereits anderthalb Stunden ist der Tadelaktamberzauber vorbei und es bleibt ein sehr bodenständiger, „normaler“ wirkender, stark vanillig anmutender Amber in der Basis. Die hält sich dann lang und gut.
SdM entdeckte ich beim Parfumo-Treffen.
Ein wunderschön-kostbarer Duft, der für mich nicht nur Marrakesch-Geruchsbilder, sondern auch Erinnerungen an einen großartigen 30. Juli duften lässt.
EDIT 10/2012: Nach einem Gespräch mit dem Parfumeur Abderrazak Benchaâbane, weiß ich ein wenig mehr über SdM: Es ist echtes Ambregris verwendet (die Ausscheidung von Pottwalen, die synthetische Amberduftstoffe inspiriert hat). Diese porös-pulverige und gleichzeitig fest-glatte Anmutung der Note ist dem natürlichen Amber geschuldet, der heutzutage so gut wie überhaupt nicht mehr in Parfum vorkommt. Der oben erwähnte Kakao-Eindruck entsteht durch Patchouli.(vgl.: http://www.parfumo.de/blog/2012/10/16/von-garten-sehnsucht-und-duft-ronin-und-louce-zu-besuch-bei-abderrazak-benchaabane/)
18 Antworten


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Sie verstehen dort bestimmt auch Englisch.