Ein Rosenduft wie ein Donnerhall – Whips and Roses ist nicht ohne Grund in Leder geschnürt. Wer ist auch schon so alt wie ich und kann sich noch an den ersten Film von Otto erinnern, wo er den Namen des Edelrestaurants vergisst (Crème de la Crème) und stattdessen im Chrome de la Chrome landet? Trotz des knalldunkelpinken Flakons muss ich sofort und unbedingt an diesen Laden denken („Wie pinkelt 'n Eskimo?“). NurdieHartenkomminGarten.
Whips and Roses knallt dir die Rosen mit einer Wucht um die Ohren, dass es dich aus den Lederlatschen haut. Fett, frontal, furios. Vergiss alles, was du bisher über Rosen gedacht hast. Vergiss rosa, vergiss lieblich, vergiss reizend, vergiss niedlich, vergiss verspielt. Die Kerosene-Rose von John Pegg ist laut, knallig, kräftig, schrill. Superfrisch, supergrün, supersaftig. Hier sind neben den Rosenblüten auch die Blätter, Stängel und Dornen verarbeitet worden. Damit das alles dann aber auch bloß nicht noch zu leise ist, dürfen Bergamotte und Blutorange die Dröhnung noch verstärken. Bisweilen sogar etwas beißend und rasiermesserscharf. Achtung: Zitronengesicht! Wie reingebissen in die gelbe Frucht - mit Schale versteht sich. Die Kopfnote ist so voller Intensität, dass sie durch die Nase direkt ins Hirn bläst. Ungewöhnlich, fesselnd, mutig – aber durchaus reizvoll und bei weitem nicht unschön. Ein saure Fruchtigkeit mit Tiefe und Volumen.
Moschus ist ja bekanntermaßen ein kongenialer Partner der Rose, und auch die Donnerrose bedient sich seiner Vorzüge. Wobei selbstredend der Moschus hier mithält und alles andere als fluffig-süß ist. Die Rosensüße nimmt eher noch ab und der Moschus hat Muckis. Kein Tier weit und breit, aber dennoch ist der Moschus selbstbewusst kompakt und vielleicht schon eine Spur sperrig. Und trotzdem breitet sich eine leichte Sämigkeit um die Rose herum aus. Ein bisschen dunkel-schnurrig-weich, um die scharfen Kanten etwas abzurunden. Aber weiterhin jenseits aller Schäfchenwolkenfluffigkeit. Spätestens ab jetzt ist der Duft wie deklariert unisex – wenn Mann keine Angst vor Rosen hat. Wobei eines fest steht: DIESE Rose ist keine typische Rose. Die schlägt sensible Nasen in die Flucht, egal ob mit oder ohne y-Chromosom.
Und dann kommt das Leder, vor dem ich immer ein bisschen Manschetten habe. Und tatsächlich ist das hier kein schmuseweiches dünnes hellgraues Wildleder, unter dem man eine Zeitung lesen könnte, sondern edles, ehrliches schwarzes Leder mit ohne Nieten. Deutlich, eingebettet, kraftvoll, gewöhnungsbedürftig. Die Rosenwucht hält dagegen und den Moschus zieht es jetzt zur dunklen Seite der Macht. Das riecht auffällig, kantig, pieksig. Whips and Roses will nicht kuscheln, das ist mal klar. Aber duften durchaus, nur eben nicht so dezent und unaneckend. Gefällig ist was anderes. Die Rosenpeitsche passt sicherlich nicht zu jeder Gelegenheit, für sie braucht man Lust und Bereitschaft. Denn sie bleibt auch lange bei dir und du teilst sie mit denen in deiner Umgebung. Kompromisslos.
Und wird am Ende etwas versöhnlicher. Runder und weicher, ohne auf seine drei Hauptdarsteller zu verzichten, die sich jedoch im Drydown einander annähern, sich verweben und als eine eigenständige Moschuslederrose auftreten, die ich so noch nicht gerochen habe.
Und noch zwei Worte zum Flakon: großes Kino. Feinste Handarbeit, kein Plastik weit und breit, dafür Lack, Metall, Leder - schnörkellos und dennoch mit Charakter. Haptisch und optisch eine Augenweide. Ein kleiner Bondage-Flakon, um die wilde Rose im Zaum zu halten. *peitsch!*
den muss ich testen unbedingt..hört sich nach haben muss an!!