Les Nombres d'Or - Cuir Maison Mona di Orio 2010
29
Top Rezension
Thelma & Louise
In einem zerbeulten Honda Civic den Highway entlang rasen. Im Radio "Highway to hell" mitgröhlen, die Arme dabei in die Luft strecken, gegen den Fahrtwind pressen, jauchzen, lachen und Kette rauchen. Zur Jeans Bikerboots tragen, zum Seidenkopftuch ein weißes Tanktop, zur Sixties-Sonnenbrille roten Lippenstift.
Thelma und Louise scheren sich nicht um Konventionen, nicht um gutes Benehmen, nicht um richtig oder falsch. Sie sind, wollen sein und kosten das Sein aus, mit allem, was es zu bieten hat. Cuir schert sich genauso wenig. Nicht um Trends, nicht um die Masse, nicht um Gefälligkeit. Große Parfumeurskunst, alt hergebrachter Tradition verpflichtet, aber losgelöst von Erwartungen und jeglichen anderen Verpflichtungen. Kompromisslos und polarisierend. Eigenständig, aufmüpfig und auf eine subtile Art erhaben. Bold and beautiful.
Bereits der betont maskuline Auftakt von Cuir weist in diese ungezähmte und kraftvolle Richtung, der der gesamte weitere Duftverlauf durchgängig folgen wird. Absinth und Kardamom starten alkoholisch, würzig-süß und sehr trocken rauchig. Hier steht der Honda Civic irgendwo in der Wüste am Straßenrand. Louise studiert die Straßenkarte und Thelma liegt auf der heißen Motorhaube, ein Bein lässig angwinkelt. Sie blickt durch ihre Sonnenbrille in den Himmel, beobachtet ein paar Geier, schaut den Wolken nach. In der Hand hält sie eine Flasche Bier, zwischen Zeige- und Mittelfinger der gleichen Hand eine rauchende Gauloises...
Auch von Beginn an schwingt bereits die Wacholdernote hintergründig mit und verleiht Cuir einen auffällig ätherischen, sehr subtilen Unterton, der unter aller Roh- und Widerspenstigkeit eine diffuse und elegante Helligkeit verströmt. Und obwohl Cuir meiner Meinung nach keinem klassisch pyramidalen Aufbau folgt, lässt sich doch eine Entwicklung nachvollziehen, in der die einzelnen Noten, die Phasen des Duftes fast unmerklich ineinander laufen, ineinander zerfließen. Der Wacholder als ätherisch-helles Bindeglied zwischen der aufmüpfigen Kopfnote und der animalisch-ledrigen Basis entwickelt sich so von einer dominant würzig-frischen zu einer zurückhaltend balsamisch-süßen Komponente. Zwischendurch kann die sich stetig entwickelnde Wacholdernote einem aber durchaus auch einmal den Atem nehmen. Wenn der rauchig rote Faden noch immer weiter betont wird, es nach leicht verbrannten Gummi riecht, nach quietschenden, durchdrehenden Reifen, wilden Verfolgungsjagden auf dem Highway, nach rauchenden Colts und trockenen Drinks. Da kann man schon mal einknicken und sich etwas mehr Massenkompatibilität wünschen.
Doch bevor Thelma und Louise mit ihrem Honda in den Abgrund rauschen können, beruhigt sich Cuir merklich, verliert aber nie seine ungezähmte Kraft dabei. Die Basis breitet sich nach etwas mehr als einer Stunde gemächlich und sehr selbstbewusst in einer angenehmen Sillage aus. Die ätherisch-trocken rauchige Note ist immer noch da, das rohe, unbehandelte Leder ist der minimalistisch eingesetzen Süße des Opoponax entgegengesetzt.
Hier sitzt Thelma alleine in einer alten, gut versteckt gelegenen Kapelle. Es duftet nach längst vergangenen Weihrauchschwaden, die gerade vor kurzem noch dick durch den Kirchenraum gezogen sind. Das Holz der alten Sitzbänke knackt unter ihr und verströmt einen eigenartig animalischen aber sehr trockenen Duft. Das Alter des Holzes flüstert ihr Gebete längst vergangener Tage zu und vermischt sich verstohlen mit dem Rauch ihrer Gauloises, die sie unaufhörlich raucht. Gedankenverloren sitzt sie da und schaut dem bunten Licht zu, das in blasser Farbigkeit im Schein der Abenddämmerung durch die hohen Buntglasfenster fällt. Ein erhabenes Gefühl der Ruhe und der hellen Gewissheit liegt auf ihr, dass heute der letzte Abend ihres bisherigen Lebens ist...
Cuir polarisiert. Cuir verstört vielleicht sogar ein wenig. Cuir ist nicht gefällig und doch ganz wunderschön. Eine mutige und moderne Umsetzung des klassischen Leder-Themas, das für mich Signatur- und Kultpotenzial hat. Cuir an einem Mann, an einem jungen Brad Pitt wie in Thelma & Louise, meisterhaft! An einer Frau aber, die sich traut... An einer Thelma, mit Jeans, Bikerboots, weißem Tanktop, Seidenkopftuch, Sonnenbrille und rotem Lippenstift:
Bold and beautiful!
Thelma und Louise scheren sich nicht um Konventionen, nicht um gutes Benehmen, nicht um richtig oder falsch. Sie sind, wollen sein und kosten das Sein aus, mit allem, was es zu bieten hat. Cuir schert sich genauso wenig. Nicht um Trends, nicht um die Masse, nicht um Gefälligkeit. Große Parfumeurskunst, alt hergebrachter Tradition verpflichtet, aber losgelöst von Erwartungen und jeglichen anderen Verpflichtungen. Kompromisslos und polarisierend. Eigenständig, aufmüpfig und auf eine subtile Art erhaben. Bold and beautiful.
Bereits der betont maskuline Auftakt von Cuir weist in diese ungezähmte und kraftvolle Richtung, der der gesamte weitere Duftverlauf durchgängig folgen wird. Absinth und Kardamom starten alkoholisch, würzig-süß und sehr trocken rauchig. Hier steht der Honda Civic irgendwo in der Wüste am Straßenrand. Louise studiert die Straßenkarte und Thelma liegt auf der heißen Motorhaube, ein Bein lässig angwinkelt. Sie blickt durch ihre Sonnenbrille in den Himmel, beobachtet ein paar Geier, schaut den Wolken nach. In der Hand hält sie eine Flasche Bier, zwischen Zeige- und Mittelfinger der gleichen Hand eine rauchende Gauloises...
Auch von Beginn an schwingt bereits die Wacholdernote hintergründig mit und verleiht Cuir einen auffällig ätherischen, sehr subtilen Unterton, der unter aller Roh- und Widerspenstigkeit eine diffuse und elegante Helligkeit verströmt. Und obwohl Cuir meiner Meinung nach keinem klassisch pyramidalen Aufbau folgt, lässt sich doch eine Entwicklung nachvollziehen, in der die einzelnen Noten, die Phasen des Duftes fast unmerklich ineinander laufen, ineinander zerfließen. Der Wacholder als ätherisch-helles Bindeglied zwischen der aufmüpfigen Kopfnote und der animalisch-ledrigen Basis entwickelt sich so von einer dominant würzig-frischen zu einer zurückhaltend balsamisch-süßen Komponente. Zwischendurch kann die sich stetig entwickelnde Wacholdernote einem aber durchaus auch einmal den Atem nehmen. Wenn der rauchig rote Faden noch immer weiter betont wird, es nach leicht verbrannten Gummi riecht, nach quietschenden, durchdrehenden Reifen, wilden Verfolgungsjagden auf dem Highway, nach rauchenden Colts und trockenen Drinks. Da kann man schon mal einknicken und sich etwas mehr Massenkompatibilität wünschen.
Doch bevor Thelma und Louise mit ihrem Honda in den Abgrund rauschen können, beruhigt sich Cuir merklich, verliert aber nie seine ungezähmte Kraft dabei. Die Basis breitet sich nach etwas mehr als einer Stunde gemächlich und sehr selbstbewusst in einer angenehmen Sillage aus. Die ätherisch-trocken rauchige Note ist immer noch da, das rohe, unbehandelte Leder ist der minimalistisch eingesetzen Süße des Opoponax entgegengesetzt.
Hier sitzt Thelma alleine in einer alten, gut versteckt gelegenen Kapelle. Es duftet nach längst vergangenen Weihrauchschwaden, die gerade vor kurzem noch dick durch den Kirchenraum gezogen sind. Das Holz der alten Sitzbänke knackt unter ihr und verströmt einen eigenartig animalischen aber sehr trockenen Duft. Das Alter des Holzes flüstert ihr Gebete längst vergangener Tage zu und vermischt sich verstohlen mit dem Rauch ihrer Gauloises, die sie unaufhörlich raucht. Gedankenverloren sitzt sie da und schaut dem bunten Licht zu, das in blasser Farbigkeit im Schein der Abenddämmerung durch die hohen Buntglasfenster fällt. Ein erhabenes Gefühl der Ruhe und der hellen Gewissheit liegt auf ihr, dass heute der letzte Abend ihres bisherigen Lebens ist...
Cuir polarisiert. Cuir verstört vielleicht sogar ein wenig. Cuir ist nicht gefällig und doch ganz wunderschön. Eine mutige und moderne Umsetzung des klassischen Leder-Themas, das für mich Signatur- und Kultpotenzial hat. Cuir an einem Mann, an einem jungen Brad Pitt wie in Thelma & Louise, meisterhaft! An einer Frau aber, die sich traut... An einer Thelma, mit Jeans, Bikerboots, weißem Tanktop, Seidenkopftuch, Sonnenbrille und rotem Lippenstift:
Bold and beautiful!
23 Antworten


Habe ihn gerade zum ersten mal auf dem Handgelenk.
Das ist ein wirklich hartes Wässerchen, meine Güte! Nix für Sonntagsfahrer.