Stercus 2014

Stercus von Orto Parisi
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7.7 / 10 326 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Orto Parisi für Damen und Herren, erschienen im Jahr 2014. Der Duft ist holzig-würzig. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „Kot, Dünger, Mist, Schmutzfink”.
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Duftrichtung

Holzig
Würzig
Animalisch
Harzig
Erdig

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.7326 Bewertungen
Haltbarkeit
8.8279 Bewertungen
Sillage
8.1286 Bewertungen
Flakon
7.8270 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.2121 Bewertungen
Eingetragen von Franfan20, letzte Aktualisierung am 29.05.2024.

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Rezensionen

13 ausführliche Duftbeschreibungen
8
Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Yharnam79

80 Rezensionen
Yharnam79
Yharnam79
Top Rezension 67  
"Wenn du Pupu dabei hast, feuer los!"
Es gibt einzelne Düfte, da weiß ich eigentlich schon im Vorfeld, dass ich mir mit meinem dazugehörigen Kommentar nicht unbedingt nur Freunde machen werde...
Stercus ist ganz weit vorne mit dabei.

Warum?
Weil ich mich nicht zurückhalten kann, auch auf den Namen und die (damit verbundenen) von Entrüstung und Ekel getriebenen "Aufschrei-Statements" einzugehen.
Das Thema habe ich zugegebenermaßen auch schon bei dem ein oder anderen Animalen angebracht, da sich bei derartigen Düften meines Erachtens nach eine ganz ähnliche Tendenz in den Kommentaren - vorrangig aber in den Statements - abzeichnet.

Nicht , dass ich irgendwem vorschreiben will, was er/sie zu mögen hat oder nicht. Auch nicht, was er/sie hier schreiben darf oder nicht. Damit hat mein Exkurs nämlich rein gar nichts zu tun.
Es geht mir eher um Statements, die eindeutig zeigen, dass dort nicht unbedingt immer ein Test zu Grunde liegt sondern die Motivation - nein - das dringende Bedürfnis, auch eine Meinung kundtun zu müssen.
Und was wird da gefachsimpelt... oder sollte ich in diesem Fall gewollt-provokant sagen "mit Kacka um sich geworfen"...
Ja, nach "Scheiße" soll der Duft riechen.
Auch nach "Tierexkrementen".
Eigentlich nach allen erdenklichen Sorten der Ausscheidung.
Von menschlichem Kot über Kuhstall bis hin zu Donnerbalken.
"Ekelerregend, abstoßend und niemals tragbar".
Kaum vorstellen kann man sich, dass es irgendwen gibt, der diesen Duft tragen möchte und auch noch gut findet.
Da fühlt man sich als Schreiber schon fast dazu genötigt, sich zu rechtfertigen, dass bzw. warum man diesen Duft mag. Mal abgesehen davon, dass einem von der ein oder anderen Rezension quasi unterstellt wird, man würde darauf abfahren nach "Scheiße" zu riechen...

Übrigens: ich bin auf dem Land aufgewachsen und fast 15 Jahre lang jedes Jahr ins Zeltlager gefahren - inklusive Donnerbalken! Ich nehme mir deswegen auch heraus zu sagen, dass ich Stercus nicht mit eienm Toilettengang assoziiere, egal ob menschlicher oder tierischer Natur.
Was ich einräume ist, dass Stercus ein Duft ist, der durch seine Erdverbundenheit und Erdigkeit, seine Körper.- und Naturnähe durchaus zu polarisieren weiß.

Aber was soll ich sagen? Die Namensgebung und der damit einhergehender Hype (egal erstmal in welche Richtung) haben voll ins Schwarze getroffen!
Und ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, stünde "Menstruation" auf dem Flakon würden sich auch da genügend Stimmen finden, die genau das auch herausriechen...
In eine andere Duftrichtung gehend aber mindestens genauso kontrovers diskutiert: Bull's Blood. Die wenigsten dürften sich die Mühe gemacht haben, diesen Inhaltssftoff mal zu recherchieren bevor das große Geschrei losging, dass der Duft nach Kadavern, Schlachthaus und Innereien riechen würde und bestenfalls ein Duft für Nekrophile sein darstelle...

Aber wie riecht denn nun dieser so viel diskutierte "Kot"?

"Die Bereiche des Körpers, die mehr Geruch entwickeln als andere, sind die, in der sich unsere Seele sammelt. Intensive Gerüche sind uns unangenehm geworden – denn ein Übermaß an Seele ist unerträglich für das Empfinden. Unser angeborener Hang zum Animalischen wird durch die Zivilisation unterdrückt."
*Alessandro Gualtieri

Eigentlich schreibe ich lieber selbst als mich an Zitate zu halten aber in diesem Fall möchte ich doch eine Ausnahme machen, denn für mein Empfinden trifft es das zemlich genau.

Seit wann ist das so, dass uns naturnahe oder aber "natürliche" Gerüche unangenehm sind?
Und ich meine damit natürlich nicht Kacki oder Pipi!
Das trifft genauso auf Erde, Schlamm oder z.B. auch auf authentisches Leder zu. Auch auf den natürlichen Körpergeruch, den jeder von uns von Natur aus hat. Auch hier nicht zu verwechseln mit dem Geruch, wenn jemand tagelang nicht geduscht hat oder nach dem Schwitzen im Fitnessstudio. Eher das altbekannte "Ich trage noch dein Shirt weil es noch nach dir riecht" - Ding.

Man sieht, ich bin darauf bedacht, jegliche Missverständnisse und Antworten wie "also ich will nicht nach Scheiße riechen" von vorneherein zu vermeiden oder einzugrenzen.
Auch ich möchte nicht nach Scheiße riechen!

Ich bemerke gerade, dass ich dabei bin, mich furchtbar zu verzetteln.

Nachdem ich nun schon eine Blogartikellänge lang mehr oder weniger direkt zum Ausdruck gebracht habe, dass ich den Duft etwas anders sehe und wahrnehme als mach andere/r hier möchte ich all den jetzt verärgerten Lesern noch mitgeben: es ist nur meine eigene subjektive Meinung. Und genau, wie sie allen anderen Menschen hier erlaubt ist und weiterhin erlaubt sein soll, nehme ich mir auch das Recht heraus, meine hier mehr oder weniger unverblümt heraus zu posaunen.

Stercus ist ein fordernder Duft.
Stark. Reviermarkierend. Polarisierend.
Wahrscheinlich auch kein Duft für jungfräuliche Nasen.
Ebenso kein Duft für Liebhaber von "leichten" Düften - leicht hier gemeint in jeglicher Hinsicht.

Holzig-harzig.
Ledrig.
Erdig.
Balsamisch-süßlich.
Scharf
ist er.

Ehrlich, roh, lebendig, erdverbunden, fruchtbar, standhaft, potent.
Erwachsen.
Einhüllend und von dunkler Aura.

Es kommen Assoziationen von Schlamm, Lehm, Erde, Wald und Waldtieren.
Dem stolzen Hirschen, der paarungsbereit durch das Unterholz stampft und dabei einen ohrenbetäubenden Balzruf ausstösst.
Dem Wind nach einem starken Regenfall.
Von regenfeuchtem und hitzetrockenem Holz.
Von altgegerbtem Leder.
Der schweißtreibenden Arbeit auf einer Ranch
ebenso wie
dem Nickerchen im Schatten eines gewaltigen Baumes.

Keine dieser Nuancen und keine dieser Assoziationen löst bei mir Unbehagen oder gar Unwohlsein und Ekel aus.
Ganz im Gegenteil.
Und auch Stercus als Duft tut dies nicht.
Ganz im Gegenteil.

Stercus ist für mich ein Duft, dessen zunächst genial wirkende Marketingsstrategie doch auch gleichzeitig zum Verhängnis wurde bzw. wird.
Gehört er doch für mich persönlich zu den stärksten und eigenständigsten Kreationen der letzten Jahre.
Er ist gleichzeitig Duft und (Duft-)erfahrung.
Du trägst ihn nicht nur; wenn du es zulässt, trägt er dich.
26 Antworten
7.5
Flakon
10
Sillage
10
Haltbarkeit
6
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 34  
Ja, kommt denn hier keiner vom Land?
Was hat sie uns nur getan, die Scheiße? Dass wir so oft mit ihrer Hilfe Dinge verbal ins Negative kehren. Oder ständig unter ungefragter Zuhilfenahme ihres Namens schimpfen. Und so weiter. Vor Jahren habe ich mal eine lustige Abhandlung mit diesem Tenor gelesen.

Daran musste ich denken, an einem jener Sonntagmorgen im Winter, wo ich in aller Frühe mit meiner Tochter im Reitstall war, damit sie die Halle ganz für sich haben konnte. Des Öfteren hatte das Pony seine große Morgen-Erleichterung nicht vorab erledigt, sondern sich den Abwurf zur allgemeinen Erheiterung für die Reitstunde aufgespart. Dann lag halt irgendwann ein kapitaler Haufen Pferde-Äppel auf dem Sandboden und dampfte in der Kälte friedfertig vor sich hin, während der – von hinten gesehen – zugehörige Vier-Beine-Hintern mitsamt darauf sitzendem Kind gepflegt davonschritt und alles Weitere dem Papa überließ.

[Einschub für alle, die nun denken, meine folgende Assoziation käme doch nur wegen des Namens des Duftes: Bei Cuba von Czech & Speake und bei Baudelaire von Byredo habe ich mich auch schon – selbstredend allein metaphorisch - mutig mitten in die Ausscheidungen gewagt und bei beiden stand nichts dergleichen geschrieben.]

Am Ende landeten die Äppel natürlich auf dem Misthaufen, wo bereits das sorgfältig vollgekackte Boxen-Stroh nicht minder entspannt seiner letzten Ruhestätte entgegengärte. Und endlich sind wir beim Thema. Misthaufen. Kommt denn hier keiner vom Land? Offenbar nicht, denn der stechend-säuerliche Auftakt von Stercus hat definitiv was von Ammoniak.

Unsere Chemiker mögen die laienhafte Unpräzision meiner Ausführungen entschuldigen. Ich bin weder Landwirt noch Naturwissenschaftler, sondern bloß vom Dorf und wage mich mithin jetzt weit in fremde Fachgebiete vor: Jeder Misthaufen riecht nach Ammoniak, mal mehr, mal weniger, je nach Tierart. Das erzeugt seinen beißenden Geruch, den typischen Bauernhof-Gestank. Harnstoff aus dem Urin zerfällt und dabei entsteht eben unter anderem Ammoniak.

Bei Menschen beschränkt sich die geruchliche Wahrnehmbarkeit im Alltag zumeist etwa auf Bahnhofs-Klos ohne Ziel-Vorrichtung (für manche Leute wäre zweifellos sogar eine Halte-Vorrichtung angebracht) oder einschlägige Großstadt-Erleichterungs-Ecken insbesondere zu Volksfest-Zeiten. In seltenen Fällen werden beispielsweise zusätzlich türkische Weltausstellungs-Pavillions mit fraglos außerordentlich hochwohlgeborenen Varianten dieses Zerfallsproduktes beehrt.

Ich kenne den Geruch indes vor allem aus dem Chemie-Unterricht. Unser Lehrer schwor auf Ammoniak zum Atemwege-Frei-Ätzen bei Erkältung und nötigte uns zum Ausprobieren. Unvergessen ist die Stunde, als ein Mitschüler just sein Gesicht über die Kanister-Öffnung hielt, und der Lehrer durch einen kräftigen Schlag gegen das Behältnis eine kräftige Wolke erzeugte. Aua. Sowas wäre heute womöglich ein Fall für die Justiz. Hat ansonsten aber mit dem Nase-Freimachen immerhin tadellos gefunzt und den Geruch vergisst man im Leben nicht.

Salmiak(-Geist) ist auch ein Ammoniak-Produkt. Salmiak. Lakritz. Wir sind wieder bei meinem beliebten, inzwischen geradezu ubiquitären Süßholz angelangt. Ich schätze, sofern Herr Gualtieri nicht gleich Ammoniumchlorid reingekippt hat (keine Ahnung, ob das funktioniert), hat er den Gestank mit einer Mischung aus Süßholz und Aldehyd nachgebaut.

Der Misthaufen-Eindruck hält sich allerdings kaum eine Stunde, etwas in die Länge gezogen vermutlich durch eine extrem säuerliche, lederartige Note. Das dürfte die Oud-Anmutung sein, die gelegentlich schon genannt wurde. Derlei erinnert mich gerne an derbes, wenig bearbeitetes Leder. Im Folgenden scheint mir eben jene stärker lederartige Note für einige Stunden hervorhebenswertester Unterschied zu Black Afgano zu sein. Ich war in dieser Hinsicht gewarnt, nicht erst durch die Vor-Kommentare. Vollbart - der Spender meines Pröbchens; vielen Dank dafür! - hatte die Ähnlichkeit angekündigt. Sie ist in der Tat regelrecht erschreckend für ein dermaßen ambitioniertes Produkt.

Stercus ist im Auftakt heller und nach vielleicht drei Stunden allmählich runder, gefälliger, holziger als Black Afgano. Zeder, oder besser noch Kiefer, könnte mit im Spiel sein. Die pieksige Lackiertholz-Note mag eine Beigabe von Cashmeran andeuten. Mit dieser Note schließt sich dann der Kreis zu Duro, denn bereits bei Black Afgano hatte ich eine Ähnlichkeit zum Geschwist wahrgenommen. Gegen Ende ist auch Stercus recht süß, wiederum grüßt Black Afgano.

Hm. Mir gefällt er einen Zacken besser als Black Afgano, weil er runder und holziger ist. Trotzdem ist eine derart nahe Verwandtschaft enttäuschend: Setzen, Sechzig!
23 Antworten
7
Flakon
5
Sillage
7
Haltbarkeit
8
Duft
loewenherz

884 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 34  
Griffith Park
Es gibt ein paar Parfums, die haben - aus ganz verschiedenen Gründen - einen Ruf wie Donnerhall. Chanels N°5 etwa oder Creeds Aventus und Paco Rabannes 1 Million - man sieht, es können völlig unterschiedliche Arten von Düften sein. Stets sind es jedoch solche Düfte, die stark polarisieren (bei den genannten: All time-Classic vs. tantig, Mr. Success vs. neureich, Schlüpferstürmer vs. Vorstadtprolet). Eine Parfumfamilie, die traditionell besonders stark polarisiert, ist die der 'Stinker', also der pointiert animalischen Düfte - und so etwas wie deren heimlicher König ist Orto Parisis bzw. Alessandro Gualtieris Stercus - der, dessen Name ganz prosaisch 'Scheiße' heißt.

Vor kurzem saß ich in einen wunderbaren Nachmittag lang in einem Park - einem sehr schönen - dem Griffith Park in Los Angeles. Kurz zuvor hatte es dort - für diese Jahreszeit und für Südkalifornien - erstaunlich ergiebig und lange geregnet. Das Wasser hatte den Boden aufgeweicht, und es lag ein erdiger Geruch in der noch immer feuchten Luft, durchzogen vom jungen Grün der Gräser und der Frühlingsblumen. Und es war eine Ahnung von Dung mit in der Luft - als habe irgendwo nicht weit entfernt ein fürsorglicher Gärtner den Kiefern und den Rhododendren ein kleines Extrafrühstück gönnen wollen. Und er war unendlich gut und schön, dieser Geruch.

Torfig ist er, der Geruch von Stercus - und irden mit einer nur vagen - und erstaunlicherweise gar nicht abstoßenden - Ahnung von Fäkalaromen darin. Feuchtes Tierfell ist dabei - und so etwas wie verwitterte Rinde oder Mulch. Er ist ein ehrlicher und wahrhaftiger Duft, als habe Alessandro Gualtieri ihn direkt aus dem Herzen der Erde extrahiert - unverfälscht, fruchtbar, lebendig. Ein Duft so wie die lehmige Krume zwischen unseren Händen, das morsche Holz eines umgestürzten Baumes, die Losung eines liebestollen Junghirsches in seinem ersten Frühling mit Geweih - und wie die warme Luft im Griffith Park nach dem Regen. Und gar nicht 'scheiße'.

Fazit: Los Angeles ist keine der Städte, die ihren Charme gleich beim allerersten Mal versprühen. Im Gegenteil sind viele Leute nachgerade enttäuscht nach ihrem ersten Besuch in der Stadt der Engel - so sehr mitunter, dass es zu keinem Zweitbesuch mehr kommt. Kommt man jedoch ein zweites oder ein drittes Mal hierher, entdeckt man wunderbare Stadtviertel und Landschaften in der Umgebung, verliebt sich in den kühlglitzernden Pazifik - und findet viel Schönheit jenseits von Hollywood Boulevard und Chateau Marmont. Und sitzt vielleicht einen Nachmittag lang im Griffith Park - wo nach einem warmen Frühlingsregen die Erde ihr Herz ganz weit öffnet.
9 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
DaveGahan101

535 Rezensionen
DaveGahan101
DaveGahan101
Top Rezension 21  
Halleluja!!!
"Man ist dat ne Wurst" würde der Kasper in der Werbung sagen..ich sage dagegen "Man ist das ein Duft":-)!
Vor ein paar Wochen in München bei Ludwig Beck habe ich den zuletzt verbleibenden Duft aus der Reihe von Orto Parisi getestet...und es war der einzige, der bei mir wirklich hängengeblieben ist! Das ist auch wortwörtlich gemeint, den Stercus hält schon bei einem Sprüher ne halbe Ewigkeit.
Über Stercus wurde schon viel philosophiert, diskutiert, geschwärmt...hat kontroverse Reaktionen hervorgerufen...ich glaub da hat das Marketing(das ich immer noch ablehne) voll und ganz funktioniert.
Ganz schön viel Hype über animalische Noten oder gar exkrementielle Nuancen. Dazu komme ich aber später noch...
Stercus ist für mich ein wundervoller Duft, warm-würzig, ja sogar balsamisch. Tief, leicht dunkel...und leicht scharf. Ich sehe ihn ne ganze Ecke weg vom vielzitierten Black Afgano, da ist Boccanera viel viel näher drann. Schwierig den Duft mit irgendeinem anderen Duft zu vergleichen. Auch bei den Noten ist es sehr schwierig den Duft auseinander zu nehmen. Für mich ist da eine Ladung Pfeffer, Kardomom, Leder und balsamische Harze drinn. Vielleicht auch ein klitzekleiner Schuss Oud. Krautige Noten wie in BA kann ich nicht erkennen. Stercus hüllt ein in etway Warmes und Weiches...er schmeichelt..hat aber auch Biss. Gerade das macht ihn für mich so interessant. Eine Schönheit mit Charakter, ein Duft, der nicht stromlinienförmig ist, sein will! Der eckt auch manchmal an, ohne aber zu verstören.
Jaaa...es ist auch eine animalische Note drinn..mehr Pferdestall als Kuhstall. Mehr nicht mehr ganz taufrisches Heu als Latrine. Wenn man am Sprüher direkt riecht, ist es stärker zu erkennen. Im Duft selber nicht mehr als ein Hauch, der zum einen nicht stört und zum anderen auch nicht immer da ist. Eher eine ganz leichte Andeutung. Ist wohl in etwa so, wie wenn ungeübte Nasen(z.B. oft im Büro) zum ersten Mal Oud riechen. Stercus hält bei mir bei nur einem Sprüher den ganzen Tag. Hier muss man mit der Dosierung sehr genau aufpassen. Für mich ein Traumduft für den Herbst und Winter. Sicherlich kein Duft für den Alltag oder gar für mehere Tage hintereinander..aber bei jedem Mal ein absolutes Highlight!
15 Antworten
DonDonDon

8 Rezensionen
DonDonDon
DonDonDon
Top Rezension 19  
Equus & Stercus. Eine Affäre.
Als ich vor circa 12 Monaten nichtsahnend zu Parfumo kam, war ich auf der Suche nach einem Duft, der an einen Pferdestall erinnert. Da mir "Douglas" naturgemäß nicht helfen konnte, fragte ich hier im Forum nach und bekam gleich eine Fülle von Düften genannt, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, darunter "Muscs Koublai Khan", "Lui", "Arabian Horse No. 3.1", "Dahn Oud Al Shams", "Oud Assam" und viele andere mehr. Unter den erstgenannten war auch "Stercus", der mehrfach erwähnt wurde und aufgrund seiner offenbar stark polarisierenden Eigenschaften gleich mein Interesse weckte. Ich erstand von einem erfahrenen und mittlerweile liebgewonnenen Parfumo-Mitglied also eine Probe von "Stercus", die mein erstes Geruchserlebnis im Nischenbereich überhaupt werden sollte. Ich erinnere mich noch gut an meine Befremdung; ich war weder angezogen noch abgestoßen, eher ratlos, irritiert und erstaunt. So etwas hatte ich noch nie gerochen; eigenartigerweise war meine erste Assoziation – die ich danach nie wieder hatte – die vom Geruch der Bleistiftminen in Grundschulzeiten, also irgendwie holzig-streng. "Was ist das denn?", fragte ich mich, und "Wie kommt man auf die Idee, sowas zu komponieren und als Parfum zu deklarieren?" Es hat viele Tage und etliche Tests gebraucht, bis sich mir erschlossen hat, dass die starke, aber diffuse Empfindung, die ich bei jedem Test hatte, eben dadurch zustande kam, dass in diesem Riechstoff Zutaten sein mussten, die sowohl als auch anziehend wie abstoßend wirkten – wobei "abstoßend" nicht im Sinne von "ekelhaft", sondern eher im Sinne von "animalisch" oder "streng" zu verstehen ist. Woran ich mich ebenfalls gut erinnere, einfach, weil die Situation angesichts eines Geruchs für mich selten war, war die immer wieder auftauchende Frage danach, ob mir das jetzt nun gefällt oder nicht. Ich schwankte und forschte in mir nach, und ähnlich wie bei einem Musikalbum, das Aufmerksamkeit und wiederholtes Hören erfordert, bis es sich allmählich erschließt, fand ich irgendwann heraus, dass ich "Stercus" einfach großartig fand. Irgendwie als so eine ganz spezielle Mischung aus ernst & herb & streng & einer Prise Lockstoff. Diese Erkenntnis (die des Gefallens) erwuchs auch daraus, dass ich mittlerweile zum Vergleich viele andere der als kontrovers geltenden Düfte testen durfte, von denen etliche vermutlich mit ähnlichen Absichten wie "Stercus" komponiert worden sind, aber eben keiner bislang eine Sprache spricht, die mich auf Dauer so fasziniert und anspricht/abstößt wie jene von "Stercus". Bis zum heutigen Tag kann ich, ganz im Gegensatz zu anderen, die hier einen Kommentar abgegeben haben, überhaupt nicht deuten, was da wohl an Inhaltsstoffen drin sein mag. Was ganz sicher eine der Intentionen des Parfumeurs gewesen sein dürfte. Für mich bleibt nun zu hoffen, dass die Produktion von "Stercus" nicht in absehbarer Zeit eingestellt wird, da die Preisgestaltung es mir leider nicht erlaubt, eine Batterie Flakons auf Vorrat zu kaufen. Was der Exklusivität natürlich dienlich ist. So bleibt dieses Erlebnis ein Nasen- und Sinnesabenteuer gleich einer leidenschaftlichen wie glücklichen Affäre, die, wollte man sie festhalten, gleich an Vitalität und Bedeutung verliert. Hut ab & Danke, Herr Gualtieri!
7 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

71 kurze Meinungen zum Parfum
AxiomaticAxiomatic vor 1 Jahr
7
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
7
Duft
Start an Zimt, Harzen und Adlerholz mit etwas Kuh dran.
Trockenfrüchte und Himbeere an Tonkanille.
Rauchiges Vetiver.
Pervers für Anfänger.
42 Antworten
MrtangiersMrtangiers vor 1 Monat
8
Sillage
9
Haltbarkeit
6
Duft
Alessandro
erinnert sich an seine glorreichen Zeiten
in 6-xy Lederjacken
hatte er immer
schwarzen Afghanen
& Laudanumtinktur in der Tasche*
43 Antworten
FoxearFoxear vor 3 Jahren
6
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Feines Oud, kein Kot/ Tier/ Stall/ whatever. Begleitet von dezenter anziehender Süße und weichem Leder. Auch bei warmen Temperaturen toll.
22 Antworten
Medusa00Medusa00 vor 1 Jahr
6
Flakon
8
Sillage
7
Haltbarkeit
3.5
Duft
Jeder Gärtner macht in seinem Garten einen Haufen. "Idyllische" Faulgase, narkotisierte Regenwürmer, ausgewanderte Maulwürfe, welke Blumen.
16 Antworten
VinyldatesVinyldates vor 2 Jahren
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
im dreck siehlen|schmutzig~ warm
auf politurmöbeln hockend - mahagonitief,
zimtgeölt
gefaserte braunnuancen
wie torfnarben aufplatzen
22 Antworten
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