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Top Rezension
Angriffchen der Zucker-Zeder
Seit ich auf einem Groß-Segler zur See gefahren bin, weiß ich, was Sturm wirklich bedeutet. Dann wurden an der Reling zusätzliche Sicherungs-Netze angebracht, damit niemand über Bord ging. Dann waren Wege über Deck zu vermeiden und es waren nur noch die Wachhabenden draußen. Dann mussten wir beim Essen das Tablett auf dem linken Arm halten, weil die Sicherungsleisten auf den Tischen nicht mehr genügten.
Cedarstorm ist also eine mit breiter Brust getätigte Ansage, welcher der Duft, das sei vorweggenommen, nicht gerecht wird. Freilich tut dies dem Genuss keinen Abbruch, auch das sei bereits verraten.
Eine spontane Sorge zum Auftakt, die Bergamotte könnte sich in Richtung eingeschlafene Füße entwickeln, erweist sich rasch als unbegründet. Ohnehin ist sie lediglich Beiwerk, denn es beginnt sofort die Regentschaft der Zeder – wenigstens in dem Punkt verspricht der Titel nicht zu viel. Trotzdem bleibt sie zurückhaltend und lässt andere ebenfalls mal ran. Charakterlich kommt sie vergleichsweise nadelholzig daher und nicht derart feinstaubig-furztrocken, wie Zeder gelegentlich sonst wirkt, vor allem wohl, wenn unter dem Namen das Virginia-Gewächs zum Einsatz kommt, welches eigentlich ein Wacholder ist.
Schon in der zweiten Stunde bekommt das Holz einen zuckrigen Einschlag, aus dem sich später die Amber-Note entwickeln wird. Mich erinnert das ein bisschen an die bezuckerte Tanne in Annick Goutals Nuit Etoilée, bloß war jene winterlicher. Diese ist sommerhalbjahrlich. Holz mit einer Kruste aus Süße. Sehr gelungen, geradezu schmackhaft. Ein Nasen-Schmeichler.
Zuckriger Amber ist gewissermaßen eine logische Fortsetzung davon. Ein dezentes Tupferchen Säure ist dabei. Vorzüglich und elegant beduftet fühle ich mich damit und lasse die Duftentwicklung gerne einige Stunden den langsamen Gang einlegen. In der siebenten Stunde nehme ich ein sandelig-vanillig-ambratisches Etwas wahr, das den Ausklang ankündigt, ohne indes die Zucker-Zeder völlig zu verdrängen. In der neunten Stunde spüre ich gar eine winzige Portion Rauch. Doch nur ganz wenig, nicht, dass uns noch der Nadelbaum kokelt.
Fazit: Der Sturm ist ein Lüftchen und der Angriff der Zucker-Zeder bleibt ein Angriffchen. Das stört aber alles nicht. Ein schöner, rundum angenehmer, gleichwohl keineswegs beliebiger Allrounder. Prima geeignet als Büro-Duft oder auch Signatur. Definitiv eine Test-Empfehlung.
Cedarstorm ist also eine mit breiter Brust getätigte Ansage, welcher der Duft, das sei vorweggenommen, nicht gerecht wird. Freilich tut dies dem Genuss keinen Abbruch, auch das sei bereits verraten.
Eine spontane Sorge zum Auftakt, die Bergamotte könnte sich in Richtung eingeschlafene Füße entwickeln, erweist sich rasch als unbegründet. Ohnehin ist sie lediglich Beiwerk, denn es beginnt sofort die Regentschaft der Zeder – wenigstens in dem Punkt verspricht der Titel nicht zu viel. Trotzdem bleibt sie zurückhaltend und lässt andere ebenfalls mal ran. Charakterlich kommt sie vergleichsweise nadelholzig daher und nicht derart feinstaubig-furztrocken, wie Zeder gelegentlich sonst wirkt, vor allem wohl, wenn unter dem Namen das Virginia-Gewächs zum Einsatz kommt, welches eigentlich ein Wacholder ist.
Schon in der zweiten Stunde bekommt das Holz einen zuckrigen Einschlag, aus dem sich später die Amber-Note entwickeln wird. Mich erinnert das ein bisschen an die bezuckerte Tanne in Annick Goutals Nuit Etoilée, bloß war jene winterlicher. Diese ist sommerhalbjahrlich. Holz mit einer Kruste aus Süße. Sehr gelungen, geradezu schmackhaft. Ein Nasen-Schmeichler.
Zuckriger Amber ist gewissermaßen eine logische Fortsetzung davon. Ein dezentes Tupferchen Säure ist dabei. Vorzüglich und elegant beduftet fühle ich mich damit und lasse die Duftentwicklung gerne einige Stunden den langsamen Gang einlegen. In der siebenten Stunde nehme ich ein sandelig-vanillig-ambratisches Etwas wahr, das den Ausklang ankündigt, ohne indes die Zucker-Zeder völlig zu verdrängen. In der neunten Stunde spüre ich gar eine winzige Portion Rauch. Doch nur ganz wenig, nicht, dass uns noch der Nadelbaum kokelt.
Fazit: Der Sturm ist ein Lüftchen und der Angriff der Zucker-Zeder bleibt ein Angriffchen. Das stört aber alles nicht. Ein schöner, rundum angenehmer, gleichwohl keineswegs beliebiger Allrounder. Prima geeignet als Büro-Duft oder auch Signatur. Definitiv eine Test-Empfehlung.
15 Antworten
Zauber600 vor 10 Jahren
Geht der jetzt -wie kolportiert- in Richtung bzw ist ein Dupe von Isabey - L´Ambre de Carthage? Zuckerdosenpokal für einen der KommiMeister :)
MisterE vor 10 Jahren
Mit diesen dünnen Hölzchen habe ich meist so meine Schwierigkeiten. Bin mir fast sicher, dass das mit dem hier genauso wäre....
Ergoproxy vor 10 Jahren
Ja, stürmisch fand ich den auch nicht. Warme Brise trifft es da eher.
TooSmell27 vor 10 Jahren
Liest sich gut! Aber ich gehe trotzdem auf kein Schiff, weil es schaukelt wie nach drei Wacholdern. Wird jetzt als "Wacholdersturm" abgespeichert.
Kleopatra vor 10 Jahren
Lieber Cedarstorm als Shitstorm :D Ich als Nordlicht bin so was von see-untüchtig...
Fittleworth vor 10 Jahren
Stürmchen-Pokälchen!
Pluto vor 10 Jahren
Also nix mit Sturm, eher Flaute. Wobei, mir riecht schon ein Windchen auf der Butterfahrt nach Dänemark um mir den Tag zu verderben...
Mandelmaus vor 10 Jahren
Den möchte ich auch mal testen:) ein Herz fürs Segeln habe ich auch entdeckt seitdem ich auf Fuerteventura war, ein toller Sport. Maxi PowerSailing:D und schöner Kommentar
MarWic vor 10 Jahren
Da hast du ja wieder etwas Besonderes beschrieben--meine Merkliste ächzt und stöhnt.....
Sarungal vor 10 Jahren
Scheint, heute ist der Tag der gesüßten Zeder :-). Zum Trotz: Stevia-Pokal für die bildhafte Schilderung
Duro vor 10 Jahren
Ein Sturm erwartet einen hier wahrlich nicht. Dennoch (oder gerade deshalb) dürfte der hier großen Gefallen finden. Der Test-Empfehlung schließe ich mich an! Und natürlich Pokal für den treffenden Kommentar.
RoMi58 vor 10 Jahren
Gut beschrieben, wie immer. Hübscher Duft. Aber ich fand diesen süßlichen Ausklang eher langweilig, daher nicht so recht für mich….. Zuckertöpfchen!
Inger vor 10 Jahren
... und auch auf meine Merkliste damit!
Ormeli vor 10 Jahren
Na denn – Mast und Schotbruch – und ab auf die Merkliste damit :)
Palonera vor 10 Jahren
Zu Befehl, Herr Admiral. Die Merkliste ist erweitert *salutier*.

