I Quattro Elementi - Fuoco Paolo Gigli 2009
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Top Rezension
Rot ist eine heisse Farbe
Rot. Farbe der Wärme, der Hitze gleichsam, Farbe der Leidenschaft, des heissen Temperaments, der Liebe, des Lebens. Aber es ist auch Farbe der Macht und Farbe der Gefahr. Rot fällt immer auf, Rot übersieht man nicht.
Ich mag Rot. Sehr sogar. Es regt mich an, es wärmt mich auf, es belebt mich, gibt mir Schwung. Und auch Stärke: mit Rot wird man gesehen und angesehen, und auch das muss man aushalten können, wenn man eher keine Rampensau ist.
Fuoco fiel mir also ins Auge, der Flakon so rot, so prächtig ...! Indes etwas zu verspielt mit zu reichlichem Chi-Chi für meinen Geschmack (Goldornamentik! Strass-Steinchen!), um mir vorbehaltlos zu gefallen, aber eben wunderbar kräftig hellrot und in sehr angenehmer Haptik.
In den Vorkommentaren und den Kommentaren dazu lese ich „Cool Water“, und - wie vernichtend für einen Duft dieser Preisklasse - „Fa Deo“. Na, da muss die eigene Nase doch mal ran und ihr eigenes Urteil bilden!
Fuoco beginnt mit einer kräftig sillagierten, saftigen, fruchtig-aromatischen Note, die in der Tat eine Ähnlichkeit mit Cool Water aufweist. Da ich Cool Water (abgesehen davon, dass er mittlerweile so totgetragen ist) recht gern rieche, stört mich das nicht sonderlich. Lavendel ist deutlich wahrnehmbar und gibt eine freundliche, weiche Eleganz dazu.
Feurig ist hier erstmal gar nichts, und ich kann sogar ein bisschen die Assoziation „Deo“ teilen, was, wie ich vermute, an der minimal schweissigen Würznote liegt, die hier auf die geballte Frucht trifft. Eben so, als hätte das (so häufig fruchtig-frisch parfümierte) Deo nicht ganz hinreichend den Schweiss in Schach gehalten. Einen eher männlichen Schweiss, darf ich hier noch anmerken ;-).
Doch das ist nicht unangenehm, nicht penetrant, nicht billig oder gar eklig. Und fliesst ohnehin bald ins Rote über: die Rose öffnet sich. Ja, eine samtige, üppige, rote Rose blättert sich auf, feurig gewürzt, Pfeffer deutlich, Rosmarin weniger, und die anderen Blumen nehmen etwas die allzu grosse Rosendominanz weg, ohne dass ich sie im Einzelnen erkennen und benennen könnte. Und ich schwöre: ich rieche Oud. Diese holzige Schärfe, trocken, sehr trocken, und doch tief, gepaart mit Rose: keine so ungewöhnliche Kombination, und sie passt hier zum Eindruck von Eleganz, zurückgenommener Sinnlichkeit, Klasse und Souveränität.
Das entzündete Feuer steigt nun knisternd empor; doch nicht plötzlich auflodernd, die Flammen werden mächtiger, es wird heisser, trockener, rauchiger, „roter“. Der Duft wärmt mich gut durch, auch ohne Süsse, und lässt mich vor seiner ruhigen, zurückhaltenden, aber doch spürbaren maskulinen Dominanz niederknien. Wunderschön ist das! Hier werde ich gewärmt bis ins Mark, der Duft hält mich fest, ohne dass er mich mit einer süssen, engen Umarmung erstickt. Er hat etwas Distanziertes und doch Nahes, und hinter der kontrollierten Distanz brennt das Feuer, hellrot, heiss. Das Feuer der Leidenschaft? Der Macht? Der Liebe?
Welches auch immer: es zieht mich magisch an, so wie mich die Farbe Rot magisch anzieht, so wie das Feuer den Menschen magisch angezogen hat, schon immer.
Langsam nimmt Fuoco an Lieblichkeit zu. Ich schnuppere eine feine Honigsüsse, leicht pudrig, lecker, fein austariert, ambriert, nicht übertrieben. Goldrot fällt mir dazu ein, eher warm als heiss, und die oudige Rose ist weiterhin damit sehr schön verwoben. Das gibt dem Ganzen nun einen stärkeren femininen Touch, gedämpfter und weicher, geschmeidig wie Flammen, die zu einer warmen Glut werden, von deren Anblick man sein Auge nicht abwenden mag und seinen Körper nicht wegnehmen möchte, so schön, so schön ...
Fuoco ist ein Duft, dessen Besonderheit hinter den vordergründigen Fruchtnoten liegt. Er erfordert ein Erkennen des Dahinters, des edlen, feurigen Rots hinter dem Strass-Stein-Pling-Pling und der warmen, trockenen, erwachsenen Kraft hinter dem verschwitzen Deo.
Ich mag Rot. Sehr sogar. Es regt mich an, es wärmt mich auf, es belebt mich, gibt mir Schwung. Und auch Stärke: mit Rot wird man gesehen und angesehen, und auch das muss man aushalten können, wenn man eher keine Rampensau ist.
Fuoco fiel mir also ins Auge, der Flakon so rot, so prächtig ...! Indes etwas zu verspielt mit zu reichlichem Chi-Chi für meinen Geschmack (Goldornamentik! Strass-Steinchen!), um mir vorbehaltlos zu gefallen, aber eben wunderbar kräftig hellrot und in sehr angenehmer Haptik.
In den Vorkommentaren und den Kommentaren dazu lese ich „Cool Water“, und - wie vernichtend für einen Duft dieser Preisklasse - „Fa Deo“. Na, da muss die eigene Nase doch mal ran und ihr eigenes Urteil bilden!
Fuoco beginnt mit einer kräftig sillagierten, saftigen, fruchtig-aromatischen Note, die in der Tat eine Ähnlichkeit mit Cool Water aufweist. Da ich Cool Water (abgesehen davon, dass er mittlerweile so totgetragen ist) recht gern rieche, stört mich das nicht sonderlich. Lavendel ist deutlich wahrnehmbar und gibt eine freundliche, weiche Eleganz dazu.
Feurig ist hier erstmal gar nichts, und ich kann sogar ein bisschen die Assoziation „Deo“ teilen, was, wie ich vermute, an der minimal schweissigen Würznote liegt, die hier auf die geballte Frucht trifft. Eben so, als hätte das (so häufig fruchtig-frisch parfümierte) Deo nicht ganz hinreichend den Schweiss in Schach gehalten. Einen eher männlichen Schweiss, darf ich hier noch anmerken ;-).
Doch das ist nicht unangenehm, nicht penetrant, nicht billig oder gar eklig. Und fliesst ohnehin bald ins Rote über: die Rose öffnet sich. Ja, eine samtige, üppige, rote Rose blättert sich auf, feurig gewürzt, Pfeffer deutlich, Rosmarin weniger, und die anderen Blumen nehmen etwas die allzu grosse Rosendominanz weg, ohne dass ich sie im Einzelnen erkennen und benennen könnte. Und ich schwöre: ich rieche Oud. Diese holzige Schärfe, trocken, sehr trocken, und doch tief, gepaart mit Rose: keine so ungewöhnliche Kombination, und sie passt hier zum Eindruck von Eleganz, zurückgenommener Sinnlichkeit, Klasse und Souveränität.
Das entzündete Feuer steigt nun knisternd empor; doch nicht plötzlich auflodernd, die Flammen werden mächtiger, es wird heisser, trockener, rauchiger, „roter“. Der Duft wärmt mich gut durch, auch ohne Süsse, und lässt mich vor seiner ruhigen, zurückhaltenden, aber doch spürbaren maskulinen Dominanz niederknien. Wunderschön ist das! Hier werde ich gewärmt bis ins Mark, der Duft hält mich fest, ohne dass er mich mit einer süssen, engen Umarmung erstickt. Er hat etwas Distanziertes und doch Nahes, und hinter der kontrollierten Distanz brennt das Feuer, hellrot, heiss. Das Feuer der Leidenschaft? Der Macht? Der Liebe?
Welches auch immer: es zieht mich magisch an, so wie mich die Farbe Rot magisch anzieht, so wie das Feuer den Menschen magisch angezogen hat, schon immer.
Langsam nimmt Fuoco an Lieblichkeit zu. Ich schnuppere eine feine Honigsüsse, leicht pudrig, lecker, fein austariert, ambriert, nicht übertrieben. Goldrot fällt mir dazu ein, eher warm als heiss, und die oudige Rose ist weiterhin damit sehr schön verwoben. Das gibt dem Ganzen nun einen stärkeren femininen Touch, gedämpfter und weicher, geschmeidig wie Flammen, die zu einer warmen Glut werden, von deren Anblick man sein Auge nicht abwenden mag und seinen Körper nicht wegnehmen möchte, so schön, so schön ...
Fuoco ist ein Duft, dessen Besonderheit hinter den vordergründigen Fruchtnoten liegt. Er erfordert ein Erkennen des Dahinters, des edlen, feurigen Rots hinter dem Strass-Stein-Pling-Pling und der warmen, trockenen, erwachsenen Kraft hinter dem verschwitzen Deo.
13 Antworten
Mandelmaus vor 11 Jahren
Klingt irgendwie strange, aber genau das finde ich aufregend. Sehr mitreißend geschrieben, danke dir :)
Aura vor 11 Jahren
Cool Water in rotgüldnem Blingbling.... hmm, turnt mich eigentlich gar nicht an, aber Deine Leidenschaft und begeisterung liest sich sehr mitreissend, möge Dein Feuer für diesen Duft lange brennen!
Palonera vor 11 Jahren
Wie soll ich nach einem mit so viel Leidenschaft, so viel Herzblut geschriebenen Kommentar noch diesem Duft widerstehen?! Und warum sollte ich das überhaupt, sind die Paolo Giglis doch immer weitaus mehr als eine Nase wert?!
ParfumAholic vor 11 Jahren
Mit Deinem engagierten und so toll geschriebenen Kommi hast Du mein Feuer für diesen Duft entfacht! Hört sich nach einer Herausforderung an, der ich mich nur allzu gerne stelle!! Glühend heißer Pokal in Signalfarbe für Dich!!
Ergoproxy vor 11 Jahren
Ich denke, dass der mir nicht gefallen wird.:)
Kleopatra vor 11 Jahren
Mit ganz viel Liebe diesen Duft beschrieben. Klasse! Feuerroten Pokal für Dich
Dobbs vor 11 Jahren
Bisher hat mich ja nur Alhambra von P.Gigli richtig umhauen können, aber dieser hier scheint auch was ganz Feines zu sein, wenn du so angetan bist. Schöner Kommentar!
Precious vor 11 Jahren
"...und lässt mich vor seiner ruhigen, zurückhaltenden, aber doch spürbaren maskulinen Dominanz niederknien." Kann ein Duft so dermaßen gut riechen? Dieser hingerissene Kommentar plättet mich. Rotes Glas ist in der Herstellung mit das teuerste Glas.
Pluto vor 11 Jahren
Man spürt große Zuneigung zum Duft aus jedem Wort. Und der Flakon lässt sich bestimmt gut fotografieren :o)
Shamis vor 11 Jahren
Klingt in jeder Phase schön und toll beschrieben ist es auch. Da hat es sich ja gelohnt, genauer hinzuschnuppern.
Fischlandmen vor 11 Jahren
Konnten den Duft vor kurzen testen und ja diese Duft ist so wunderbar geheimnisvoll und herausfordernd und finde Ihn ebend deshalb so faszinierend;-))) ... wie deinen Kommentar;-)
Yatagan vor 11 Jahren
Cool Water ist, und das kann man aus der Distanz mit Fug und Recht sagen, einer der geilsten Düfte ever, wenn ich das mal so neudeutsch formulieren darf. Und dann noch Rose: kann deine Freude an dem Duft verstehen. :)
Fittleworth vor 11 Jahren
Spannender Kommentar! Feuer-Pokal für Dich!

