
ElAttarine
98 Rezensionen

ElAttarine
Top Rezension
52
Überdosierte Wohlgefühle, bipolare Zuckerwatte und das Leib-Seele-Problem
Siehe, meine Freundin, du bist schön! Deine Augen funkeln wie Cognac hinter deinem irispuderfarbenen Schleier. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die herabsteigen vom Gebirge. Deine Lippen sind wie eine liebliche rosenfarbene Schnur. Deine Schläfen sind hinter deinem Schleier wie Scheiben von roséfarbener Grapefruit. Deine beiden Brüste sind wie zwei Gazellenkitze, die unter Rosenblüten weiden. Bis es Tag wird und die Schatten schwinden, will ich zum rosa Zuckerwatteberg gehen und zum Weihrauchhügel. Wie köstlich ist deine Liebe, meine Schwester, liebe Braut! Köstlich wie Rosenchampagner. Und dein Duft übertrifft alle Gewürze. Von deinen Lippen, meine Braut, träufelt Birnensaft. Vanille und Cognac sind unter deiner Zunge, und der Duft deiner Kleider ist salzig wie deine Haut. Du bist wie ein Lustgarten von Birnen und Grapefruit und Rosen, mit allerlei Weihrauchsträuchern, Iris und Vanilleorchideen. Steh auf, Nordwind, und komm, Südwind, und wehe durch meinen Garten, dass sein Duft ströme und ich innerlich aufblühe!
-----
Meinem Flakon ist ein transparentes Blatt beigefügt, auf dem gedruckt steht „Bipolar Cotton Candy. Overusing might cause excessive agreeableness.“ Übermäßiger Konsum kann also zu übermäßigen Wohlgefühlen führen, alles klar. Dazu passt Ömers Empfehlung fürs erste Tragen: „For your first time, I highly recommend putting on a sweet song and overspraying the fragrance. Even if you are normally a skeptical jerk.“ Ich bin eher ein leicht zu begeisternder Trottel als ein skeptischer, aber umso mehr hat es gewirkt, Halleluja!
Dieser Duft ist rosa wie sein schillernder Flakon, ja, und gleich von Beginn an ist da etwas Schmutzig-Animalisches, aber weder Biber noch Kuhstall noch Oud. Szechuanpfeffer kann etwas Säuerlich-Schmutzig-Animalisches haben, und genau das arbeitet Ömer İpekçi hier unglaublich gekonnt und schamlos heraus: Grapefruit plus Szechuanpfeffer plus richtig gut eingesetze Synthetik (sicher synthetische Moschusnoten, Iso-E und synthetisch-Blumiges) ergibt diese von Profumo und Can777 so treffend beschriebene seltsam körperlich-animalische und faszinierende Note. Ja, Birne mit einer Nashi-artigen Süße ist auch da, sie stört mich seltsamerweise hier überhaupt nicht, und etwas Rosenirisartiges, von Cognac ziemlich Beschwipstes, dem vollkommen egal ist, ob das alles zusammenpasst. Es ist herrlich! Immer mal wieder zieht dann noch vanilliger Weihrauch durchs Bild und durchs Gemüt. Der leicht schwitzig-salzig-schmuddelig-menschelnde Hautduft bleibt in leicht abgeschwächter Form bis zum Ende.
-----
Auf der Rückseite des durchscheinenden Beiblattes ist ein Auszug aus einem wissenschaftlichen Text abgedruckt, in dem es aus Perspektive von Philosophie und Neurowissenschaften darum geht, wie sich die Trennung von Leib und Seele und von Bewusstem und Unbewusstem überwinden ließe, und inwiefern der Geist immer wieder zu solchen Dualismen neigt. Ich will Euch hier nicht mit Details langweilen, aber Ömers Serie „Reset Collection“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Düfte es schaffen können, unterschiedliche Bewusstseinsebenen zu stärken und zu integrieren: Bei Blacklight gehe es um mentales Bewusstsein, bei Flesh um körperliches, bei Yes, Please soll der emotionalen Ebene in einer „verlockenden, schwerelosen Atmosphäre“ Raum gegeben werden, und bei Purpl schließlich gehe es um Wege in die und vor allem aus der Konsensrealität (also was innerhalb einer bestimmten Gruppe oder Kultur als real angesehen wird). Na ja.
-----
Ich bleibe einfach beim überdosierten Genuss der bipolaren prickelnden rosa Zuckerwatte, mal schmuddelig, mal schmerzhaft-säuerlich, mal wunderschön lieblich-vanillig, schillernd wie der Flakon. Dirty funky Irispuderzucker, sinnlich, animalisch, salzig, betörend. Besonders gegen Ende schweben Vanilleweihrauchwellen wie süße Nebel durch die Luft. Yes, please!
Der genannte wissenschaftliche Text:
https://www.scirp.org/pdf/
ojpp_2020112711410287.pdf
Der Anfangstext ist eine Überschreibung von Kapitel vier aus dem Hohelied Salomos.
-----
Meinem Flakon ist ein transparentes Blatt beigefügt, auf dem gedruckt steht „Bipolar Cotton Candy. Overusing might cause excessive agreeableness.“ Übermäßiger Konsum kann also zu übermäßigen Wohlgefühlen führen, alles klar. Dazu passt Ömers Empfehlung fürs erste Tragen: „For your first time, I highly recommend putting on a sweet song and overspraying the fragrance. Even if you are normally a skeptical jerk.“ Ich bin eher ein leicht zu begeisternder Trottel als ein skeptischer, aber umso mehr hat es gewirkt, Halleluja!
Dieser Duft ist rosa wie sein schillernder Flakon, ja, und gleich von Beginn an ist da etwas Schmutzig-Animalisches, aber weder Biber noch Kuhstall noch Oud. Szechuanpfeffer kann etwas Säuerlich-Schmutzig-Animalisches haben, und genau das arbeitet Ömer İpekçi hier unglaublich gekonnt und schamlos heraus: Grapefruit plus Szechuanpfeffer plus richtig gut eingesetze Synthetik (sicher synthetische Moschusnoten, Iso-E und synthetisch-Blumiges) ergibt diese von Profumo und Can777 so treffend beschriebene seltsam körperlich-animalische und faszinierende Note. Ja, Birne mit einer Nashi-artigen Süße ist auch da, sie stört mich seltsamerweise hier überhaupt nicht, und etwas Rosenirisartiges, von Cognac ziemlich Beschwipstes, dem vollkommen egal ist, ob das alles zusammenpasst. Es ist herrlich! Immer mal wieder zieht dann noch vanilliger Weihrauch durchs Bild und durchs Gemüt. Der leicht schwitzig-salzig-schmuddelig-menschelnde Hautduft bleibt in leicht abgeschwächter Form bis zum Ende.
-----
Auf der Rückseite des durchscheinenden Beiblattes ist ein Auszug aus einem wissenschaftlichen Text abgedruckt, in dem es aus Perspektive von Philosophie und Neurowissenschaften darum geht, wie sich die Trennung von Leib und Seele und von Bewusstem und Unbewusstem überwinden ließe, und inwiefern der Geist immer wieder zu solchen Dualismen neigt. Ich will Euch hier nicht mit Details langweilen, aber Ömers Serie „Reset Collection“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Düfte es schaffen können, unterschiedliche Bewusstseinsebenen zu stärken und zu integrieren: Bei Blacklight gehe es um mentales Bewusstsein, bei Flesh um körperliches, bei Yes, Please soll der emotionalen Ebene in einer „verlockenden, schwerelosen Atmosphäre“ Raum gegeben werden, und bei Purpl schließlich gehe es um Wege in die und vor allem aus der Konsensrealität (also was innerhalb einer bestimmten Gruppe oder Kultur als real angesehen wird). Na ja.
-----
Ich bleibe einfach beim überdosierten Genuss der bipolaren prickelnden rosa Zuckerwatte, mal schmuddelig, mal schmerzhaft-säuerlich, mal wunderschön lieblich-vanillig, schillernd wie der Flakon. Dirty funky Irispuderzucker, sinnlich, animalisch, salzig, betörend. Besonders gegen Ende schweben Vanilleweihrauchwellen wie süße Nebel durch die Luft. Yes, please!
Der genannte wissenschaftliche Text:
https://www.scirp.org/pdf/
ojpp_2020112711410287.pdf
Der Anfangstext ist eine Überschreibung von Kapitel vier aus dem Hohelied Salomos.
42 Antworten



Birne
Vanille
Rose
Grapefruit
Szechuanpfeffer
Cognac
Weihrauch
Iris



Floyd
Marieposa
Can777
Gandix
Yatagan




















