04.07.2020 - 05:32 Uhr

Turandot
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Turandot
Top Rezension
78
Hommage an einen völlig unterschätzen Duft.
Es wird was fehlen in Deutschlands Fußgängerzonen, wenn demnächst nicht nur Galeria Kaufhof, sondern auch diverse Karstadtfilialen der Vergangenheit angehören. Ich will gar nicht auf die Situation der Angestellten eingehen - in deren Gefühle kann sich wohl jeder von uns eindenken. Ich fasse mich an der eigenen Nase und stelle fest, dass ich nur noch sehr selten durch die Flügeltüren und den Luftvorhang der Konsumtempel früherer Zeiten gegangen bin. Es war einfach selbstverständlich, dass man dort auf das Nachlassen des Regenschauers wartete, sich an einer bestimmten Stelle mit Bekannten traf, um im Winter nicht in der Kälte zu stehen oder auf die Schnelle eine neue Batterie in die Armbanduhr gebastelt zu bekommen. Aber gezielt, um z.B. Garderobe zu kaufen, dann doch eher nicht. Da zog es mich dann doch eher ins Fachgeschäft, bei dem ich wusste, dass sowohl meine Größe als auch mein Stil geführt wird oder ja, Asche auf mein Haupt, ich nicht in ungünstig beleuchteten Umkleidekabinen ratlos vor dem Spiegel stehen mochte, weil keines der 3 erlaubt mitgenommenen Teile passt und ich dann doch wieder im Internet bestellte.
Aber es gab etwas, das mich zumindest wenn ich schon mal drin war, magisch anzog. Und das war die Parfümerieabteilung. Nein, nicht wegen Lancome, Jil Sander oder Joop, sondern wegen eines eher verstecken Regals, das eigentlich nur aus Bückzone bestand, um verschämt einige der für meine Nase nostalgischen Kostbarkeiten anzubieten, die eine große Vergangenheit hatten um heute - oft aus Fernost - nur noch in Sondergrößen zu unter 20 Euro angeboten zu werden. Cabochard, Je Reviens, hin und wieder MCM oder Blue Grass von Arden und eben Femme von Tristano Onofri.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich selbst an vorderster Front in der Parfumerieabteilung mancher sympatischen Kundin den Vorgänger in seinem typischen Flakon angeboten habe. Es waren oft Damen meines Alters, die mir vertrauensvoll verrieten, dass sie sich keinen Chanelduft leisten konnten, aber nicht wie alle anderen duften wollten. Den Begriff Chypre kannten sie meist nicht, aber ich wusste, womit ich punkten konnte, machte sie mit einer meiner Geheimwaffen bekannt und griff zu Tristano Onofri. So hieß der Duft damals auch noch. Die aktuelle Version bekam leider nur die Allerweltsbezeichnung "Femme" und versteckt die Marke verschämt. Für mich eine Fehlentscheideung, aber wenigstens hat man am Duft nichts verändert.
Femme startet hell, aber eben nicht mit den typisch blumig-frischen Kopfnoten, die uns oft innerlich schon abwinken lassen. Nein, hier wird es schon zu Beginn zartwürzig und führt uns hin zu einer zauberhaften und unverkennbaren Herznote. Wenn Freundlichkeit duftet, dann sicher so. Im Grunde begegnen uns hier keine Exoten, nichts was explizit aus den entlegenen Winkeln der Welt importiert wurde, ganz gebräuchliche Duftnoten eigentlich, die wohl durch Labdanum veredelt viel wertvoller duften, als das Erscheinungsbild und das Preisschild dann einfordern. Aber damit nicht genug, denn in den Ausklang wurde ebensoviel Sorgfalt gelegt und so verabschiedet uns nach vielen Stunden - denn die Haltbarkeit ist erstaunlich - eine wunderschöne Basis, die sich auch in bedeutend kostspieligeren Düften und hinter luxuriöseren Namen nicht verstecken bräuchte.
Der Duft gehörte immer wieder zu meiner Sammlung und ich habe oft und gerne mit einem Lächeln im normalen Alltag ein Stückchen zauberhafter Atmosphäre damit versprüht. Es muss nicht immer Guerlain sein.
In unserer Stadt ist Kaufhof längst Vergangenheit, aber Karstadt darf (noch?) bleiben und ich habe mir fest vorgenommen, dort mal wieder in Ruhe durchzuschlendern und nicht nur die vertraute und etwas verschämte Ecke mit den Sondergrößen der Düfte aufzusuchen. Es liegt ja auch an uns, ob unsere Innenstädte in Zukunft noch öder werden, als sie bisher schon sind.
Aber es gab etwas, das mich zumindest wenn ich schon mal drin war, magisch anzog. Und das war die Parfümerieabteilung. Nein, nicht wegen Lancome, Jil Sander oder Joop, sondern wegen eines eher verstecken Regals, das eigentlich nur aus Bückzone bestand, um verschämt einige der für meine Nase nostalgischen Kostbarkeiten anzubieten, die eine große Vergangenheit hatten um heute - oft aus Fernost - nur noch in Sondergrößen zu unter 20 Euro angeboten zu werden. Cabochard, Je Reviens, hin und wieder MCM oder Blue Grass von Arden und eben Femme von Tristano Onofri.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich selbst an vorderster Front in der Parfumerieabteilung mancher sympatischen Kundin den Vorgänger in seinem typischen Flakon angeboten habe. Es waren oft Damen meines Alters, die mir vertrauensvoll verrieten, dass sie sich keinen Chanelduft leisten konnten, aber nicht wie alle anderen duften wollten. Den Begriff Chypre kannten sie meist nicht, aber ich wusste, womit ich punkten konnte, machte sie mit einer meiner Geheimwaffen bekannt und griff zu Tristano Onofri. So hieß der Duft damals auch noch. Die aktuelle Version bekam leider nur die Allerweltsbezeichnung "Femme" und versteckt die Marke verschämt. Für mich eine Fehlentscheideung, aber wenigstens hat man am Duft nichts verändert.
Femme startet hell, aber eben nicht mit den typisch blumig-frischen Kopfnoten, die uns oft innerlich schon abwinken lassen. Nein, hier wird es schon zu Beginn zartwürzig und führt uns hin zu einer zauberhaften und unverkennbaren Herznote. Wenn Freundlichkeit duftet, dann sicher so. Im Grunde begegnen uns hier keine Exoten, nichts was explizit aus den entlegenen Winkeln der Welt importiert wurde, ganz gebräuchliche Duftnoten eigentlich, die wohl durch Labdanum veredelt viel wertvoller duften, als das Erscheinungsbild und das Preisschild dann einfordern. Aber damit nicht genug, denn in den Ausklang wurde ebensoviel Sorgfalt gelegt und so verabschiedet uns nach vielen Stunden - denn die Haltbarkeit ist erstaunlich - eine wunderschöne Basis, die sich auch in bedeutend kostspieligeren Düften und hinter luxuriöseren Namen nicht verstecken bräuchte.
Der Duft gehörte immer wieder zu meiner Sammlung und ich habe oft und gerne mit einem Lächeln im normalen Alltag ein Stückchen zauberhafter Atmosphäre damit versprüht. Es muss nicht immer Guerlain sein.
In unserer Stadt ist Kaufhof längst Vergangenheit, aber Karstadt darf (noch?) bleiben und ich habe mir fest vorgenommen, dort mal wieder in Ruhe durchzuschlendern und nicht nur die vertraute und etwas verschämte Ecke mit den Sondergrößen der Düfte aufzusuchen. Es liegt ja auch an uns, ob unsere Innenstädte in Zukunft noch öder werden, als sie bisher schon sind.
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