Es gibt sie, die kleinen artifiziellen Kokeleien, die brennenden Scheite, die großen Infernos oder alles vernichtenden Feuerwalzen in Flakongröße. Und es gibt WAM:
"Helsinki - 13:00 Uhr: Angesengte Saunasitzbänke, das Gesäß klebt - haste gut gemacht. Berlin 23:45 Uhr: Tresor an der Köpenicker Str. bunt gefüllt, der Sauerstoff wird knapp - haste gut gemacht. Meine Bude 3:35 Uhr: Wacholderschinken-Stulle im Ofen vergessen, der Rauchmelder nervt - haste gut gemacht!?"
…notierte ich ursprünglich, als Entwurf für ein Statement. Dass mir der Duft dann im Endeffekt weitaus mehr bot und zusagte, zeigte sich erst nach mehrmaligem Testen.
WAM soll eine recht hohe Duftöl-Konzentration von insgesamt 42% (!) aufweisen. Insofern dürfte bei vielen sicherlich die Erwartung steigen, mit dem Kauf ein wuchtiges, schwerrauchiges und zugleich auch raum(er)füllendes Dufterlebnis zu ergattern. Das ist, so viel sei bereits vorweggenommen, nicht zwangsläufig der Fall.
WAM ist nicht laut, harsch und schon gar nicht grell-projektiv, auch nicht erstickend-einhüllend, bis zur Gänze schadstoffbelastet, vielmehr dicht und anschmiegsam (warm) in der Basis. Die Verbrennungsatmosphäre ist zum Greifen nahe, jedoch nicht überbordend perpetuiert, dass einem schon nach kürzester Zeit langweilig wird. Kein Duftpyramiden-Mischmasch, das Details zugunsten von *POWER* auszublenden sucht.
Darin zeigt sich die besondere Beschaffenheit von WAM, es nicht nur allein auf die lineare Kraft des Feuers ankommen zu lassen, sondern dort Zwischentöne zuzulassen, wo man sie nicht erwartet, die sich auch nach etlichen Stunden noch auf der Haut bemerkbar machen. Diese schwitzt, ob der knisternden Hitze, das umhüllende Leder weist Brandmale auf. Die Initialen verraten: Du gehörst zu mir.
WAM reiht sich in die Reihe rauchig-dunkelholziger Düfte ein, die bereits mit prominenten Vorbildern aufwartet. Offenkundig erwachen hier gewisse (nicht-implizierte) Reminiszenzen an bekannte Größen wie Vicki-Lin , "Woke Morisco - Moshpit Pavarotti | Ensar Oud / Oriscent" , "EO Black | Ensar Oud / Oriscent" u. Ä.; nicht zuletzt bedingt durch das erzeugte Duftbild. Von den vorgenannten erkenne ich noch die stärksten Parallelen zum "Woke Morisco - Moshpit Pavarotti | Ensar Oud / Oriscent" , der aber weitaus fettiger, derber und letztlich auch rußgeschwärzter daherkommt.
WAM weist dagegen einen eigenen Verbrennungsgrad auf, einen, der sich nicht allein anhand der Schwärze verkohlter Oberflächenstrukturen (Krusten) bemisst. Denn hier geht es überraschend vielschichtig(er) zu: Es riecht weder nach bloßen Waldbrand noch alleinig nach Bitumen, auch nicht nach schwerem Altöl oder kaltem Aschenbecher. Es sind zunächst die kräftigen ätherischen Ausdünstungen der überkreuzten Holzscheite, kurz darauf die feinen ledrigen Nuancen, die dem Duft eine eigene, rauchige Textur verleihen. Nach etlichen Stunden entsteht eine komplexe Melange aus kräftigen Holz- und feingezeichneten Tabak-Noten, die von leicht geröstetem Vanillin umhegt ist, was dem Duftbild keineswegs schadet, nur etwas an Schärfe raubt, um minimal balsamischer zu werden.
Kollege @Soap hat es, wie ich finde, mit der *introspektiven Reise* wundervoll auf den Punkt gebracht. Diese anzutreten, ist das eigentliche Erlebnis, die vermeintliche Wucht, die einen trifft oder mit der zu rechnen ist, will man in diesem Duftbild ganz und gar aufgehen. Nach den eher schwächeren Veröffentlichungen zu JIZ und Cubalibre hat Antonio Lasheras mit WAM (und auch mit BD!) die Messlatte wieder deutlich höher gelegt. Der Zuspruch fällt entsprechend positiv aus. Sein aktueller Output weiß qualitativ zu überzeugen. Er selbst hat mit diesem, seinem aktuellen Erfolg nicht gerechnet. Für ein kleines *Ein-Mann-Unternehmen*, in dem alles in Handarbeit hergestellt wird (mein letzter Stand), zumeist in kleinen Auflagen und unter hinreichender Berücksichtigung natürlicher Ingredienzien, teils aus Umgebung (Spanien), ist das ein beachtlicher Erfolg. Weiter so, lieber Antonio!
Ich bin begeistert vom Duft und von deiner hervorragenden Analyse. So facettenreich und fein ausbalanciert, wenn sich der anfängliche Knalleffekt gelegt hat! Antonio Lasheras ist unglaublich kreativ und originell.
Schön analytisch beschrieben, wie vielschichtig und aus meiner Sicht auch ausgewogen der Duft ist. Finde den viel tragbarer und eleganter als ursprünglich gedacht. Teste ihn noch. Danke fürs Teilen Deiner Wahrnehmung und Gedanken!
Deine Zeilen haben mir die beschriebenen Dufteindrücke förmlich in die Nade gezaubert.
Auch wenn es eine schwierige Duftrichtung ist, klingtces sehr spannend.
🏆
Die WAM eigene Verbrennungsatmosphäre hinterlässt nachhaltige Brandmale in deiner Nase.
Wenn es still genug ist genügen leise knisternde Flammen vollkommen.
Mag deine Notiz dazu gerne :-)
.... "Sauerstoff wird knapp"....
WAM hat dich.Voll und ganz.Das warten hat sich gelohnt.So muss das.
Eine gehaltvolle und detailreiche Beschreibung - und endlich auch mal eine Rezension zu diesem Duft, toll! Klasse geschrieben - trifft für mein Empfinden voll ins Schwarze (wobei ich die angeführten Vergleichskandidaten nicht kenne). Sehr gerne gelesen! 😊
Spannendes Holz !
Ja, mit höheren Ölanteil bekommt man oft mehr Tiefe, nicht Sillage (sogar weniger in vielen Fällen)
Klingt sehr interessant das ganze. Gern gelesen !
Auch wenn es eine schwierige Duftrichtung ist, klingtces sehr spannend.
🏆
Nase soll es heißen!
😂
… klingt es…
😬
Wenn es still genug ist genügen leise knisternde Flammen vollkommen.
Mag deine Notiz dazu gerne :-)
.... "Sauerstoff wird knapp"....
WAM hat dich.Voll und ganz.Das warten hat sich gelohnt.So muss das.
Ja, mit höheren Ölanteil bekommt man oft mehr Tiefe, nicht Sillage (sogar weniger in vielen Fällen)
Klingt sehr interessant das ganze. Gern gelesen !