Iny
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Von enttäuschten Hoffnungen
Auf der Suche nach DEM Teeduft bin ich über Moena 12 | 69 gestolpert. Hergestellt von einer kleinen Indiebrand aus San Francisco, die bisher nur zwei Düfte veröffentlicht hat. Abgesehen von wenigen englischsprachigen Rezensionen und der offiziellen Beschreibung auf der Homepage des Herstellers ließ sich nicht allzu viel über das Duftprofil herausfinden.
Meine Hauptmotivation an diesen Duft zu kommen, war zwar primär der Wunsch nach einem ungewöhnlichen Teeduft, doch der nachhaltige Ansatz der Marke sowie die Herkunft des verwendeten Öles machten mich zusätzlich neugierig.
Zentrum dieses Duftes ist das ätherische Öl von Moena Alcanor, dessen botanisch korrekte Bezeichnung Endlicheria krukovii (A.C.Sm.) Kosterm. lautet, das exklusiv von einer Non-Profit Organisation namens Camino Verde im peruanischen Amazonasgebiet destilliert wird. Primär beschäftigt sich die Organisation mit der Wiederaufforstung des Regenwaldes und den Zugang der Bewohner dieser Region zu nachhaltigen Einkommensquellen.
Wie in vielen Regenwaldregionen ist das botanische Wissen um die Wirkung verschiedener Pflanzeninhaltsstoffe tief in der Gemeinschaft der Bewohner verankert. Es dürfte ihnen daher nicht verborgen geblieben sein, dass die ätherischen Öle auf Grund der botanischen Nähe vergleichbar denen des in der Parfümerie begehrten und mittlerweile strikt regulierten Rosenholzöles (botanischer Name Aniba rosaeodora) sind. Lokal werden die Öle dieser Pflanzengattungen u.a. für ihre antibakteriellen Eigenschaften geschätzt und innerhalb der Aniba Familie werden, neben weiteren, vielfältigen Verwendungen, die Blätter der als Lorbeergewächse bekannten Bäume als Gewürz verwendet.
Korrekt ist, dass der Duft im Flakon mit dem Holzdeckel eingestellt wurde, es gibt ihn jedoch weiterhin in einem anderen Flakondesign. Nachdem 15 ml dieses Duftes ein kleines Vermögen kosteten, war die Vorfreude auf den ersten „Schnüff“ mit etlichen Erwartungen verbunden.
Was soll ich sagen, …. die Enttäuschung war groß. Abgesehen von meinen persönlichen Duftvorlieben entsprach der Duft in keinster Weise den Beschreibungen auf der Website (Regenwald, schwelendes Feuer, Nässe, ...) noch den Beschreibungen einer englischsprachigen Bloggerin, deren Duftwahrnehmung ich in der Regel zumindest nachvollziehen kann.
Für mich startet der Duft sofort mit einer Note, die ich am ehesten als grün-floral, in Richtung geranienartig, einordnen würde, im besten Sinne etwas klassisch gehalten. Begleitet wird sie von einer Holznote, die ich anfangs nicht zuordnen konnte, und dann passiert auch schon nicht mehr viel. Kein Verlauf, denn kein großartiger Verlauf grenzt beinahe an einen Euphemismus, keine Tabakblätter, kein Ingwer, kein Tee, nur diese penetrante Holznote mit der "Geranie" von Beginn, die zunehmend etwas weicher und wärmer werden. Über Stunden hinweg Monotonie, denn eines ist nicht gelogen, die Haltbarkeit ist ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass ich ins Grübeln kam, ob die, wie ich naiverweise angenommen hatte, verwendeten Inhaltsstoffe denn wirklich alle natürlichen Ursprungs seien. Obwohl die Marke nicht damit wirbt, entsteht auf Grund des Konzeptes schnell der Eindruck, dies sei der Fall. Ein Blick auf die Verpackung verrät, dass dem nicht so ist, denn gelistet werden „Alcohol, Essential Oils, Fragrance“. Ein weiterer Blick in die Pyramide offenbart die ominösen Hölzer, auf die weder Parfumeurin noch Rezensenten in ihren Beschreibungen eingehen. Nach zwei Tagen war das Rätsel für mich jedoch gelöst – bei den ominösen Hölzern muss es sich um eine der zahlreichen Verbindungen handeln, die Sandelholz imitieren. Neben der Abneigung gegen diese scheine ich auch eine besondere Sensibilität für diese Duftstoffe zu haben, denn ich nehme sie zuverlässig in bereits geringsten Konzentrationen wahr und sie führen in jedem Fall dazu, dass ich Düfte damit nicht mag bis dahin, dass ich sie als unerträglich empfinde.
Die letzten Zweifel waren jedoch noch nicht ausgeräumt, denn parfumo gibt Endlicheria metallica an, wohingegen die Website nur von Wild Peruvian Moena spricht und Camino Verde wiederum von Moena Alcanor (Endlicheria krukovii (A.C.Sm.) Kosterm.). Aus der Charakterisierung der Zusammensetzung und Variation (https://www.essencejournal.com/pdf/2021/vol9issue3/PartA/6-6-80-317.pdf – sehr interessante Studie, wenn man sich für solche Themen interessiert) des ätherischen Öles von Moena Alcanor geht hervor, dass die Zusammensetzung des Öles trotz gemeinsamer Hauptbestandteile je nach Batch wesentlich variieren kann. Ich überlegte daher, ob meine Wahrnehmung auf Batchschwankungen des Öles basieren konnten. Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit, dieses besondere Öl solo zu beziehen, was ich schlussendlich auch tat.
Das ätherische Öl ist, im Vergleich zum gleichnamigen Parfum, eine Offenbarung! Grün, zitrisch, ätherisch, mit Kampfernoten, Nuancen in Richtung schwarzer Pfeffer und Nelke, im Hintergrund dezent süßlich-harzig und im Drydown an Weidenrindenextrakt (adstringierend, bitter) erinnernd. Da ich bisher noch kein pures, echtes Rosenholz gerochen habe, kann ich keinen Vergleich zwischen diesen Ölen ziehen, auch wenn ich weiß, wie synthetisches Linalool pur riecht.
Welch eine besondere Schönheit wurde da in geradezu stümperhafter Weise an die Seite nicht näher benannter Aromachemicals gestellt. Das mag hart klingen, denn vermutlich ist der Duft für Menschen, die keine Abneigung gegen Sandelholzimitate haben und eine Vorliebe für Vintagedüfte mitbringen, ganz schön und höchstwahrscheinlich auch anders im Duftcharakter. Das ätherische Öl von Moena Alcanor bleibt zu erkennen, wird aus meiner Sicht jedoch zu sehr von den anderen Inhaltsstoffen überlagert. Ich bin sicher, mit etwas anderen Partnern hätte man den Charakter dieses Öles schöner herausarbeiten können. Zur Verteidigung der Marke sei jedoch gesagt, dass das Nachhaltigkeitskonzept in Hinblick auf den Flakon überzeugend ist. Ich habe selten etwas so Schönes gesehen, 100% plastikfrei und zudem wieder auffüllbar.
Meine Hauptmotivation an diesen Duft zu kommen, war zwar primär der Wunsch nach einem ungewöhnlichen Teeduft, doch der nachhaltige Ansatz der Marke sowie die Herkunft des verwendeten Öles machten mich zusätzlich neugierig.
Zentrum dieses Duftes ist das ätherische Öl von Moena Alcanor, dessen botanisch korrekte Bezeichnung Endlicheria krukovii (A.C.Sm.) Kosterm. lautet, das exklusiv von einer Non-Profit Organisation namens Camino Verde im peruanischen Amazonasgebiet destilliert wird. Primär beschäftigt sich die Organisation mit der Wiederaufforstung des Regenwaldes und den Zugang der Bewohner dieser Region zu nachhaltigen Einkommensquellen.
Wie in vielen Regenwaldregionen ist das botanische Wissen um die Wirkung verschiedener Pflanzeninhaltsstoffe tief in der Gemeinschaft der Bewohner verankert. Es dürfte ihnen daher nicht verborgen geblieben sein, dass die ätherischen Öle auf Grund der botanischen Nähe vergleichbar denen des in der Parfümerie begehrten und mittlerweile strikt regulierten Rosenholzöles (botanischer Name Aniba rosaeodora) sind. Lokal werden die Öle dieser Pflanzengattungen u.a. für ihre antibakteriellen Eigenschaften geschätzt und innerhalb der Aniba Familie werden, neben weiteren, vielfältigen Verwendungen, die Blätter der als Lorbeergewächse bekannten Bäume als Gewürz verwendet.
Korrekt ist, dass der Duft im Flakon mit dem Holzdeckel eingestellt wurde, es gibt ihn jedoch weiterhin in einem anderen Flakondesign. Nachdem 15 ml dieses Duftes ein kleines Vermögen kosteten, war die Vorfreude auf den ersten „Schnüff“ mit etlichen Erwartungen verbunden.
Was soll ich sagen, …. die Enttäuschung war groß. Abgesehen von meinen persönlichen Duftvorlieben entsprach der Duft in keinster Weise den Beschreibungen auf der Website (Regenwald, schwelendes Feuer, Nässe, ...) noch den Beschreibungen einer englischsprachigen Bloggerin, deren Duftwahrnehmung ich in der Regel zumindest nachvollziehen kann.
Für mich startet der Duft sofort mit einer Note, die ich am ehesten als grün-floral, in Richtung geranienartig, einordnen würde, im besten Sinne etwas klassisch gehalten. Begleitet wird sie von einer Holznote, die ich anfangs nicht zuordnen konnte, und dann passiert auch schon nicht mehr viel. Kein Verlauf, denn kein großartiger Verlauf grenzt beinahe an einen Euphemismus, keine Tabakblätter, kein Ingwer, kein Tee, nur diese penetrante Holznote mit der "Geranie" von Beginn, die zunehmend etwas weicher und wärmer werden. Über Stunden hinweg Monotonie, denn eines ist nicht gelogen, die Haltbarkeit ist ungewöhnlich. So ungewöhnlich, dass ich ins Grübeln kam, ob die, wie ich naiverweise angenommen hatte, verwendeten Inhaltsstoffe denn wirklich alle natürlichen Ursprungs seien. Obwohl die Marke nicht damit wirbt, entsteht auf Grund des Konzeptes schnell der Eindruck, dies sei der Fall. Ein Blick auf die Verpackung verrät, dass dem nicht so ist, denn gelistet werden „Alcohol, Essential Oils, Fragrance“. Ein weiterer Blick in die Pyramide offenbart die ominösen Hölzer, auf die weder Parfumeurin noch Rezensenten in ihren Beschreibungen eingehen. Nach zwei Tagen war das Rätsel für mich jedoch gelöst – bei den ominösen Hölzern muss es sich um eine der zahlreichen Verbindungen handeln, die Sandelholz imitieren. Neben der Abneigung gegen diese scheine ich auch eine besondere Sensibilität für diese Duftstoffe zu haben, denn ich nehme sie zuverlässig in bereits geringsten Konzentrationen wahr und sie führen in jedem Fall dazu, dass ich Düfte damit nicht mag bis dahin, dass ich sie als unerträglich empfinde.
Die letzten Zweifel waren jedoch noch nicht ausgeräumt, denn parfumo gibt Endlicheria metallica an, wohingegen die Website nur von Wild Peruvian Moena spricht und Camino Verde wiederum von Moena Alcanor (Endlicheria krukovii (A.C.Sm.) Kosterm.). Aus der Charakterisierung der Zusammensetzung und Variation (https://www.essencejournal.com/pdf/2021/vol9issue3/PartA/6-6-80-317.pdf – sehr interessante Studie, wenn man sich für solche Themen interessiert) des ätherischen Öles von Moena Alcanor geht hervor, dass die Zusammensetzung des Öles trotz gemeinsamer Hauptbestandteile je nach Batch wesentlich variieren kann. Ich überlegte daher, ob meine Wahrnehmung auf Batchschwankungen des Öles basieren konnten. Glücklicherweise gibt es die Möglichkeit, dieses besondere Öl solo zu beziehen, was ich schlussendlich auch tat.
Das ätherische Öl ist, im Vergleich zum gleichnamigen Parfum, eine Offenbarung! Grün, zitrisch, ätherisch, mit Kampfernoten, Nuancen in Richtung schwarzer Pfeffer und Nelke, im Hintergrund dezent süßlich-harzig und im Drydown an Weidenrindenextrakt (adstringierend, bitter) erinnernd. Da ich bisher noch kein pures, echtes Rosenholz gerochen habe, kann ich keinen Vergleich zwischen diesen Ölen ziehen, auch wenn ich weiß, wie synthetisches Linalool pur riecht.
Welch eine besondere Schönheit wurde da in geradezu stümperhafter Weise an die Seite nicht näher benannter Aromachemicals gestellt. Das mag hart klingen, denn vermutlich ist der Duft für Menschen, die keine Abneigung gegen Sandelholzimitate haben und eine Vorliebe für Vintagedüfte mitbringen, ganz schön und höchstwahrscheinlich auch anders im Duftcharakter. Das ätherische Öl von Moena Alcanor bleibt zu erkennen, wird aus meiner Sicht jedoch zu sehr von den anderen Inhaltsstoffen überlagert. Ich bin sicher, mit etwas anderen Partnern hätte man den Charakter dieses Öles schöner herausarbeiten können. Zur Verteidigung der Marke sei jedoch gesagt, dass das Nachhaltigkeitskonzept in Hinblick auf den Flakon überzeugend ist. Ich habe selten etwas so Schönes gesehen, 100% plastikfrei und zudem wieder auffüllbar.
6 Antworten
"Your skin but better" in Perfektion
... oder ein bezaubernder Hauch von "Nichts".
Die ersten Sekunden nach dem Aufsprühen irritieren etwas, es wirkt fast, als fänden sich die Moleküle nicht schnell genug zum Tanz ein, sodass es etwas dauert, bis der Duft loslegt.
Los geht es mit etwas "moleküligem" verwaschenen, sauberen, im Hintergrund blitzt - für mich überraschend - alsbald etwas ätherisches, kiefernähnliches auf, ich denke an Wald und Baumfällarbeiten, nicht an Sauna, wobei der Wald in diesem Zustand jedoch viel zu sauber erscheint. In diesem Stadium vermittelt der Duft eher den Eindruck von Männerhaut. Nach und nach lässt das Aufblitzen der ätherischen Kiefernnote nach, es kommen ein Sandelholzersatzstoff und Moschus, nur dezent sauber, hautähnlich, an die Oberfläche, die mit der Zeit immer weiter miteinander verschmelzen. Im gesamten Verlauf ist der Duft recht präsent, gleichzeitig jedoch angenehm leise.
Antoine Lie ist es tatsächlich gelungen, aus rein synthetischen Duftstoffen (behaupte ich) einen der für mich faszinierendsten Düft der sogn. "Molekülgattung" zu schaffen, indem er jeden Duftstoff so gekonnt dosiert einsetzt und miteinander verwebt, dass ein sehr harmonischer, tatsächlich hautähnlicher, sachte schwebender Duft zustande kommt. Keiner übertönt den anderen, keiner sticht hervor, keinem geht frühzeitig der Atem aus, sodass der Duft über den gesamten Verlauf hinweg sehr rund bleibt.
Dass ich extrem empfindlich auf diese Sandelholzersatzriechstoffe (vergleichbar Javanol) reagiere, dafür kann der Parfümeur nichts, letztlich verleiden sie mir diesen Duft jedoch. Hinzu kommt ein sehr "hautiger" Moschusriechstoff, der mich an
Easy for Ecstasy erinnert. Beides in Kombination mag zu diesem an warme Haut erinnernden Duftakkord führen, im Hintergrund schimmert zudem auf Papier ein helles Kunstharz. In vielen anderen Düften findet sich dieser Duftakkord ebenfalls, ich habe ihn bisher jedoch noch nie so gekonnt und als so treffend umgesetzt empfunden.
Mit besten Dank an Gandix, diesen Duft kennenlernen zu dürfen.
Die ersten Sekunden nach dem Aufsprühen irritieren etwas, es wirkt fast, als fänden sich die Moleküle nicht schnell genug zum Tanz ein, sodass es etwas dauert, bis der Duft loslegt.
Los geht es mit etwas "moleküligem" verwaschenen, sauberen, im Hintergrund blitzt - für mich überraschend - alsbald etwas ätherisches, kiefernähnliches auf, ich denke an Wald und Baumfällarbeiten, nicht an Sauna, wobei der Wald in diesem Zustand jedoch viel zu sauber erscheint. In diesem Stadium vermittelt der Duft eher den Eindruck von Männerhaut. Nach und nach lässt das Aufblitzen der ätherischen Kiefernnote nach, es kommen ein Sandelholzersatzstoff und Moschus, nur dezent sauber, hautähnlich, an die Oberfläche, die mit der Zeit immer weiter miteinander verschmelzen. Im gesamten Verlauf ist der Duft recht präsent, gleichzeitig jedoch angenehm leise.
Antoine Lie ist es tatsächlich gelungen, aus rein synthetischen Duftstoffen (behaupte ich) einen der für mich faszinierendsten Düft der sogn. "Molekülgattung" zu schaffen, indem er jeden Duftstoff so gekonnt dosiert einsetzt und miteinander verwebt, dass ein sehr harmonischer, tatsächlich hautähnlicher, sachte schwebender Duft zustande kommt. Keiner übertönt den anderen, keiner sticht hervor, keinem geht frühzeitig der Atem aus, sodass der Duft über den gesamten Verlauf hinweg sehr rund bleibt.
Dass ich extrem empfindlich auf diese Sandelholzersatzriechstoffe (vergleichbar Javanol) reagiere, dafür kann der Parfümeur nichts, letztlich verleiden sie mir diesen Duft jedoch. Hinzu kommt ein sehr "hautiger" Moschusriechstoff, der mich an
Easy for Ecstasy erinnert. Beides in Kombination mag zu diesem an warme Haut erinnernden Duftakkord führen, im Hintergrund schimmert zudem auf Papier ein helles Kunstharz. In vielen anderen Düften findet sich dieser Duftakkord ebenfalls, ich habe ihn bisher jedoch noch nie so gekonnt und als so treffend umgesetzt empfunden.Mit besten Dank an Gandix, diesen Duft kennenlernen zu dürfen.
8 Antworten
Torfig-rauchiger Whiskey an Aprikoseniriscreme mit Milchpulver
Liebe Gourmandfreunde, nein, vermutlich kein neues Highlight für euch, aber ganz der Reihe nach.
Tag 1
Erstbegegnung Wanderbrief:
Mein Teststreifen war mit "Bukarest" beschriftet, denn das Gehirn las "Buka..irgendwas" auf der Probe und generierte automatisch "Bukarest". Aufgesprüht. "Huuuii, Torfbrand mit Whiskey gelöscht." Was zur Hölle hat das mit Bukarest zu tun, dachte ich mir. So hatte ich mir eher
Hylnds - Spirit of the Glen vorgestellt, der meine Erwartungen damals nicht ganz traf. Puh, nee, stark alkohollastig das Ganze hier. Der bis dato als Blindtest verlaufende Test wurde durch eine kurze Recherche bei parfumo aufgelöst. Hm, Iris und Kümmel und Birne riechen die anderen, na ja, ich nicht.
Zweitbegegnung Wanderbrief eine Stunde später:
Aha, da ist die gestrenge Möhren-Iris in voller Ausprägung. Erinnert mich in ihrem Charakter an
Iris Nazarena. Parfumo verrät mir währenddessen, dass es sich um denselben Parfümeur handelt, schlaues Duftgedächtnis. Und oh, die Stadt ist Bukhara, nicht Bukarest.
Na gut, so schlimm kann es nicht mehr werden, dachte ich mir und sprühte mir den Duft mutig auf.
Drittbegegnung auf Haut nach einigen Stunden während eines Spaziergangs:
Oh je, hier wird irgendwas ziemlich süß und milchig-cremig, gar nicht mein Fall. An irgendeinen Duft erinnert er mich in dieser Phase. Leider einen, den ich in dieser Ausprägung nicht mochte. Eine weitere Stunde später fällt es mir ein, es war
Cow , den ich ganz spannend fand und der erst in der Basis für mich nach verkleckerter, angetrockneter Rohmilch roch. Die Basis war allerdings extrem haltbar und fing daher an, anstrengend zu werden. Zu Hause angekommen, wurden die Duftpyramiden der beiden Düfte verglichen und siehe da, die Basis ist frappierend ähnlich - danke schlaues Duftgedächtnis.
Tag 2
Irgendwie lässt mich dieser Duft nicht los. Nach kurzem Blick auf den Füllstand der Probe und mit schlechtem Gewissen denke ich, dass dieser Duft bei meinen Wanderbriefvorgängern offenbar so unbeliebt war, dass ich zum Testen einen dritten Sprüher entnehmen kann, ohne dass die Nachfolger vor einer leeren Probe säßen.
Also ab auf die Haut. Puuh, schon wieder Torf und Whisky. Muss das sein? Über mehrere Stunden hinweg muss ich jedoch immer wieder meine Nase ans Handgelenk halten und bin fasziniert, der Duft gefällt mir, obwohl die Basis nicht 100% meinen Geschmack trifft.
Tag 3
Ich möchte diesen Duft haben.
**
Tatsächlich ist dies ein Duft, der nicht sofort zugänglich ist und der etwas Zeit zum Kennenlernen benötigt. Die spärlichen Kommentare auf parfumo bestätigen diesen Eindruck weitestgehend. Klar, wer Iris nicht mag, wird sich damit nicht anfreunden können, aber
Bukhara ist spannend, wohldurchdacht komponiert, vielschichtig und überraschend.
Ich mag Düfte, bei denen Kopf-, Herz- und Basisnote deutlich voneinander zu unterscheiden sind und die einen dementsprechend deutlichen Duftverlauf aufweisen. Solche Düfte, bei denen nicht sofort die Basisduftnoten bis hoch in den Kopf durchstrahlen, oder solche, deren Kopfnote mehr als ein paar Minuten übersteht. All dies kann und macht
Bukhara und ebenso wie bei
Iris Nazarena wird die Iris gekonnt als Mittelpunkt des Duftes inszeniert.
Mit etwas Konzentration erkennt meine Nase in der Kopfnote durchaus Birne und Kümmel, der Gesamteindruck bleibt jedoch torfig-rauchiger Whiskey. Nach und nach, über viele Stunden hinweg steigt die Iris empor und wird von einer cremigen (Moschus aus der Basis), dezent fruchtigen Aprikosennote begleitet, die den spröden, kühlen Charakter der Iris bremst und sie dadurch weichzeichnet. In den letzten Stunden wird die Iris durch viel Moschus und Benzoe immer weicher und weicher und verschwindet schließlich im milchig-süßen Schleier der Basisnoten.
Klingt nicht gerade einladend, oder? In Summe ist der Duft für mich auf Grund von Moschus und Aprikose in Kombination mit der Iris wie eine wohlriechende Pflegecreme mit Anklängen an gut riechende (Waschmittel)Sauberkeit, die einen mit einem dezenten Duftschleier umgibt.
Während
Iris Nazarena kühl und sehr distanziert wirkt, ist
Bukhara die cremeweiche, verspieltere Schwester.
Tag 1
Erstbegegnung Wanderbrief:
Mein Teststreifen war mit "Bukarest" beschriftet, denn das Gehirn las "Buka..irgendwas" auf der Probe und generierte automatisch "Bukarest". Aufgesprüht. "Huuuii, Torfbrand mit Whiskey gelöscht." Was zur Hölle hat das mit Bukarest zu tun, dachte ich mir. So hatte ich mir eher
Hylnds - Spirit of the Glen vorgestellt, der meine Erwartungen damals nicht ganz traf. Puh, nee, stark alkohollastig das Ganze hier. Der bis dato als Blindtest verlaufende Test wurde durch eine kurze Recherche bei parfumo aufgelöst. Hm, Iris und Kümmel und Birne riechen die anderen, na ja, ich nicht.Zweitbegegnung Wanderbrief eine Stunde später:
Aha, da ist die gestrenge Möhren-Iris in voller Ausprägung. Erinnert mich in ihrem Charakter an
Iris Nazarena. Parfumo verrät mir währenddessen, dass es sich um denselben Parfümeur handelt, schlaues Duftgedächtnis. Und oh, die Stadt ist Bukhara, nicht Bukarest.Na gut, so schlimm kann es nicht mehr werden, dachte ich mir und sprühte mir den Duft mutig auf.
Drittbegegnung auf Haut nach einigen Stunden während eines Spaziergangs:
Oh je, hier wird irgendwas ziemlich süß und milchig-cremig, gar nicht mein Fall. An irgendeinen Duft erinnert er mich in dieser Phase. Leider einen, den ich in dieser Ausprägung nicht mochte. Eine weitere Stunde später fällt es mir ein, es war
Cow , den ich ganz spannend fand und der erst in der Basis für mich nach verkleckerter, angetrockneter Rohmilch roch. Die Basis war allerdings extrem haltbar und fing daher an, anstrengend zu werden. Zu Hause angekommen, wurden die Duftpyramiden der beiden Düfte verglichen und siehe da, die Basis ist frappierend ähnlich - danke schlaues Duftgedächtnis.Tag 2
Irgendwie lässt mich dieser Duft nicht los. Nach kurzem Blick auf den Füllstand der Probe und mit schlechtem Gewissen denke ich, dass dieser Duft bei meinen Wanderbriefvorgängern offenbar so unbeliebt war, dass ich zum Testen einen dritten Sprüher entnehmen kann, ohne dass die Nachfolger vor einer leeren Probe säßen.
Also ab auf die Haut. Puuh, schon wieder Torf und Whisky. Muss das sein? Über mehrere Stunden hinweg muss ich jedoch immer wieder meine Nase ans Handgelenk halten und bin fasziniert, der Duft gefällt mir, obwohl die Basis nicht 100% meinen Geschmack trifft.
Tag 3
Ich möchte diesen Duft haben.
**
Tatsächlich ist dies ein Duft, der nicht sofort zugänglich ist und der etwas Zeit zum Kennenlernen benötigt. Die spärlichen Kommentare auf parfumo bestätigen diesen Eindruck weitestgehend. Klar, wer Iris nicht mag, wird sich damit nicht anfreunden können, aber
Bukhara ist spannend, wohldurchdacht komponiert, vielschichtig und überraschend.Ich mag Düfte, bei denen Kopf-, Herz- und Basisnote deutlich voneinander zu unterscheiden sind und die einen dementsprechend deutlichen Duftverlauf aufweisen. Solche Düfte, bei denen nicht sofort die Basisduftnoten bis hoch in den Kopf durchstrahlen, oder solche, deren Kopfnote mehr als ein paar Minuten übersteht. All dies kann und macht
Bukhara und ebenso wie bei
Iris Nazarena wird die Iris gekonnt als Mittelpunkt des Duftes inszeniert. Mit etwas Konzentration erkennt meine Nase in der Kopfnote durchaus Birne und Kümmel, der Gesamteindruck bleibt jedoch torfig-rauchiger Whiskey. Nach und nach, über viele Stunden hinweg steigt die Iris empor und wird von einer cremigen (Moschus aus der Basis), dezent fruchtigen Aprikosennote begleitet, die den spröden, kühlen Charakter der Iris bremst und sie dadurch weichzeichnet. In den letzten Stunden wird die Iris durch viel Moschus und Benzoe immer weicher und weicher und verschwindet schließlich im milchig-süßen Schleier der Basisnoten.
Klingt nicht gerade einladend, oder? In Summe ist der Duft für mich auf Grund von Moschus und Aprikose in Kombination mit der Iris wie eine wohlriechende Pflegecreme mit Anklängen an gut riechende (Waschmittel)Sauberkeit, die einen mit einem dezenten Duftschleier umgibt.
Während
Iris Nazarena kühl und sehr distanziert wirkt, ist
Bukhara die cremeweiche, verspieltere Schwester.
3 Antworten
Sommerlicher Mittelmeertraum
Dass ich einem Memo Duft mal eine Rezension widmen würde, hätte ich nicht gedacht, denn schließlich hat mich die Marke bisher wenig überzeugt. Neben "Graines Vagabondes - Flåm | Memo Paris", den ich ganz gelungen, jedoch nicht eigenständig genug empfand, haben mich die Düfte nicht begeistern können.
Auf der Suche nach einem Teeduft bin ich jedoch schließlich bei Eau de Memo gelandet und habe meinen ersten Eindruck wie folgt festgehalten: "sehr intensiv, eher zitrisch als ledrig, kühl, ohne Klosteinzitrone, bildlich gut passend zu heißer Mittelmeerküste (also da tragen)." Also kein Tee, aber immerhin Mittelmeerassoziationen.
Letzteres habe ich tatsächlich vor Kurzem umgesetzt und endlich konnte der Duft seine wahre Stärke ausspielen sowie sein wahres Können zeigen. Eau de Memo ist trotz seiner erfrischenden Jasminblumigkeit kein Duft für kühle Jahreszeiten. In dieser macht sich der Lederanteil, vielleicht in Kombination mit Bergamotte, bei mir eher als erkalteter Aschenbecher bemerkbar, was wenig charmant ist, und bleibt dann primär ein unsüßer, linearer Jasminduft ohne jedwede Indolik. Meine duftempfindlichen Kollegen haben mir den Jasminanteil sehr deutlich bestätigt. Als ich versehentlich mal einen Sprüher statt eines halben erwischte, wurde dies mit "Hier riecht's nach Blumen" kommentiert, sprach's und riss das Fenster auf. Das war kein Kompliment!
Normalerweise mag ich Jasmin auch nicht, dieser hier ist jedoch einer der wenigen, die ich als für mich tragbar empfinde. Zurück zur Mittelmeerküste und den heißen Temperaturen. Normalerweise habe ich bei über 30 °C nicht das Bedürfnis, einen Duft zu tragen, abgesehen davon, dass sie meist auch alsbald verschwunden sind. Eau de Memo duftete mir jedoch auf Grund einer etwas undichten Probeabfüllung jedes Mal entgegen, sobald ich das Kosmetiktäschen öffnete. Also auf geht's, bei 37 °C aufgesprüht und den Duft bewundert. Die kalte Aschenote wird endlich zu einer äußerst dezenten, leicht herben Ledernote, die wahnsinnig gut in die Jasminnote eingebettet ist. Alles super fein verblendet, harmonisch, rund und, wichtig, absolut unsüß. Herb, frisch, blumig und doch unblumig. Bei 37 °C blüht er erst so richtig auf, zeigt seine Stärke, nie zu viel, nie zu wenig und stundenlang haltbar.
Die Sillage und Haltbarkeit werden hier vollkommen unterschätzt, Eau de Memo ist kein Cologne (auch nicht von der Machart her m.E.), sondern ein ziemlich brachialer Wummser, selbst wenn er edel komponiert wurde. Mit einem halben Sprüher kann man ganz Räume beduften, auch wenn man es selbst nicht (be)merkt. Eau de Memo ist für mich kein Teeduft (viele hier im Forum unter Teeduft laufende Teedüfte sind für mich nahezu Jasminsoliflors ohne Indolik, aber das nur am Rande), auch kein Lederduft (zum Glück, von denen wird mir nämlich übel), sondern ist ein sehr schöner Jasminduft mit passenden Begleitern ohne Blumenwumms und Süße für den Hochsommer.
Auf der Suche nach einem Teeduft bin ich jedoch schließlich bei Eau de Memo gelandet und habe meinen ersten Eindruck wie folgt festgehalten: "sehr intensiv, eher zitrisch als ledrig, kühl, ohne Klosteinzitrone, bildlich gut passend zu heißer Mittelmeerküste (also da tragen)." Also kein Tee, aber immerhin Mittelmeerassoziationen.
Letzteres habe ich tatsächlich vor Kurzem umgesetzt und endlich konnte der Duft seine wahre Stärke ausspielen sowie sein wahres Können zeigen. Eau de Memo ist trotz seiner erfrischenden Jasminblumigkeit kein Duft für kühle Jahreszeiten. In dieser macht sich der Lederanteil, vielleicht in Kombination mit Bergamotte, bei mir eher als erkalteter Aschenbecher bemerkbar, was wenig charmant ist, und bleibt dann primär ein unsüßer, linearer Jasminduft ohne jedwede Indolik. Meine duftempfindlichen Kollegen haben mir den Jasminanteil sehr deutlich bestätigt. Als ich versehentlich mal einen Sprüher statt eines halben erwischte, wurde dies mit "Hier riecht's nach Blumen" kommentiert, sprach's und riss das Fenster auf. Das war kein Kompliment!
Normalerweise mag ich Jasmin auch nicht, dieser hier ist jedoch einer der wenigen, die ich als für mich tragbar empfinde. Zurück zur Mittelmeerküste und den heißen Temperaturen. Normalerweise habe ich bei über 30 °C nicht das Bedürfnis, einen Duft zu tragen, abgesehen davon, dass sie meist auch alsbald verschwunden sind. Eau de Memo duftete mir jedoch auf Grund einer etwas undichten Probeabfüllung jedes Mal entgegen, sobald ich das Kosmetiktäschen öffnete. Also auf geht's, bei 37 °C aufgesprüht und den Duft bewundert. Die kalte Aschenote wird endlich zu einer äußerst dezenten, leicht herben Ledernote, die wahnsinnig gut in die Jasminnote eingebettet ist. Alles super fein verblendet, harmonisch, rund und, wichtig, absolut unsüß. Herb, frisch, blumig und doch unblumig. Bei 37 °C blüht er erst so richtig auf, zeigt seine Stärke, nie zu viel, nie zu wenig und stundenlang haltbar.
Die Sillage und Haltbarkeit werden hier vollkommen unterschätzt, Eau de Memo ist kein Cologne (auch nicht von der Machart her m.E.), sondern ein ziemlich brachialer Wummser, selbst wenn er edel komponiert wurde. Mit einem halben Sprüher kann man ganz Räume beduften, auch wenn man es selbst nicht (be)merkt. Eau de Memo ist für mich kein Teeduft (viele hier im Forum unter Teeduft laufende Teedüfte sind für mich nahezu Jasminsoliflors ohne Indolik, aber das nur am Rande), auch kein Lederduft (zum Glück, von denen wird mir nämlich übel), sondern ist ein sehr schöner Jasminduft mit passenden Begleitern ohne Blumenwumms und Süße für den Hochsommer.
12 Antworten
Zwischen Religion und Bohnerwachs
Das erste mal dürfte ich Zagorsk vor ca. 7-8 Jahren getestet haben, als ich anfing, mich für Düfte zu interessieren und mit meiner ungeschulten Nase noch auf der Suche der für mich passenden Duftrichtung war. Parfumo war damals noch ohne die Statementfunktion ausgestattet, sodass ich mit zuverlässiger Regelmäßigkeit Düfte vor der Nase hatte, deren Probenbestellung rein auf den ausschmückenden, poetischen, phantasievollen Darstellungen beruhte. Die Duftbezüge sind bekanntlich bei bzw. für jeden Menschen anders, nicht weiter verwunderlich, dass es also mehr Fehlgriffe als alles andere waren.
So auch Zagorsk: Kirche und Weihrauch, passt, dachte ich mir. Meine erste Begegnung war jedoch der etwas anderen Art, sofort legte ich den Duft ad acta, weil er - Achtung, unsachlich und rein subjektiv - scheußlich roch. Nachdem ich jedoch nach und nach weitere CdG Düfte kennen lernte und mein Dufteindruck so gar nicht zu den Beschreibungen hier passen wollte, musste ich mir noch einmal eine Probe ordern.
Meine damalige, wie auch heutige, unreflektierte erste Assoziation ist tatsächlich Kirche, ja, allerdings entstehen vor meinem inneren Auge dunkelbraune, vom vielen Beten speckig glänzende Holzbänke in einer düsteren, vom Kerzenruß geschwärzten, mit rauen Steinbodenplatten bedeckten, alten Dorfkirche in der unendlichen Weite Sibiriens. Der weihrauchgeschwängerte Duft des letzten Gottesdienstes, gemischt mit den Ausdünstungen hart arbeitender, älterer Menschen und einem Hauch Bohnerwachs und Seife hängt noch in der Luft. Zitternd vom Lufthauch berührt, erlischt die letzte Kerze.
Das hört sich zunächst einmal überhaupt nicht überzeugend an. In der Zwischenzeit hatte ich jedoch nicht nur Gelegenheit russisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zu besuchen, sondern auch meine Nase weiter zu schulen. Zagorsk soll ein Stimmungsbild hervorrufen und hat daher wenig mit frisch verräuchertem Weihrauch zu tun (der im Übrigen meine damalige Erwartungshaltung war). Für mich gelingt es ihm, die Atmosphäre - und in Teilen - auch den Duft einer russisch-orthodoxen Kirche herbei-/hervorzurufen, insofern kann ich Gold nur zustimmen.
Gleichzeitig ist er, freigemacht von Intentionen und Namensgebungen, nach der grün-krautig unfreundlichen Kopfnote ein absoluter Sauberwohlfühlduft vergangener Jahrhunderte, in denen es noch keinen Weichspüler und Synthesemoschus gab, kein 4711 unterwegs war oder die Briten ihren Lavendel und das Moos an den Mann brachten. Er ist hell, freundlich, am ehesten erkenne ich Veilcheniris, etwas Seife und Anklänge des CdG typischen Hinokiholzes. Ganz dezent im Hintergrund schwingen weiterhin Kerzenruß, Bohnerwachs und Weihrauch mit. Absolut kontemplativ - auch ohne Gebete.
Er durfte umgehend einziehen und kann mich ab sofort ein Stück meines Weges begleiten.
So auch Zagorsk: Kirche und Weihrauch, passt, dachte ich mir. Meine erste Begegnung war jedoch der etwas anderen Art, sofort legte ich den Duft ad acta, weil er - Achtung, unsachlich und rein subjektiv - scheußlich roch. Nachdem ich jedoch nach und nach weitere CdG Düfte kennen lernte und mein Dufteindruck so gar nicht zu den Beschreibungen hier passen wollte, musste ich mir noch einmal eine Probe ordern.
Meine damalige, wie auch heutige, unreflektierte erste Assoziation ist tatsächlich Kirche, ja, allerdings entstehen vor meinem inneren Auge dunkelbraune, vom vielen Beten speckig glänzende Holzbänke in einer düsteren, vom Kerzenruß geschwärzten, mit rauen Steinbodenplatten bedeckten, alten Dorfkirche in der unendlichen Weite Sibiriens. Der weihrauchgeschwängerte Duft des letzten Gottesdienstes, gemischt mit den Ausdünstungen hart arbeitender, älterer Menschen und einem Hauch Bohnerwachs und Seife hängt noch in der Luft. Zitternd vom Lufthauch berührt, erlischt die letzte Kerze.
Das hört sich zunächst einmal überhaupt nicht überzeugend an. In der Zwischenzeit hatte ich jedoch nicht nur Gelegenheit russisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zu besuchen, sondern auch meine Nase weiter zu schulen. Zagorsk soll ein Stimmungsbild hervorrufen und hat daher wenig mit frisch verräuchertem Weihrauch zu tun (der im Übrigen meine damalige Erwartungshaltung war). Für mich gelingt es ihm, die Atmosphäre - und in Teilen - auch den Duft einer russisch-orthodoxen Kirche herbei-/hervorzurufen, insofern kann ich Gold nur zustimmen.
Gleichzeitig ist er, freigemacht von Intentionen und Namensgebungen, nach der grün-krautig unfreundlichen Kopfnote ein absoluter Sauberwohlfühlduft vergangener Jahrhunderte, in denen es noch keinen Weichspüler und Synthesemoschus gab, kein 4711 unterwegs war oder die Briten ihren Lavendel und das Moos an den Mann brachten. Er ist hell, freundlich, am ehesten erkenne ich Veilcheniris, etwas Seife und Anklänge des CdG typischen Hinokiholzes. Ganz dezent im Hintergrund schwingen weiterhin Kerzenruß, Bohnerwachs und Weihrauch mit. Absolut kontemplativ - auch ohne Gebete.
Er durfte umgehend einziehen und kann mich ab sofort ein Stück meines Weges begleiten.
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