№ 05 - Incense Extrême 2008

№ 05 - Incense Extrême von Tauer Perfumes
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7.3 / 10 183 Bewertungen
Ein Parfum von Tauer Perfumes für Damen und Herren, erschienen im Jahr 2008. Der Duft ist würzig-holzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „extremer Weihrauch”.
Aussprache
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Duftrichtung

Würzig
Holzig
Rauchig
Harzig
Grün

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
KorianderKoriander PetitgrainPetitgrain
Herznote Herznote
WeihrauchWeihrauch IrisholzIrisholz
Basisnote Basisnote
trockene Hölzertrockene Hölzer AmbraAmbra

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.3183 Bewertungen
Haltbarkeit
8.3147 Bewertungen
Sillage
7.5134 Bewertungen
Flakon
7.6126 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.436 Bewertungen
Eingetragen von Kankuro, letzte Aktualisierung am 25.03.2024.

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Rezensionen

12 ausführliche Duftbeschreibungen
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Flakon
7
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 29  
Ausgangspunkt statt Ruhekissen
Der weiße Tipp-Ex-Weihrauch des Auftakts ist derart hell, luftig und klar sowie eine Spur zitrisch im Auftrag, dass die Angelegenheit das Grünlich-Tundraeske streift. Da klappern beinahe die Zähne! Ein Beitrag von Gewürz ist plausibel, auf Koriander wäre ich von allein freilich nicht gekommen. Gucken wir mal weiter: Petitgrain? Den orangigen Teil bemerke ich überhaupt nicht und den gestrüppigen allenfalls mit ordentlich Phantasie. Erst nach rund zehn Minuten könnte ich mir was Orangiges vorstellen. Eine Idee dunkelmilder, sogar sacht pritzelnder Zitrus-Frucht im Hintergrund, die den hellen Rauch ganz köstlich ergänzt – Citral? Binnen einer Viertelstunde dringt zudem wie ein Widerpart ein Klecks Standard-Tauer-Gummi durch. Ich bin gespannt, was daraus wird.

Was Originelles! Der Duft wird auf diese Weise quasi im Durchschnitt einen Zacken dunkler. Will heißen: Die beiden Aromen verschmelzen nicht, wie Riechen nahe der Haut zweifelsfrei offenbart. Nur mit etwas Distanz mischen sich die Gerüche zu einer herberen Hell-Weihrauch-Note.

Darunter befindet sich allerdings noch was anderes Dunkles. Spontan hätte ich auf Patchouli an der Grenze zum Schokoladigen getippt, bin davon nach kurzer Zeit aber wieder weg und und denke stattdessen an - Kokos? Für mich ein Kunstholz-Indiz. Aha, die „trockenen Hölzer“ kommen aus zig Ecken…

Das ist alles ebenso transparent wie abwechslungsreich. Sehr gelungen. Das Generalthema „Heller Weihrauch“ wird nämlich keineswegs zum Ruhekissen, sondern zum Ausgangspunkt eines Waberns, welches Tauer-Bitter-Gummi, cremige und hintergründig-zitrische Aspekte und ein unterhaltsames Kasperletheater von vielerlei Holz mit einschließt. Und dieses Changieren tritt halt an die Stelle eines Duftverlaufs.

Nach acht, neun Stunden geht es dem Ende zu. Laaaaangsam. Und ohne, dass sich der Duft gravierend ändert. Er wird ab dem späteren Nachmittags einfach immer leiser, hält jedoch gut wahrnehmbar problemlos bis weit in den Abend hinein - heller, zitrischer Weihrauch bis zuletzt, wenngleich nunmehr sehr still.

„Extreme“ finde ich an diesem Duft im Gegensatz zu manchen Vor-Kommentatoren indes ziemlich wenig. Sowohl von den Zutaten als auch vom Ausmaß ihrer Zuspitzung und allemal in puncto Lautstärke gibt es da ganz andere Kandidaten. Erinnert sei etwa an das strenger Sakrale im Cardinal oder die herb-fahle Holznote aus Kyoto; deren jeweilige Intensität erreicht Incense Extrême nicht. Selbst die „Hausmarke“ - das Tauer-Gummi – bleibt hinter schon Erlebtem deutlich zurück, ich denke konkret an Lonestar Memories.

Lediglich die Haltbarkeit lässt sich, Stille hin oder her, als außerordentlich bezeichnen; mit dem Begriff „Extreme“ tue ich mich diesbezüglich trotzdem schwer. Buchen wir den Namenszusatz also womöglich als kleines Augenzwinkern ab und freuen uns an einem gelungenen, stabilen, hochwertigen Im-wesentlichen-Weihrauchduft, der von A bis Z hält, was er verspricht und (ich setze „extreme“-verneinenderweise noch einen drauf!) sogar im Büro eine gute Figur macht.

Ich bedanke mich bei Yatagan für die Probe.
17 Antworten
8
Flakon
6
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Sarungal

69 Rezensionen
Sarungal
Sarungal
Top Rezension 22  
Boswelia Psychotika
Endlich mal ein Parfumname, der passt wie die Faust aufs Auge: Tauers „Incense Extrême“ ist tatsächlich eine Herauforderung für die Nase. Schon die Eröffnung gleicht einem olfaktorischen Laserstrahl: gleißend-blendend fahren bitter-würzige Aromen in die Nase und hinterlassen dort ein Duftecho wie von vulkanisiertem Gummi – das kennt jeder, der schon mal einen Fahrradschlauch geflickt hat. Die Lektüre der Duftpyramide entzerrt die Wahrnehmung nur minimal: Ich „kaufe“ den Koriander, schreibe seinen Blättern die schräge Gumminote zu – und bleibe mit meiner Wahrnehmung dennoch im synthetisch-chemischen Bereich gefangen. Faszinierend – oder widerlich, je nach persönlichem Gusto.

Boswelia Serrata – der indische Weihrauch – drängt schon sehr früh über die Wahrnehmungsschwelle. Im Vergleich zu seinem uns vertrauteren Bruder „Sacra“ duftet er heller und grüner. Die Komposition bemüht sich erst gar nicht darum, den Weihrauch bequem zu inszenieren: In der Kombination mit der grellen Kopfnote könnte man stattdessen meinen, er habe sich „sein Näschen gepudert“. Dieser Weihrauch begegnet der Nase nämlich komplett überdreht, fast ein wenig giftig und laut. Selbst seine Aromen erscheinen verfremdet: Auch das Feuer brennt auf Speed – und nährt sich von gummierten Kräutern in bitterer Marinade. Irisseitig wird ein wenig Grau in die synästhetische Duftwahrnehmung gemischt, ohne dass auch nur ansatzweise geblümelt würde; bestenfalls winkt der Parfumeur kurz mit der Puderquaste, verschwendet aber keinen Gedanken an barocke Opulenz.

Dennoch ist das Bouquet reizvoller als es mein Text vermuten lässt: Wie der Weihrauch hier als leuchtender Krachmacher auftritt, das ist spektakulär. Mit einigem Abstand zur Haut wirkt „Incense Extrême“ fast schon als aromatherapeutischer Wachmacher, weil ihm eine fröhlich lodernde Frische zuwächst, die aus unmittelbarer Nähe im Geschrei der Aromen versinkt.

Wohl lese ich, dass ich noch auf Ambra treffen soll; ich glaube gerne, dass es seinen Teil zur Fixierung beiträgt, habe aber massive Schwierigkeiten damit, die Note zu erhaschen. Vielleicht manifestiert sie sich auch als Dämpfer und Weichmacher, denn tatsächlich wird das Geschrei irgendwann matter und auf angenehme Weise dumpfer. Den Charakter wechselt es dabei aber kaum; höchstens einen schwachen Hauch von Süße kann man im Drydown feststellen. Die trockenen Hölzer werden ohnehin verfeuert; immerhin schreien sie nicht, während sie den Flammentod sterben, und stehen damit der geschilderten Beruhigung des Dufts nicht im Weg.

Chemisch wirkt auch die Haltbarkeit: Tauer hat hier ganze Arbeit geleistet und verpflichtet den Träger zur Konstanz. Was abends aufgesprüht wurde, widersteht auch der Dusche am Morgen. Für die sehr gute Projektion zeichnet der grelle Charakter verantwortlich: So wie hohe Töne im Raum besser tragen, so strahlen in diesem Fall die überbelichteten Aromen satt und nachhaltig in die Umgebung.

Fazit: Garantiert nix, um sein Näschen in der Haut zu vergraben, aber weitaus besser als es der erste Eindruck vermuten lässt. Individuell, frisch auf eine in dieser Weise bislang unerrochene Weise und prägnant dazu – Tauer gelingt das Kunststück, einen sehr authentischen indischen Weihrauch auf Koks zu präsentieren. Ihn zu verabscheuen wird dabei die leichtere Übung sein, ihn zu mögen vermutlich weniger schwierig als man denkt.

Mein Dank gilt Ergoproxy für seine nachgerade enzyklopädische Weihrauch-Probenspende!

EDIT vom 11.11.:
Meine kleine Abfüllung habe ich dann doch noch häufiger genutzt - und mit jedem Sprüher rückten Tauers Duft und ich enger zusammen. Die geschilderte Wahrnehmung bleibt dennoch weitestgehend zutreffend; geändert hat sich mein Zugang zum Duft. Was mich anfangs irritierte, begeistert mich inzwischen: selten habe ich ein Parfum erlebt, das auf mich (!) eine solch' starke aroma-therapeutische Wirkung hat. "Incense Extreme" ist tatsächlich olfaktorisches Doping; den oben erwähnten "Wachmacher-Effekt" unterstreiche ich an dieser Stelle deshalb doppelt und ergänze ihn um eine (eingebildete) konzentrationsfördernde Wirkung. Vor allem aber genieße ich die schräge Frischeformel des Dufts, der es minzfrei gelingt, die Nüstern durchzupusten. Weitestgehend verschwunden sind die Gummi-Assoziationen; ihre kümmerlichen Reste immerhin machen die Komposition für mich besonders spannend.

Fazit II: Weihrauch auf Speed stimmt noch immer - aber heute vergrabe ich die Nase auch gerne unmittelbar ins Duftgeschehen. Tauers "Incense Extreme" ist einfach ne heiße Nummer - und ich komme deshalb nicht umhin, ihn in den kleinen Kreis meiner 100-Prozenter aufzunehmen!
9 Antworten
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Apicius

1106 Rezensionen
Apicius
Apicius
Top Rezension 20  
Das Parfum, das Comme des Garcons nicht gemacht hat!
Incense Extrême erweist seinem Namen alle Ehre, denn es ist ein wirklich grenzwertiger Duft. Und nicht herkömmliches Räucherwerk macht diesen Duft aus, sondern die seltsame, synthetisch-gummiartige Note, die ein besonderes Kennzeichen von Andy Tauer zu sein scheint. Sie findet sich auch in dem berühmten L‘Air du Desert Marrocaine wieder.

Diese an Haushaltsgummis von früher erinnernde Note ist hier noch unverstellter und brutaler ins Licht gerückt. Insoweit könnte man in Incense Extrême auch die Intense-Version des Wüstenduftes sehen.

Incense Extrême muss man mit Vorsicht anwenden. Scheußlich ist es, direkt an der angesprühten Haut zu schnüffeln, jedenfalls in den ersten Minuten. Da ist es holzig, lakritzig und erinnert mich irgendwie an die Ausdünstungen einer chemischen Reinigung. Oder an Flussleichen wie die Wupper vor dem Niedergang der Textilindustrie. Sowas vermutet man höchstens von Comme des Garcons!

Doch in zwei oder drei Handbreit Entfernung fügt sich der Duft zusammen. Der allzu phenolische Charakter wird durch eine Art Cremigkeit gemildert. Mit etwas Wohlwollen erinnert man sich an den Geruch und Geschmack der kräftigeren Islay Single Malts: Lagavulin, Laphroaig, Ardbeg.

Ob Boswellia serrata Extrakt etwas anderes ist als die üblicherweise als Weihrauch bezeichnete Note? Jenen kann ich eher nicht erkennen. Denn der Duft hat nichts Verbranntes, Veraschtes, dafür aber viel Harziges. Die Angaben der Pyramide glaube ich im übrigen alle nicht. Das sind Näherungen, die einzelne Aspekte dieses Parfums eingrenzen, doch die entsprechenden üblichen Inhaltsstoffe dieser Noten müssen das noch lange nicht sein.

Mich persönlich haben die Anklänge dieser Note schon im L'Air du Désert Marrocaine befremdet. Mit Incense Extrême fühle ich mich erst recht nicht wohl - wobei ich nicht weiß, ob ich diese Meinung nicht eines Tages revidiere. Denn als bloßes Wunderwerk der Chemie lässt sich das nicht abtun. Irgendwie gibt es dann auch wieder an Menschliches, an körperliche Aspekte erinnernde Anteile. Das ist schon aufregend.

Freunde des Gummis werden diesen Duft auf jeden Fall lieben. Doch bei äußerst sparsamer Anwendung könnte er auch allgemein gefallen. Wenn man es schafft, ihn so zu dosieren, dass man nicht brutal danach riecht, sondern eine ganz leichte, kaum wahrnehmbare Aura um sich verbereitet, ja dann könnten interessante Effekte entstehen: leichte Irritationen, verhaltenes Befremden, geweckte Aufmerksamkeit und die nicht ausgesprochene Frage, was hier so seltsam riecht.

Incense Extrême ist eine außergewöhnliche Dufterfahrung. Sie entzieht sich der klassischen Bewertung eines Parfums. Gegenüber alternativen Duftrichtungen sollte man aufgeschlossen sein, wenn man ihn testet.
4 Antworten
9
Duft
Bertel

236 Rezensionen
Bertel
Bertel
Top Rezension 14  
Zeig mir den Weg des hellen Rauches
"Incense Extrême" von Andy Tauer ist für mich ein sehr ehrliches, klares Parfum, es arbeitet nicht mit Verwebungen, Andeutungen, Bildern, sondern stellt mir klar erkennbare, bereits in sich selbst wie erst recht in Kombination zueinander sehr interessante Komponenten hin, beleuchtet sie, lässt sie sich drehen und ihren Duft interagieren. In meiner Wahrnehmung bekomme ich genau was in der Pyramide steht, und beobachte fasziniert das Erscheinen der jeweiligen Komponenten, ihre Dialoge und Entwicklung.

Petitgrain in seiner ganz natürlichen, leicht bitteren orangen und doch holzig-grünen Charakteristik, dicht und komplex bereits in sich, eröffnet den Duft und wird durch einen ziemlich tiefen, würzig sich daran reibenden Koriander ergänzt. Das alleine ist schon ein sehr interessantes, klar und ruhig vor mir stehendes Duo, zu denen nach wenigen Minuten die Iriswurzel tritt, sowohl die süß-säuerlich-herben Seiten des Petitgrain aufnehmend als auch seine holzig-strauchigen.

Und nach und nach, ganz langsam Schritt für Schritt wie in Zeitlupe, kommt der Weihrauch ins Bild, wie beschrieben in Form eines Extraktes von Boswellia serrata - zunächst ganz sanft, dann mit mehr und mehr Anteil, Tauer beschreibt das Bild der Entwicklung wenn man das Harz auf eine glühende Kohle legt, vom ersten aufsteigenden Hauch bis hin zur raumfüllenden Präsenz der wohlriechenden dichten aromatisch-rauchigen Schwaden. Dabei keineswegs dumpf, muffig, dunkel, überhaupt nicht der bekannte "kirchliche" Weihrauch mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen, sondern ein ganz heller, klarer harziger Ton der sich fantastich in die vorhandenen Noten einpasst, mit dem hellen Aspekt der Iriswurzel harmoniert und auch die silbrige Würze und sanfte Schärfe des Koriander aufnimmt, und auch das herbe grüne blättrige des Petitgrain scheint noch immer sanft dahinter durch - meisterlich!

Nach vielen Stunden sinkt dieses schillernde, schwebende, sich langsam umeinander drehende Ensemble quasi fast unmerklich nach unten zur Amber-Basis hin, die holzigen Ursprünge und Noten werden von den trockenen Holznoten wie der Zeder aufgenommen und finden hier ihre trockene, irgendwie dunkelgraue und kaum mehr beleuchtete Ruhe.

"Minimalist, intense, clear", schreibt Tauer, und genau so empfinde ich diesen faszinierenden Duft, "extrême" nicht im Sinne von brutal sondern vielmehr reduziert, auf den Punkt gebracht, klar und leuchtend zugespitzt. Ich für meinen Teil empfinde ihn nicht im Geringsten als untragbar oder unzumutbar und kann die Kommentare hier auch in keiner Weise nachvollziehen. "Incense Extrême" ist ein klarer, strahlender, ätherischer, hell leuchtender, präsenter und vor allem hochinteressanter und ausnehmend meisterlich komponierter und orchestrierter Duft den ich sehr schätze und respektiere.
1 Antwort
5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
7
Duft
Stefanu155

71 Rezensionen
Stefanu155
Stefanu155
Top Rezension 11  
Weiche von mir
denn aus der Nähe und auch mit der Nase am sprühgeschichtlichen Tatort wird man diesem Duft nicht gerecht. Das macht ihn auch schwierig zu testen, denn entweder ich lasse ihn von einer passiv duldenden Testperson tragen, an der ich dann ggf. indiskret herumschnuppere oder der ich mit Abstand wie ein witternder Spürhund folge oder - ich trage ihn gar selber, bin dann aber mit der Nase eigentlich immer zu nahe dran. Nach den ersten Versuchen am üblichen Handgelenk war jetzt mal, just for fun, ein Sprüher eher auf Höhe des Knies angesagt... extremer Weihrauch sollte halt mal ganz anders getragen werden... wobei, richtig extrem ist da noch lange nix.
Diese Gummi und Gas-Assoziationen fallen mit mindestens einem Meter Abstand zur Duftquelle ebenso weg wie die tatsächlich leicht stechende und säuerlich anmutende Koriander-Petitgrain-Mischung oder was immer das sonst noch ist oder sein soll. So richtig toll finde ich das selbst nicht, allerdings ist es auch alles andere als langweilig und ich merke dem Parfum einen starken Gestaltungswillen an, weshalb er so die Fünfzig-Prozent-Hürde bei mir locker nimmt.
Aus nächster Nähe riecht er tatsächlich ein wenig wie die Sakristei, nachdem sich die Ministranten gerade umgezogen haben - und es ist nicht Winter. Das weiß ich, wie es da riecht, meine beiden jüngeren Brüder waren mal Ministranten. An mir rauschte die Gnade des Glaubens einigermaßen spurlos vorbei. Deshalb muss ich das Ganze jetzt als kulturgeschichtliche Phänomene aufarbeiten und stehe religiös motiviertem Zeitgeschehen manchmal recht ratlos gegenüber, weil es rationalen Überlegungen so offensichtlich hohnlacht. Mir sind Düfte schon flüchtig genug... Sei das, wie es sei, dieser Duft von Weitem ist ein komplett anderer. Er hat natürlich das nicht unbedeutende Problem, dass es eine ganze Weile lang ein paar ziemlich spannende und teils auch großartige Versuche zum Weihrauch gab, aber in der Zeit, als dieser Duft auf den Markt kam, hatte der Trend schon nachgelassen und ich muss zugeben, dass IE auch für mich weder die Qualität der Weihrauchdüfte von Comme des Garcons, noch die von "Encens Flamboyant" und auch nicht die (und da dürften sich die Geister schon wieder scheiden) von "Bois d'Encens" erreicht.
Aber wenn man davon absieht, die Nase direkt auf die Sprühstelle zu quetschen und ein bisschen Luft in den Duft lässt, handelt es sich um einen Weihrauchduft der eher helleren Sorte, aber für mich weniger der warme, im Hier und Jetzt dampfende Rauch, sondern jener, der noch an den Kleidern haftet, wenn man so einem Weihrauch eben ausgesetzt war, sprich, nachdem man die Kirche schon verlassen hat. Das finde ich durchaus angenehm, wobei noch hinzukommt, dass dieser Rauchduft mit der Zeit seine Holzkomponenten etwas ausbaut und dann tatsächlich eher wie ein herb gewürzter Holzduft erscheint, dem man die Titel gebende Komponente kaum noch anmerkt. Die Teernote, also das, was riecht, wenn man versucht, aus feuchtem Holz ein Feuer zu machen und die, wenn man nichts dagegen tut, quasi unsterblich ist, ist aus der Distanz kaum wahrzunehmen. Gut so. Es ist eine helle, trockene Aura, die der Duft entstehen lässt. Weihrauch von Weitem. Walter Benjamin hat "Aura" definiert als die "einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie (auch) sein mag".
Ja, genau.
Und danke, M3000, für die Spende!
8 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

35 kurze Meinungen zum Parfum
Danny264Danny264 vor 11 Monaten
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Anfangs bist ein kleines Koriander Schwein
Basis wird Petigrain/Weihrauch ganz fein
Im Holz-Weihrauch Drydown bist du mein
59 Antworten
ErgoproxyErgoproxy vor 1 Jahr
7
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
Wenn Tauer was kann, dann Weihrauch. Dieser wird umrankt von viel Koriander und leicht süßlich holzig unterfüttert. Sehr speziell.
53 Antworten
FrauKirscheFrauKirsche vor 1 Jahr
7
Sillage
9
Haltbarkeit
6
Duft
traubenzuckerig
orangenölig
ätherisch nebulös
weihrauchpudrig
grünkrautig
trockenholzig
seltsam
wolkenverhangen...
30 Antworten
PollitaPollita vor 4 Jahren
7
Sillage
8.5
Duft
Ein wunderschöner Tauer. Sehr kühler Weihrauch, zart mit Irissprenkeln bepudert und mit Gewürzen abgeschmeckt. Andy, so wirds was mit uns :)
19 Antworten
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 1 Jahr
7
Sillage
8
Haltbarkeit
6
Duft
röste Koriandersaat
in der Feuerschale
auf trockenen Hölzern
bis das Harz verdampft
und nurmehr Puder bleibt
22 Antworten
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