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Ninchen

Ninchen

Rezensionen
6 - 10 von 22
Das Geheimnis
Alles an diesem Duft ist geheimnisvoll.

Es fing schon damit an, wie er zu mir fand. Noch nie etwas von der Marke gehört, wurde er mir in meiner Duftsuche nach einem grün-frischen Duft im Forum empfohlen. Ist aber relativ rasch wieder aus der engeren Wahl gekickt worden - aufgrund der Info "wird nicht mehr hergestellt" - sowas bringt nur Kopfweh, besser, man weiß gar nicht, was man versäumt hat (oder auch nicht).

Dann im Souk einen ganz anderen Duft entdeckt, den die liebe Parfuma aber nur im Doppelpack abgeben wollte. In Kombination mit einem, den ich so überhaupt nicht wollte. Den Souk hoffnungsvoll nach sonstigen Kandidaten durchforstet - und zack. "Hedera" - sofort erkannt. Sowas ist kein Zufall - der Doppelpack durfte neu zusammengestellt werden und schon waren beide mein.

Die geheimnisvolle Verpackung. Hinein in den zartgelben Karton mit den schönen Efeublättern - und dort wartet kein Flakon, wie erwartet. Nein, dort wartet eine zweite, diesmal runde Schachtel, mit dunkelgrünem Samt umkleidet. Wie eine schmälere, höhere Hutschachtel - sehr edel und schön. Dann erst hält man den Flakon in Händen.

Der Dufttest selbst war eine einzige Überraschung. Empfohlen wurde er mir als grün-frischer-sommerlicher Duft mit minziger, kalter Note. Was soll ich sagen? Ich fiel aus allen Wolken.

Nach dem Aufsprühen kurz eine zitrisch-krautige "Bombe" - so intensiv, dass es richtig und wahrhaftig in der Nase kitzelt, dass man - so sehr man auch weitertesten will - automatisch eine Spur zurückweicht, weil es einfach zu viel ist, vermutlich hat hier die Bergamotte die Hosen an... Wenige Augenblicke danach taucht die Orangenblüte auf - eine strahlende Orange, die den Duft gefühlt in gleißendhelles Licht taucht und einem für ein paar Minuten ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubert.

Ab dann macht die Duftpyramide was sie will und hält sich nicht mehr ans Protokoll. Anklänge von Kokos schauen jetzt schon vorbei (obwohl in der Basis gelistet) und ab jetzt habe ich hier einen Duft, der in keinster Weise frisch und schon gar nicht kalt ist. Er "süsselt", er "wummst" (ordentlich), er "HERBSTELT", er ist üppig. Üppiger geht kaum. Zumindest auf meiner Haut.

Ich rieche den gesamten Duftverlauf lang keine Spur von Jasmin, keine Rose, kein Lavendel, keine Ananas, keine holzigen Noten.

Dominant ist durchgehend die Efeunote und dazwischen bzw. dazu flackert immer wieder eine kokos-buttrige, sehr angenehme, aber auch ganz spezielle, Note auf. Wenn auch nicht gelistet, meine ich zwischendurch auch Weintrauben zu riechen - üppige, vollreife, saftige Weintrauben.

Alles in allem ist dieser Duft für mich nicht unkompliziert und beiläufig zu tragen. Er ist dominant und fällt auf. Meiner Meinung nach ist es auch ein Duft, der polarisiert und der bei manchen Menschen ein "ihh, das müffelt" provozieren könnte. Ähnlich wie "Feige" in Parfums, die auch manchmal auf unterschiedliche Reaktionen stößt.

Haltbarkeit würde ich im Mittelfeld einordnen, gegen Ende wird er zahmer und die Bezeichnung "grün-cremig" trifft es wohl.

Meine bessere Hälfte beurteilte ihn als "eigenartig" und auf die Frage, was er riecht, hörte ich 3 x in unterschiedlichen Duftphasen "Tee/Früchtetee/eine Teebeutelmischung".

Und da kommen wir schon zum wohl größten Geheimnis dieses Duftes. Er dürfte auf unterschiedlichen Hauttypen mit uns machen, was ihm gerade einfällt. Und er dürfte bei unterschiedlichen Menschen völlig unterschiedliche Assoziationen wecken. Wenn ich hier frisch-minzig lese, wenn ich sommerlich lese und von Verwendung bei 30 Grad höre, dann bin ich geneigt zu glauben, wir sprechen von unterschiedlichen Düften.

Aber nein, es ist wohl immer der Gleiche. "Hedera". Der, der manche im Sommer bei 30 Grad erfrischt, der andere spontan an einen Jahrmarktbesuch erinnert, der bei manchen minzig-kalt wirkt und der mich an einem nass-grauen herbstelnden Spätsommertag (zu diesem Wetter er meiner Meinung nach exakt passt) an süßliche saftige Weintrauben und Kokosbutter erinnert.

Wie der immer gleiche Duft das schafft, wie er dazu in der Lage ist und wie so etwas überhaupt möglich ist - das ist wohl sein Geheimnis - und wird es auch immer bleiben...
4 Antworten
Gartenidylle am Morgen - der "ZulangfüreinStatement-Kommentar"
Vom Morgentau benetzte üppiggrüne Blätter kokettieren mit aufgeschnittenen Zitronenscheiben um die Wette. Sie eifern förmlich darum, sich in den Vordergrund zu drängen. Je mehr die Blätter von der aufgehenden Sonne beschienen werden, desto stärker entwickelt sich ihr grüner Duft.
Die Minze kauert verstohlen hinter einem Busch und beobachtet das (leider) sehr verhalten aus dem Hintergrund.
Nach zwei Stunden hat das Geflirte ein Ende, denn der sehr kräftige Papa Rhabarber betritt die Szene und legt sich in den Garten. Seine Fülle wirft Schatten auf die Blätter und die Zitronenscheiben, deren Duft sich mit einem Schlag recht stark zurückzieht. Übrig bleibt "sonnenbestrahlter Rhabarber".

Ein komplexer, vielschichtiger Duft mit einem lebhaften Verlauf. Haltbarkeit und Sillage würde ich im guten Mittelfeld einordnen. Flakonbewertung aufgrund des Fotos (da als Probe getestet).

Danke für den Tip! Ich war aufgrund der Empfehlung und der Kommentare sehr neugierig drauf, aber leider entwickelt sich "shi_sõ" auf meiner Haut nicht gut (bzw. überhaupt nicht in die von mir gewünschte minzig-kalte Richtung). Wie bereits bei "Lolitaland" taucht bei mir auch hier wieder (obwohl gar nicht gelistet) sehr dominant der Geruch von Rhabarber auf.
2 Antworten
Kopfnoteneinfrierbedürfnis
Ich mag den Sommer nicht so. Zumindest dann nicht, wenn das Thermometer mehr als zwei Tage nacheinander über 30 Grad klettert und ich nicht am Meer sein kann.
Heuer mag ich ihn also bisher oft nicht.
Es gibt dann auch ganz wenige Düfte, die ich (v)ertrage. Meine "Hitze-Sammlung" hat zwar mittlerweile sogar fünf Einwohner, aber den ultimativen "Frischekickduft" hab ich trotzdem noch nicht gefunden...

Bei einem sehr angenehmen Soukdeal hab ich als Goodie "Eau Radieuse" als Probe ergattert.

Und beim ersten Test an einem ca. 32 Grad-Tag nahm das Wort "Frischekickduft" Gestalt an. Und ich hatte schlagartig eine Idee davon, was ich mir drunter vorstellte und was ich suchte.

Nach dem Aufsprühen umhüllte mich augenblicklich eine eiskalte Aura von Pfefferminze. Auch wenn der Geruch ein anderer war, aber der Effekt erinnerte mich an frühere Zeiten, als ich bei Erkältungen immer diesen "Chinaöl"-Inhalator verwendet habe. Ein Gefühl, dass sich fast körperlich spürbar bis in die letzten Nervenfasern meines Gehirns zieht und mir schlagartig Bilder von Eiskristallen, Tropfsteinhöhlen und sprudelnden, klaren Gebirgsbächen in den Kopf schleudert - und das bei 32 Grad Außentemperatur.

Das, exakt das, hab ich mir vorgestellt.

Und das noch in einem so wunderschönen Flakon. Ich mag ganz schlichte Flakons unheimlich gerne, die wirken zusätzlich klar und kühl, und dieser in Kombination mit dem hellen Türkis (laut Foto) noch umso mehr.

Und jetzt kommt der Haken. Dieser kalte/eisige Effekt/Dufteindruck hält bei mir nur ca. 35 Minuten an (heute, beim 2. Test hab ich auf die Uhr geschaut). Dann wird der Duft um Klassen lieblicher. Die Pfefferminze zieht sich zurück und macht einem (nicht näher definierbaren) leichteren Gemisch aus (wenn ich mich jetzt an den gelisteten Bestandteilen orientiere, erkennen würde ich es nicht) Banane bzw. Bambus Platz. Obwohl es nicht gelistet ist, meine ich eine Zeitlang auch einen Hauch von Jasmin zu riechen. Zitrone fällt mir gar nicht auf, ebenso wenig Mandarinen. Das was den Duft ausklingen lässt, ist dann für mich - deutlich wahrnehmbar - Rhabarber.

Und spätestens hier hat mich "Eau Radieuse" gänzlich verloren. Denn Rhabarber mochte ich noch nie, nicht mal am Kuchen und in einem Duft schon gar nicht. Da hilft auch die wirklich passable Haltbarkeit von ca. 5 Stunden nichts.

Alles kann man heutzutage schon einfrieren. Brot, Gebäck, Fleisch. Eis, selbstredend. Ganze Vermögen werden mitunter eingefroren. Und sogar Bilder - ob sehenswert oder nicht - lassen sich am Fernseher bzw. DVD-Player einfrieren.

Und warum, zum Geier, hat dann noch niemand etwas erfunden, mit dem man Kopfnoten von Parfums auf der Haut einfrieren kann??? Für ein paar Stunden - vier, fünf vielleicht. Dann kann man ja wieder von vorne loslegen. Es wäre mir auch völlig egal, ob das ein Spray ist, den man nach dem Parfumsprühen auf den Sprühstellen verteilt oder eine Art unsichtbares Gel, das man dort verstreicht, wo man das Parfum draufgesprüht hat.

Es müsste nur funktionieren. Einfach bewirken, dass das, was man gleich nach dem Aufsprühen riecht und fühlt, genau so erhalten bleibt. Und sich nicht verändert. Inklusive Ziepen der Nervenfasern. Und den Bildern von Eiskristallen. Das wär doch was. Das würde mir gefallen.

Und "Eau Radieuse", dieses neu erfundene Einfrierdings und ich würden von Juni bis September unzertrennbare Freunde werden.
6 Antworten
Rescue-Tropfen zum Sprühen
Es gibt "diese" Tage... Die, an denen man sich mit allen zur Verfügung stehenden Tricks und positiven Gedanken dazu motivieren muss, in der Früh tatsächlich aufzustehen. Und am Weg in die Arbeit nicht wieder umzudrehen oder eine andere Richtung zu nehmen (hier könnte ich doch jetzt einfach umsteigen)...

Weil vielleicht die falsche Besprechung am Tagesplan steht - zu lang (mehr als zwei Stunden, sowieso Folter, wenn man mich fragt) - und zum falschen Thema (innerlicher Blutrausch vorprogrammiert) - oder weil die falsche Person dabei ist (5 Minuten schon zu viel! Was - DREI Stunden? Echt jetzt?). Egal, ich schweife ab, sorry!

An diesen Tagen greife ich zum silbernen "Wundermittel".

Ich bekam es geschenkt und beim ersten Test fand ich es nur "langweilig". Es brauchte zwei, drei Anläufe, bis ich einen Zugang zu ihm fand.

"Mirra" ist ein auf kurze Distanz gut wahrnehmbarer (aber unaufdringlicher) und bei mir sehr haltbarer Duft. In der Früh gesprüht, ist das Thema "Duft" für den ganzen Tag durch - er begleitet mich ohne Probleme bis zum Abend.

Nach dem Aufsprühen eine minimal kurze (so kurz, dass sie mich nicht stört) Haarspraynote, nach ein bis zwei Minuten dann ein relativ gleichbleibender Dufteindruck bis zum Schluss: Gedanken an orientalisches Schaumbad/Weichspüler, eine minimale Spur von angenehmen Babypuder, ein winziger Hauch von Rose (meinem Empfinden nach ähnlich der Chloe-Düfte-Rosen-DNA).
Warme, weiche, orientalische Gewürze, sanftes Holz, zarter Moschus. Wattig, leicht und hell. Ein Hauch von Orange. Die gelistete Vanille kommt bei mir überhaupt nicht durch.

"Mirra" fordert nichts - auch keine Aufmerksamkeit - er lenkt nicht ab, er nervt nicht.

Er gibt nur: Ruhe, Ausgeglichenheit, Behaglichkeit, Wärme, Stabilität und Kraft.

Durch den relativ unveränderten Duftverlauf ist er für mich ein verlässlicher, unkomplizierter Verbündeter im Kampf gegen anstrengende, trübe und nervige Tage. Dieses Wässerchen hat für mich den "Ohm-Effekt". Es macht alles einen Tick erträglicher und wirkt wie eine Mischung aus "Rescue-Tropfen", Baldrian und Schokolade.

Und das Lächeln hin und wieder gelingt wie von selbst - drei Stunden lang... ;-)
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Ninchen vor 6 Jahren 3 2
Der Prinzipgefährder
Ich habe ein Prinzip beim Parfumtesten. Es wird nichts abgewaschen. Nichts!!! Zu groß ist die Neugierde, was danach kommt und zu oft war schon die Überraschung groß, was nach einer für meinen Geschmack fürchterlichen Kopfnote doch noch Angenehmes daherkam. Bisher war das auch noch nie ein besonderes Problem für mich.

Beim Test meiner Abfüllung von "Art" (heute) wurde dieses Prinzip auf eine sehr harte Probe gestellt. Sillage und Haltbarkeit schwach bewertet und in den Kommentaren als angenehm, leicht und gutelaunemachend beschrieben, landeten zwei ordentliche "PFFTTTSSSSSSS" auf meinen Handgelenken.

Paar Minuten danach: Bilder von bedrohlich großen Antiinsektenkerzen tauchen vor meinem geistigen Auge auf, das muss die Bergamotte sein. Kurz danach macht sich die Pflaume breit, gute 20 Minuten lang. Das ist aber keine satte, warme Pflaume wie bei "Decadence", das ist eine harte, mürrische, kalte und düstere Pflaume - eine, die die dich böse anschaut und fast bedrohlich wirkt. Wenn japanische Pflaumen wirklich so riechen, mag ich nicht in deren Nähe kommen, nie!

"Du könntest abwaschen", kommt es mir in den Sinn, immer und immer wieder, im Minutentakt. "Schau, das Waschbecken ist gleich da, Seife auch, ist doch mal okay, wenn`s so gar nicht passt. Andere machen das andauernd, was man so liest."

Ich hab meine Prinzipien!!! Durchhalten. Das schaffst Du. Die Arme am Rücken verschränken, durchhalten!

Um es kurz zu machen. Habe es geschafft. Nach ca. 20 Minuten wird die mürrische Pflaume kleiner und geht ab.
Was dann kommt, bestärkt mich in meinem Prinzip. Das ist echt nett (ja, das Wort *g*). Zarte Kirsche, cremig. Wenn so japanische Kirschblüten riechen, dann lass ich die Pflaumen in Japan einfach links liegen und setz mich unter den Kirschbaum. Ganz lang! Und wirklich gern :-)

Sillage harmlos, völlig.
Haltbarkeit nicht gut, nach ca. 2 Stunden verlassen mich auch die Kirschen und ich bin wieder fern von Japan und jeglichem Obst (falls das in der Basis Moschus und Zedernholz ist, dann ist das in Japan völlig geruchsneutral).

Frisch war bei mir an diesem Duft nichts. Gutelaunemachend maximal der Mittelteil, der mit der Kirsche, aber der war für beständige gute Laune zu kurz ;-)

PS. Der Vollständigkeit halber muss ich sagen, dass die Abfüllung lt. Beschriftung vom Sommer 2017 ist - der Duft riecht null gekippt, aber vielleicht hat die Qualität schon ein bisschen gelitten - sonst liegt es einfach an meiner Hautchemie...
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