A rose is no rose is no rose.....
Lavendel vermählt sich mit Muskatellersalbei - das hat etwas von Fougère, prickelt jedoch zuerst mal schön pfefferfrisch und leicht anzitrisiert in der Nase. Dieser Anfang verbindet sich total gut mit den hohen Frequenzen des Lavendel.
Dann wird es ganz leicht fruchtig; fast erinnert es an eine süßliche Orange, mit ein bisschen Säure zumal. Dazu kommt eine weichere Veilchennote und die kräftige Würze des M-Salbei.
In der Basis duftet es auch weiterhin würzig und etwas krautig; vom Vetiver kann ich nur wenig zu erkennen. Patchouli ist dezent, der Kakao akzentuiert die ambratisch anmutende Wärme.
Rose ist hier übrigens komplett abwesend, der Name des Parfums bezieht sich auf das "Gelbe Sonnenröschen". Ob und wie das duftet, ist mir unbekannt.
Was mir auffällt, ist mal wieder diese perfekte Verblendung von Duftnoten, sodass nur wenige herausragen. Aber das glaube ich von CLIVE CHRISTIAN ja schon zu kennen.
Und noch etwas ist dem Label generell sehr eigen: meines Erachtens erfordern die Düfte eine gewisse Reife. An Zwanzigjährigen könnte ich mir ROCK ROSE und manch anderes Parfum der Marke nur schwer vorstellen. Da bin ich wirklich froh, ein paar (nur ein paar!) Tage älter zu sein... hehe...
BTW finde ich dieses Parfum überhaupt nicht nach Duschgel duftend - sagt mir bitte, welches so riecht und ich werde Power User desselben!
Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit
Blumige und ambratische Wärme, holzig mit Oud verziert und angesandelt. Der leichte Eindruck von Beerenobst passt prima zur aufgeführten Schwarzen Johannisbeere; hier jedoch ohne jegliche Säure, vielmehr dezent und verhalten.
Hyraceum nur als Akzent ohne jede Vordergründigkeit - so mag ich das am liebsten.
Iris taucht auf; fest und doch weich wie Butter bei der perfekten Temperatur. Eine an Karotten erinnernde Note, manchen Irisdüften eigen, ist hier leise wahrzunehmen.
Beim Oud wird's natürlich komplex: es ist beim Tragen eindeutig zu riechen, aber wie immer tu ich mich schwer mit der genauen Bestimmung - da fehlt mir wirklich die Expertise. Hier wirkt es auf mich sehr dunkel und fast ein bisschen erdig, mit einem winzigen Hauch feiner animalischer Süsse. Das gefällt mir im Gegensatz zu den ganz harten Viehstallgehölzen doch etwas besser.
In Sachen Oud hat MGO ja wirklich in allen Varianten am Start, und es kann manchmal durchaus fordernd werden. Nicht jedoch in diesem Falle, es bleibt meines Erachtens allzeit geschmeidig.
Wohlwollend nehme ich zur Kenntnis, dass dieser Duft ohne Rose auskommt - das hat Herr Staudt bestimmt nur für Euch gemacht, liebe Parfum@s, die ihr Oud-Rosenkombis nicht mehr ertragt (Lächelmännchen, höhö!)
Safran kann meine Nase kaum wahrnehmen, allerhöchstens in den hohen und hellen Frequenzen mag er mitspielen. Ich kann ihn ja sowieso gut leiden.
Lediglich in der Basis wird mir der Duft so ca. nach einer Stunde doch etwas zu blumig; das ist mir leider etwas zu viel und ich muss die Bewertung ein bisschen vermindern - also auf acht Punkte. Das kann er wohl ab ;)
Ich habe übrigens wiederholt festgestellt, dass man komplexeren Düften, gerade auch dieser guten Komposition, mit einem Handtest überhaupt nicht gerecht werden kann. Der Unterschied zwischen einem Tropfen auf der Handfläche an einem Tage und dem späteren Tragetest am Revers zeigt mir das ein weiteres Mal auf.
Dieser Duft ist eher sanft (das kann die Marke ja gerne mal anders), aber auch dicht und komplex zugleich (das kann die Marke ja mal sehr gut ). Dabei kein bisschen schwer, sondern irgendwie leicht und über den Dingen schwebend, trotz aller geerdeter Holzigkeit.
Leichtigkeit des Lebens und zugleich kein Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Gedanken - diesen Charakter bildet GHALIA BRUNEI ATTAR für mich perfekt ab.
Wie aus einem Statement eine Rezension wird...
*STATEMENT START*
Beeindruckender Beginn: Jasmin in the face, sogleich mit einer interessanten oudartigen Note gemischt. Der recht würzige Anfang ist auf jeden Fall etwas für ausgesprochene Jasminliebhaber. Milde Ledrigkeit und sanfte Balsamik begleiten das Weißblüherkonzert bis zum sandelnden Ende. Schön, eher für eine spezielle Zielgruppe und dazu noch sehr stark. Finde ich gut, auch wenn ich ihn wohl nicht tragen könnte.
*STATEMENT ENDE*
Ok, ich musste ihn mir natürlich SOFORT aufsprühen - und dann kam die große Überraschung. Ich Klugscheißer.
Auf Kleidung tritt nämlich zuvorderst die würzige Note in Erscheinung, danach folgt das spannende und auch ziemlich kräftige Oud. Mein lieber Scholli, das hätte ich nach dem Test an der Hand wirklich nicht erwartet. Ich lasse mir dabei zwar immer Zeit, weiß aber auch, dass manche Düfte dort süßer wirken als nachher "am Mann" getragen. So wie in diesem Fall.
Wo das Oud herkommt, könnte ich wiederum nicht sagen. So viehisch wie manch indisches Oud ist es nicht, eher etwas fruchtig und saftig, und wenn ich weiter nachdenke, könnten Kambodscha oder auch Laos durchaus hinhauen.
Naja, ehrlich gesagt kann das auch sonstwo herkommen, inklusive Retorte, ich kann das nicht mit Gewissheit sagen. Aber, und darauf kommt's am Ende ausschließlich an: ich finde es sehr spannend und es gefällt mir außerordentlich.
Weiter geht's. Jasmin ist zuerst zurückhaltend, kommt aber im weiteren Verlauf so richtig zu tragen. Dann performt er dicht und irgendwie auch sehr rund und geschmeidig. Ich kenne Jasmin aus den vielen Jahren in einem mediterranen Land, und wenn man in Hochsommernächten an den blühenden Büschen entlangspazierte, fühlte man sich wie in 1001 Nacht, und manchmal geradezu berauscht davon.
Das Oud hat sich zu diesem Zeitpunkt schon längst untergeordnet, liefert aber eine prima rauchige Note zur sandelig-balsamischen Basis. So ist das ein wunderbarer Abschluß dieser Duftreise.
Mein Fazit:
wie im Ersttest empfinde ich den Duft als sehr gut, aber das fundamental andere Gleichgewicht der Duftnoten hat mich wirklich überrascht. Auch wenn ich selber (wie so oft bei der Marke) heftige Synthetik erwartete und beim Handtest auch zu bekommen glaubte, würde ich das jetzt beim Tragen nicht mehr behaupten. Letztendlich kann ich es nicht wissen, aber der Jasmin ist wunderbar und das aufregende Oud erinnert mich an manche Düfte der von mir bewunderten Marke DUFTANKER MGO.
Empfehlen würde ich JASMIN EXCLUSIF Menschen empfehlen, die Jasmin sehr mögen, aber auch mit Oud generell gut zurecht kommen (OK @ergoproxy, dir also eher nicht). Dann gibt es hier einen der für mich spannenderen und vor allem auch leicht unisex zu tragenden Jasmindüfte.
Für die Überraschung danke ich @kokusai sehr - damit hast Du wieder einen echten Treffer gelandet
Signaturwürdiger Kubus
Erinnert zu Beginnein kleines bisschen an ARMANI CUIR NOIR, dabei aber definierter: sandeliges Oud und Weihrauch zuvorderst. Dann feine Gewürze ohne Küchenodeur (richtig klasse verblendet), fruchtige Zesten, Lavendel und minimal Rosengeranie - diese Noten sind eigentlich das große, warme und höchst lebendig schlagende Herz des Duftes!
Schließlich ein ambratisch-würziger und zugleich moschuszarter Akkord, von Vetiver fein strukturiert, hintergründig von Blüten begleitet und schließlich von einer edlen Ledernote weich eingefasst. Die Ähnlichkeit zum Armani wird an mir etwas größer, aber nicht übermäßig stark. In der Basis nehme ich auch ein feines Oud wahr, sehr sauber, edel und ohne jeden Kuhstall, aber mit genau dem richtigen Kick, um BLACK CUBE nicht zu sanft werden zu lassen.
Das ist ein höchst eleganter Duft, den ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, und er gefällt mir bei jedem Test noch etwas besser - sowas kann durchaus eine Signatur werden. Danke für die tolle Entdeckung, lieber @Kokusai!
Ein früher Morgen im April
Galbanum, Limette, Ananas wecken hier gleich zu Beginn die angepfefferten Lebensgeister! Lavendel folgt sogleich und teilt sich den geruchlichen Raum mit zarten pfirsichartigen Noten, die wiederum krautig und muskatwürzig begleitet werden.
Das ist frisch, grün und zugleich mit einer Fülle angereichert, die mich u.a. an perfekt gereiftes Obst denken lässt - weder un- noch überreif, sondern mit Knack, Biss und Säure; genauso, wie ich es am liebsten mag.
Blumige Noten, die ich nicht identifizieren könnte, gestalten die Herznote; diese lässt sich Zeit mit dem Erscheinen, so wie auch die Basis. Sowas mag ich sehr! Der Duft entwickelt sich fast eine Stunde lang; da bekommt man fürs (viele) Geld auch noch einen schönen Verlauf mit kleinen Überraschungen inklusive.
Zum Beispiel eine zart patchoulöse und verhalten holzige Würze, natürlich grün umrahmt. Die zitrischen Noten dimmen sich da schon längst herunter zugunsten der bitteren Anteile von Petitgrain und Galbanum, die offensichtlich eine längere Lebensdauer haben.
Schließlich nehme ich noch ein wenig ambratische Anschmiegsamkeit wahr, und hier gerade auch einen kleinen, feinen Hauch der Warmharzigkeit von Labdanum - seit ich das mal in freier Natur direkt von den Blättern der Zistrose gestrichen habe, werde ich es nicht mehr vergessen.
Weil ich im uralten Statement Aventus erwähnte: die Parallele ist eigentlich nur die frische Ananasnote, die mir sehr gut gefällt.
Auch eine gewisse Ernsthaftigkeit, die beiden Düften trotz ihrer Frische eigen ist, mag ich.
CC 1872 setzt dieser jedoch die wortwörtliche (Gold-)Krone auf; hier gibt es einfach mehr Seriösität zum Aufsprühen, die weder juvenil noch kraftsportlich ist.
Eventuell braucht es dafür eine gewisse Reife und Lebenserfahrung: nichts fürs Pumpen, für den Golfplatz schon eher. Oder vielleicht für Yogamatte und eine lauschige Joggingstrecke im Grünen am Berliner Stadtrand, und das am besten an einem sonnigen Aprilmorgen wie heute...
Hier geht mein Dank raus an einen sehr netten Parfumo!