TerraTerras Parfumkommentare

1 - 10 von 652

19.04.2018 18:36 Uhr
Viele von euch werden das kennen: Der Sommer bricht herein, die Textilien werden knapper und die brennend heißen Sonnenstrahlen auf der Haut führen zu einer friedvollen, nicht ermüdenden Sedierung die gern mit einem grundlos-debilen Lächeln auf dem Gesicht einhergeht. Ein wenig wie die opiatartig-verballerte Zufriedenheit nach dem Sex, nur das die Lust darauf proportional mit dem Gefühl steigt und es scheint, als wären die Menschen um einen herum plötzlich viel attraktiver.

APOM ist ein Duft, der all das irgendwie widerspiegelt. Er hat etwas von warmen Sonnenstrahlen auf der Haut und verbreitet ein nicht unähnliches Gefühl. APOM ist durchaus üppig – wie auch die Hitze. Eine super saftig-dick-sonnenfarbene Orangenblüte ergibt mit der Zeder einen einzigartigen Vibe der sicher polarisieren kann, aber Wiedererkennungswert besitzt. Die Grundlage bilden ein kosmetikartiger Cremeamber und eine diffuse, leicht pudrig-trockene Fougèrenote.

Nun könnte man APOM auf den ersten Blick tatsächlich einfach als gepflegten Cremeduft oder auch einfach als süß-blumigen Duft bezeichnen. Das allein könnte langweilig werden, wäre Kurkdjian nicht ein so talentierter Parfümeur, der dem Ganzen genau so viel Schmutz und Verruchtheit verpasst, um es raffiniert und nie zu offensichtlich wirken zu lassen. Schließlich ist Orangenblüte nicht nur zum Kosmetikamber passend cremig, sondern auch etwas indolisch und hat schon für sich stehend leicht schmutzige Anteile. Der besagte, nie zu vordergründige Fougèreakkord ist trocken, ein wenig krautig, irgendwie „sauber-dreckig“ und bringt den fougèretypischen, „gepflegten Männercharme“ mit. Das lässt kaum daran zweifeln, dass es sich um einen Männerduft handelt, aber es geschieht im Hintergrund. Modern, ohne Gebrüll und Gehabe.

Das alles erscheint im Grunde zu warm, zu üppig und nicht zuletzt zu projektionsstark für einen Sommerduft und zugegeben, bei 30 Grad greife ich auch eher selten zu APOM. Doch es gibt Wetterlagen und Stimmungen, wo für mich kein Duft besser passt. Manchmal sind es diese leicht schwülen, aber lauen Sommerabende. Ein anderes Mal die wenigen, supersonnigen aber nicht allzu warmen Tage im Jahr. Und es ist meist eher ein Date oder ein Treffen mit Freunden als ein allzu förmlicher Anlass.

Mein erster Kommentar zu APOM pour Homme war auf den 19.12.2015 datiert. Vermutlich nicht die glücklichste Jahreszeit, um ihn zu testen. Ich habe seitdem mehrere Proben aufgebraucht und vorerst eine Abfüllung gekauft, bis ich hier vor kurzem einen Flakon ergattert habe. Mal fand ich APOM zu nett, was so nicht stimmt. Mal roch er für mich nur cremig, mal gar zitrisch. Er täuschte und täuschte mich und ich fand ihn zwar immer gut, aber es hat lange gedauert, bis meine Nase verstanden hat, wie er riecht und mein Hirn verstanden hat, dass er tatsächlich A Part Of Me ist.


09.01.2018 19:12 Uhr
Ein Duft, benannt nach Hira, dem Berg des Lichts, auf dem Mohammed seine erste Offenbarung vom Erzengel Gabriel erhalten haben soll. Er soll der angebliche Höhepunkt und „Diamant“ der ohnehin schon teuren und exklusiven Kollektion von Stéphane Humbert Lucas darstellen, was der kaufkräftigen Kundschaft auch durch den mit Abstand höchsten Preis von deutlich über 1000€ pro 100ml bewusst gemacht wird. Seit Jahrhunderten unter der Erde begrabene Harze werden zu fossilem Amber - Bernstein. Über andere Duftstoffe wird gemunkelt. Oud, Salpeter, Zimt, erdige Noten, Vanille und Tonka sind im Gespräch, doch es gibt keine klaren Aussagen. Viele Hinweise durch die man auf besondere Qualität und nicht zuletzt auf einen einzigartig schönen Geruch schließen könnte - da ist es recht vorhersehbar, dass die Rezensenten sich vor Lobpreisungen kaum halten können. Vom ultimativen Amber ist die Sprache. Die Referenz.

Ich hatte schon eine grobe Vorstellung in welche Richtung Ô Hira geht und ja, er haut mich um. Dafür war auch nur ein Sprühstoß notwendig, denn die Sillage ist in den ersten Stunden too much. Rein olfaktorisch gesehen war ich allerdings weniger überrascht.

Ô Hira zeigt sich als netter Amber, der sich weniger in der süß-gourmandigen, sondern eher in der holzig-harzigen Ausrichtung dieses Genres einsiedeln lässt. In diesen Gefilden befinden sich beispielsweise auch noch Ambre Fétiche oder der wundervolle Ryder.

Ich bemerke zu Beginn eine recht prominente, schnapsig-cognacartige Note. Fassgelagert trifft es vielleicht am Besten. Das fußt natürlich auf einer dunklen, zähflüssig wirkenden, leicht medizinisch-bitteren, holzig-erdigen Ambernote die im Fokus steht. Nach einer Weile verschieben sich die harzigen Töne in eine etwas faulige Richtung, welche im Netz vermutlich unter dem Euphemismus der "erdigen Noten" verkauft wird. Zum Glück ist dies nur kurz deutlich und ansonsten bleibt ein recht monotoner, holzig-harziger Geruch. Es gibt kaum Entwicklung und Transparenz. Der Duft wird leiser und es kommen Vanilletöne dazu, er wird also wie in der Basis üblich süßlich-weicher und schnell viel leiser. Auf der Haut habe ich nun die Assoziation von verrottendem Holz und einem vanillearomatisierten Whisky.

Nun könnte man mich missverstehen und denken, mir würde der Duft gänzlich missfallen. Ô Hira riecht schon gut. Ich sehe ihn aber eher als Raumduft, finde ihn als Parfum nicht reizvoll. Zudem gefallen mir die günstigeren Amber dieser eher harzig-holzigen Richtung deutlich besser.

Es ist eben wie so oft mit den Legenden, Referenzen und dem Unbesiegbaren. Einmal entmystifiziert erscheint alles nur noch halb so spektakulär.


01.01.2018 20:48 Uhr
Es wundert mich, dass Royal White hier bisher noch nicht mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde, wo er durch seinen gekonnten Spagat aus modern-minimalistischen und klassischen Akzenten doch eigentlich viele Freunde gewinnen könnte.

Vorerst gesellt er sich zu einer Art rarer Rosendüfte, in denen die dunkel-saftige, rote Blume mit passend saftigen, roten Fruchtnoten ergänzt, aufgemuntert und erhellt wird.
Spontan fällt mir dabei als weiteres Beispiel nur noch "Dom Rosa - Eau Sanguine" ein, der im Gegensatz zu Royal White mit einem tollen, spritzigen Champagnerauftakt begeistern kann. Doch weil mir eine frische Probe davon enorm schnell kippte und andere Düfte von Les Liquides Imaginaires einen zweifelhaften Eindruck hinterließen, verbinde ich das Label ein wenig mit Kopfnotenblendern und verbesserungswürdiger Qualität, weshalb deren Roseninterpretation von meiner Wunschliste verschwand.

Royal White hingegen startet anders und weniger spektakulär. Ich dachte zuerst, ich hätte es mit einem durchaus edlen, bewusst rein synthetischen Duft zu tun und glaubte, vor allem eine Art Moschus zu riechen. Ich kann diese Note schwer beschreiben. Versuche ich es, fallen mir clean, scharf aber gleichsam moschusartig wattewolkig als Gleichnisse ein.

Schnell formt sich aus diesem Auftakt eine dunkle Rose heraus. Jene ist dann recht prominent und duftbestimmend, dabei saftig und dunkel, der Eindruck insgesamt wirkt aber stets hell. Mitunter ist sicher die wunderbar rot-fruchtige Note hilfreich um aufzuhellen, die sich zu der Rose gesellt. Jener Eindruck passt durchaus zu Rhabarber, aber nicht zu der sauer-grünen Ausprägung. Eher erinnert es an die Fruchnote aus einem "Eau de Rhubarbe Écarlate". Hier zeigt sich also wie im Hermès eine rot-marmeladige Fruchtanmutung, nur ist sie im Royal White ein deutlich weniger süßer und nicht so dominanter Akzent der hervorragend zu dieser dunklen, saftigen Rose passt. Doch auch der helle, scharf-wattewolkige Moschuseindruck aus dem Auftakt und die gerade in der Basis dominante, aber schon vorher kontrastgebenden, seifig-holzigen Noten tragen permanent zu einem sehr hellen, aber nie direkt frischen Eindruck bei.

Mit fortschreitender Entwicklung wird die ehemals deutliche Rose zu einem kleinen Akzent und alles bekommt eine immer mehr edel-seifige Note. Vetiver und Eichenmoos waren schon vorher stilprägend und haben diesem recht modernen Thema einen fast seriösen Maßanzug verpasst, es auch eher maskulin wirken lassen. In der Basis zeigt sich diese Charakteristik deutlicher, der Duft wirkt vor allem seifig-holzig, hat aber gleichsam immer etwas edel-synthetisches und modern-minimalistisches.

Royal White ist ein äußerst harmonisch ausbalanciertes Parfum mit einem wunderbar linearen Verlauf. Auch wenn einige Nasen schon beim Lesen der Pyramide mit Rose oder Frucht der Meinung sein werden, es müsse sich um einen Damenduft handeln, so empfinde ich die sehr unverspielte Art von Royal White mit dem gekonnt inszenierten sauber-holzigen Einschlag als ziemlich maskulin. Es spricht also viel für ihn, doch um für mich als Kaufkandidat interessant zu sein wirkt er etwas zu sehr wie ein moderner Hollywood-Gentleman. Er zeigt kein Laster, ist die entscheidende Spur zu höflich, steht morgens schon geschniegelt aus dem Bett auf. Ich denke, das sehe ich nicht an mir, doch Parfums mit einer solchen Ausstrahlung sind oft die heiß begehrten "Pantydropper". Nur hat Royal White charakteristische, aber kaum olfaktorische Schnittmengen mit jenen und ist daher nicht wie so oft bei solchen Düften mit gepflegter Langeweile verbunden, sondern bleibt trotz aller Eleganz ein einzigartiger und sehr ästhetischer Duft.

Das Ganze gibt es hier im Übrigen zu einem recht reizvollen Preis, ein Test lohnt sich.






15.12.2017 15:49 Uhr
Kaum erscheint ein neuer Tauer, ist die Parfumocommunity in Aufruhr wie Teenies bei der Veröffentlichung eines Justin Bieber-Albums. Die ganz große Aufregung konnte ich nie verstehen, denn die Düfte waren für mich häufig spannend und ästhetisch, aber auch irgendwie nie ganz rund. Ich weiß, ich laufe Gefahr für diese Anmerkung gesteinigt zu werden: ich habe und hatte immer den Eindruck; wie bei all diesen Selfmade-Parfümeuren; zu riechen, dass sie das Parfümhandwerk nie klassisch erlernt haben.

Au Coeur du Désert musste ich aus mehreren Gründen testen. Einmal macht mich natürlich so ein unfassbarer Hype neugierig. Schon seit Monaten hält er sich unbezwingbar auf Platz 4 der Unisexdüfte mit einer unfassbar guten Gesamtwertung von zwischenzeitig auch deutlich über 9 Punkten. Zudem ist die weniger konzentrierte Version „No. 02 - L'Air du Désert Marocain“ ein Duft, den ich schon vor Jahren mit etwas ratlosem Ergebnis getestet habe. Er gefiel mir schon, aber ich fand ihn eher muffig als trocken, zu vanillig in der Basis. Ich hatte die Idee, dass mir eine glattgeschliffenere Version wie es hier so oft beschrieben wird gut gefallen könnte.

Eines kann ich vorweg nehmen: Ich habe Au Coeur du Désert mehrfach getragen und fand ihn immer toll. Wobei ich mir den Anlass gut überlegen würde, denn die Sillage ist selbst bei vorsichtiger Dosierung atomar. Zudem wird immer wieder behauptet, die Ähnlichkeit zu „No. 02 - L'Air du Désert Marocain“ wäre so groß, dass man das Extrait nicht bräuchte. Dem muss ich entschieden widersprechen. Ich habe mir erneut eine Probe von der No. 2 besorgt, ihn unabhängig und parallel zu Au Coeur du Désert getestet. Ich wollte natürlich wissen, ob mir die No. 2 mittlerweile genauso gut oder sogar besser gefällt und ich den Aufpreis für das Extrait wirklich zahlen muss. Doch die Charaktere sind grundverschieden, nicht nur diesbezüglich, dass das Parfum auch eine Dekontaminationsdusche übersteht.

Daher möchte ich meinen Kommentar nicht nur dazu nutzen, Au Coeur du Désert zu beschreiben, sondern auch um ihm No. 02 - L'Air du Désert Marocain ein wenig gegenüberzustellen.

Der Auftakt von Au Coeur du Désert wirkt auf mich unrund. Hier kann man deutlich eine zitrische, zwischen Zitrone und Bitterorange changierende Note wahrnehmen, die sich zu dem Amber gesellt. Das riecht ein wenig wie eine Zitrusfrucht in einer verstaubten, alten Holzkiste aus der kaum definierbare Harze sickern.



L'Air du Désert Marocain startet dagegen fast wie ein Cologne. Betont frisch, ich vermute durch mehr als nur; wie in der Pyramide angegeben; Petitgrain, welches eigentlich relativ grün-zitrisch riecht. Schnell kommt eine merkbare Würze hinzu, die ich blind nicht Koriander und Kreuzkümmel hätte zuordnen können. Vom Amber ist für mich noch nix zu bemerken.

Wo sich die No. 2 noch wie ein vergleichsweise fröhlich-sommerlicher, frischer (und neben dem Extrait ungeheuer dezenter) Duft zeigt, sind im Au Coeur du Désert längst nicht mal mehr ansatzweise frische Akzente zu vernehmen. Jenes ist mittlerweile auf seltsame Art und Weise weich-cremig, aber auch zutiefst staubig-trocken und ernst.

Während dieser ernste Eindruck beim Extrait weiter zunimmt, es immer dunkler wird, erinnert mich die No. 2 nun an Kamillentee. Noch lange ist keine Wüste in Sicht, noch ist nichts trocken. Nein, ein schöner Kamillentee. Mit der Zeit kommt etwas leicht pudriges hinzu, wodurch ich sogar Assoziationen zu klassischen Fougères knüpfe. Kam die No. 2 vielleicht genau daher so gut an? Ein neuer, nischiger Duft der auch jenen Freude machen kann, die sonst eher klassischer unterwegs sind?

Doch eine leichte Ahnung dieser kamillenartigen Note kann ich auch im Extrait erkennen, nur habe ich hier nie Assoziationen an irgend ein Fougère gehabt, weil es einfach viel dunkler, ernster, wärmer und zwar runder, aber auch rauer ist.

Nach langer Zeit dunkelt die No. 2 dann auch etwas ab, die Pudrigkeit verdichtet sich und ein deutlich ledriger Eindruck kommt hinzu. Verantwortlich ist dafür sicher Birkenteer, was hier so dominant riechbar sein soll. So langsam stellt sich ein hell-sandiges Bild ein, der Duft wird trocken und etwas balsamischer.

Das Extrait ist eigentlich weitaus trockener. So trocken, dass man schon durch bloßes riechen Angst haben könnte, zu dehydrieren. Doch weil auch ein warm-weicher Amber viel dominanter ist, wirkt dieser trockene Eindruck weitaus weniger staubig als im No. 2. Für mich homogener und stimmiger, dabei aber trotzdem deutlich düsterer, ernster und kräftiger. Die Wüste bei Nacht!

Vor Jahren schrieb ich, dass die No. 2 für mich gerade in der Basis zu belanglos-vanillig wird und ich erntete; um es vorsichtig auszudrücken; laute Kritik. Doch ich kann mein Urteil einfach nicht revidieren. Ich verstehe die Begeisterung um diesen Duft nur begrenzt. Er gefällt mir durchaus gut, aber ich finde ihn zu nett und stellenweise beinahe etwas belanglos. Zudem wirkt er auf mich phasenweise eher staubig im Sinne von schmutzig und weniger sandig-trocken wie gewünscht. Vielleicht ist es das, was für manche besonders leidenschaftlich wirkt und was für mich weniger perfekt riecht als bei vielen gelernten Parfümeuren.

Die staubige Note des Extraits ist sogar noch viel deutlicher, aber vielleicht irritiert sie mich gerade dadurch nicht mehr. Das klingt vielleicht paradox, aber durch die schärferen Konturen wirkt es eher wie eine bewusst parfümierte Staubigkeit und erweckt in mir nicht den Eindruck, mich nach einer langen Wanderung duschen zu wollen. Auch die wesentlich deutlicheren, volleren ambratischen Noten tragen dazu bei, einen gekonnten Kontrast zu schaffen, der diese Staubigkeit nicht einfach wie das Ausklopfen einer Fußmatte, sondern tatsächlich eher wie trockene, warme, sandige Erde wirken lässt.

Erst die hautnahe Basis, die sich beim No. 2 nach vielen Stunden zeigt, ist dem Extrait sehr ähnlich. L'Air du Désert Marocain wirkt hier noch etwas vanilliger und heller, aber die Ähnlichkeit ist in dieser Phase tatsächlich deutlich.

Au Coeur du Désert hat mich unheimlich begeistert und war einer der wenigen Düfte, die es auf meine absolute Hit- und Haben-Müssen-Liste geschafft haben. Doch nach mehrfachem Tragen erging es mir wie scheinbar vielen Benutzern. Er hat einfach nicht funktioniert. Ein spannender Geruch, aber als Parfum ungeeignet. Mir fehlt die Verbindung mit mir, mit der Haut. Immer wirkt der Duft aufgesetzt und maskiert. Es macht Spaß ihn zu testen, es macht Spaß ihn alle paar Monate mal zu tragen, aber er funktioniert für mich als Parfum nicht. Vielleicht kann die normale No. 2 das besser, ich weiß es nicht. Doch im Grunde habe ich das Problem mit bisher jedem Tauer und auch mit vielen anderen Düften von Nischenlabels gehabt, die von ungelernten Parfümeuren kreiert wurden. Oftmals tolle Ideen, kunstvoll und edel arrangiert. Doch es wirkt für mich oft so, als fehlt die absolut harmonische Verbindung der Noten, als seien die Übergänge zwischen den Akkorden etwas holprig.

Ich bewerte Au Coeur du Désert trotzdem sehr hoch, denn er begeistert. Er ist eher wie ein geliebter mit dem man einige wenige, grandiose Nächte verbringt. Doch man (zumindest ich) will keine ernsthafte Beziehung mit ihm ;).


23.10.2017 21:07 Uhr
nun werde ich also schon durch Werbetexte bei ALZD darauf aufmerksam gemacht, dass in mir bisher unbekannte, stark masochistische Tendenzen schlummern? Denn das Tragen von Attaquer Le Soleil bereitet mir pures Wohlbefinden. Wer den Kommentar von Kovex liest wird erkennen, dass meine Dufteindrücke durchaus zu einigen philosophischen Ausschweifungen von Marquis de Sade passen. So ist der Auftakt; wie man es bei den überschaubaren Duftnoten vermuten kann; natürlich dunkel-harzig und leicht rauchig, aber wird vor allem von einer deutlichen, fruchtigen Nuance bestimmt, die für mich nach Grundschulkindern riecht. Also im Grunde wie Zucker mit Fruchtaromen. Ich habe keine Ahnung, wieso kleine Kinder schon aus der Entfernung für mich so riechen. Essen sie soviel derartigen Süßkram? So ungewöhnlich das klingt, diese abstrakte Fruchtigkeit lässt sich für mich am besten so beschreiben. Es ist nichts, was man einer Frucht zuschreiben kann, es ist irgendwie künstlich, aber irgendwie auch sehr natürlich; weil beinahe menschelnd.

Denn das hier zu riechende Harz hat auch eine minimal fäkale, leicht animalische Komponente. Das ist nur sehr diffus vorhanden und ich glaube kaum, dass Attaquer Le Soleil für irgendjemanden ein deutlich animalischer Duft sein wird. Aber es ist eine hoch interessante Nuance, die auch dem Auftakt die nötige Ernsthaftigkeit verleiht.

Die Fruchtigkeit nimmt mit der Zeit ab, bleibt aber immer ein Bestandteil des Gesamteindrucks.
Attaquer Le Soleil wird im Verlauf deutlich rauchiger und dunkelt weiter ab. Es ist kein Lagerfeuerrauch, kein Lederrauch und kein Weihrauch. Es ist eine tiefe, knisternde Harzrauchigkeit. Eine unglaublich schöne, einmalige Rauchigkeit.

"Reinheit hat ihr Parfum gefunden" ist eines der weiteren Versprechen von ALZD. Und das passt tatsächlich, denn ich kenne kaum einen Harz- oder Rauchduft, der derart transparent wie "Attaquer Le Soleil" wirkt. Ich glaube noch nicht ganz, dass wirklich nur Labdanum für den Duft verwendet wurde. Dafür spricht allerdings, wie ungeheuer transparent der Duft trotz seiner tiefen Harzigkeit wirkt. Nichts ist zuviel und kein bisschen Vanille, Amber und co. lassen den Duft breiig wirken. Er ist rein, klar und doch völlig verdorben. Eine Wohltat.

Lediglich die abstrakte Fruchtigkeit bereitet mir noch etwas Schwierigkeiten, an ihr stoße ich mich immer wieder. Irgendwie erzählt sie eine Geschichte, ergibt sogar einen interessanten Kontrast. Aber trotzdem fällt es mir schwer, mich mit dieser Note anzufreunden. Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb der Duft vorerst "nur" 9 Punkte bekommt und noch kein konkreter Kaufkandidat ist. Doch ich werde weiter testen und halte es durchaus für denkbar, dass es noch Klick macht und alles passt. Denn schon jetzt beim dritten Test finde ich ihn zunehmend schöner.

Edit: Je öfter ich ihn trage, umso mehr Spaß macht er mir. Das passiert mir selten und ich sehe es als Zeichen an, dass dieser Duft im Moment sehr gut zu mir passt. Meist stören mich bei häufiger Benutzung irgendwelche Facetten. Hier werden anfangs schwierige Eindrücke mit der Zeit immer stimmiger und das Gesamtbild ist nur noch wunderbar. Ein einfach grandioser Duft.




24.09.2017 18:38 Uhr
„Nouvelle Collection – Oud“ zeichnet ein Bild der mystischen Stille und Atmosphäre eines winterlichen Waldes weit abseits der Zivilisation nach Sonnenuntergang. Vordergründig zeigt sich ein tiefer, düsterer und süßlicher Balsam der ruhig, beschützend und anschmeichelnd wirkt. Eine Ahnung von Mondschein, ein wenig Licht wird nur durch den im Grunde ebenso dunklen Tannenbalsam mit seinen leicht ätherischen und rauchigen Aspekten der Koniferen gespendet. Wie das Knacken von Ästen neben einem im dunklen Wald, welches den Pulsschlag in die Höhe treibt, aber einen kein Wesen sehen lässt vermittelt Oud eine diffuse, animalische Ahnung, ohne je wirklich in den Vordergrund zu treten. „Nouvelle Collection – Oud“ ist ein tiefer, sehr runder Duft, der einige Jahre und mehrere Anläufe brauchte, bis ich ihn lieben lernte.


26.08.2017 20:21 Uhr
Maai

Maai - Bogue

8.5
Latent habe ich bestimmte Düfte im Hinterkopf, die ich erhoffe zu finden. Oft sind es Variationen eines bereits bekannten Themas, mal sind es Hirngespinste von mir. So suche ich zum Beispiel schon seit längerer Zeit den für mich „perfekten“, animalischen Duft. Ich habe zwar eine mir fraglos wichtige Liebelei mit dem Absolue pour le Soir, aber er ist mir phasenweise zu klebrig, könnte auch durchaus noch etwas weniger zahm sein. Nach einigen interessanten Statements die ihn schon vor langer Zeit auf meine Merkliste beförderten, habe ich mich natürlich gefreut, endlich Maai testen zu können.

Nachdem ich zwei Sprühstöße von dem fast öligen und dementsprechend relativ ergiebigen Eau de Parfum aufsprühte, weckten sich große Hoffnungen in mir. Es schien, als könne Maai die Welten von zwei meiner liebsten Düfte - die jedoch beide ihre Fehler für mich haben - nämlich Chypre Palatin und Absolue pour le Soir, zu etwas Großartigem und vielleicht perfekten vereinen. Zu Beginn macht sich kurz ein klassischer Aldehyd-Chypre-Auftakt breit, der schon nach einigen Sekunden von einer wundervoll warmen, honigartigen und nur dezent süßen Note abgelöst wird. Schon jetzt zeigt sich eine angenehme, animalische Kante, die für meine Nase aber noch sehr dezent ausfällt. All das wird durch eine leicht campherartig-ätherische, krautige Note, die mich an Rosengeranie erinnert, aufgehellt. Das stört mich ein wenig, denn obwohl diese Nuance nur hintergründig ist, wirkt sie auf mich etwas disharmonisch. Ansonsten ist Maai für mich in dieser Phase ein echter Schmeichler der zu großem Wohlbefinden beiträgt.

Später zeigt sich, dass sich ein echter Chypre wohl doch nicht so leicht verstecken lässt. Die von mir vermutete Rosengeranie wird weniger deutlich, dafür blüht die Rose umso mehr auf. Maai wirkt auf mich nun sehr chyprig-blumig und erinnert an klassische Düfte wie „Diva“, weshalb ich ihn in dieser recht langanhaltenden Phase an mir nicht gerne rieche.

Nachdem ich ihn aufgrund dieses für mich unpassenden Stadiums schon ad acta gelegt habe, versucht er mich mit einer umso schöneren Basis wieder zu versöhnen. Maai zeigt sich hier deutlich animalisch und recht trocken. Die Blumen sind verwelkt und zusammen mit dem Honig getrocknet. Alle Noten sind noch da, aber nun ist Maai nicht mehr balsamisch, sondern spröde und holzig, trotzdem weich. Auch etwas moosig riecht er, ohne dabei wieder arg klassisch zu wirken. Und zu all dem wunderbar tief animalisch. Nicht fäkal-animalisch. Eigentlich sträube ich mich ein wenig gegen den Begriff animalisch, weil es nicht wirklich nach Tier oder deren Ausscheidungen, wie wir sie uns vorstellen, riecht. Es ist eine harte, prickelnde und auch eindeutig unsaubere Kante. Aber für meine Nase auch deutlich parfümig unsauber, also zum Duft gehörend. Niemand wird auf die Idee kommen, man wäre ungepflegt. Aber der Geruch könnte dazu animieren, sich gemeinsam schmutzig zu machen ;).

Maai ist ein Duft, der mir unter so einigen schwachen die man riecht mal wieder sehr positiv aufgefallen ist, mich phasenweise auch wirklich begeistert hat, der aber teilweise trotzdem zu klassisch-feminin auf mich wirkt und daher vermutlich nicht bei mir einziehen wird.


05.08.2017 20:05 Uhr
...oder unangenehmen Fragen nach der letzten, durchzechten Nacht aus dem Weg gehen möchte, dann ist das der falsche Duft. Den Auftakt empfinde ich als alkoholisch-fruchtig. Deutlich ist die schnapsig-wachholdrige Note von Gin, aber auch jene der Zitrusfrüchte, die häufig mit destilliert werden. Es erinnert aber nicht wirklich an cologneartige Hesperiden, sondern erscheint wärmer und bekommt dadurch auch schnell den Eindruck eines guten Obstlers oder gar eines Limoncellos.

Die zu Beginn noch recht gut separat zu erkennenden Noten ergeben wenig später ein Gesamtbild, was immer noch fruchtig-alkoholisch, aber durch cremige und harzige Noten glatter, weicher und weniger an Getränke erinnernd, sondern abstrakter wirkt. Alles ordnet sich, von Entwicklung kann nicht gesprochen werden – der Verlauf ist sehr linear.

Was ich hier als cremig oder balsamisch beschreibe, kann man jedoch nur schwer mit anderen cremigen oder harzigen/balsamischen Düften vergleichen. Für meine Nase ist kaum ein Harz oder Balsam für sich stehend erkennbar, sondern "Geza Schön" bleibt immer fruchtig, aber die olfaktorische Konsistenz verändert sich durch die genannten Noten. Er wird beinahe zähflüssig und ist schon kurz davor, klebrig zu sein. Als süß empfinde ich ihn allerdings auch kaum, sondern eben wirklich eher balsamisch. Dabei bleibt er stets transparent, was ziemlich gegensätzlich klingt, aber Sinn macht, wenn man den Duft riecht. Im Gesamteindruck wirkt das hell, fruchtig, freundlich, aber auch beinahe künstlich. Im Verlauf riecht das zusammen nach nichts mehr, das man aus der Natur kennt und so läuft man Gefahr, den Duft als synthetisch abzustempeln
Diesen Eindruck täuscht der Duft jedoch lediglich durch das ungewöhnliche Zusammenspiel der genannten Nuancen vor. Ein genauer Blick wird belohnt und man erkennt, dass Geza Schön die Noten hier nur sehr geschickt verblendet hat und vielleicht seinem Ruf treu bleiben wollte, vielleicht auch nur einen Duft machen wollte, der parfümig genug und somit für jeden easy to wear ist. Dabei zeigt er sich für meine Nase jedoch absolut nicht überdurchschnittlich synthetisch.

Ich empfinde „Geza Schön“ im Grunde sogar als recht natürlich riechend, nur eben auch als glatt und parfümig. Für mich ist es ein sehr eigenständiger, ungewöhnlicher, aber absolut fröhlicher und unkompliziert zu tragender Sommerduft. Testempfehlung!


08.07.2017 19:09 Uhr
bereits die Statements zu Tigre du Bengale klangen so, als wäre er wie für mich geschaffen und so hielt ich natürlich die Augen nach Testoptionen offen. Als ich dann aber den Preis sah, sank mein Interesse proportional mit steigendem Argwohn. Über 520€ pro 100ml sind über meiner Schmerzgrenze und für mich auch kaum noch zu rechtfertigen. Aber nicht viele werden wohl wie ich den Preis auf 100ml umrechnen und 158€ für einen Flakon klingt doch schon nicht mehr ganz so dramatisch, oder?

Nunja, zumindest bekommt man etwas für sein Geld. Denn dieser Tiger löst bei mir sofort warme Wonnen des Wohlgefühls aus, die Oxytocinproduktion scheint direkt zu steigen und beim Schnuppern an meinem Handgelenk verdrehe ich genüsslich die Augen und schweife ab.

Dabei zeigt sich eine zuerst staubtrockene, sandige Myrrhe die immer wärmer und balsamischer, leicht süßlich wird. Bibergeil wirkt wie eine hintergründig herbe, ledrige Kante die immer mitschwingt, doch nie vorlaut wird. Tigre du Bengale ist also schon „animalisch“, aber sollte auch für empfindlichere Nasen noch angenehm, nicht irgendwie stinkig sein. Der Verlauf ist sehr linear. Bei meinem Ersttest habe ich den Anfang als warm und süß wahrgenommen und die Entwicklung als trockener, heute ist es genau anders herum. Wie man es aber auch dreht und wendet, gibt es keine dramatischen Änderungen, nur die Akzente verschieben sich.

Auch ich habe den Eindruck, dass Myrrhe tonangebend für den Dufteindruck ist, aber es ist wirklich eine wundervoll ausgearbeitete Myrrhe. Außer den leicht animalischen Noten ist sonst nicht viel vordergründig zu riechen, doch das reicht völlig für wohlige Schauer.

Was hält mich also abgesehen vom Preis von einem Kauf ab? Ich finde Tigre du Bengale nicht besonders einmalig, sondern habe das Gefühl, ich würde meine Sammlung nur um einen weiteren Duft einer Richtung erweitern. Dabei empfinde ich ihn auch nicht besser als die anderen, weniger teuren - was er einfach sein müsste. Er wäre einfach eine äußerst schöne Ergänzung. Meine persönlichen Alternativen zu nennen halte ich jedoch für nutzlos, weil diese viel mehr Kante haben. Das reizt mich, doch deshalb sind diese Düfte für andere, im Gegensatz zu diesem hier, womöglich untragbar. Doch die Schauer der Begeisterung fallen nun beim Zweittest schon weg. Ich finde ihn zwar immer noch toll, aber er lässt mich emotional kalt. Möglicherweise ist heute einfach nicht der richtige Tag für den Duft, doch unabhängig davon müsste er schon mehr Reaktion hervorrufen, damit ich ihn haben müsste.

Trotz meiner wirklich sehr persönlichen Zweifel sollte jeder der warme, balsamische, anschmeichelnde Düfte mit leicht animalischer Kante mag Tigre du Bengale einmal testen. Es ist wirklich ein grandioser Duft in dieser Richtung der auch mir beinahe den Kopf verdreht hätte.

Ich kenne bisher nur 5 Düfte von Delphine Thierry, aber davon haben 4 solide 8 Punkte oder mehr von mir bekommen, nur einer fiel vor längerer Zeit durch. Ich sollte ihre Arbeit als Parfümeurin dringend verfolgen.


26.06.2017 19:18 Uhr
Hilfe! Wenn man; wie ich; unvorbereitet auf das, was einen erwartet Oud de Burgas aus der unschuldig wirkenden Probe mit weißem Etikett aufsprüht, ist das wohl der erste, naheliegende Gedanke. In den anfänglichen Sekunden wirkt er wie eine Kreuzung aus Zafar, Dahn Oud al Shams und Co. Ein wenig Käsefuß, ein wenig Kuhstall - alles was es so an animalischen Oudfacetten gibt. Darauf hatte ich zum Testzeitpunkt eigentlich gar keine Lust und ich muss den Reflex zügeln, zum Waschbecken zu laufen - und werde belohnt. Denn schon nach wenigen Sekunden legt sich dieser Eindruck und zurück bleibt eine authentische und verhältnismäßig unanimalische Oudnote, die sich vor allem durch einen Eindruck von Altöl, Holz und Erde auszeichnet. Eben so, wie eine solide, normale Oudqualität riecht.

Und genau hier liegt das Problem. Oud de Burgas riecht wie ein Oud, welches ich als guten Duftbestandteil beurteilen würde, aber nicht gut genug, um es pur zu tragen. Dafür fehlt etwas Schmelz und vor allem Facettenreichtum. Die Oudnote ist stumpf und verändert sich kaum, wohingegen ein gutes Oud vor tausenden Facetten nur so strahlt.

Das interessante an dem Duft ist die moderne Synthetik, mit der das Oud hier kombiniert wurde. Es bekommt einen etwas fluffigen Vibe, wird aufgelockert und die Weichheit, die dem Stoff von Natur aus fehlt, wird durch einen deutlich synthetischen Schleier erzeugt, was durchaus interessant ist.

Nach etwa 2-3 Stunden rieche ich Oud sogar nur noch hintergründig und zurück bleibt vor allem Iso E Super. Ich bin mir sicher, dass noch andere, moderne Chemiebausteine Verwendung fanden. Vielleicht etwas Cashmeran? Zumindest habe ich daran zuerst gedacht. Doch die Basis riecht vor allem nach Iso E Super, durch das immer mal wieder Oud hindurchschimmert.

Spannend! Natürlich harmoniert Iso E Super mit holzigen Noten, aber in dieser Verbindung ist es für mich neu. Doch das Oud knüpft an erstaunlich viele, olfaktorische Schnittpunkte an. Die leicht scharfen, fruchtigen und holzigen Facetten werden perfekt aufgegriffen und alles verstärkt sich hier gegenseitig. Iso E Super hat zudem eine gewisse Seidigkeit und Leichtigkeit, die Oud fehlt, doch die es spätestens in der Basis durch diese Harmonie erhält.

Ich bin kein Fan von monothematischen Oud-Düften. Das ist für mich einfach kein Parfum mehr. Wenn ich nur nach Oud riechen will, dann kaufe ich mir ein Oud, welchem nicht durch Alkohol ohnehin schon viel vom Charakter geraubt wurde und bekomme eine bessere Qualität für mein Geld.

Doch wenn man Oud schon als Tonangebende Note in einem sprühbaren Duft haben will, dann finde ich es hier durchaus schön interpretiert und empfehle allen Fans dieser Richtung dringend einen Test.


1 - 10 von 652