Sel de Vétiver 2006

Sel de Vétiver von The Different Company
Flakondesign Thierry de Baschmakoff
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7.5 / 10 314 Bewertungen
Sel de Vétiver ist ein beliebtes Parfum von The Different Company für Damen und Herren und erschien im Jahr 2006. Der Duft ist frisch-grün. Die Produktion wurde offenbar eingestellt.
Aussprache
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Duftrichtung

Frisch
Grün
Würzig
Holzig
Erdig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GrapefruitGrapefruit KardamomKardamom
Herznote Herznote
haitianisches Vetiverhaitianisches Vetiver LiebstöckelLiebstöckel RosengeranieRosengeranie
Basisnote Basisnote
MeersalzMeersalz IrisIris Ylang-YlangYlang-Ylang

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.5314 Bewertungen
Haltbarkeit
7.2236 Bewertungen
Sillage
6.0227 Bewertungen
Flakon
7.9204 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.325 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 12.04.2024.

Rezensionen

30 ausführliche Duftbeschreibungen
6
Sillage
6
Haltbarkeit
8
Duft
Friesin

54 Rezensionen
Friesin
Friesin
Top Rezension 34  
Glück kommt in Wellen

Salz auf der Haut, Wind im Haar, Wellenrauschen in den Ohren, das nenn ich Glück !

Komm' schon, zieh deine Schuhe aus, spür' den Sand zwischen den Zehen und lass endlich los !
Ja, wir müssen zurück - aber nicht jetzt, das hier kann uns keiner nehmen.
Nimm meine Hand und lass uns den Wellensaum entlang flitzen, bis uns die Puste ausgeht und dann lassen wir Steine flitschen .
Hier will ich sein, mit dir im Rücken und der Nase im Wind.
Denn wir dürfen nicht vergessen, wie es sich anfühlt auszubrechen!
Und nun küss mich, damit ich deine endlich lächelnden, salzigen Lippen schmecke.

Sel de Vétiver (The Different Company) ist für mich der erste Duft mit echter Meer- Assoziation.
Ich roch schon an Aquaten, die versuchten dieses frische Meeresklischee mit zitrischen Ingredienzien zu erreichen.
Oder algige Brackwasser Düfte, bei denen man eher an eine kaputte Waschmaschine, denn ans Meer dachte...
Wie eine schlechte Immitation wirkte das oft auf mich, ein Bild ohne Seele, es berührte mich nie.
Céline Ellena jedoch, ist es gelungen, mit Vetiver- Ylang-Ylang- und Irisnoten so zu spielen, dass das Ergebnis simpel zu benennen ist, ein Tag am Meer. Absolut authentisch. Und zwar kein Mittelmeer- Bikini- Tag, sondern ein Atlantik-Gummistiefel-Tag. Hier ist nichts süß oder strahlend oder zitronenfrisch, nein, hier kommt der Wind von vorne und pustet ordentlich durch. Im Gepäck Sand, Strandhafer und Gischt. Kardamom und Liebstöckel erkenne ich als würzigen Unterbau, der wohl auch den sinnlichen Eindruck sowie die Ursprünglichkeit suggeriert, denn dahin entwickelt sich der Duft auf der Haut.
Und über allem ist Salz, feuchtes Meersalz, jodig, fast ölig.
Für mich ist 'Sel de Vétiver' wie ein Kunstwerk, ich kann die Farben benennen, die werden dem Bild aber nicht gerecht. Es ist kein Abziehbild, kein plumper Versuch eines Klischees. Das ist echt, berührend, wunderbar.

Für alle mit Meerweh ist das ein perfekter Duft.

28 Antworten
10
Flakon
5
Sillage
5
Haltbarkeit
8
Duft
Sarungal

69 Rezensionen
Sarungal
Sarungal
Top Rezension 26  
Die Süßgras-Chroniken – Teil II: Sel de Vetiver
Das Süßgras und ich, wir sind ja sooo dicke miteinander - egal ob in Encre Noire, Lalique White, Terre d’Hermes, Vetiver Extreme, Kenzo Air Intense, Aedes de Venustas oder – homöopathischer dosiert – in Infusion d’Homme. So dicke Kumpels sind wir, dass ich das dringende Bedürfnis nach einem Seitensprung empfand (was möglicherweise meinen jüngsten Erfahrungen geschuldet ist: Da verdrosch mir ein besonders ungehobelter Vertreter der Gattung Süßgras gehörig den Riechkolben. Dennoch: selbst Heeleys Etüde Vetiver Veritas verfehlt ihre Wirkung auf mich nicht).

Mit wem ich fremdgehen wollte, war recht schnell geklärt: Die holde Iris hatte ich auserkoren, mir Lust zu bereiten. Ihren Reizen erlag ich in Pradas Infusion d’Homme, auch wenn das anfangs eine etwas antrainierte Übung war: Zu gering erschien die Kompatibilität zwischen ihrer lieblichen Pudrigkeit und meinem männlichen Selbstbild. „So’n Mädchenscheiß!“, schmähten meine Testikel, scheinbar völlig immun gegenüber dem Charme der Schwertlilie. Meine Nase wusste es besser: Sie verguckte sich in Pradas Infusion – zumindest so nachhaltig, dass die Finger bei der Duftwahl inzwischen immer wieder einmal magisch vom Flakon angezogen werden.

Kein Wunder, dass mich beim nächsten Bummel Bois d’Iris von TDC beinahe im Sturm erobert, bis… „Noch so’n Mädchenscheiß, und wir ziehen aus!“, konstatieren grimmig die Testikel, und ich Schwächling gebe nach – vorerst! Also sage ich stattdessen Grüß Gott zu meinem besten Kumpel (s.o.), der sodann in verschiedenen, mir völlig unbekannten Kompositionen antritt, meine Nase erneut zu beglücken. Ziemlich fesch paradiert er in Vétiver Fatal – aber nach meinen Erfahrungen mit seinem rauen Kumpel Veritas gibt er sich hier doch etwas zu bescheiden, gleichgültig, wie fatal er sich fühlen mag.

Schließlich kommt der Fachverkäufer meines Vertrauens mit einem weiteren Duftstreifen. Eine Kardamonwolke begleitet ihn, zitrisch umflort von einer adligen Grapefruit, die ihre Jugend auf einem englischen Elite-Internat verbracht haben muss: ein so präsentes Understatement will erst einmal gelernt sein. Daneben weht schon in der Kopfnote eine Prise Süßgras von der kultivierteren Sorte: Kein Wurzelsepp, sondern ein barbershop-freundlicher Genosse mit guten Manieren und Distinktion. (Na gut - vielleicht trägt er 3-Tage-Bart - trotz Barbershop - und Jeans zum Sacco; aber sonst: voll der Gentleman!)

Grapefruit an Vetiver – wie originell, denke ich im ersten Moment, und schicke ein Stoßgebet an den Vater der Parfumeurin, er möge jetzt nicht jeden Duft quasi genetisch verterrehermessen. Gott sei Dank wabert da noch der Kardamon im Geschehen: Die Tochter ist offensichtlich emanzipiert und schlägt mit der würzigen Schote den Bogen zur klassisch-seifigen Vetiver-Erzählung, - das zumindest denke ich und verlange entschlossen die Befeuchtung meiner Haut.

(Ich überspringe die analoge Entwicklung auf dem lebenden Objekt, den Kauf, die Heimfahrt und allen anderen Kram, der sich seither ereignete, und werde fürderhin bemüht sein, näher am Thema zu bleiben. Versprochen! Dass ich mich bemühe! Nicht, dass es auch klappt…)

Klassisch-seifig entwickelt sich der Duft natürlich nicht (auch wenn der Hauch einer Rosengeranie diesen Weg zumindest nicht verstellt). Stattdessen streut die Parfumeurin Salz auf die Grapefruit. Das prickelt gehörig und versetzt auch meinen Kumpel in Schwingung: Die Vetiver-Vibes werden stärker, der Duft seinem Namen gerecht. Ich betrachte meinen Unterarm und warte darauf, dass sich weißliche Salzablagerungen auf der Haut zeigen, als - gänzlich unerwartet – meine geschmähte Holde die Bühne betritt.

Ich wette, nicht einmal mein Fachverkäufer hat den Besetzungszettel dieses Schauspiels so genau im Kopf, als er mir Sel de Vetiver anbietet. Falls doch, ziehe ich meinen Hut vor seiner Expertise: Erst will der Kunde Iris, dann doch nicht, dann Vetiver (selbstverständlich neu erzählt) – und was macht mein Berater? Er zaubert Sel de Vetiver samt Iris aus dem Hut (den ich bei der Gelegenheit gleich nochmals ziehe!)

Was mich besonders beglückt ist die Tatsache, dass es einmal nicht die Kopfnote ist, die den Duft heraushebt: Der Start ist durchaus gelungen, aber frei von jedem echten Alleinstellungsmerkmal. Spannend wird es, wenn die Gischt ins Aroma sprüht und ihren Salzatem verbreitet; anders als es die Duftpyramide vermuten lässt, geschieht das recht früh (und mit einiger Wucht). Irgendwann aber glätten sich (beinahe buchstäblich) die Wogen, und die Salzattacke verebbt. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Meer, dessen Strände von vetiverbewachsenen Dünen gesäumt sind. Helles Treibholz, poliert von Wasser und Sand , liegt zwischen den Stängeln. Während die Sonne langsam sinkt, treiben im ablandigen Wind zarte Dunstschleier über die Dünen gen Meer. Sie überziehen die Halme des Vetivers mit einem Hauch von Süßwasser, umhüllen sie sanft und hinterlassen das ätherische Aroma der Iriswurzel.

Die Nacht bricht herein. Das Meer ruht still und schweigend. Frieden.

Was meine Testikel zu dieser Iris sagen? Mit Verlaub – die sind zwar schmerzempfindlich, aber nicht unbedingt sensibel; bislang haben sie noch gar nicht geschnallt, dass ich sie hintergangen habe. Lassen wir’s einfach dabei.

Bislang scheint die Haltbarkeit im guten mittleren Bereich angesiedelt, die Sillage hingegen wirkt ein wenig aquatisch-schwachbrüstig. Für die Dauer des Salz-Vetiver-Akkords ist das vielleicht umweltverträglicher, im weiteren Duftverlauf dann allerdings mehr als bedauerlich: für mich ist Sel de Vetiver einer jenen rar gesäten Düfte, die ihre Entwicklung in der Basis zur Vollendung führen.

The different company verzichtet beim Flakon auf jedes Brimborium und bedruckt den fast quadratischen Glaskörper mit schlichten schwarzen Lettern. Zusammen mit dem tonnenschweren Deckel sorgt das für einen sehr wertigen Auftritt frei von dramatisierenden Schnörkeln.

Für das Drama ist ja ohnehin die Salzeinlage zuständig. Wer sich mit ihr nicht befreunden kann, wird mit Sel de Vetiver sein Glück nicht finden. All’ Jene, die Lust haben auf eine Süßgrasbegegnung der etwas maritimeren Art, könnten hier fündig werden - auch wenn der Duft seine sperrigen Momente hat. Spätestens in der Basisnote aber offenbart Sel de Vetiver eine friedliche Schönheit von erlesenster Klasse.

Prädikat: besonders wertvoll!

PS: Das jemand wie ich, der tendentiell Linearität bei Düften nicht gering schätzt, sich so bereitwillig auf Sel de Vetiver einlässt, hat einen weiteren, sehr konkreten Grund: Das Wässerchen beherrscht „olfaktorisches Storytelling“ und nimmt den Träger mit auf eine erlebnisreiche Reise ans Meer…
3 Antworten
7
Flakon
7.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
9
Duft
Ormeli

65 Rezensionen
Ormeli
Ormeli
Top Rezension 27  
Etwas Salz auf der Haut …
Ein Tag am Meer, wobei es keine Rolle spielt, ob sturmumtoste Nordsee oder knackig heißer Adria-Strand, ist für eine Landratte wie mich stets etwas Besonderes. Alles wird intensiver. Farben und Gerüche, satter und deutlicher. Wo zuvor Eile, verfliegt alle Hast und ich möchte verweilen. Während Sel de Vétiver auf mich wirkt, bin ich in Gedanken an der Nordsee. Dabei hat selbstverständlich auch ein mediterraner Badestrand seine Verlockungen. Und doch zieht es mich an die raue, wilde See.

Ein paar Kilometer hinter den Dünen, der Wind rauscht in den Blättern der Pappeln und Weiden. Gedämpft dringt Kreischen und Lachen von Kindern an mein Ohr, die wohl gerade große Pause haben. Dicht an dicht stehen rote Klinkerhäuschen mit ihren an Schaufenster erinnernden, prächtig geschmückten, zum Blickfang herausgeputzten Frontseiten. Einfach nur pittoresk. Der auffrischende Wind stört mich kaum. Ich beobachte die Menschen, die wie fleißige Bienen den kleinen Marktplatz bevölkern. Möwen zanken sich um einen Leckerbissen. Völlig in Gedanken versunken rühre ich meinen Kaffee, da steht sie plötzlich vor mir.

Weißer Hut, das lange, dunkle Haar hochgesteckt. Sommersprossen im Gesicht. Der Blazer und das dünne Beinkleid stehen ihr gut. Die Jahre haben kaum Spuren hinterlassen.

Viel zu kurz war der Tag. Tang, Treibholz, Sand und Muscheln. Auch jede Menge Unrat, welchen ich ignoriere. So liegen wir schließlich in den Dünen, den Blick auf das wild heran rollende Meer, während die untergehende Sonne alles in ein seltsames Zwielicht taucht. So schön die Zweisamkeit, die uns viel zu selten gegönnt ist. Mit Sand in den Haaren und etwas Salz auf der Haut geht einer der wenigen sonnigen Tage zu Ende, an diesem wilden und rauen, vom Überlebenskampf gezeichneten Ort, den die Menschen dem Meer abgetrotzt haben, wohl wissend, dass es sich das Land irgendwann zurückholen wird.
-----
Ungezügelte Wildheit, ein rauer, fast herber Charme und doch strahlt Sel de Vétiver eine gewisse Sinnlichkeit aus. Faszinierend, die wohltuend warmen und beinahe herzhaften Akkorde, die mich ganz entfernt an Anis, dieses intensiv duftende, kleinblütige Kraut denken lassen, bevor schließlich der erdige Charakter überhand gewinnt.

Nur für einen kurzen Moment sind zitrische Aromen präsent, relativ lang hält sich Grapefruit. Doch schon verschafft sich die namensgebende Note Aufmerksamkeit. Ein Vétiver wie ich es noch nicht kannte. Nach rund zwei, drei Stunden, fügen sich Eindrücke mit ein, die ich an der See gesammelt habe, wenn der Wind aus Nord-Nord-West den Geruch der Brandung, des Meeres, das Salz in der Luft herüberträgt. Es bleibt jedoch bei einem kurzen Gastspiel.

Eine weiche, bunte, beinahe eigenwillige Kombination, die jetzt zusehends lieblicher wird. Der markante, gern als kantig und rau empfundenes Vetiver, flankiert von würzig-süßem Kardamom auf der einen und lieblich-blumigen, ätherisch schwebenden Ylang- Ylang auf der anderen Seite.

Iris und Vetiver. Im wahrsten Sinne die Wurzel dieses Duftes. Iriswurzel an sich, kaum wahrnehmbar, macht jedoch das Vetiver weicher, nimmt ihm von dem Herben und lässt ihn sanftmütiger erscheinen. Ganz am Ende, wenn man den Duft, direkt auf der Haut nicht mehr wahrnehmen, sonder nur noch erahnen kann, ist er leicht balsamig, fast weich, sowie eine winzig-kleine Spur seifig. Ein schönes Finale. Im letzten Drittel ähnelt er etwas Fleurs de Sel von Miller Harris.

Nach dem ganzen Meeresrauschen drängt sich mir die Frage auf, ist dies Wässerchen, von dem mir Meggi dankenswerter Weise ein Pröbchen überlassen hatte, etwa ein Aquat? Es riecht frisch und mit viel Phantasie erinnert es an die anbrandende See. Aber zu den typischen „Sauber und Rein“- Düften mit Meerestouch würde ich es nicht zählen, sondern eher erdig-frisch mit einer kleinen Patina. Oder einfach nur … etwas Salz auf der Haut.
22 Antworten
7.5
Flakon
5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 26  
Salz mit Beaufort acht
Nordatlantik, Spätherbst 1991. Gefreiter Meggi verlässt sein Funkschapp, um sich die Beine zu vertreten, wie immer dankbar dafür, dass das kleine Kabuff auf dem Achterdeck steht und nicht unten im Rumpf steckt wie bei den Grauschiffen. „Ischa ‘n büsch‘n kabbelich…“ denkt er angesichts des strammen Windes und kräftigen Seegangs in typisch norddeutscher Untertreibung. Mächtig hebt und senkt sich Dutzende Meter entfernt der Bug des (jedenfalls damals) Stolzes und einzig vernünftigen Schiffes der Bundesmarine. Endlich heimwärts nach dreimonatigem Törn.

Auf der Brücke, hier selbstredend eine Freiluft-Angelegenheit, steht der Wachhabende Offizier Leutnant Helge R. (alle Namen der Redaktion bekannt); heute (Stand Mai 2014) ist er der Kommandant. Vier Mann halten als Rudergänger den Kurs: Dem erfahrenen Obergefreiten Klaus K., einem stämmigen Ostwestfalen aus der Segelcrew, stehen drei Offiziersanwärter zum Festhalten des großen Rades zur Seite, wobei letztere damit tatsächlich mal zu irgendwas außer Reinschiff-Machen oder Potacken-Drehen (Kartoffeln schälen) zu gebrauchen sind.

An der Reling schaut der Funkmeister in die Wellen. Er hat Zeit dazu, denn wie viele Portepee-Unteroffiziere an Bord ist Oberbootsmann Martin B. durch eine hinreichende Zahl ihm zugeteilter Untergebener vor der Arbeit geschützt. Gleichwohl schätzen ihn die unteren Chargen sehr wegen seiner entspannt-undienstlichen Art - wer je von Y-Tours schanghait wurde, ist im Bilde. Im Gegensatz zu manchem Kollegen ähnlichen Dienstgrads, der die quasi-bewegungslose Dauer-Freizeit mit Fress-und-Sauf-Gelagen verbracht hat, würde ihm übrigens nach der Rückkehr nicht die Borddienstuntauglichkeit angedroht werden, sollte er nicht zügig in klar zweistelligem Kilo-Bereich abnehmen.

Eine große Woge hebt sich aus dem Wasser. Sie trifft das Schiff und steigt daran empor; Gischt bildet sich. Die wird plötzlich erfasst von einer heftigen Windböe. Der Funkmeister kann sich eben noch halb abwenden. Für einen Moment wirkt es, als sei sein Gesicht von einem Kranz feinster Tropfen umgeben, schon stürzt - SCHA-PLOSCH – das Wasser herab. Sekunden später scheint es ihm aus allen Poren zu laufen. Gelassen lächelt er und geht sich umziehen, denn nun hat er Salz auf der Haut.

„Salz auf der Haut“ - das verspricht uns SdV. Allerdings bin ich fast sicher, dass Madame Ellena andere Szenen im Sinn hatte. Vielleicht eine dem Meer entsteigende Weichzeichner-Nymphe. Ich gebe ja zu, dass mir beim Duft ebenfalls eher freiwilligerer Wasser-Kontakt in den Sinn kommt, als eine kalte Portion Ozean in die Fresse zu kriegen, doch ich konnte die Geschichte an dieser Stelle einfach nicht für mich behalten. Ich bitte daher um Verzeihung für die ausgeuferte Einleitung, die ich ansonsten allen see-nahen oder -affinen Parfumas/-os widme – Ihr wisst Bescheid!

Noch einige Worte zum Parfüm? Na gut: SdV startet ohne Gedöns als Vetiver-Duft, die Zitrusfrüchte und das Gewürz der Kopfnote runden allenfalls ab. Kaum überraschend in Anbetracht des Namens, möchte man meinen, aber das ist ja gelegentlich auch anders zu erleben.

Im Laufe der zweiten Stunde entsteht eine regelrecht minzige Frische. Gemeinsam mit der Salznote ist das nah dran am Gefühl, welches ein kalter, auflandiger Wind während der ersten Schritte nach draußen in der Nase erzeugt. Außerordentlich gelungen in der Tat dieser Eindruck von Meersalz, den das Vetiver im Verein mit der Zitrusfrucht unter Zuhilfenahme von ein wenig Phantasie des Trägers bietet. So lasse ich mich gerne hereinlegen. Das Camouflage-Salz, gepaart mit der Iris-Frische, entführt mich persönlich zweifelsfrei an die Nordsee, denn inmitten der kräftig salzhaltigen Luft kommt ab und zu eine leicht algige Brise vorbei, auf einzigartige Weise gleichermaßen muffig und frisch, wie es nur echter Seewind beherrscht.

Spätestens ab der sechsten Stunde bedarf es dann doch etwas mehr der Phantasie, den Salz-Eindruck aufrechtzuerhalten. Die Iris ist strenger geworden, boshafte Landratten-Nasen würden womöglich - selbige rümpfend - auf brackiges Hafenwasser verweisen. Das Vetiver hat einen stärkeren Dreh ins Holzige bekommen. Dennoch begleitet mich der Duft erinnerungsstark durch den Rest des Tages.

Fazit: Mal ehrlich - „Salz“ können mit ein bisschen Einbildungskraft auch andere Vetiver; ich denke etwa konkret an das Goutal-Cologne. Aber was soll’s: Tolle Idee, klasse umgesetzt!
13 Antworten
Redna

3 Rezensionen
Redna
Redna
Top Rezension 12  
Die Ruhe nach dem Sturm
Da Creed Original Vetiver einer der ersten Nischendüfte war, der mich sofort beim ersten Öffnen der Probe begeistert hat, war es für mich naheliegend, zunächst mal zahlreiche weitere Vetiver-Düfte zu testen - auch, wenn der oben genannte eigentlich gar nicht typisch für diese Richtung ist. So ist - Terras Empfehlung sei Dank - auch Sel de Vetiver auf meiner Liste gelandet. Da ich kurz vorher auch Heeleys Sel Marin gestestet hatte, den ich auch nicht schlecht fand, war die Verbindung aus Vetiver und Meer doppelt reizvoll.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Schon nach dem ersten Aufsprühen war mir klar, dass ich diesen Duft haben will. Ich habe ihn von Anfang an als für mich selbstverständlich empfunden. Warum das so ist, fällt mir gar nicht leicht, zu beschreiben.

Sel de Vetiver beginnt sehr frisch, die deutliche Grapefruit-Note lässt ihn die ersten Minuten spritzig und säuerlich erscheinen. Man merkt dabei aber bereits, dass es so nicht bleiben wird und der Duft wandelt sich schnell: Es folgt sehr deutlich wahrnehmbares Salz, das eine rauhe Textur verleiht. Es ergibt sich bei mir im Kopf das Bild von Meer, das sich direkt nach einem Sturm gerade wieder beruhigt hat. Ich fühle mich quasi auf einen ins Meer ragenden Holzsteg versetzt, auf dem man die ersten warmen Sonnenstrahlen nach einem Sturm genießt. Die Umgebung ist noch nass, von Salzwasser getränkt. Die Kombination mit dem Vetiver sorgt für das alte Holz oder dunkle nasse Holzplanken eines alten Schiffes oder eines Steges in diesem Bild. Gleichzeitig strahlt der Duft eine gewisse Wärme aus, als käme gerade die Sonne wieder hervor, die für eine Intensivierung der Duftwahrnehmung in der durch die Verdunstung noch kalten Luft sorgt.
Dort angekommen, ist die Veränderung nur noch marginal, was mich aber nicht im geringsten stört. Die Grapefruit-/Zitrusnoten verschwinden nach einiger Zeit komplett, was den Duft noch etwas wärmer werden lässt.
Vielleicht ist es gerade diese Kombination, die ich so toll finde: Einerseits repräsentiert der Duft rauhes, frisches Meer, andererseits wirkt er kein bisschen ungemütlich. Einerseits ist er ganz sicher kein runder, weicher, gefälliger Wohlfühl-Kuschelduft, andererseits ist er kein bisschen aggressiv oder unangenehm, in seiner Rauheit doch sehr stimmig und rund.

Sel Marin und Sel de Vetiver sind übrigens, trotz Überschneidungen in Duftnoten und Thema, zwei gänzlich unterschiedliche Düfte: Sel Marin ist im klassischen Sinne aquatisch, sehr kühl, es dominieren Algen und er enthält meerestypische Duftnoten, die vielleicht nicht jeder als angenehm empfinden wird. Ich empfinde sie als passend und den Duft durchaus auch als spannend, sehe ihn in erster Linie im Sommer. Das Salz spielt in Sel de Vetiver eine größere Rolle, der auf mich durch den Vetiver "dunkler" und etwas voller, schwerer wirkt...eher etwas für Herbst und vielleicht Frühling.

Die ersten Stunden ist die Silage von Sel de Vetiver in meinen Augen genau richtig: Deutlich wahrnehmbar, nicht aufdringlich. Von der Haltbarkeit der Projektion her würde ich mir ein wenig mehr Ausdauer wünschen. Nach 5-6 Stunden nehme ich ihn hautnah noch sehr deutlich wahr, die Projektion hat dann aber schon spürbar gelitten.
Derzeit habe ich noch eine Abfüllung. Neigt sich diese zur Neige, wird definitiv ein Flakon folgen. Sel de Vetiver ist einer meiner beiden Standarddüfte für diesen Herbst geworden.
6 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

46 kurze Meinungen zum Parfum
SchoeibksrSchoeibksr vor 3 Monaten
6
Sillage
7
Haltbarkeit
6.5
Duft
Die Grapefruit-Vetiver Kombi wird von mehreren Übeltätern vermiest :
Indische Kardamomwürze + Salz
Süß-cremiges Ylang (& Vanille ?)
:(*
30 Antworten
FriesinFriesin vor 3 Jahren
6
Sillage
6
Haltbarkeit
8
Duft
Salz auf unserer Haut
Liebe in den Dünen
Ursprünglich, salzig, grün, ein bisschen schmutzig, frei und völlig kitschbefreit.
22 Antworten
JeobJeob vor 8 Monaten
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Ansingen gegen Wellenrauschen.
Geruch salzigen Grases am Körper,
Saft einer Grapefruit an den Fingern.
Jede Leerstelle im Denken auskosten.
38 Antworten
MefunxMefunx vor 4 Jahren
7
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
7.5
Duft
Die mineralische Facette des Wurzelwerks betont, trocken wie Salz, dabei von filigraner, tropisch-floraler Cremigkeit. Respekt, keine Liebe.
11 Antworten
TerraTerra vor 6 Jahren
9
Flakon
8
Sillage
7
Haltbarkeit
10
Duft
Grasig-grün, leicht würzig. Maskulin, natürlich, knarzig - aber doch frühlingshaft, heiter und hell. In der Basis sehr sinnlich auf der Haut
5 Antworten
Weitere Statements

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So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Sel de Vétiver

Terra:Ich habe mir jetzt schon zwei Flakons der Collection Excessive zerbrochen bei dem Versuch, an den Inhalt...
Merangel in Beratung
...oh, wie großartig!! Ich danke euch sehr für die Vorschläge und Tipps...ich freue mich sehr darauf jedem einzelnen nachzugehen und werde berichten......
Faria in Unisex-Parfum
Genau, und er riecht m.E. nach sogar noch einen Tick besser. Tut es meiner Meinung nach nicht und es ähnelt "Original Vetiver" nur am Anfang....

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