15.01.2023 - 03:40 Uhr

Pollita
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Pollita
Top Rezension
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Die heimliche Chefin des Hauses
Unmittelbar nach der Uni verschlug es mich in ein anderes Bundesland. Ich bekam eine Chance für den Berufseinstieg, und diese wollte ich nutzen. Ich wohnte damals in einem sehr alten Haus in nicht der allerbesten Gegend der nordhessischen Stadt in einer klitzekleinen 1-Zimmer-Wohnung, aber es war gemütlich, nicht fern von meinem Arbeitsplatz und schön zentral. Schon bei der Wohnungsbesichtigung mit dem Makler war die Nachbarin, Frau S., immerzu mit dabei. Sie schien alles zu wissen und zu kennen, was im Haus passierte. Eine ältere Russlanddeutsche mit scharfem Verstand und einem großen Herzen. Verbergen konnte vor ihr tatsächlich keiner etwas.
Als ich heute fast, 20 Jahre später, White Diamonds Lustre von Elizabeth Taylor zum ersten Mal unter der Nase habe, da macht es unmittelbar klick und ich stehe wieder im Hausflur. Ich krame nach meinem Wohnungsschlüssel und – zack – geht daneben die Türe auf, sie strahlt mich an und fragt mich, ob ich heute noch „zu Pferd“ oder „zu Tanz“ gehe. Das war lustig. Sie wusste von meiner Reitbeteiligung und bekam es natürlich auch mit, dass ich abends an den Wochenenden von meinen Freunden abgeholt wurde und es uns in die Clubs zog, in denen alternative Musik gespielt wurde.
Ja, ihr Duft war unverkennbar, stark und raumfüllend. Überhaupt passte er hervorragend zu ihrer Präsenz. Auch wenn es White Diamonds Lustre gar nicht gewesen sein kann, denn dieses Parfum, das wohl auch schon wieder eingestellt ist, wurde tatsächlich erst 2014 lanciert. Unter ähnlich finde ich Byblos, woraus ich schließe, dass sie wohl diesen Klassiker, den ich leider nicht kenne, getragen haben muss.
Dieser White Diamonds Lustre hätte aber mindestens genauso gut zu ihr gepasst. Wuchtig-blumig kommt er daher, raumfüllend, stark und dabei auch ein bisschen liebevoll und weich, fast umarmend. Die Früchte nehme ich nicht bewusst wahr, dafür Orangenblütenpower at ist best. Und dass Birnen und Orangenblüten gut harmonieren, beweist ja auch mein wundervoller Safanad. Doch Safanad ist gegen White Diamonds Lustre fast so brav wie ein Schulmädchenduft. Dieser Taylor ist eine duftende Granate. Das muss man schon mögen. Und Frau S. tat es, denn sie pflegte, sich stets großzügig mit ihrem Parfum einzusprühen. Wenn sie den Raum verlassen hat, blieb ihr Duft oft noch sehr lange.
Zum Auszug schenkte sie mir einen Flakon Fendi. Die Sorte Chypre, die ich tatsächlich niemals tragen würde. Trotzdem habe ich mich gefreut, da sie wohl gemerkt hat, dass ich auch ganz gerne dufte.
Oh ja, sie war eine gute Seele.
Lieben Dank an Medusa00 für die Testmöglichkeit.
Als ich heute fast, 20 Jahre später, White Diamonds Lustre von Elizabeth Taylor zum ersten Mal unter der Nase habe, da macht es unmittelbar klick und ich stehe wieder im Hausflur. Ich krame nach meinem Wohnungsschlüssel und – zack – geht daneben die Türe auf, sie strahlt mich an und fragt mich, ob ich heute noch „zu Pferd“ oder „zu Tanz“ gehe. Das war lustig. Sie wusste von meiner Reitbeteiligung und bekam es natürlich auch mit, dass ich abends an den Wochenenden von meinen Freunden abgeholt wurde und es uns in die Clubs zog, in denen alternative Musik gespielt wurde.
Ja, ihr Duft war unverkennbar, stark und raumfüllend. Überhaupt passte er hervorragend zu ihrer Präsenz. Auch wenn es White Diamonds Lustre gar nicht gewesen sein kann, denn dieses Parfum, das wohl auch schon wieder eingestellt ist, wurde tatsächlich erst 2014 lanciert. Unter ähnlich finde ich Byblos, woraus ich schließe, dass sie wohl diesen Klassiker, den ich leider nicht kenne, getragen haben muss.
Dieser White Diamonds Lustre hätte aber mindestens genauso gut zu ihr gepasst. Wuchtig-blumig kommt er daher, raumfüllend, stark und dabei auch ein bisschen liebevoll und weich, fast umarmend. Die Früchte nehme ich nicht bewusst wahr, dafür Orangenblütenpower at ist best. Und dass Birnen und Orangenblüten gut harmonieren, beweist ja auch mein wundervoller Safanad. Doch Safanad ist gegen White Diamonds Lustre fast so brav wie ein Schulmädchenduft. Dieser Taylor ist eine duftende Granate. Das muss man schon mögen. Und Frau S. tat es, denn sie pflegte, sich stets großzügig mit ihrem Parfum einzusprühen. Wenn sie den Raum verlassen hat, blieb ihr Duft oft noch sehr lange.
Zum Auszug schenkte sie mir einen Flakon Fendi. Die Sorte Chypre, die ich tatsächlich niemals tragen würde. Trotzdem habe ich mich gefreut, da sie wohl gemerkt hat, dass ich auch ganz gerne dufte.
Oh ja, sie war eine gute Seele.
Lieben Dank an Medusa00 für die Testmöglichkeit.
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