"Höre, Meister der Düfte!", sprach der Herrscher. "Ich beabsichtige ein Fest zu geben, das natürlich von einem großen Ball gekrönt werden soll.
Meine liebreizende Gemahlin benötigt dafür ein neues Duftgewand - deshalb bin ich hier!
Aber bedenke: farblich nichts Dunkles, nichts Schweres, nichts Grelles oder Lautes. Aber bitte auch nichts Fades oder Langweiliges.
Meine geliebte Gemahlin ist immer noch fein und zart und tanzt wie eine Feder!
Meister der Düfte! Zeige, was Du kannst!"
Der Meister der Düfte bedachte diese Aufgabe, ja Herausforderung lange. Dann befahl er seinen Gehilfen, Körbe und Jutesäcke zu nehmen und ging mit ihnen hinaus.
Sie streiften durch Gärten und Wiesen, Felder und Wälder.
Die Behältnisse füllten sich mit den unterschiedlichsten Dingen: Früchte und Blüten, Hölzer und was sonst noch bemerkenswert schien.
Diese Schätze wurden auf den langen Holztischen in der Werkstatt von dem Gehilfen mit den geschickten Händen sortiert. Während dies geschah, prüfte der Meister noch seine geheimen Schätze in der alten Holztruhe: wertvolle Gewürze, Öle und Harze bewahrte er dort auf. Duftende Preziosen aus einer anderen Welt!
Als all das getan war, setzte er sich an einen der großen Tische und dachte nach.
Seite um Seite füllte er mit Notizen, rechnete, wog ab, verwarf.
Die Entscheidung fiel auf Dufttöne aus Weiß und Gelb, natürliche Erd- und Holztöne.
Über das "gewisse Etwas" würde er während der praktischen Komposition noch nachdenken.
Schließlich schloss er eigenhändig die Tür zu seiner Werkstatt und begab sich zu seinem Duft-Webstuhl.
Diesen konnte nur er allein bedienen.
So webte er einen Auftakt aus Bergamotte, Mandarinen und verschiedenen zitrischen Noten; gab großzügig und doch weise die Herz und Seele berührende Neroli- und Orangenblütendüfte hinzu.
Das alles war noch zu leer: Harz- und Holzaromen mussten her.
Das Non Plus Ultra der Kopfnote bildeten glitzernde, lebendig tanzende Aldehyde!
So weit - so gut!
Ein Korb voll weißblühender Schönheiten aus den Gärten stand neben dem Webstuhl: edel waren sie und so absolut weiblich! Würdig der Gattin eines Herrschers!
So verwob er, während er leise sang, Schwertlilie und Narzisse mit Tuberose und Ylang Ylang: oh, wie das jetzt schon duftete!
Die königliche Rose unterwarf sich genauso bereitwillig dem von ihm bestimmten Duftmuster, wie der immer etwas aufmüpfige Jasmin. (Der Bengel konnte seine bäuerliche Herkunft nicht verleugnen!)
Früchte, Harze und Holz, vermählt mit traumhaften Blütendüften verlangten nun aber nach etwas goldig Wertvollem: Honig musste her!
So wurde dieses Duftgebilde harmonisch rund und weich, balsamisch.
Dieses doch noch sehr luftige Gewebe benötigte aber dringend noch etwas Erdung; es war zu transparent, zu fein.
Jetzt kam es auf die Schätze aus der geheimen Truhe an: edle Hölzer, Eichenmoos und Vetiver bildeten eine erste Basis. Gewürznelke, Sandelholz und Patchouli brachte würzige, sinnliche Tiefe in den Duft.
Verlockend duftete es bereits: noch fehlte aber etwas Erotik, die der reizvollen Dame schmeicheln sollte.
Warme sämige, fast dickflüssige Vanille wurde mit einigen Tropfen Bay-Rum versetzt, Moschus und Bibergeil beigefügt. Oh, wie schön!
Die Krönung fehlte aber noch: was konnte das wohl sein?
Amber und Zibet bilden hier einen unvergleichlichen Abschluss.
Hier und da wurde noch ein bisschen nachgebessert, bis endlich ein Gewebe von großem Duftreichtum und edler Ausstrahlung vollendet war!
"Ysatis" heißt das märchenhafte Gewand, das aus diesen einzelnen Duftbausteinen so wunderbar gewebt wurde.
Ein nicht alltägliches Duftgeschmeide, das elegant und sinnlich begleitet und verlockt.
Geschaffen von einem Meister, der Frauen liebte und sie nur auf das Schönste schmückten wollte.
Langanhaltend und reichhaltig ist diese Duftkreation.
Sollte sich keine außergewöhnliche Gelegenheit ergeben: "Ysatis" begleitet gern auch normale Tage.
Aber auch dann gilt: It's wonderful!
Wenn ich den Duft nicht bereits in meiner Sammlung hätte, dann würde mich allein die Neugier nun zum Kauf verführen. Was bist Du nur für eine zauberhafte Märchenerzählerin :-)). Einfach wundervoll !!!
Sehr aussagekräftiger Kommentar, kann mir den Duft jetzt sehr gut vorstellen. Und schön, dass du die einst so gebräuchliche, aber heute leider so seltene Metapher des Webens so trefflich wiederbelebt hast. Gefällt mir sehr gut.
Auf einer wundervolle Duftreise durfte ich mit deinem Kommentar unterwegs sein, danke dafür. So exzellent wie deine Duftbeschreibung ist auch Ysatis selbst, ich trage dieses edle Gewand sehr gern.
Wunderschön beschrieben :-).... ich habe schon seit vielen Jahren das Extrait.....und da bei diesem - selbst mir - zwei Tropfen genügen, wird es wohl noch ein paar weitere Jahre bei mir verbringen :-)....
Ein berauschender Duft für ein rauschendes Fest.