Van-Île Jacques Zolty 2014
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Top Rezension
Will von der Leine gelassen werden
Ein kurzes, zuckrig-florales Huschen, Vanille der blumigen Art, Heliotrop aus der Gärtnerei Oetker; dann…nanu? Eine Spur Dreck darin. Die Säure erinnert außerdem für einen Moment an die Speckigkeit der Mona-Vanille.
Die Deutung dessen liegt auf der Hand: Das Patchouli, obwohl nicht der Hauptdarsteller, gibt charakterlich alles. Dies wird kein Schmeichler. Ich rieche zwar süße Orange (na ja, eher Mandarine…) und meinetwegen Mandel, dazu weich-cremige, florale Noten mit lediglich leichtem Heliotrop-Stich – und doch wird alles verernsthaftet von einer säuerlich-speckigen Note an der Schwelle zum Rauch.
Besagter Gegensatz begleitet mich durch den Vormittag. Mit einem derart kräftigen Widerpart kann die Vanille nebst Konsorten ordentlich pieksiges Heliotrop wagen, gar eine Zehe in – an und für sich – schwülstige Floralität setzen.
Und die Grenzen werden sattsam getestet. Für sich allein empfände ich das als schwer erträglich, sicherlich als Vanille-Fiesling, aber in der Kombination ist es spannend. Mir kommt erneut die (freilich etwas überdrehte) Mona-Vanille in den Sinn. Kein Duft-Zwilling(!), bloß ebenfalls eine Vanille mit äußerst haarzähnigen Kontrahenten.
Um die Mittagszeit entfaltet das Patchouli Ambitionen, sich dem Leder zu nähern. Dass die Vanille, sozusagen in vorauseilendem Gehorsam, dunkler und unfloraler geworden ist, passt prima. Offenbar haben die Kabbeleien ein Ende. Dieser ein bisschen harmonischere, dennoch markante Teil des heutigen Kandidaten gefällt mir am besten.
„Allerdings“ und „Leider“…
Zum „Allerdings“: Allerdings funktioniert der konträre Auftritt nur, wenn das Patchouli auch per hinreichend beherztem Auftrag tatsächlich von der Leine gelassen wird. Wer zu zaghaft vorgeht, gelangt stattdessen zügiger zum…
…„Leider“: Leider verlässt Van-Île das Hoch-Plateau wieder. Am fortschreitenden Nachmittag und Abend stört mich nämlich eine Plastik-Note, welche die Vanille gleichsam verhunzt und zudem auf einer Art süß-karamelligem „Werther’s-Echte“-Aroma an der H-Sahne-Klippe herumturnt. Besonders moschus-mäßig finde ich den Duft zu keiner Zeit. Animalisch noch weniger, außer, es ist vielleicht eine Gummi-Ente gemeint.
Fazit: Schade, dass der Schluss so unschön wird. Der vordere Teil gefiel mir recht gut.
Ich bedanke mich bei Ergoproxy für die Probe.
Die Deutung dessen liegt auf der Hand: Das Patchouli, obwohl nicht der Hauptdarsteller, gibt charakterlich alles. Dies wird kein Schmeichler. Ich rieche zwar süße Orange (na ja, eher Mandarine…) und meinetwegen Mandel, dazu weich-cremige, florale Noten mit lediglich leichtem Heliotrop-Stich – und doch wird alles verernsthaftet von einer säuerlich-speckigen Note an der Schwelle zum Rauch.
Besagter Gegensatz begleitet mich durch den Vormittag. Mit einem derart kräftigen Widerpart kann die Vanille nebst Konsorten ordentlich pieksiges Heliotrop wagen, gar eine Zehe in – an und für sich – schwülstige Floralität setzen.
Und die Grenzen werden sattsam getestet. Für sich allein empfände ich das als schwer erträglich, sicherlich als Vanille-Fiesling, aber in der Kombination ist es spannend. Mir kommt erneut die (freilich etwas überdrehte) Mona-Vanille in den Sinn. Kein Duft-Zwilling(!), bloß ebenfalls eine Vanille mit äußerst haarzähnigen Kontrahenten.
Um die Mittagszeit entfaltet das Patchouli Ambitionen, sich dem Leder zu nähern. Dass die Vanille, sozusagen in vorauseilendem Gehorsam, dunkler und unfloraler geworden ist, passt prima. Offenbar haben die Kabbeleien ein Ende. Dieser ein bisschen harmonischere, dennoch markante Teil des heutigen Kandidaten gefällt mir am besten.
„Allerdings“ und „Leider“…
Zum „Allerdings“: Allerdings funktioniert der konträre Auftritt nur, wenn das Patchouli auch per hinreichend beherztem Auftrag tatsächlich von der Leine gelassen wird. Wer zu zaghaft vorgeht, gelangt stattdessen zügiger zum…
…„Leider“: Leider verlässt Van-Île das Hoch-Plateau wieder. Am fortschreitenden Nachmittag und Abend stört mich nämlich eine Plastik-Note, welche die Vanille gleichsam verhunzt und zudem auf einer Art süß-karamelligem „Werther’s-Echte“-Aroma an der H-Sahne-Klippe herumturnt. Besonders moschus-mäßig finde ich den Duft zu keiner Zeit. Animalisch noch weniger, außer, es ist vielleicht eine Gummi-Ente gemeint.
Fazit: Schade, dass der Schluss so unschön wird. Der vordere Teil gefiel mir recht gut.
Ich bedanke mich bei Ergoproxy für die Probe.
14 Antworten
Sweetsmell75 vor 8 Jahren
ich fand den ganz toll ... aber so richtig gepasst hatte er dann doch nicht zu mir
Jumi vor 8 Jahren
Ende gut, alles gut - träfe hier wohl auch zu, wenn bloss die Ente nicht wäre :)
Azahar vor 8 Jahren
Ich habe gestern an meiner in der Sonne stehenden Gummiente geschnüffelt (denn ich habe die blöde Angewohnheit an so ziemlich allem zu schnüffeln) und fand das Ding riecht irgendwie lecker....
Inger vor 8 Jahren
Für einen Kauf hat's bei mir nicht gereicht!
Pluto vor 8 Jahren
Ich lass dir eine Gummiente zu Wasser Herr Müller-Lüdenscheid :o)
Can777 vor 8 Jahren
Alsooo! Ich nehme die Ente. Aber heute ohne Duft. Das ist nicht mein Schema.
MisterE vor 8 Jahren
1
Naja. Was bringt der tolle Anfang mit einwm miesen Ente ?
Ergoproxy vor 8 Jahren
Ich fand die animalische Gummiente recht charmant, aber kein Kaufkandidat für mich.
Palonera vor 8 Jahren
Ich hab' mir die Vanille im März aus Bozen mitgebracht, bisher aber noch kein Näschen genommen - mal sehen, wie weit unsere Eindrücke diesmal übereinstimmen.
Gschpusi vor 8 Jahren
Treffend beschrieben, für mich ist das "Ende" auch nicht so schön.
MarWic vor 8 Jahren
Von mir bekam diese Zitronen-Würz-Vanille volle Punktzahl-selten einen so spannenden Vanille-Duft getestet-von Gummi-Ente keine Spur.....
Yatagan vor 8 Jahren
Klingt nicht so ganz nach Merkliste...
Gelis vor 8 Jahren
Bin sowas von überhaupt nicht neugierig auf diesen Duft... Schließe mich Seerose an, Eichenmoos klingt unpassend, aber Du scheinst ihn auch nicht bemerkt zu haben.
Seerose vor 8 Jahren
Da steht: Eichenmoos, stelle ich mir unharmonisch vor in diesem Duft, oder ist es nur so als Vorschlag gelistet, oder vielleicht als Gummiente getarnt?

