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Cuir Cordoba von Keiko Mecheri

Cuir Cordoba 2007

Meggi
15.11.2016 - 14:13 Uhr
21
Top Rezension
6.5Duft 5Haltbarkeit 4Sillage 8Flakon

Leder-Impressionen

Ein beeriger, rotfruchtiger Spritzer wird rasch gefolgt von einem beinahe aquatisch-maritimen Luftstoß. Sollte das Iris sein (die vom Hersteller nicht genannt wird), wäre sie völlig ent-bittert. Ist auch egal, besagter Luftstoß wird nämlich sogleich von Patchouli aufgeraut. Letzteres bringt eine erste Möglichkeit von Leder mit. Daneben entsteht eine Spur harzig-kompakter Süße, eine Ahnung einer Andeutung einer Idee von – Grießbrei mit Himbeer-Soße? Alles in einer ganz dicht gewobenen, sanft changierenden Melange.

Nach einer Viertelstunde eine blütig-metallische Anmutung, wie sie Orangenblüte oder Lavendel erzeugen können. Ich rede nicht von deren speziellen Aromen, bloß vom Prinzip floralen Metalls. Hinzu tritt eine cremige Süße, einerseits ähnlich Honig, andererseits auf Patchouli aus der Kakao-Ecke fußend.

All das mag in Teilen an Leder erinnern, es liegt tatsächlich jene nicht alternativ beschreibbare Aura in der Luft, die von feinem Leder abgesondert wird. Doch die diesen Eindruck gewährenden Zutaten verleugnen ihre Herkunft jeweils nicht, bleiben erkennbar das, was sie eigentlich sind. Bieten nur ein impressionistisches Geruchs-Bild von Leder.

Für die folgenden zwei, drei Stunden mag ich kaum von Duftverlauf sprechen, der Teppich ist ausgebreitet. Allenfalls ließe sich diagnostizieren, dass zum einen die Süße gelegentlich das Mandelhaft-Marzipanige streift (vielleicht eine Hommage an den Erdal-Schuhcreme-anno-ca-1980-Akkord? Leder will gepflegt sein!) und zum anderen als Teilnehmer der floralen Ecke allmählich das Veilchen plausibel wird – mithin bringt sich ein weiterer potentieller Leder-Lieferant in Stellung.

Aber so recht ledrig will es auch im Fortgang nicht werden. Ab der dritten Stunde ließe sich diesbezüglich in wohlwollender Analogie zum oben erwähnten Impressionismus verfahren und von fruchtfloral-behauchtem Als-ob-Leder sprechen; allerdings wäre im Rückgriff auf einen ebenfalls bereits geäußerten Gedanken eine Duft-Beschreibung wie ‚Grieß-Vanille-Pudding mit Himbeersoße, serviert in der Naturholz-Schale aus echter Zeder‘ nicht minder fundiert vertretbar. Während des Vormittags lässt außerdem die Intensität von Cuir Cordoba – ohnehin kein Sillage-Monster – schon merklich nach und erreicht spätestens in der dritten, vierten Stunde praktisch Hautcreme-Niveau.

Dem Duft ist zugute zu halten, dass er nie pappig-süß wird. Als Ausgleicher hält sich zunächst zuverlässig die klare Holznote, deren Luftigkeit durchaus mit Iris aufgepimpt sein mag. Scheint mir übrigens generell ein probates Mittel, helles Kunstholz edler und unsynthetischer wirken zu lassen. Dass das leider nicht häufiger gemacht wird, liegt wahrscheinlich daran, dass die billigen Holznoten dann halt nicht mehr billig wären.

Im letzten Teil – um die Mittagszeit – übernimmt eine pudrig-luftige Iris-Note den Part eines Gegengewichts und unterstreicht damit nebenbei die Vermutung des vorigen Absatzes. Die florale Süße gerät erfreulicherweise sogar ins Hintertreffen. Nach rund sechs Stunden ist de facto Schluss.

Fazit: Cuir Cordoba offenbart die gesamte Palette seiner Aromen wohl einzig der Trägerin oder denjenigen, die ihr ziemlich nahe kommen dürfen. Mit etwas Abstand ähnelt er einer floral-süßen Hautcreme. Wer derlei sucht und zudem einen unleugbaren Anstrich von Exklusivität (einschließlich schicken Bembels und stolzen Preises) wünscht, wird bestens bedient.

Ich bedanke mich bei MisterE für die Probe.
13 Antworten
CravacheCravache vor 9 Jahren
Mit Copy&Paste-Keiko hab ich es nicht so. Auch dieser Mecheri ist nicht besonders kopiert :)
FeliniFelini vor 9 Jahren
Viele schöne Worte um nicht allzuviel Duft - mich hat noch kein Mecheri überzeugt, dabei hören sich die Zutaten häufig verlockend an. Auch gut, Geld gespart. Spar-Pokal.
VerbenaVerbena vor 9 Jahren
Gähn..... also der Duft. Allerdings bewundere ich ehrlich Deine Energie, ihm so viele Worte zu widmen. ;-)
ErnstheiterErnstheiter vor 9 Jahren
Cordobanleder hab ich lieber an den Fuessen als auf der Haut. Mein Lederfavorit ist Bel Ami, der passt so gut in die kalte Jahreszeit.
PaloneraPalonera vor 9 Jahren
Ein Lederduft also für jene, die eigentlich kein Leder mögen, aber meinen, sie müßten der Vollständigkeit halber auch Leder in der Sammlung haben, ;-).
PlutoPluto vor 9 Jahren
Also bis auf die schwache Sillage klingt der nicht übel :o) und kein Schinken sein!
MisterEMisterE vor 9 Jahren
Nun ja, in Einbeziehung des Anstriches von Exklusivität ist der Duft eindeutig durchgefallen. Schlecht gemacht habe ich ihn nicht empfunden. Aber für einen Schuh- und sonstigen Cremeduft absolut nix besonderes...
MarWicMarWic vor 9 Jahren
Erdal-Schuhcreme ,au weia, keine schöne Empfindung.....
JumiJumi vor 9 Jahren
Einen Bembel für deine geschickte Aufdröselung dieses Möchtegern-Lederdufts :)
Sweetsmell75Sweetsmell75 vor 9 Jahren
cremig ... etwas Leder ... naja... wir sind und mal einig :)
YataganYatagan vor 9 Jahren
Wir sind uns einig. !
GschpusiGschpusi vor 9 Jahren
Hm.. Hautcreme vertrage ich leider nicht jede x-beliebige. Ich mag bzw brauche es dann doch etwas "besser"
ErgoproxyErgoproxy vor 9 Jahren
Ich fand den irgendwie fad und zu unledrig. :)