
Chizza
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Chizza
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17
Tierischer Tristan
Tristan & Isolde, einer der bekanntesten mittelalterlichen Erzählungen. Von vielen
Erzählt, sogar als Oper inszeniert, im deutschsprachigen Raum schlicht ein Klassiker. Doch hier sind wir in Aicha vorm Wald und so erzählen wir keine Geschichte von zwei Liebenden, mit denen es das Diesseits wenig gut meinte:
Wensker wurde zu einem Einsatz gerufen, es ging um eine Entführung. Schubert und Haller waren bereits vor Ort doch parkten dämlich. So konnte Schubert dank Baum neben der Tür nicht aussteigen, fesselte Haller mit den Handschellen ans Lenkrad und so führte man erste Befragungen aus dem Dienstwagen heraus.
„Grüß euch, Männer. Was ist passiert?“
„Dem Bauer Erwin wurden seine zwei Husumer Landschweine entwendet.“
„Dachte, der Züchtet nur Angler Sattelschweine?“
„Nein, die Kinder reiten meist mit Sattel auf den Schweinen.“
„Achso und wer wurde jetzt entführt?“
„Ja, der Tristan und die Isolde?“
„Die Kinder??“
„Nein, die heissen Eggi, Kurzform für Egbert und Maike, Kurzform für Maike. Es geht um die Husumer Landschweine. Korrekt eigentlich als rotbunte Husumer Schweine zu bezeichnen.“
„…was riecht hier eigentlich so??“
„Äh…Sie. Ist das ein neues Parfum?“
„Ja, stimmt. Hatte mir vom Pierre Cardin ein 12er-Pack Socken gekauft, da gab es den dazu. Riecht für mich jetzt erst mal nach seifigem Leder. Alte Schule, Knize Ten, das sind so Stichworte, die mir einfallen. Aber kurz zu den Tieren: also die sind entführt wurden? Gibt es eine Art Erpresserschreiben?“
„Ja, in der Tat. Dort stand, dass diese Tiere als heilig zu betrachten sind und nicht verzehrt werden dürften. Unterzeichnet von der lokalen Kombaigruppe.“
„Ah, ich kenn nur Mortal Kombat. Wenigstens können wir unsere Einwohner mit nahöstlichem Migrationshintergrund ausschließen, was?“
Schweigen.
Schweigen.
Schweigen.
„Ok, Wensker, kurz zum Duft: der startet wie genau?“
„Man bemerkt direkt dieses Leder der alten Schule. Leicht derb aber schnell ummantelt von seifigen Nuancen und noch mehr Aldehyden, so scheint es mir. Fast schon leicht frisch-fruchtig, auf jeden Fall aber gefällig auf den ersten Blick. Doch die derben Elemente zeigen sich alsbald und das Leder wird grün-bitterer.“
„Alles klar, also die Kombai, woher kommen die?“
„Indonesien.“
„Na! Was ein Zufall! Da kommen die Tjoengs doch ursprünglich her. Über Holland halt.“
„Als hätte man den Fall geschrieben.“
„Ja gut, so seicht, das würde im Vorabendprogramm sicher gehen. Aber nichts für Freunde des Feuilletons, eher der Großbuchstaben. Warten wir die weitere Entwicklung des Duftes ab und trinken einen Kaffee, bevor Sie die Tjoengs festnehmen, Kommissar?“
„Ich hatte den Duft schon mal drauf, da tut sich von der Entwicklung her nicht viel. Nach mehreren Stunden wird die Intensität geringer, die begleitenden Noten entschwinden und zurück bleibt zahmes Leder, begleitet von einem raren Hauch an Seifigkeit. Bin dann mal zu den Tjoengs.“
Später im Revier: „Na, alle verhaftet, Wensker?“
„Wissen Sie, Frau Direktorin, angeblich gehört Kannibalismus zu deren Religion und da hab ich mir eher gedacht, wir tauschen Schubert und Haller gegen Tristan und Isolde ein…“
Tristan bietet 2000 das, was viele andere Düfte Jahre respektive Jahrzehnte zuvor geboten haben. Fast ist er als Hommage zu verstehen. Ich jedenfalls empfinde Tristan als gelungen, jedoch nicht als herausragend aus Bel Ami, Knize und Konsorten. Insofern schade aber kein schmerzlicher Verlust. Zumal die Haltbarkeit auch - gelinde gesagt - ausbaufähig zu sein scheint.
Erzählt, sogar als Oper inszeniert, im deutschsprachigen Raum schlicht ein Klassiker. Doch hier sind wir in Aicha vorm Wald und so erzählen wir keine Geschichte von zwei Liebenden, mit denen es das Diesseits wenig gut meinte:
Wensker wurde zu einem Einsatz gerufen, es ging um eine Entführung. Schubert und Haller waren bereits vor Ort doch parkten dämlich. So konnte Schubert dank Baum neben der Tür nicht aussteigen, fesselte Haller mit den Handschellen ans Lenkrad und so führte man erste Befragungen aus dem Dienstwagen heraus.
„Grüß euch, Männer. Was ist passiert?“
„Dem Bauer Erwin wurden seine zwei Husumer Landschweine entwendet.“
„Dachte, der Züchtet nur Angler Sattelschweine?“
„Nein, die Kinder reiten meist mit Sattel auf den Schweinen.“
„Achso und wer wurde jetzt entführt?“
„Ja, der Tristan und die Isolde?“
„Die Kinder??“
„Nein, die heissen Eggi, Kurzform für Egbert und Maike, Kurzform für Maike. Es geht um die Husumer Landschweine. Korrekt eigentlich als rotbunte Husumer Schweine zu bezeichnen.“
„…was riecht hier eigentlich so??“
„Äh…Sie. Ist das ein neues Parfum?“
„Ja, stimmt. Hatte mir vom Pierre Cardin ein 12er-Pack Socken gekauft, da gab es den dazu. Riecht für mich jetzt erst mal nach seifigem Leder. Alte Schule, Knize Ten, das sind so Stichworte, die mir einfallen. Aber kurz zu den Tieren: also die sind entführt wurden? Gibt es eine Art Erpresserschreiben?“
„Ja, in der Tat. Dort stand, dass diese Tiere als heilig zu betrachten sind und nicht verzehrt werden dürften. Unterzeichnet von der lokalen Kombaigruppe.“
„Ah, ich kenn nur Mortal Kombat. Wenigstens können wir unsere Einwohner mit nahöstlichem Migrationshintergrund ausschließen, was?“
Schweigen.
Schweigen.
Schweigen.
„Ok, Wensker, kurz zum Duft: der startet wie genau?“
„Man bemerkt direkt dieses Leder der alten Schule. Leicht derb aber schnell ummantelt von seifigen Nuancen und noch mehr Aldehyden, so scheint es mir. Fast schon leicht frisch-fruchtig, auf jeden Fall aber gefällig auf den ersten Blick. Doch die derben Elemente zeigen sich alsbald und das Leder wird grün-bitterer.“
„Alles klar, also die Kombai, woher kommen die?“
„Indonesien.“
„Na! Was ein Zufall! Da kommen die Tjoengs doch ursprünglich her. Über Holland halt.“
„Als hätte man den Fall geschrieben.“
„Ja gut, so seicht, das würde im Vorabendprogramm sicher gehen. Aber nichts für Freunde des Feuilletons, eher der Großbuchstaben. Warten wir die weitere Entwicklung des Duftes ab und trinken einen Kaffee, bevor Sie die Tjoengs festnehmen, Kommissar?“
„Ich hatte den Duft schon mal drauf, da tut sich von der Entwicklung her nicht viel. Nach mehreren Stunden wird die Intensität geringer, die begleitenden Noten entschwinden und zurück bleibt zahmes Leder, begleitet von einem raren Hauch an Seifigkeit. Bin dann mal zu den Tjoengs.“
Später im Revier: „Na, alle verhaftet, Wensker?“
„Wissen Sie, Frau Direktorin, angeblich gehört Kannibalismus zu deren Religion und da hab ich mir eher gedacht, wir tauschen Schubert und Haller gegen Tristan und Isolde ein…“
Tristan bietet 2000 das, was viele andere Düfte Jahre respektive Jahrzehnte zuvor geboten haben. Fast ist er als Hommage zu verstehen. Ich jedenfalls empfinde Tristan als gelungen, jedoch nicht als herausragend aus Bel Ami, Knize und Konsorten. Insofern schade aber kein schmerzlicher Verlust. Zumal die Haltbarkeit auch - gelinde gesagt - ausbaufähig zu sein scheint.
Aktualisiert am 07.03.2022 - 13:38 Uhr
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Chizza
Minigolf






























