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Maestrale (Eau de Parfum) von Profumi di Pantelleria

Maestrale 2006 Eau de Parfum

Siebenkäs
23.09.2022 - 09:49 Uhr
22
Top Rezension
9.5Duft 7Haltbarkeit 7Sillage 8Flakon

Stray Cat Strut.

Gestatten meine Name ist Francois. Kater Francois.
Da mich einige noch nicht kennen, will ich kurz etwas über
mich erzählen.
Ich lebe meist in Paris und bin durch meine alte Freundin
Choupette auf euch gekommen. Meine natürliche
Bescheidenheit erlaubt mir nicht, weitere Details zu meinen
Vorfahren zu erwähnen. (als da wären mein berühmter
Urururururgroßvater Kater Murr, mein Ur8-Onkel Tim, der schon
bei der Schlacht von Katerloo rühmlich aufgefallen war
oder meine Urururgroßtante Kate, die mit der Erfindung des
Catwalks Miauden von Dollars verdient hat)
(Mancher mag das alles nicht glauben, obwohl das alles mittels
Katerschaftstest leicht zu beweisen wäre)
Aber genug.

Ich bin beileibe kein bürgerliches Tier.
Nein, das Streunen, das Sich-treiben-Lassen, das Überall-
und Nirgends-zu-Hause-sein - kurz das Abenteuer ist mein
Naturell. Ich bin da ganz wie ein unzähmbarer Wind.
Womit wir uns dem Thema nähern.

Denn - die Menschen mögen nicht gut sein und verantwortlich
für viele Katerstrophen, aber einem ist etwas wunderbares
gelungen: er hat es geschafft, den mir seelenverwandten Wind
Mistral oder auch Maestrale, der vom Süden des Landes bis nach
Korsika und Italien weht, in einer kleinen Flasche einzufangen.
Natürlich nur einen Bruchteil davon - aber dennoch.
Man braucht nur auf einen Knopf zu drücken - schon kommt
er heraus. Und riecht dabei fein wie ein Parfum.
Ein lieber Mensch, der auch viel herumreist, schenkte mir ein
Fläschchen davon. (übrigens ein wunderbarer Musiker, wie
mir ein Freund, der Kater Holzig, versicherte)

Täglich verwende ich seitdem dieses Windparfum, sein Duft
begleitet mich auf all meinen Streifzügen.
Es beginnt am frühen Morgen, wo ich es als Kater Shave
benutze. Mich macht die frisch-trockene Note, mit der er
losbläst, einfach munter, dieser feine Rhabarberhauch mit
südlichem Gewürz- und Kardamomduft und einer Kaffee-
Ahnung. Da freu ich mich gleich aufs Katerfrühstück.
Später, wenn der Duft an wilde Kräuter und trockene, leicht
harzige Hölzer in der Sonne erinnert, aber immer noch morgen-
frisch wirkt, beginn' ich mein Tagwerk und mach mich auf die
Tatzen.
Klar - es zieht mich in Abenteuer und Gefahr, aber zunächst
starte ich in der Rue de Sèvres bei Arnys, wo sich schon
Cocteau einkleidete und lass mir von Monsieur Mentenez
ein wenig das Fell kraulen. Gern nehm' ich ein paar in Butter
geschmorte Krabben dazu, die er mir bisweilen kredenzt.
Von hier geht mein Weg weiter auf die andere Seine-Seite,
bis in die Rue Marbeuf (meist geh' ich den Umweg über die
Rue Montaigne, da ist das Pflaster etwas feiner und schont
meine samtigen Pfoten).
Ich muss gestehen, bei aller Wildheit hab' ich doch ein Herz
für die Couture, liebe es Schaufenster und Modekaterloge zu
studieren und uptocat zu sein.
Mittlerweile entfaltet sich Maestrale weiter - die sanfte Frische
wird ernster, Meeresanklänge von Treibholz und Seeräuber-
romantik tauchen auf, Zedernholz verbindet sich mit Wiesen-
klängen, sind es Seewiesen, wo Seekühe Koriander kauen?
Ich muss wieder an Piraten denken, an wertvolle, geraubte
Gewürze, aber auch an Sturm und die Romantik der Heimat-
losigkeit. All das bleibt aber stets eingehüllt in diese sanfte,
trockene Frische, fein wie ein Kaschmirtuch von Charles
Bosquet, vor dessen Schaufenster ich mittlerweile stehe.
Eine zarte Ahnung von Nelke, vielleicht auch ein paar herbei-
gewehte Blüteneindrücke kann ich jetzt ebenfalls schnuppern,
sie wehen mich wie eine gleichzeitig liebliche und aromatisch-
würzige Brise zu meinen nächsten Stationen - Berluti,
mit seinem britischen Flair, Cifonelli, von dem ich mir gern
einen Anzug aufs Fell schneidern lassen würde und Crimson,
wo bisweilen nette Musik läuft, z.B. eins mein Lieblingsstücke
von Cure, Katerpillar.
Bevor ich jetzt aber ernsthaft in die abenteuerliche und
gefährliche Ferne strebe, wird es Zeit fürs Mittagessen.

Und das such' ich mir nicht, wie einige meiner Kollegen, in den
Katerkomben von Paris, nein, da weiß ich Besseres.
Am liebsten diniere ich bei Divellec, seine Langoustines
de casier sind unvergleichlich, genau wie die Brandade
de cabillaud.
Ich habe hier Freunde in der Küche - und ziehe mittlerweile
deren Gaben jedem Menu Surprise aus der poubelle vor.
Sicher mögen auch sie meine dezente, aber wunderbare Duft-
Aura. Mittlerweile ist zur Holzigkeit noch eine zart-moosige
und dunkelgrüne, immer noch frisch, aber auch dunkel wirkende
Farbe dazugekommen, vielleicht auch ein wenig stabilisiert durch
einen Hauch Vetiver und Moschus. (Woher ich das weiß? Ich bitte
euch - ich bin ein französischer Kater!) Gerade sie passen so gut
zum Wind, weil sie mit einer gewissen melancholischen
Cremigkeit von Ferne und Sehnsucht erzählen.
Mir jedenfalls.
Nicht zu vergessen der Lavendel, der immer wieder eine Rolle
spielt, ein windgebeutelter Lavendel aus den provencalischen
Bergen, der eine gewisse Eleganz und Noncatlance versprüht.
Irgendwie erscheint mir der Duft wie eine Beständigkeit im
Unbeständigen. Etwas, das sich über das Schwere lustig macht.
Solange der Wind nicht weht, ist selbst die Daunenfeder von
ihrer Schwere überzeugt. So sagt man doch.
Aber ich kenne keine Schwere, keine Bodenständigkeit, keine
Behäbigkeit, keine verwöhnte Verweichlichung.
Where ever I lay my head, that's my home.

Aber nachmittags brauch' ich noch ein Schälchen Milch, am
liebsten im Les Deux Magot. Da träum ich dann von meinen
nächsten Reisen.
(Vielleicht ja mal nach Deutschland? Ich wollte immer mal nach
Katzel zur Documenta oder den wilden Karneval erleben in
Maunz am schönen Rhein. )

Wenn es dann langsam Abend wird und Paris mit seinen
Lichtern mein dunkles Fell zum Changieren bringt, (ihr müsstet
das mal sehen!) finde ich meinen Platz für die notwendige
Ruhe, die man für neue Abenteuer benötigt.
Am liebsten an der Place Vendôme. Hier schlüpfe ich durch
ein tiefliegendes Fenster ins Hotel Ritz und genieße den
Drydown mit seiner ruhigen, immer noch würzig-frischen,
aber jetzt immer cremiger, ja fast ein wenig pudrig
werdenden Aura in einer leerstehenden Suite, wo ich dann
auch für den nächsten Tag strategisch schön nah an einem
der besten Frühstücksbuffets der Stadt aufwache (bis auf die
Sahne, die scheint mir im Plaza Athénée etwas cremiger).

Manchmal, ganz manchmal, spiele ich mit dem Gedanken,
irgendwo sesshaft zu werden und all den Abenteuern und
Gefahren abzuschwören. Ja, vielleicht sogar eine nette Katze,
jemand wie Choupette, zu heiraten und...
Aber dann zieht es mich doch wieder hinaus ins Ungewisse,
in Gefahr und Abenteuer, Ungewissheit und Risiko -
ich muss einfach wieder weg, wie der nie endende Wind,
der vor seinem eigenen Schatten flieht.
16 Antworten
JackoJacko vor 3 Jahren
Sehr schöne Geschichte, auf dass der Katerschaftstest zur Zufriedenheit ausfällt :-D
StulleStulle vor 3 Jahren
Ooooooh, wie gut das alles klingt! Man möchte sich vom Mistral in die Lüfte erheben und mitnehmen lassen - völlig frei und ohne Ziel…
Katzer François gefällt mir gut; hat er eventuell auch noch einen britischen Cousin? Es gibt da diesen Brian Kätzer (oder so ähnlich), der und seine zwei Kollegen kennen sich mit dem Herumstreunen ebenfalls bestens aus… ***schnurrrrr***
FlirtyFlowerFlirtyFlower vor 3 Jahren
Ui, ein Kater, da lass ich glatt nen Pokal da
SchatzSucherSchatzSucher vor 3 Jahren
"Katzen brauchen, Katzen brauchen... furchtbar viel Musik..." *schmetter*
Oder in diesem Fall einen schönen Duft, der wieder einmal in dieser unnachahmlichen Siebenkäs-Art be- und umschrieben wird.
Kurz gesagt: Katztastisch!
TtfortwoTtfortwo vor 3 Jahren
Allerwertester Monsieur Francois, da danke ich aber artigst für diese feine Beschreibung Ihres Alltages wie auch Ihres aktuellen Duftes und beides gefällt mir doch ganz außerordentlich gut.
Eine Frage hätte ich dennoch und sie betrifft die allerwerteste Ahnenreihe: Handelt es sich bei Monsieur Murr um den Murr, der seinen Lebens- und Liebesweg von Herrn Hoffmann ghostscripten lies - oder um den treuen Gefährten des Redaktionsigels Mecki?
AxiomaticAxiomatic vor 3 Jahren
Lieber François, ich stelle Dir ein Schälchen bester Milch an der Place St. Sulpice auf. Du wirst schon wissen wo…
Zuvor stelle ich mir aber den Duft auf die ML.
Und ein très féline Pokal ist natürlich überfällig!
🏆
Schnurrrrr
PaloneraPalonera vor 3 Jahren
Hach. Ich merke, ich habe Dich viel zu lange nicht gelesen. Deine Phantasie und Wortgewandtheit suchen ihresgleichen. Sag mir nur eines: Finden sich die gebutterten Garnelen womöglich auch im Duft?!
ToppineToppine vor 3 Jahren
Also Francois, mein verehrtes ChouChouchen, jetzt mach mal nicht so ein Bohei um dein fetziges Katerleben auf dem Pariser Parcat....Bloß weil du immer so toll riechst und du überall in den Restaucats mit allerlei ChiChi und Leckereien überschüttet wirst... ich weiß ja, dass alle Streetcats dich lieben! Du hast ja auch die tolle Ballade von Paul Young als Erkennungsmelodie - seufz -
Wenn du dich mal niederlassen willst: es grüßt dich deine Katzine ;-)
MonsieurTestMonsieurTest vor 3 Jahren
Sooo fantastisch fantasievoll und mit herrlichen effets de réel angereicherte Rezension zu einem offenbar wunderfeinen Duft.
Wenn der Francois so weitermacht, kriegt er noch den Nobelpreis- wie einst Gabriela Mistral, die auch nach dem Wind pseudonymisierte Autorin...
NuiWhakakoreNuiWhakakore vor 3 Jahren
Abenteuerlicher Streifzug durch Paris, der Kater hat Stil und Geschmack, wie mir scheint! Und jetzt zum wach werden einmal Katerpillar und den Regler nach rechts...
PonticusPonticus vor 3 Jahren
Der Wind, der Wind das himmlische Kind! So sagt man so schön und so ein unstetes Leben wie der Wind sehnt sich mancher ab und zu herbei in geheimer Sehnsucht nach Abenteuern! Dieses Parfüm dazu weckt sicher mein Interesse! Sehr schöne Geschichte!
FloydFloyd vor 3 Jahren
Voller Musik, Deine wundervolle Rezension!
DocSnyderDocSnyder vor 3 Jahren
Felinissimo !
Als „Catfather Of The Rhine Ruhr Area“ habe ich diese liebenswerte Rezension besonders gern gelesen. Der Duft ist vorgemerkt und meine Beute, sobald er mir unter die Krallen kommt. Katzenpokal !
Helena1411Helena1411 vor 3 Jahren
Der Francois ist aber ein ganz ein kecker! Kennt sich gut mit Düften aus, liebt Mode und gutes Essen. Und duftet dazu auch noch so fein… Der dürfte auch bei mir ein Nachtplätzchen beziehen… falls es ihm genehm wäre.
PollitaPollita vor 3 Jahren
Ist das süß. Ich musste an die Aristocats denken. Davon hatte ich als Kind die Hörspielkassette 😉
ParmaParma vor 3 Jahren
Eine sehr charmante Geschichte mit einem liebenswert selbstbewussten Francois rund um einen wunderbaren, sehr eigenständigen, aber dabei völlig unanstrengenden Duft. Ich mag seine spezielle Trockenheit auch sehr. Für mich ist die Kardamomnote hier kongenial eingesetzt. "Modekaterloge" ist übrigens mein Lieblingskaterwort ;) Schön, dass du wieder geschrieben hast! P.S.: Ich weiß übrigens, von wem du den hast ;)