...vor langer Zeit, da lebte unter einem der sieben Bergen, noch weit vor den sieben Zwergen, ein kleiner, haariger Troll. Haarig war allerdings nur der Körper, am Kopf hatte er nur noch ein paar wirre Büschel, die in alle Richtungen ab standen. Außerdem war er alt, bucklig, hatte eine schiefe Nase und spitze Ohren. Kurz, er war nicht schön. Das war aber noch nicht das größte Problem, er war auch überaus mürrisch und ständig mies gelaunt. So war es kein Wunder, dass keiner ihn mochte, was für ihn in Ordnung war, er mochte auch niemanden.
Er hauste in einer feuchten Höhle tief unter einem der hohen Berg. Die Beleuchtung war düster und in den Ecken moderte es schon arg. Seine Lieblingsspeisen waren Käse und kleine Tiere, die er fing und auf seinem riesigen Kohlegrill grillte, mit Fell und allem. Dazu trank er sauren Wein und schales Bier und so roch der kleine Troll dann auch und fand es gut so. Sein wertvollster Besitz war eine alte, lederne Reitgerte, die er einmal gefunden hatte. Sie war fast so groß wie er selbst und er hatte sie immer dabei. Deshalb nannte man ihn auch...aber nein! Sein Name durfte nicht ausgesprochen werden, das brachte Unglück!
Er kam meist nur Nachts aus seiner Höhle. Deshalb verrammelten die Menschen im Dorf ihre Türen und verschlossen die Läden der Fenster, sobald die Sonne unterging. Denn sie fürchteten ihn, war er doch immer so übellaunig und gemein. Nur manchmal kam er am Tag heraus. Dann erschreckte er gerne kleine Kinder, das bereitete ihm Freude.
Eines Tages flog eine liebe kleine Fee vorbei. Sie war eigentlich schon in Feierabend, aber sie sah den müffeligen, mies gelaunten Troll und wollte ihn aus seinem Elend erlösen. Also flog sie zu ihm und sagte:
‚So, du müffeliger kleiner Troll, deine Übellaunigkeit kann man ja nicht mit ansehen, ich mache dir ein Geschenk, damit du wieder fröhlich sein kannst!‘
Der Troll grummelte: ‚Ich hab‘ dich nicht eingeladen in meine Höhle, du Flügelflittchen, und überhaupt, was ist mit meinen drei Wünschen!‘
Das mit dem Flittchen überhörte die liebe Fee geflissentlich und sagte: ‚Ich habe schon Feierabend, die Wünsche kannst du vergessen, du bekommst eine Sache, die du wirklich, wirklich dringend brauchst und nicht irgendeinen Tinnef, den du dir wünschst!‘
Damit wedelte sie mit ihrem quietschpinken Feenzauberstab, verstreute etwas Feenzauberpuder und mit einem leisen, freundlichen Plopp war sie verschwunden. Auf dem Tisch stand dafür eine kleine schwarze Flasche.
‚Na toll und wer räumt jetzt den ganzen Puderdreck hier wieder weg!‘ rief ihr der Troll noch hinterher. Es war jetzt aber nicht so, dass ein bisschen Feenpuder weiter aufgefallen wäre in dem müffeligem Durcheinander der Höhle.
Der kleine Troll betrachtete die Flasche mürrisch und lehnte sie schon aus Prinzip ab, obwohl sie so schön schwarz war wie seine Seele. Natürlich konnte er seine Neugierde nicht lange beherrschen und öffnete sie. Und auf einmal waren da milde Zitrusfrüchte und frisches Grün, so saftig wie der Sonnenaufgang. Den hatte er einmal gesehen, wenn auch nur kurz, da er aus Angst ihn vielleicht schön zu finden gleich wieder in seine Höhle verschwunden war. Der Duft aber umwehte ihn weiter; frische, grün, würzig, sanft, und er wagte es kaum zu denken, gepflegt. Nur ein ganz klein wenig Erde war noch zu erahnen. Langsam bewegten sich seine Mundwinkel nach oben. Es knirschte dabei leise und schmerzte auch etwas, sein Gesicht war derlei nicht gewöhnt. Tatsächlich, er lächelte! Wenn auch etwas schief.
Bald schon war er bekannt, als der freundliche kleine Troll, die Menschen hatten keine Angst mehr vor ihm und auch die Kinder mochten ihn. Er roch immer gepflegt und sah zunehmend auch so aus. Alt, bucklig und nicht schön anzuschauen war er freilich immer noch. Seine Reitgerte hatte er nicht mehr dabei.
Und wenn jetzt ein Fremder an der Höhle des Trolls vorbei kommt, hüpft dieser freudestrahlend auf ihn zu und ruft:
‚Grüzi, i bin der Grawasch, magst ein Stückl Greyerzer?‘
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Dieser Cravache startet mit einer medium-frischen Zitronen-Note, die durch die Mandarine sehr saftig-fruchtig gestaltet ist. Mit dabei ist auch gleich ein sanft-krautiger Lavendel, weich, nicht zu süß, ohne jegliche Blüten. Das ist alles sehr sanft und mild-angenehm. Während die Zitrusfrüchte sich schnell verflüchtigen, kommt eine gute Portion Salbei dazu. Diese würzt den doch recht milden Lavendel etwas nach, so wie auch die Muskatnuss, die für ganz leicht braune, aber auch ätherisch-würzige Spitzen sorgt. Ab hier zieht sich durch den weiteren Duftverlauf eine trockene Holznote und ich meine ganz leicht Zimt wahrzunehmen. So bleibt der Duft recht lange, bevor zur Basis ein ganz klein wenig Patch (leicht erdig) mit dazu kommt und eine gute Portion zitrisch-frischer Vetiver. So klingt dann der Duft nach 5 bis 6 Stunden aus, wie er begonnen hat: mild, sanft gewürzt, gepflegt. Auf Textil hält er etwas länger durch.
Ich habe mich lange gefragt, was dass nun genau mit einer Reitgerte zu tun haben soll, bevor ich den erhellenden Kommentar von Profumo zum EdP gelesen habe. Jetzt ist es klar, es handelt sich hierbei um das 2007 neu auf den Markt gebrachte, reformulierte Cravache. Den Originalen Cravache kenne ich leider nicht, bei dieser Version hier finde ich den Namen etwas deplatziert, bei Reitgerte denke ich an etwas schärferes, herberes und ja, Leder würde da auch nicht schaden. Trotzdem ist auch diese Version ein durchaus gelungener Duft, der mich im Übrigen über den gesamten Verlauf stark an Castle Forbes 1445 erinnert, der in der Basis meines Erachtens nach identisch ist.
Ahh, dann hast Du nicht die Urfassung, sonder die zweite Version getestet. Die ist natürlich auch super schön komponiert.
Immerhin werden Trolle mit Lavendel kinderlieb. 😂
Süße Geschichte. In dem Troll-Charakter erkenne ich dich auch irgendwie wieder. Im besten Sinne natürlich...😅Der Duft klingt hervorragend.
(Lavendel ohne Blüten 😉) Wär' ich ein Mann käme der sicher in die engere Wahl.
Ich glaube, Monsieur Piguet dürfte mein kleiner Scherz egal sein, seinen Nachfahren hoffentlich auch; wobei es ja durchaus ein guter Duft ist und der Troll ja auch die Kurve zum Menschenfreund geschafft hat, da kann sich eigentlich keiner beschweren... ;-)
Nein, der Troll stinkt nicht mehr. Er duftet ja jetzt immer gepflegt, weil so ein Märchen muss ja gut ausgehen - wobei das ja wieder relativ ist, manche einer/e riecht ja lieber so wie der Troll am Anfang der Geschichte ;-)
Sie hat dem Troll ein feines Geschenk überlassen. Für mich zumindest, denn die Richtung ist mir sympathisch, und der Duft wird jetzt auf die Merkliste gesetzt…
Deine Geschichte, oder besser Dein Märchen hat großen Spass gemacht zu lesen, spannend und sehr kreativ geschrieben! Der Duft ist wohl eher nicht meins aber den Troll mag ich! Klasse!
Na, wieso geht es dem Troll denn besser als Dir? Hat er mehr Haare? Wenn es Dir ganz schlecht geht, schicke ich Dir ein bisschen was aus der schwarzen Flasche, das hilft sicher, auch wenn's bei mir mit Flügeln eher schlecht ausschaut...
Vor lauter Lachen kann ich meinen Feenstaub gleich nicht mehr halten 😂 Als Überschrift hätte ich mir allerdings "Das Flügelflittchen und der Troll mit der Peitsche" gewünscht 🙈
Ich habe mir jetzt kurz überlegt, ob ich das noch ändere, aber ich lasse es lieber, sonst wird da noch was nachträglich zensiert. Wenn mir aber das nächste mal kein guter Titel einfällt, dann melde ich mich vorher, versprochen!
Kurzweilige, erheiternde Trollgeschichte welche mir großes Vergnügen bereitete. Duft kenne ich zwar nicht, jedoch liest sich die Pyramide recht ansprechend und Deine Beschreibung ebenso. Fein.
Ich weiß, Du bist auch ein Troll im Geiste und ihr grabt ja aktuell auch gerne rum, aber es war ein anderer gemeint; es war aber schwer zu erkennen, gebe ich zu. Freut mich natürlich trotzdem, dass Du Dich erkannt hast, Adele!
Immerhin werden Trolle mit Lavendel kinderlieb. 😂
(Lavendel ohne Blüten 😉) Wär' ich ein Mann käme der sicher in die engere Wahl.
Gerne gelesen