
ElAttarine
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ElAttarine
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Nectarsong of the Naga - Lied vom untergegangenen Kontinent
Weißt du noch? Es war hell, sehr hell. Und doch war das Licht der Kamillensonnen ganz mild. Du wandertest schon seit langen Zeiten durch das offene Land mit diesem weiten Himmel, deine Schritte geleitet von deinem Lied aus zartherbem Honig. Gelbe und grüne Kolibris umflatterten dich, und überall, wo du langgingst, öffneten sich die Neroliblüten vor dir und verströmten ihren Duft, frisch, kraftvoll, prall, herbgrün. Hellblumig verheißungsvoll - und herb wie in deinem Herzen noch der alte dunkle Schmerz über das Gefühl, mit Dir stimmte etwas nicht. Das Licht wurde abwechselnd hellgelb, grün, und manchmal schickte es auch hellblaue Strahlen in deine Seele. In diesem Licht konntest du weit sehen, bis zu der Gestalt, die dich in der Ferne erwartete, so unendlich wohlwollend. Beim Näherkommen nahmst du ihren Duft wahr, warm, holzig, tropisch umfangend, sinnlich, anziehend. Du brauchtest nur zu folgen. Und endlich, die Umarmung, eure Leiber aneinander fühlten sich so richtig an. Du wusstest, hier bist du am richtigen Ort. Angekommen. Wo schon immer Zuhause war. Endlich. Du erhobst dich im spiegelnden Licht, und berührtest jede Feder, jedes glitzernde Juwel dieses silbrig-blauen Volkes. Und es gab keine Zeit mehr.
Beim Aufwachen in der Jetztzeit hieltest du noch ein kleines Stück trockene Schlangenhaut in deinen Fingern.
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Sehr helle Düfte mag ich immer dann gern, wenn sie entweder noch Raum für Diffuses, Nebliges, Pudriges lassen – oder aber die Schatten und das Dunkle, Menschliche, Herbe berücksichtigen, die mit der Helligkeit immer auch entstehen. Letzteres ist Teone Reinthal mit diesem Duft sehr schön gelungen.
Hier braucht es unbedingt eine Vorliebe für Neroli und Petitgrain, die hier doch ganz anders in Szene gesetzt sind, als ich es bisher gerochen habe. Es handelt sich schonmal nicht um ein Cologne, auch wenn blumiges Neroli und Petitgrain mit all seiner grünen Stängeligkeit dominieren. Ganz klar ist von Anfang an ein unsüßer, herber Nektar- oder Honigduft dabei. Das Ganze ist blumig, ganz leicht seifig, und die Blütenblätter sind voll praller Frische, fleischig bis kurz vor oder ganz leicht animalisch. Rote Champaka erscheint nicht als Räucherstäbchen, sondern holzig, süßlich, sinnlich und erotisch. Tonka kann ich gar nicht eigens wahrnehmen, auch die Basis wird nie muffig. Obwohl andere klassische Basisnoten nicht genannt sind, dauert der Ausflug in die mythischen Zeiten schön lange.
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„Nectarsong of the Naga“ nennt Teone Reinthal auf ihrer Homepage diesen Duft. Die Naga, Schlangengottheiten aus dem Hinduismus und/oder mythische Menschen-Schlangen-Wesen, stehen für Transformation und Erneuerung (auch schmerzliche), so wie Schlangen ihre Haut wechseln und sich regenerieren können. Aber der Duft bezieht sich nicht nur auf hinduistische Mythen, sondern auch auf den namensgebenden Kontinent Lemuria, und kann insofern als Erinnerung an mythische Zeiten aufgefasst werden, wie sie z.B. in der Science-Fiction-Literatur thematisiert wird. Lemuria ist der Name eines hypothetischen versunkenen Kontinents (ähnlich wie Atlantis oder Mu), der als Landbrücke zwischen Australien und Amerika gelegen haben soll, also das heutige Ozeanien abdeckte, dessen Inseln als Lemurias Überreste oder Berggipfel gesehen wurden. Je nach Version werden die Bewohner:innen idealisiert als in paradiesischen Zuständen lebend. Teone schreibt in Auszügen aus einer eigenen Erzählung, sie stelle sich „Spritzer schimmernden blauen Lichts“ vor, die „von welttiefen Gewässern und weiten Küstenwegen“ flüstern. Der drittletzte Satz im ersten Teil ist auch aus Teones Geschichte.
Mit liebem Dank an Sapho für diese Reise in mythische Zeiten.
Beim Aufwachen in der Jetztzeit hieltest du noch ein kleines Stück trockene Schlangenhaut in deinen Fingern.
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Sehr helle Düfte mag ich immer dann gern, wenn sie entweder noch Raum für Diffuses, Nebliges, Pudriges lassen – oder aber die Schatten und das Dunkle, Menschliche, Herbe berücksichtigen, die mit der Helligkeit immer auch entstehen. Letzteres ist Teone Reinthal mit diesem Duft sehr schön gelungen.
Hier braucht es unbedingt eine Vorliebe für Neroli und Petitgrain, die hier doch ganz anders in Szene gesetzt sind, als ich es bisher gerochen habe. Es handelt sich schonmal nicht um ein Cologne, auch wenn blumiges Neroli und Petitgrain mit all seiner grünen Stängeligkeit dominieren. Ganz klar ist von Anfang an ein unsüßer, herber Nektar- oder Honigduft dabei. Das Ganze ist blumig, ganz leicht seifig, und die Blütenblätter sind voll praller Frische, fleischig bis kurz vor oder ganz leicht animalisch. Rote Champaka erscheint nicht als Räucherstäbchen, sondern holzig, süßlich, sinnlich und erotisch. Tonka kann ich gar nicht eigens wahrnehmen, auch die Basis wird nie muffig. Obwohl andere klassische Basisnoten nicht genannt sind, dauert der Ausflug in die mythischen Zeiten schön lange.
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„Nectarsong of the Naga“ nennt Teone Reinthal auf ihrer Homepage diesen Duft. Die Naga, Schlangengottheiten aus dem Hinduismus und/oder mythische Menschen-Schlangen-Wesen, stehen für Transformation und Erneuerung (auch schmerzliche), so wie Schlangen ihre Haut wechseln und sich regenerieren können. Aber der Duft bezieht sich nicht nur auf hinduistische Mythen, sondern auch auf den namensgebenden Kontinent Lemuria, und kann insofern als Erinnerung an mythische Zeiten aufgefasst werden, wie sie z.B. in der Science-Fiction-Literatur thematisiert wird. Lemuria ist der Name eines hypothetischen versunkenen Kontinents (ähnlich wie Atlantis oder Mu), der als Landbrücke zwischen Australien und Amerika gelegen haben soll, also das heutige Ozeanien abdeckte, dessen Inseln als Lemurias Überreste oder Berggipfel gesehen wurden. Je nach Version werden die Bewohner:innen idealisiert als in paradiesischen Zuständen lebend. Teone schreibt in Auszügen aus einer eigenen Erzählung, sie stelle sich „Spritzer schimmernden blauen Lichts“ vor, die „von welttiefen Gewässern und weiten Küstenwegen“ flüstern. Der drittletzte Satz im ersten Teil ist auch aus Teones Geschichte.
Mit liebem Dank an Sapho für diese Reise in mythische Zeiten.
34 Antworten



rote Champaka
ägyptisches Neroli
Kamille
venezolanische Tonkabohne
Petitgrain
Märchenlilie
Lucy55








































