
Halolo
77 Rezensionen

Halolo
3
Von Engeln, die an Tankstellen-Werkstätten arbeiten und purer Herausforderung für die Nase
Für mich der schwierigste, herausfordernste, aber auch gleichzeitig am-größten-"Ultra-Nische!"-schreiendste Nebiru aller Zeiten. Bist du zu schwach (ungeübt) oder ist Seraphim zu stark?! ;-)
Zugegeben: Eher ungewöhnliches Intro für (m)eine Rezension, aber mit Seraphim XQ scheine ich meinen Endgegner in Engelsform gefunden zu haben. Neben Zora XQ habe ich Frederic explizit um einen etwas herausfordernderen, experimentelleren Duft gebeten - und den habe ich bekommen. Edgy, für mich die Definition eines "für sich selbst"-Dufts mit hochwertigsten Inhaltsstoffen und bombastischer Haltbarkeit und Sillage.
Wie bei (fast) allen Nebirus ist es schwer, diese in Worte zu fassen, die auch nur annähernd objektiv sein könnten. Dennoch meine ich, dass ich jetzt nach dem dritten Tragen die letzten 12 Stunden ganz gut rekapitulieren kann ... so without further ado:
• Aufsprühen:
Eine Faust Gottes aus intensiver "dunkler" Marmelade, vergorenen Blüten, beißendem Alkohol und Animalik-Oud knallen mir eine vor den Latz. Ich wurde ja schon ein bisschen von Frederic gewarnt, dass das Laos-Oud scheppert, aber das es mich so übermannt, damit habe ich nicht gerechnet.
Ausgehend davon konnte ich bereits erahnen, dass das nicht ein "Jo, ich sprühe mir halt mal nen neues Parfum auf" - Ding wird, sondern ne echte Herausforderung. Etwas, an das ich über Stunden zu knabbern habe und sich direkt die Frage stellt, ob der 360€ Blindkauf es wert war.
Das Opening ist alles andere als engelsgleich. Die Nase muss kämpfen, schwer atmen und irgendwie versuchen diese unglaublichen Inhaltsstoffe und Eindrücke zu verarbeiten.
Was mit einem "Ich will mal wissen, wie 'Frederic' und 'Früchte' funktionieren" anfing, wird jetzt zur Probe. Aber ich gebe nicht auf, denn diese intensive (Erdbeer-Aprikosen-)Marmelade weckt Hoffnung, dass da ein Gegenspieler auf meiner Seite ist, dem ich einfach noch ein bisschen Zeit lassen muss ...
• Nach 15 Minuten:
Die Alkohol-Note hat sich sogar noch weiter verstärkt. Das Laos-Oud ballert richtig. Die Frucht-Marmelade muss kämpfen, beißen, um nicht abgehängt zu werden und das Schlachtfeld dem Oud zu überlassen.
Was noch auffällt: Er ist der herausfordernste-, aber auch der lauteste Nebiru, den ich bisher kennengelernt habe. Neben 2 Sprühern aufm Arm, habe ich nämlich auch 1 aufn Streifen gemacht - jo, das weiß jetzt auch mein ganzes Wohnzimmer :D
Spoiler: Sillage und Haltbarkeit sind absolut unreal (!)
• Nach 45 Minuten:
Hat was von ner Tankstelle. Aber nicht dieser süßliche Benzingeruch, sondern eher die Gerüche, die von "Tankstellen-Werkstätten" manchmal rübergeweht sind. Das in Kombination mit den Marmeladen-Resten, die sich nach und nach oben am Rand sammeln, leicht ankrusten und "reifen".
Ich weiß - komplett weird-e Assoziation, aber ich fühle mich wie an ner Tanke mit angeschlossener Werkstatt, Fenster offen (obwohl der kleine Halolo das nicht soll) und ich rieche an jenem leicht "verkrustetem" Marmeladenglas-Rand.
• Nach 1,5h:
Die bis dato dominanten 2 Noten (Phenolisches Oud und (Erdbeer-)Marmelade) werden ganz langsam etwas ruhiger, ich kann wieder an meinen Arm aus 15 statt 50cm riechen. Man merkt, dass nun die Zeit für etwas Blumiges, Rosiges gekommen ist. So gaaanz langsam ausm Hintergrund meldet sich eine dunkle Rose.
• Nach 2,5h:
Das Alkoholisch-/Phenolische lässt langsam nach. Leider auch die Frucht, wobei "Langsam" -> "maximal 10%" bedeutet :D Seraphim ist weiterhin noch unglaublich laut, ausdauernd und herausfordernd.
Im Hintergrund vermag ich noch ein wenig helles Holz zu erkennen. Vll. ein bisschen Sandelholz, um es abzurunden?
• Nach 3,5h:
Wenig Änderung, wobei den Früchten jetzt gnädigerweise bis zu 30% des Kuchens eingeräumt werden. Das Oud lässt die Zügel so langsam lockerer.
• Nach 5h:
Diese alkoholische Note, die das wilde (Laos-)Oud bestimmt hervorbringt, ist zwar weiterhin noch intensiv wahrnehmbar, lässt aber allgemein nach und ist nicht mehr so stark. Eigentlich krass: Wo manche Düfte schon so langsam das Zeitliche segnen, fängt hier das Oud an so langsam schwächer zu werden.
Dass hier noch lange nicht Feierabend ist, sollte allen Beteiligten klar sein.
Was man aber ankreiden kann und sollte: Der Drydown gestaltet sich für mein Empfinden etwas zu gradlinig. "Eintönig" nicht. Aber eben zu gradlinig und zu 'predictable'.
• Nach 6h ist es endlich soweit:
Diese phenolisch-/alkoholische Note, die wie eine riesige Aura um das ganze drumherum gehüllt war, ist endlich ins Holz reingezogen und ist nicht mehr "oben drauf". Das Holz gewinnt dadurch an Würze und Tiefe. Dazu die Frucht der Marmelade und dem leichten Rosen-Windhauch.
Tatsächlich wird er jetzt, nach 6h, "massen"tauglicher. DIESE DNA gefällt mir schon eher.
• Nach 8h:
Angenehm fruchtig-blumiger Mix auf markant-würzigem, sehr dunklem Holz. Leicht kann man noch den Alkohol vernehmen.
Was auffällt: Selbst jetzt nach 8 Stunden (acht!) strahlt der Duft noch sehr stark ab. Da ist noch nichts "nur hautnah", sondern auch 10-15 Zentimeter über dem Arm kann man ihn deutlich riechen. Unglaublich!
• Nach 10h:
Alkohol ist weg. God bless.
Süß - fruchtig - floral mit würzigem Sandelholz ist er jetzt - und bleibt auch so.
#######
Fazit:
Ich bin überwältigt von der KUNST, die dieser Duft schreit.
Er ist nicht gefällig. Er ist nichts für Ungeübte und auch bei Geübten wird er nicht unbedingt auf Lobeshymnen treffen.
Statt am Ende obligatorisch die Einordnung abzugehen, will ich mit euch meine Fragen beantworten, die ich mir die letzten Tage und Stunden gestellt habe:
- Ist Seraphim XQ 360€ wert?
100%. Ich kann es nicht verifizieren, aber jeder, der Frederic und Nebiru Parfums nicht erst seit gestern verfolgt, wird wissen, dass das eher so ne "Deckt die Kosten"-Nummer ist. Man bekommt also seltenste, handverlesene Inhaltsstoffe, die es so nicht mehr geben wird zu einem sehr guten Preis.
- Bereue ich den Blindkauf?
Schwierig das zu beantworten. Dafür müsste ich ihm noch Zeit lassen und ihn vor allem mal bei einstelligen (Minus-)Temperaturen testen, denn jetzt im Sommer sehe ich den ehrlicherweise nicht.
- Wirst du den Seraphim behalten?
Ja. Zum einen weil ich weiß, dass ich hier einen absolute Gemstone habe, zum anderen aber auch, weil man ihn tatsächlich mit z.B. dem Agrias Vetiveris II layern- und damit "ertragbarer" machen kann.
- Ist es eine Todsünde dieses Kunstwerk "mischen" (layern) zu wollen?
Kann sein. Falls ja: Es möge sich bitte keiner angegriffen fühlen noch jemand auf die Idee kommen, dass ich da im Kunstwerk rumpfuschen wollen würde. Ich habe einfach nach einer Variante gesucht, wie man ihn auch der Um-welt zuträglicher machen könnte ;-)
- Sind 7 Punkte nicht etwas hart?
Jein. Aus handwerklicher Sicht absolut 'top notch'. Ebenso die Zutatenliste.
Ich würde mir einfach, der Harmonie und tragbarkeitshalber, aber noch einen stärkeren, intensivereren Gegenspieler wünschen, der der Marmelade beim Kampf hilft. Vll. Vanille?
Möglicherweise würde dieser auch für etwas mehr Spannung im Drydown sorgen …
----
Tolle artisanale Handwerkskunst. Werde ich nicht so häufig "pur" tragen, aber ein toller Start in die Elite XQ - Kollektion! :)
Zugegeben: Eher ungewöhnliches Intro für (m)eine Rezension, aber mit Seraphim XQ scheine ich meinen Endgegner in Engelsform gefunden zu haben. Neben Zora XQ habe ich Frederic explizit um einen etwas herausfordernderen, experimentelleren Duft gebeten - und den habe ich bekommen. Edgy, für mich die Definition eines "für sich selbst"-Dufts mit hochwertigsten Inhaltsstoffen und bombastischer Haltbarkeit und Sillage.
Wie bei (fast) allen Nebirus ist es schwer, diese in Worte zu fassen, die auch nur annähernd objektiv sein könnten. Dennoch meine ich, dass ich jetzt nach dem dritten Tragen die letzten 12 Stunden ganz gut rekapitulieren kann ... so without further ado:
• Aufsprühen:
Eine Faust Gottes aus intensiver "dunkler" Marmelade, vergorenen Blüten, beißendem Alkohol und Animalik-Oud knallen mir eine vor den Latz. Ich wurde ja schon ein bisschen von Frederic gewarnt, dass das Laos-Oud scheppert, aber das es mich so übermannt, damit habe ich nicht gerechnet.
Ausgehend davon konnte ich bereits erahnen, dass das nicht ein "Jo, ich sprühe mir halt mal nen neues Parfum auf" - Ding wird, sondern ne echte Herausforderung. Etwas, an das ich über Stunden zu knabbern habe und sich direkt die Frage stellt, ob der 360€ Blindkauf es wert war.
Das Opening ist alles andere als engelsgleich. Die Nase muss kämpfen, schwer atmen und irgendwie versuchen diese unglaublichen Inhaltsstoffe und Eindrücke zu verarbeiten.
Was mit einem "Ich will mal wissen, wie 'Frederic' und 'Früchte' funktionieren" anfing, wird jetzt zur Probe. Aber ich gebe nicht auf, denn diese intensive (Erdbeer-Aprikosen-)Marmelade weckt Hoffnung, dass da ein Gegenspieler auf meiner Seite ist, dem ich einfach noch ein bisschen Zeit lassen muss ...
• Nach 15 Minuten:
Die Alkohol-Note hat sich sogar noch weiter verstärkt. Das Laos-Oud ballert richtig. Die Frucht-Marmelade muss kämpfen, beißen, um nicht abgehängt zu werden und das Schlachtfeld dem Oud zu überlassen.
Was noch auffällt: Er ist der herausfordernste-, aber auch der lauteste Nebiru, den ich bisher kennengelernt habe. Neben 2 Sprühern aufm Arm, habe ich nämlich auch 1 aufn Streifen gemacht - jo, das weiß jetzt auch mein ganzes Wohnzimmer :D
Spoiler: Sillage und Haltbarkeit sind absolut unreal (!)
• Nach 45 Minuten:
Hat was von ner Tankstelle. Aber nicht dieser süßliche Benzingeruch, sondern eher die Gerüche, die von "Tankstellen-Werkstätten" manchmal rübergeweht sind. Das in Kombination mit den Marmeladen-Resten, die sich nach und nach oben am Rand sammeln, leicht ankrusten und "reifen".
Ich weiß - komplett weird-e Assoziation, aber ich fühle mich wie an ner Tanke mit angeschlossener Werkstatt, Fenster offen (obwohl der kleine Halolo das nicht soll) und ich rieche an jenem leicht "verkrustetem" Marmeladenglas-Rand.
• Nach 1,5h:
Die bis dato dominanten 2 Noten (Phenolisches Oud und (Erdbeer-)Marmelade) werden ganz langsam etwas ruhiger, ich kann wieder an meinen Arm aus 15 statt 50cm riechen. Man merkt, dass nun die Zeit für etwas Blumiges, Rosiges gekommen ist. So gaaanz langsam ausm Hintergrund meldet sich eine dunkle Rose.
• Nach 2,5h:
Das Alkoholisch-/Phenolische lässt langsam nach. Leider auch die Frucht, wobei "Langsam" -> "maximal 10%" bedeutet :D Seraphim ist weiterhin noch unglaublich laut, ausdauernd und herausfordernd.
Im Hintergrund vermag ich noch ein wenig helles Holz zu erkennen. Vll. ein bisschen Sandelholz, um es abzurunden?
• Nach 3,5h:
Wenig Änderung, wobei den Früchten jetzt gnädigerweise bis zu 30% des Kuchens eingeräumt werden. Das Oud lässt die Zügel so langsam lockerer.
• Nach 5h:
Diese alkoholische Note, die das wilde (Laos-)Oud bestimmt hervorbringt, ist zwar weiterhin noch intensiv wahrnehmbar, lässt aber allgemein nach und ist nicht mehr so stark. Eigentlich krass: Wo manche Düfte schon so langsam das Zeitliche segnen, fängt hier das Oud an so langsam schwächer zu werden.
Dass hier noch lange nicht Feierabend ist, sollte allen Beteiligten klar sein.
Was man aber ankreiden kann und sollte: Der Drydown gestaltet sich für mein Empfinden etwas zu gradlinig. "Eintönig" nicht. Aber eben zu gradlinig und zu 'predictable'.
• Nach 6h ist es endlich soweit:
Diese phenolisch-/alkoholische Note, die wie eine riesige Aura um das ganze drumherum gehüllt war, ist endlich ins Holz reingezogen und ist nicht mehr "oben drauf". Das Holz gewinnt dadurch an Würze und Tiefe. Dazu die Frucht der Marmelade und dem leichten Rosen-Windhauch.
Tatsächlich wird er jetzt, nach 6h, "massen"tauglicher. DIESE DNA gefällt mir schon eher.
• Nach 8h:
Angenehm fruchtig-blumiger Mix auf markant-würzigem, sehr dunklem Holz. Leicht kann man noch den Alkohol vernehmen.
Was auffällt: Selbst jetzt nach 8 Stunden (acht!) strahlt der Duft noch sehr stark ab. Da ist noch nichts "nur hautnah", sondern auch 10-15 Zentimeter über dem Arm kann man ihn deutlich riechen. Unglaublich!
• Nach 10h:
Alkohol ist weg. God bless.
Süß - fruchtig - floral mit würzigem Sandelholz ist er jetzt - und bleibt auch so.
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Fazit:
Ich bin überwältigt von der KUNST, die dieser Duft schreit.
Er ist nicht gefällig. Er ist nichts für Ungeübte und auch bei Geübten wird er nicht unbedingt auf Lobeshymnen treffen.
Statt am Ende obligatorisch die Einordnung abzugehen, will ich mit euch meine Fragen beantworten, die ich mir die letzten Tage und Stunden gestellt habe:
- Ist Seraphim XQ 360€ wert?
100%. Ich kann es nicht verifizieren, aber jeder, der Frederic und Nebiru Parfums nicht erst seit gestern verfolgt, wird wissen, dass das eher so ne "Deckt die Kosten"-Nummer ist. Man bekommt also seltenste, handverlesene Inhaltsstoffe, die es so nicht mehr geben wird zu einem sehr guten Preis.
- Bereue ich den Blindkauf?
Schwierig das zu beantworten. Dafür müsste ich ihm noch Zeit lassen und ihn vor allem mal bei einstelligen (Minus-)Temperaturen testen, denn jetzt im Sommer sehe ich den ehrlicherweise nicht.
- Wirst du den Seraphim behalten?
Ja. Zum einen weil ich weiß, dass ich hier einen absolute Gemstone habe, zum anderen aber auch, weil man ihn tatsächlich mit z.B. dem Agrias Vetiveris II layern- und damit "ertragbarer" machen kann.
- Ist es eine Todsünde dieses Kunstwerk "mischen" (layern) zu wollen?
Kann sein. Falls ja: Es möge sich bitte keiner angegriffen fühlen noch jemand auf die Idee kommen, dass ich da im Kunstwerk rumpfuschen wollen würde. Ich habe einfach nach einer Variante gesucht, wie man ihn auch der Um-welt zuträglicher machen könnte ;-)
- Sind 7 Punkte nicht etwas hart?
Jein. Aus handwerklicher Sicht absolut 'top notch'. Ebenso die Zutatenliste.
Ich würde mir einfach, der Harmonie und tragbarkeitshalber, aber noch einen stärkeren, intensivereren Gegenspieler wünschen, der der Marmelade beim Kampf hilft. Vll. Vanille?
Möglicherweise würde dieser auch für etwas mehr Spannung im Drydown sorgen …
----
Tolle artisanale Handwerkskunst. Werde ich nicht so häufig "pur" tragen, aber ein toller Start in die Elite XQ - Kollektion! :)



Aprikose
Erdbeere
laotisches Oud
Hyraceum
indische pinke Rose
Taif-Rose
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