Wie es ist ein Nasenmensch zu sein

Liebe Mitnasenmenschen, ich weiss nicht, warum es so lange gedauert hat die richtige Community für mich zu finden, und warum ich erst jetzt angefangen habe mich ausgiebig mit Parfüm zu befassen. Ein bisschen hat Corona schuld und etwas ein Outlet, das Düfte zu Dumpingpreisen anbietet. Und da man ja nicht ganz blind kaufen möchte, muss man vorher recherchieren und so bin ich hier gelandet.
Wenn ich an mein Leben zurückdenke, dann wurde es schon immer von Gerüchen bestimmt. Wenn ich als Kind im Botanischen Garten war, hing meine Nase immer in irgendeiner Blume drin. Auch der Stadtpark mit seinem wundervollen Rosengarten war mein Lieblingsort. Es musste jede Rose ausgiebig „berochen“ werden.
Ich verbinde mit Orten nicht nur Bilder, sondern auch immer bestimmte Gerüche. Ich trete aus dem Haus und nehme als erstes wahr wie die Luft riecht. Ich weiss wie die Sommer in meiner Kindheit gerochen haben, welchen Duft meine Urlaube hatten. Die trockene Sommerluft in Griechenland, die Bergluft in Österreich, die Dünen auf Ameland oder der Sommer in meiner Heimatstadt in Polen. Ich liebe den Duft alter Schlösser und Burgen, diese Mischung aus altem Holz und kaltem Stein.
Bis jetzt unterbreche ich meine Joggingrunde gerne, um meine Nase in eine Holunderblüte zu tauchen oder vor einem Holzstapel stehenzubleiben und den harzigen Holzgeruch zu inhalieren.
Ich liebe den Wald, wo es in jeder Jahreszeit und auch zur jeder Tageszeit anders riecht. Ich kann nachvollziehen, warum das der Lieblingsort von meinem Hund war. Selbst als Nichtvierbeiner bekommt man von allen Seiten Dufteindrücke. Frühsommer und Herbst sind dabei die intensivsten Jahreszeiten. Im Frühjahr läuft man oft geradezu in eine Duftwolke hinein, die man am liebsten einfangen und konservieren würde.
Bevor ich eine Süssspeise koste, muss ich immer zuerst daran riechen. Das hat mir schon komische Blicke und Kommentare beschert. Wenn ich Pilze sammeln gehe und das Glück hatte Steinpilze zu finden, werden die ständig aus dem Korb genommen und unter meine Nase gehalten.
Leider gibt es auch eine Vielzahl von schlechten Gerüchen, an die ich mich leider viel zu lebhaft erinnern kann.
Auf meinem Nachauseweg von der Grundschule nach Hause ging ich immer an meinem späterem Gymnasium vorbei der einen kleinen Vorgarten mit Büschen hatte. Eines Tages entdeckte ich dort einen halb skelettierten Vogel und zur gleichen Zeit blühte dort der eingrifflige Weissdorn, der einen etwas dumpf, modrigen Geruch hat. Ich dachte damals immer, der Geruch kommt von dem verwesenden Vogel bis ich später als Erwachsene begriff, dass die besagte Pflanze so riecht. Im Frühjahr rieche ich diese Pflanze ab und an und jedesmal habe ich wieder diesen toten Vogel vor meinen Augen.
Auf meiner Studienfahrt nach London waren wir im Londoner Dungeon und ich weiss noch wie es in dem Sezierraum gerochen hat, süsslich nach Formaldehyd und Wachs.
Als Studentin habe ich als Reinigungskraft im Krankenhaus gearbeitet. Dort trifft man auf eine Vielzahl von Gerüchen und dort habe ich zum ersten Mal wegen eines Geruchs würgen müssen. Die Details erspare ich Euch lieber. Auch weiss ich seitdem, wie es in einem Raum riecht kurz bevor ein Mensch stirbt. Das ist für mich in Ordnung, das Sterben gehört zum Leben dazu.
Spannend war es in der Schwangerschaft, als sich mein Duftempfinden komplett geändert hat. Plötzlich war alles Zitrische total in und alles Süsse verpönt. Mit den Folgen, dass ich CK One seit dem Ende meiner Schwangerschaft nicht mehr ausstehen kann. Nicht, dass ich dem nachtrauere, der Duft ist eher so mittel, war aber eine lange Zeit total in und man roch ihn in jeder Ecke.
Ich glaube ich habe jetzt ein Feld gefunden, das mir lange Zeit meines Lebens noch viel Freude bereiten wird und wo es noch viel zu lernen gibt. Da ich so etwas wie mein Hobby zum Beruf gemacht habe, habe ich jetzt noch einen anderen Bereich, der sich mit schönen Künsten beschäftigt und mit dem ich alt werden kann, falls ich Arthose bekommen sollte, keine Musikinstrumente mehr spielen kann und halb taub bin. Ich hoffe, das wenigstens meine Nase jung bleibt.
Danke, dass ich in dieser Community dabei sein darf.
Wie bestimmen Gerüche Euer Leben und Eure Erinnerungen?


Und auch sonst geht es mir ähnlich: wie riecht die Luft, wenn ich morgens rausgehe? Riecht es nach Regen, Frost, Schnee, oder kündigt sich der Frühling oder der Herbst schon an. Wälder liebe ich indes ebenfalls, da kann ich stundenlang an verschiedenen Orten verharren und den Duft inhalieren. Riecht der Boden torfig-rauchig, eher erdig, oder nach leicht vermodertem Grün? Nicht umsonst gehört die Gattung "Waldduft" zu meinen liebsten Richtungen.
Und: auch ich bin dankbar, die Community hier gefunden zu haben! :)
Das ist schön, dass du hier gelandet bist und du wirst sicher viel Freude mit tollen Texten und lieben Kontakten haben.
In meinem Leben spielen Gerüche auch schon immer eine Rolle nur war mir das noch bis vor einigen Jahren gar nicht so sehr bewusst. Ich dachte, es sei normal...
Ist es ja auch -- zumindest hier ;-).
Ja, Düfte in der Natur und in allen möglichen Lebensbereichen sind eindrucksvolle sinnliche Erlebnisse. Freilich werden sie, gerade wenn es um die künstlich und künstlerisch gesteigerten Dufterlebnisse mit komponierten PArfums geht, durch den sprachlichen Austausch mit ähnlich Interessierten noch einmal intensiver und bewusster; reflektiert und verfeinert eben.
Das macht Parfumo als Forum so wertvoll... :)
Meine Schwangerschaft liegt schon etliche Zeit zurück, aber der Geruch beim Öffnen des Kühlschranks der, unabhängig vom Inhalt, Übelkeit ausgelöst hat ist mir noch sehr präsent.
Auch der Geruch im Krankenzimmer eines Verstorbenen wird in meinem Duftgedächtnis immer abrufbar sein.
Viel Spaß beim Schnüffeln :)
Ich kann einen bestimmten Geruch aus meinen Teenie- Jahren nicht vergessen. Mein erster Job damals war an der Tankstelle und wir hatten natürlich auch eine kleine Back- Abteilung. Der Geruch der Backwaren mischte sich dann immer mit den vielen anderen Gerüchen dort und es entstand dieser verwirrende, metallische Geruch, den ich nie vergesse. Bis heute erinnern mich ähnliche Gerüche daran und katapultieren mich direkt zurück.
Sogar Sachen, die ich vorher nicht gemocht hätte. Und hinterher wurde mir davon schlecht - da
fand tatsächlich ein Umbau im Gehirn statt.
Ich kann das sehr gut nachvollziehen, ich bin auch ständig am schnuppern und freue mich über tolle Gerüche vor allem in der Natur. Manchmal ist es tatsächlich aber auch ein Nachteil mit dem guten Geruchssinn, ich habe auch in einer Klinik gearbeitet und in Heimen, aber wie du schon sagst, auch dies gehört zum Leben dazu. In der Schwangerschaft mochte ich jedes Mal fast keine Gerüche leiden aber liebte den Geruch von Beton so sehr ;-) schon merkwürdig...
hier bist Du gut aufgehoben bei denen, die Düfte nehmen und damit sich & ihre Umgebung komplettieren, kontrastieren, alles zusammenschmeißen & pürieren, in Wanderpakete schnüren, sich und andere verführen ... u dergl mehr ... bitte al gusto ergänzen :-)
Waldbaden mit oder ohne Guru dazu ist immer toll - über Pheromone, die uns glücklich machen wie Liebe &Schokolade
https://magazin.dak.de/darum-tut-uns-der-wald-so-gut/