SalvaSalvas Parfumrezensionen

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Salva vor 13 Tagen 30
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Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
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Flakon

Paco‘s einziger HERREN-Duft
Mein Anlass zu dieser Rezension ist selbstverständlich zum einen meine Begeisterung für dieses wunderbar männliche 1973er Parfum. Schon seit geraumer Zeit habe ich nämlich vorgehabt ein paar Zeilen zu Paco Rabanne‘s einzigem HERREN-Duft zu verfassen (Herren ist bewusst in Großbuchstaben geschrieben, dazu später noch etwas). Zum anderen aber hat mein letzter Test eines Dufts aus diesem Hause den Stein zum Rollen gebracht, wenn man so möchte. Denn dieser Test war für mich, wie bei eig. (fast) jedem Duft von Señor Rabanne, einfach für die Katz.

(Anmerkung: Hierbei handelte es sich um die Neuerscheinung von diesem Jahr mit dem aberwitzigen Namen „Phantom“ und dem noch genialeren Flakon... Wer meine Meinung zu diesem Duft wissen möchte, bitte einmal unter den zu diesem Duft dazugehörigen Statements nachlesen).

[...]

Nun denn, wer ist dieser Paco Rabanne?

Hinter dem Namen verbirgt sich ein baskischer Modeschöpfer und Designer aus San Sebastián im Norden von Spanien, der mit bürgerlichem Namen Francisco Rabaneda Cuervo heißt und sich mit seinem Unternehmen „Paco Rabanne SAS“ im Jahre 1965 einen Traum von der Selbstständigkeit erfüllte und welches bis heute auf dem Markt ist, wenn auch seit 1987 vollständig dem Kosmetikkonzern „Puig“ gehört.

Geboren im Jahre 1934, also kurz vor dem spanischen Bürgerkrieg von 1936 - '39, wuchs Rabanne aber unter ärmlichen Verhältnissen bei seiner Mutter auf, die zu der Zeit als Schneiderin beim Unternehmen „Balenciaga S.A.“ tätig gewesen war.
Um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen, floh sie mit ihm nach Ende des Spanischen Bürgerkrieges im Jahre 1939 nach Paris.
„Bessere Zukunft“ muss hier aber natürlich relativ gesehen werden, denn bekanntermaßen wütete bzw. begann weltweit zu dieser Zeit der 2. Große Weltkrieg...

Allen Umständen und Widerständen zum trotz jedoch nutzte Rabanne in Frankreich seine Chance und studierte ab 1952 Architektur. Nebenher ging er seinem Hobby nach und fertigte die für ihn so charakteristisch futuristischen Modeskizzen für bekannte Pariser Häuser an. Begeistern konnte er sich ebenfalls für
den Konstriktivismus und Science Fiction im Allgemeinen.
Nach dem Studium arbeitete er noch als Freiberufler für bspw. Cardin und Givenchy. Die Gründung seiner eigenen Firma folgte dann - wie erwähnt - Mitte der 1960er...

Der internationale Durchbruch jedoch gelang ihm 1968 mit der Kostümgestaltung des Science Fiction-Spielfilms „Barbarella“, bei dem er - u.a. für Oscarpreisträgerin Jane Fonda in der Hauptrolle - den hautengen Catsuit für sie entwarf.

Und neben Yves Saint Laurent gilt er heute nach wie vor als einer der stilprägendsten Designer der 1960er Jahre überhaupt.

[...]

Wenn man sich nun die Düfte Paco Rabanne’s ansieht und vergleicht, stellt man schnell fest, dass dieser 1973er Pour Homme total aus der Reihe tanzt, und zwar im absolut positiven Sinne, wie ich finde.

Und meine folgende Beschreibung bezieht sich auf die neuere Version, denn mein Flakon ist von diesem Jahr.

Dieser beginnt recht krautig-würzig mit deutlich wahrnehmbaren Muskatellersalbei, wozu sich für meine Nase zusätzlich riechender Rosmarin mit einbringt. Dieser sorgt für ein herbes Aroma, was zu Beginn für ein insgesamt tolles herb-frisch-würziges Aroma sorgt. Denn dieses herb-frische Akkord behält der Duft im weiteren Verlauf bei, während das Krautig-Würzige sich schnell zurückzieht.

Denn alsbald der Muskatellersalbei verschwindet, nehme ich Lavendel wahr, aber nur ganz sanft im Hintergrund. Dieser sorgt für einen - für mein Empfinden - zart seifigen Akkord. Nach wie vor dominiert aber für meine Nase der Rosmarin.

Zur Basis jedoch macht dieser Rosmarin Platz für das grüne (Eichen-)Moos, welches ein wesentlicher Charakter dieses Duftes ist. Und zu der grünen Basis lässt sich für mich ein winziger Hauch von süßem Honig im Hintergrund erkennen, welches den Duft wunderbar abrundet.
Moschus oder Amber rieche ich persönlich nicht raus.

[...]

Ich persönlich denke ein Duft dieser Art ist besonderes toll im Frühling und Herbst einsetzbar. Wenngleich man ihn auch (eigentlich) das ganze Jahr über zu jedem Anlass problemlos tragen könnte.

Mit etwa 5h Ausdauer weist mein Flakon über eine durchschnittliche Haltbarkeit auf. Die Sillage ist nur in der ersten Stunde ziemlich raumfüllend wie ich finde, danach wird er zunehmend hautnäher.

[...]

Fazit:

Die allermeisten für meine Geschlechtsgenossen lancierten Parfums aus dem Hause Rabanne‘s beinhalten dominant fruchtig-süße Noten, die wohl vordergründig jüngeres Klientel (U 30) ansprechen sollen. Das sind jedoch genau die Art Düfte, mit denen ich persönlich nie etwas anfangen konnte (auch nicht mit U 30).

Dieser ausdrucksstarke Fougère aber hier trägt zurecht den Beinamen Pour Homme, denn hier ist alles, was das klassische Herrenherz begehrt.

Herb-würzige Kräuter, aromatisch-seifig-moosige Frische.

Ein Duft für mich. Für unverfälschte Klassikliebhaber.

Für alle, die nicht blind irgendwelchen Trends folgen.

[...]

Vielen Dank für‘s Lesen!
25 Antworten

Salva vor 2 Monaten 38
9
Duft
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Haltbarkeit
8
Sillage
9
Flakon

Am Flughafen von Istanbul
Was ist Pflicht für jedes Parfumo-Mitglied an einem Flughafen? Richtig, der Besuch eines Duty-Free-Shops.

Nach meinem Urlaub in der Türkei habe ich neulich dieses bezaubernde EdT kennengelernt. Am Flughafen von Istanbul habe ich nämlich viel Zeit gehabt, da ich (wie sonst immer) sehr früh eingecheckt hatte. So nutzte ich meine Zeit, um im Duty-Free meiner Leidenschaft nachzugehen und Düfte zu testen.

Ich sah gleich zuerst die Regale von Hermès und selbstverständlich hat es mich sofort dahin gezogen. Und als ich diesen tollen Flakon vom 24 Faubourg sah, dachte ich nur „Jawoll, endlich kann ich ihn testen!“, denn zu lange schon hatte ich diesen Damen-Klassiker auf der Agenda gehabt.

[...]

Ich griff schnell zum Flakon und musterte ihn erstmal. Zügig kam auch ein Verkäufer auf mich zu und wollte mir doch lieber Tom Ford schmackhaft machen. In seinem niedlichen Englisch versuchte er mich zu überzeugen:
„Sir, this perfume is for women. Let me show you Tom Ford perfumes, best brand ever... You know Oud Wood?“

Hmm, ok. Ich schmunzelte und lächelte ihn an:
„I know, Sir. Tom Ford is the best man in world (Die Ironie könnt er durch mein Augenzwinkern erkannt haben).

„But I prefer classical French brands...
And I don‘t care women, men or alien...“
(Hier schwang schon ein ernsterer Unterton mit. Seinem Blick zufolge hat er auch das wohl so deuten können).

Freundlich und höflich war er dennoch und er hat mich dann auch in Ruhe gelassen. So konnte ich u.a. diesen Duft testen und war sofort sehr angetan...
(Im Augenwinkel sah ich aber, wie ich von ihm beobachtet wurde...).

[...]

24 Faubourg EdT strahlt dieses von mir so geschätzte und geliebte klassische Charisma aus, das ich auch bei Damen-Düften so toll finde. Er hat nichts jugendliches oder mädchenhaftes an sich, sondern ist ein durch und durch erwachsener und ladyliker Duft. Der Auftakt zeigt bereits mit was man es hier auf sich hat, und zwar mit einem sehr selbstbewussten und exquisiten Parfum.

Er beginnt leicht frisch-fruchtig mit für mich deutlich wahrnehmbarer bitterer und fast schon „Hermèstypischer“ Orange. Diese kommt sehr natürlich daher, und zwar wie eine Orange, die ziemlich lange unter der Sonne lag. Ich habe mich gleich wohl gefühlt, so als würde jemand einen in den Arm nehmen und sagen „komm, alles wird gut...“.

Im weiteren Verlauf übernimmt das klassische Blumenbouquet die Hauptrolle. Der Duft wird blumig, und zwar in einer wie ich finde schon opulenten, jedoch keinesfalls anstrengenden Weise. Ich nehme hier insbesondere die Hyazinthe wahr, die dem Parfum ein betörend-intensives Aroma mit einer leichten Süße verleiht. Immer wieder zischt mir auch ein Hauch Jasmin und Gardenie in die Nase. Der Duft bleibt dabei aber fabelhaft klassisch und behält seine elegante Seriosität.

Abgerundet wird das Ganze zur Basis mit orientalischen Akkorden. Amber und Vanille sorgen dafür, dass er seine Sinnlichkeit beibehält. Hier treten die Blüten auch etwas in den Hintergrund, doch verschwinden sie nie ganz. Nach wie vor bekomme ich immer wieder einen Hauch floraler Akkorde mit.

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Ich empfehle bei diesem Duft nicht allzu viele Sprüher, da er wie ich finde stark projiziert und sehr gut Räume füllt. Die Haltbarkeit lässt sich auf meiner Haut mit beachtlichen 8-9 h auch sehen.

Er scheint mir persönlich für kühlere Tage im Frühling und den Herbst am besten geeignet zu sein. Dezent dosiert ist er im Alltag genau so gut einsetzbar denke ich wie für die Abendstunden, an denen ich ihn am besten sehe.

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Nach einiger Zeit kehrte der Verkäufer wieder zurück:
„Sir, you really like French perfumes. You only tested those ones. Here you have some samples... Have a good flight...“

Tatsächlich schenkte er mir eine kleine Tüte mit vielen verschiedenen Pröbchen, u.a. zwei vom 24 Faubourg EdT. Damit hatte ich natürlich null gerechnet. Wie ich mich gefreut habe...
Ich bedankte mich selbstverständlich artig und verließ mit einem breiten Grinsen den Laden...

[...]

Fazit:

Mein Urlaub war wunderschön. Istanbul ist eine atemberaubende Stadt und ich kann sie jedem nur wärmstens empfehlen bei Gelegenheit zu besuchen. Und dass ich mit diesem kleinen Probengeschenk noch so verwöhnt wurde, war so gesehen das Tüpfelchen auf dem I.

Endlich konnte ich 24 Faubourg testen, dessen Name übrigens auf die Adresse des Hauptsitzes von Hermès in Paris zurückgeht, nämlich 24 Rue du Faubourg Saint-Honoré. Es gibt ihn auch jeweils in der EdP- sowie Parfum-Konzentration, die ich beide jedoch nicht kenne.

Das EdT aber ist ein wunderschöner, blumiger und leicht orientalischer, klassischer Damen-Duft, der eine elegante, attraktive und weibliche Aura mit viel Glanz ausstrahlt.

Und wenn die bezaubernd schöne und Stil sichere ehemalige Prinzessin Diana (möge der Herr sie selig haben) diesen Duft als eines ihrer Lieblingsdüfte bezeichnete, dann denke ich „ja, zu einer Lady wie ihr steht er hervorragend...“
(zu lesen übrigens u.a. im Buch "Royal Duty" von Paul Burrell, ihrem ehemaligen Butler).

[...]

Vielen Dank für‘s Lesen!
27 Antworten

Salva vor 2 Monaten 41
10
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage
9
Flakon

Was ein Name!
Chanel gehört zu den Marken, die ich persönlich zu meinen „Les Indispensables“ (dt.: Die Unverzichtbaren) zähle.

Bis heute habe ich keinen Duft aus dem Hause gerochen, der mir nicht gefiel.

Es gibt bekanntlich die Bleu-Reihe, von der ich lange das EdP besaß. Alle drei Varianten sind sicherlich auf ihre Art sehr gut und mit keinem macht man im Prinzip etwas falsch.
Dann gibt es die Allure-Reihe, von der ich auch viele sehr gut finde und bei der man unter all den Flankern durchaus fündig werden kann.
Zudem gibt es den Pour Monsieur, der als EdT oder EdP fast schon ein „Muss“ für Klassikliebhaber ist.

All diese Düfte haben eines gemeinsam: Von der Grundausstattung sind sie in erster Linie frisch.

Zusätzlich ist auch der 80er Powerhouse-Duft Antaeus erhältlich, der sicherlich (zurecht) seine Fans hat. Doch ich persönlich mag ihn nicht tragen, wenngleich ich ihn als sehr gut gemacht betrachte.

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Doch ganz anders ist dieser Égoïste. Mensch, was ein Name...

In den Recherchen zu meinen Rezensionen versuche ich auch u.a. stets etwas über den Namen eines Duftes herauszufinden. Mich persönlich interessiert nicht nur der Geruch, sondern das große Ganze. Etwas Spezifisches fand ich bzgl. der Namensgebung nicht heraus, doch Meisterparfumeur Jacques Polge wird sich schon etwas gedacht haben.

Wenn man nämlich einen Duft so nennt, dann muss zwangsläufig etwas Großartiges bei rumkommen. Und das ist es auch wie ich finde. Er riecht eben ganz anders als alle anderen Herren-Chanels. So als will er sagen „schaut, ich bin so wie ich bin. Entweder man mag mich oder eben nicht.“
Und zwar so wie jemand der seiner selbst bewusst ist und niemanden etwas beweisen muss. Ein „Egoist“ eben...

Ich habe ihn eigentlich - warum auch immer - zu lange außen vor gelassen, ehe ich ihn vor einigen Monaten blind bestellte. Und ich erlebte einen dieser Momente, die ich an diesem Hobby so liebe; ich roch am Sprühkopf und wusste: Oh ja, der ist phänomenal! So erging es mir nämlich mit dem Égoïste EdT. Und doch überraschte mich dies nicht, denn zählt Zimt unter den wärmeren Noten zu denjenigen, die ich mit am meisten favorisiere.

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Der Duft startet sehr intensiv mit einer frischen und leicht fruchtigen Mandarinennote, die jedoch umhüllt ist von deutlich wahrnehmbarem Koriander, der für einen bitter-würzig und salbeiartigen Einschlag sorgt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass gerade dieser Beginn nicht jeder Nase zusagt. Denn massentauglich kommt er mMn nicht daher. Ich finde den Beginn aber schon hervorragend, denn er hat etwas Eigenständiges und Expressives an sich.

Doch nach kurzer Zeit zieht sich die Mandarine mit dem Koriander zurück und macht Platz für die Zimtnote, die ich so sehr mag und auch hier wahrnehme. Diese ist wie ich finde schon dominant, jedoch ist sie nicht allzu stark und süß wie bei anderen zimtlastigen Parfums (z.b. Calvin Klein’s Obsession EdT), da sie zeitgleich von einem floralen Akkord, welchen ich auf die Rose zurückführe, etwas milder und sanfter gemacht wird und dadurch harmonisch und perfekt miteinander eingebunden ist. Ab dieser Phase empfinde ich den Duft als sehr sinnlich und elegant. Diese famose Zimt-Rosen-Kombi habe ich nämlich bis dato bei keinem anderen Duft erleben dürfen.

Zur Basis hin bekommt der Duft mit dem Sandelholz und der Vanille einen zusätzlichen Hauch von Orient mit holzigem Unterton verpasst.

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Trotz seines auf den ersten Blick erscheinenden warmen Charakters kann man ihn zweifellos - außer wohl im Hochsommer - das ganze Jahr über tragen.

Mein Flakon ist wie erwähnt von diesem Jahr. Seine Haltbarkeit ist mit etwa 6-7 h auf meiner Haut für mich persönlich mehr als zufriedenstellend.
Trotz seines eher wärmeren Auras projiziert er nicht all zu stark, was mir persönlich aber sehr zusagt. In den ersten 1 - 1,5 h nehm ich noch eine Sillagewolke wahr, ehe er für die restlichen 4-5 h direkt auf der Haut noch intensiv wahrnehmbar ist.


Fazit:

Ich habe alle mir bekannten Herren Chanels gerochen und getestet. Neben dem Pour Monsieur betrachte ich persönlich den Égoïste EdT als besten Herren-Duft aus dem Hause. Was hier erzeugt wurde gleicht schon mMn fast einer olfaktorisch einzigartigen Meisterkreation.

Dieser Duft schafft es zwar klassisch zu sein, aber ohne „altbacken“ (ich mag diese Bezeichnung nicht, daher in Gänsefüßchen) zu wirken und zeitgleich so sinnlich-elegant in seiner eigenen Art und Weise wie kaum ein anderer mir bisher bekannte Duft.

Wer Égoïste trägt, will ein Statement setzen und tut in erster Linie sich selbst einen Gefallen.

Ein faszinierendes Parfum mit einem höchst spannenden Namen, das ich in meiner Kollektion nicht mehr missen möchte.

[...]

Vielen Dank für‘s Lesen!
22 Antworten

Salva vor 3 Monaten 27
9
Duft
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Haltbarkeit
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Sillage

Vom Roman zum Parfum - Eine äußerst gelungene Kreation
Bel Ami - Schöner Freund

Wie kommt so ein Name zustande?

Der Name ist auf den 1885 erschienenen gleichnamigen Roman von Guy de Maupassant zurückzuführen, der den beruflichen und gesellschaftlichen Aufstieg eines Unteroffiziers im Paris des 19. Jahrhunderts erzählt.

Ein ungebildeter, geltungssüchtiger und beinahe mittelloser Herr namens Duroy trifft auf seinen ehemaligen Kumpel Forestier, der für eine Zeitung arbeitet. Dank seinem Freund erhält Duroy bei dieser Zeitungsredaktion ebenfalls eine Stelle. Schnell stellt er aber fest, dass er für‘s Schreiben weniger talentiert ist und sucht daher sein „Glück“ auf anderem Wege.

Nicht nur den Job, sondern auch die Bekanntschaft mit der höher gestellten Gesellschaft Paris’ hat Duroy seinem Freund zu verdanken. Alsbald nennt man ihn „Bel Ami“; sein Spitzname, unter dem er bekannt wird. Dass er nach dem Tod Forestier‘s seine Witwe zur Gemahlin nimmt und weiterhin diverse Affären mit anderen Damen hat, spiegelt indes seinen boshaften und opportunistischen Charakter wieder.

Seine zweite Heirat mit der Tochter des Zeitungsherausgeber‘s eröffnet ihm endgültig den Aufstieg an die Spitze der Gesellschaft.

[...]

Nun, was erwartet man denn von einem Duft, der so benannt ist? Mit Blick auf den Protagonisten des Roman‘s könnte man zwar meinen, dass es sich bei diesem Parfum um einen v.a. sehr verführerischen Duft handelt. Ich persönlich aber habe nichts erwartet, um ehrlich zu sein. Denn das Testen dieses Duftes habe ich sehr lange vor mir hergeschoben, da mich das hier aufgelistete Leder stets aufhielt; gehört es nämlich nicht zu den Noten, die ich bevorzuge.

Als ich vor geraumer Zeit hier endlich eine Abfüllung bestellte, testete ich ihn natürlich ausgiebig. Und er hat mich ziemlich überrascht, und zwar im positiven Sinne.

Er wird hier zwar als ledrig-würzig klassifiziert und Leder gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsnoten, aber glücklicherweise ist es in diesem Duft nur als Nebendarsteller eingebunden; zumindest empfind ich es so.

Für mich startet er sehr frisch-aromatisch mit hesperidischen Noten wie der Bergamotte und Zitrone sowie einem ersten herb-würzigen Akkord, welchen ich auf den Salbei zurückführe.
Nach kurzer Zeit gesellen sich weitere Gewürze dazu, die die anfänglichen Zitrusnoten zurückdrängen und sich in den Mittelpunkt stellen. Diese empfinde ich im weiteren Verlauf aber als sanfter und angenehmer als zu Beginn; nicht stechend oder piksend in der Nase.
Das Leder nehme ich wenn, dann erst zur Basis wahr, doch dort auch nur dezent im Hintergrund. Hier preschen nämlich grünes Moos und Vetiver hervor, die dem Duft einen leicht holzig- und chypreartigen Charakter verleihen, was ich so schätze und mag.

[...]

Für den Sommer ist er v.a. aufgrund der Gewürze mMn nicht so geeignet, doch sehe ich ihn in allen anderen Jahreszeiten problemlos tragbar. Bevorzugt jedoch vielleicht im Herbst und an kühleren Frühlingstagen.

Die Haltbarkeit lässt sich mit etwa 7 h bei 5-6 Spritzern auf meiner Haut sehr sehen, und eine Duftwolke nehme ich an mir selber die ersten 2 h auch wahr.

[...]

Fazit:

Auch wenn für mich persönlich nach wie vor Terre d‘Hermès EdT als bester Duft des Hauses gilt, gefällt mir der Bel Ami EdT auch sehr.

Er ist ein männlich markanter, klassisch geprägter, würzig aromatischer Duft mit leichten Chypreanklängen, bei dem zum Glück das Leder nicht so sehr im Mittelpunkt steht.

In der Tat strahlt er gar eine leicht sinnliche Verführer-Aura aus, die ich schon wahrnahm, bevor ich mich überhaupt mit den Hintergründen bzgl. der Namensgebung auseinandersetzte. Diese verführerische Note jedoch ist sehr subtil und zurückhaltend in seinem gesamten Auftreten. Sie ist überhaupt nicht aufdringlich, sondern sehr höflich und zivilisiert.

Und vermutlich hat auch Duroy wohl die Damen so erobert...

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Vielen Dank für‘s Lesen!
23 Antworten

Salva vor 3 Monaten 35
9.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
9
Flakon

Wenn man wie Engel duftet...
Was sind Engel?
Wie sehen sie aus?
Was essen sie?
Was trinken sie?
Wie duften sie?

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Schon als Kind fand ich Engel immer faszinierend und stellte mir selbst immer wieder diese Fragen.

Ich erinnere mich an meine Grundschulzeit, als ich in der zweiten Klasse meinen allerersten Engel malte, ihn meiner Klassenlehrerin präsentierte und stolz wie Oscar war.
Auch heute als Erwachsener beschäftige ich mich nach wie vor mit diesem Thema.

Nun sagt man in den Lehren der monotheistischen abrahamitischen Religionen Engel seien Geistwesen in menschlicher Gestalt, von Gott geschaffen und als dessen Bote zu den Menschen gesandt wurden. Als religiösen Menschen würde ich mich selbst zwar nicht bezeichnen, dennoch möchte ich diesem Glauben schenken (und tue es auch). Denn gläubig bin ich irgendwie schon...

[...]

Wenn ich Düfte zum ersten Mal rieche, assoziiere ich sie oft mit etwas Bestimmten. Bei diesem Prada Amber Pour Homme EdT waren es neulich eben jene Engel; dieser Duft ist so rein, pur, sauber, frisch, erhaben und edel, dass ich ihn gleich mit Engel in Verbindung brachte.

Gerade das Haus Prada ist ja bekannt für diese Art von sauberen Düften. Das italienische Mode- und Lederwarenunternehmen mit Sitz in Mailand wurde bereits 1913 von Mario Prada gegründet, doch der große Durchbruch gelang im Prinzip erst Ende der 70er, als die Enkelin des Gründers, Miuccia Prada, das Unternehmen übernahm. Mit ihr gelang es der Firma weltweit ordentlich Fuß zu fassen und sich einen Namen zu machen.

Düfte aber brachte man erst ab 2004 auf den Markt, und zwar mit dem schlichten Namen „Prada“ zu allererst einen Duft für die Damen (im Prinzip die Damen-Version dieses Pour Homme‘s, wenngleich diese in eine deutlich andere Richtung geht).
Der Prada Amber Pour Homme EdT ist dagegen der erste Herren-Duft aus dem Hause, welcher 2006 erschien. Und er ist für mich ein wirklicher Engelsduft gesegnet mit purer Klasse...

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Dieser Duft ist so einfach und schlicht, aber dabei so faszinierend schön, dass ich richtig begeistert bin und mich frage, warum ich ihn nicht früher getestet und entdeckt habe. Gerade jetzt im Frühling/Sommer, wenn es nicht allzu warm ist, entfaltet er seine wunderbare Aura und sein famoses Aroma wie sonst was.

Die Bezeichnung „Amber“ irritiert anscheinend viele, wenn sie diesen Duft testen, ist diese Note ja gar nicht in der Pyramide gelistet. Auf den ersten Blick verständlich, jedoch wenn man sich mit der Parfümeurin Daniela Andrier (eine Deutsche, die u.a. für Chanel arbeitete) beschäftigt und sich mit ihren Gedanken und Visionen auseinandersetzt, dann stellt man fest, dass die Bezeichnung bewusst gewählt worden ist. Hier ist die Note nämlich aufgrund der anderen eben anders interpretiert und nicht so warm, wie man sie sonst kennen mag, sondern in Gänze eher frisch-ergiebig-sinnlich.
Aber abgesehen davon: Wenn ein Duft der Nase gefällt, sollte alles andere egal sein...

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Einen großartig spannenden Verlauf hat der Duft nicht, was mich aber null stört. Insbesondere dies zeichnet diesen fabelhaften Duft mMn aus.

Er beginnt gleich ultra frisch mit leichten hesperidischen Akkorden, ehe er seine charakteristische frisch-pudrige Seifennote erhält. Diese ist nämlich sein Hauptwesen und behält er auch bis zur Basis, ehe sich dort - für mein Dafürhalten - ein zarter Hauch von sinnlich orientalischen Noten dazugesellt.

Überraschenderweise weiß er auch mit einer starken Haltbarkeit zu überzeugen. Oftmals haben ja Düfte dieser Art bekanntlich Schwächen in dieser Hinsicht, jedoch nicht dieser hier. Auf meiner Haut hält er gute 7 h, und die Sillage nehme ich in der ersten 2-3 h auch selbst gut wahr.

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Fazit:

Dass er irgendwie im Schatten vom L’Homme EdT aus dem Hause Prada steht, finde ich wird dem Duft überhaupt nicht gerecht. Aber wenn selbstverliebte, narzisstisch veranlagte und mit einer großen Portion ADHS ausgestattete sogen. Influencer den L’Homme EdT jahrelang über den grünen Klee loben und nach und nach alle Welt einander nachplappert, ist das doch keine große Überraschung.

Wie dem auch sei, soll mir persönlich egal sein. Ich finde den Prada Amber Pour Homme EdT wunderschön. Ein in meinen Augen qualitativ hochwertiger, wunderbar eleganter und edel riechender, sauberer, pudriger Seifenduft mit einem Schlag Orient, wenn man so möchte.

Unverwechselbare Einfachheit und individuelle Schlichtheit vereint in purer eleganten Klasse.

Ein Duft von Engel für Engel...

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Vielen Dank für‘s Lesen!
23 Antworten

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