
Stulle
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Slow-Dating statt Speed-Dating
Lavendelseife mit Rosmarin, Muskatellersalbeigrün, quasizitrische Obertöne.
Im weiteren Verlauf wird der Duft etwas rauchig; nicht sakral, sondern mehr so im Lagerfeuer-Stil.
Und dann kommt auch eine winzige Honignote zum Vorschein.
Viel später erscheint endlich die (offensichtlich heruntergeregelte) eichenmoostypische Menschennote, und die ist für mich einfach das Schönste an diesen alten Eichenmooslingen!
Ich gestehe: ich bin durchaus ein Freund reformulierungsbedingter Entkernung alter Kracher. Zwar geht wohl immer Tiefe und Fülle der alten Originale verloren, macht jedoch manch knarrrrzigen Kamerrrraden heutzutage tragbar, ohne die Herkunft zu verleugnen.
Klar ist Paco Rabanne pH nichts für Zwanzigjährige auf der Balz. Aber wenn ein bisschen Ruhe ins Leben einkehrt, vielleicht man auch etwas an Fokus und Klarheit gewonnen hat - dann darf man den mal testen. Und entspannt genießen.
Im weiteren Verlauf wird der Duft etwas rauchig; nicht sakral, sondern mehr so im Lagerfeuer-Stil.
Und dann kommt auch eine winzige Honignote zum Vorschein.
Viel später erscheint endlich die (offensichtlich heruntergeregelte) eichenmoostypische Menschennote, und die ist für mich einfach das Schönste an diesen alten Eichenmooslingen!
Ich gestehe: ich bin durchaus ein Freund reformulierungsbedingter Entkernung alter Kracher. Zwar geht wohl immer Tiefe und Fülle der alten Originale verloren, macht jedoch manch knarrrrzigen Kamerrrraden heutzutage tragbar, ohne die Herkunft zu verleugnen.
Klar ist Paco Rabanne pH nichts für Zwanzigjährige auf der Balz. Aber wenn ein bisschen Ruhe ins Leben einkehrt, vielleicht man auch etwas an Fokus und Klarheit gewonnen hat - dann darf man den mal testen. Und entspannt genießen.
35 Antworten
Tom Ford ohne Posaunen und Getröte
TF EXTREME ist für mich die würzig-unfruchtige Version von TF MEN. Genauso entspannt-elegant, aber in balsamisch-holzig. Ein Hauch Rum, ein bissl Vetiver. Keine Lautstärke, sondern Understatement.
Am ehesten nehme ich zu Beginn eine kardamomöse Zistrose wahr, minimal von Safran flankiert. Die Obstnote schreibe ich der Kombination dieser Elemente zu, denn nach echten Früchten riecht hier nix. Vielleicht ein µ der von mir wenig geliebten Duftfeige ist wahrzunehmen. In dieser homöopathischen Menge hält sich meine Verachtung dafür durchaus in Grenzen.
Die Basisnote ist unglaublich anschmiegsam, ledrig-angesandelt, tannenbalsamisch und immer noch ganz leicht angeschickert. Sogar ein kleines, schüchternes Rauchwölkchen vermeine ich zu ertappen. Hier ist alles so wunderbar weich verblendet und verwoben, dass es eine wahre Freude ist!
Schade, dass es TFE nicht mehr gibt - vermutlich war er einfach zu wenig spektakulär und die Kundschaft hat ihn mit Verachtung gestraft. Mein Beuteschema wäre er gewesen.
Am ehesten nehme ich zu Beginn eine kardamomöse Zistrose wahr, minimal von Safran flankiert. Die Obstnote schreibe ich der Kombination dieser Elemente zu, denn nach echten Früchten riecht hier nix. Vielleicht ein µ der von mir wenig geliebten Duftfeige ist wahrzunehmen. In dieser homöopathischen Menge hält sich meine Verachtung dafür durchaus in Grenzen.
Die Basisnote ist unglaublich anschmiegsam, ledrig-angesandelt, tannenbalsamisch und immer noch ganz leicht angeschickert. Sogar ein kleines, schüchternes Rauchwölkchen vermeine ich zu ertappen. Hier ist alles so wunderbar weich verblendet und verwoben, dass es eine wahre Freude ist!
Schade, dass es TFE nicht mehr gibt - vermutlich war er einfach zu wenig spektakulär und die Kundschaft hat ihn mit Verachtung gestraft. Mein Beuteschema wäre er gewesen.
13 Antworten
Mein Favorit von Grauton
Warum nicht mal eine Rezension?
Frug ich mich jedenfalls, als ich mein viel zu langes Statement anschaute. Alsdann, hier Information mit ein bisschen Meinung aufgepeppt.
Aldehydisch-seifig mit leuchtender Zitrik, dazu Wacholder, herbes Kampfer fein verbaut, blumige Akzente, Galbanum. Basis weich-teerig, Kampfer & Vetiver deutlich, aber sehr geschmeidig und ohne Schärfe. Rasierwasser-Vibes.
Überraschung auf Textil: total seifig und sauber, die schönen Details bleiben unter der limettigen Seife erstmal weitgehend versteckt und erscheinen dann im Laufe der Stunden.
Das ist für mich definitiv der bislang gelungenste Duft der Marke, auch, weil er maskuliner angelegt ist als die etwas gefälligeren anderen Grautöne, ohne aber alt zu duften.
Ich bin auch total erfreut, dass jemand anno 2023 die Traute zu solch einem angedeuteten Rückgriff auf die 70er Jahre hat - und dabei auch noch voll ins Schwarze trifft.
Top und fast zeitlos!
Frug ich mich jedenfalls, als ich mein viel zu langes Statement anschaute. Alsdann, hier Information mit ein bisschen Meinung aufgepeppt.
Aldehydisch-seifig mit leuchtender Zitrik, dazu Wacholder, herbes Kampfer fein verbaut, blumige Akzente, Galbanum. Basis weich-teerig, Kampfer & Vetiver deutlich, aber sehr geschmeidig und ohne Schärfe. Rasierwasser-Vibes.
Überraschung auf Textil: total seifig und sauber, die schönen Details bleiben unter der limettigen Seife erstmal weitgehend versteckt und erscheinen dann im Laufe der Stunden.
Das ist für mich definitiv der bislang gelungenste Duft der Marke, auch, weil er maskuliner angelegt ist als die etwas gefälligeren anderen Grautöne, ohne aber alt zu duften.
Ich bin auch total erfreut, dass jemand anno 2023 die Traute zu solch einem angedeuteten Rückgriff auf die 70er Jahre hat - und dabei auch noch voll ins Schwarze trifft.
Top und fast zeitlos!
34 Antworten
Ein Held wird schnell zum Depp
Hatte ich den Duft nach den ersten Tests noch im weitestens Sinne bei den Aquatikern einsortiert, geriert sich PRIVATE NUMBER beim längeren Tragen doch etwas anders. Schon zwei kurze Hübe aus dem knuffigen Flakönchen hauen ordentlich rein! Bitte Obacht geben beim Probieren, gell?
In einer recht künstlichen Fruchtigkeit ist Lavendel deutlich wahrnehmbar, allerdings vielmehr süß als krautig. Bergamotte kann ich nicht entdecken, leicht bitteres Galbanum nur in sehr geringer Dosis. Mehr Grün hätte PN meines Erachtens schon sehr gut getan, aber das war ja eventuell gar nicht die Intention von Aigner im Jahr 1992.
Immerhin sehe ich ein kleines (und gut chloriertes) Waldschwimmbädchen vor meinem geistigen Auge. Das, was ich als Muskatellersalbei zu erkennen glaube, nimmt recht viel Raum in der Mitte ein, flankiert von etwas Rose - nicht unbedingt der natürlichsten - und einer balsamischen Note. Ja, letzteres könnte schon die Tanne sein (Ha! Das Schwimmbad im dunklen Forst!), allerdings sehr zurückhaltend (leider) und auch nicht in maskuliner Ausprägung (noch leiderer).
Die Basis ist tendenziell ambratisch, mit irgendeiner weichen Moschusverbindung und einer deutlich wahrnehmbaren Tonkabohne aufgepimpt. Eichenmoos oder Zeder kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Wer am Folgetag nochmal am Shirt schnuppert, entdeckt einen cremigen Ausklang; synthetische Süße glänzt nicht unbedingt mit Zurückhaltung.
Mein Resumé: fruchtig-ambratisch, etwas lavendelig, wenig grün, stark synthiesüß und recht speziell.
Ich kann verstehen, dass manch einer PRIVATE NUMBER nicht mag und old fashioned findet. Aber es ist ja oftmals das Schicksal intensiver und auffälliger Düfte, dass sie manchmal einfach nicht so gut altern. Ein Held wird schnell zum Depp.
Am richtigen Träger (oder Trägerin) wird das EdT trotzdem gut duften - wenn die Dosierung stimmt. Bei mir liegt es je nach Tagesform gerade so an oder unter der Tragegrenze von 6,5 Punkten.
In einer recht künstlichen Fruchtigkeit ist Lavendel deutlich wahrnehmbar, allerdings vielmehr süß als krautig. Bergamotte kann ich nicht entdecken, leicht bitteres Galbanum nur in sehr geringer Dosis. Mehr Grün hätte PN meines Erachtens schon sehr gut getan, aber das war ja eventuell gar nicht die Intention von Aigner im Jahr 1992.
Immerhin sehe ich ein kleines (und gut chloriertes) Waldschwimmbädchen vor meinem geistigen Auge. Das, was ich als Muskatellersalbei zu erkennen glaube, nimmt recht viel Raum in der Mitte ein, flankiert von etwas Rose - nicht unbedingt der natürlichsten - und einer balsamischen Note. Ja, letzteres könnte schon die Tanne sein (Ha! Das Schwimmbad im dunklen Forst!), allerdings sehr zurückhaltend (leider) und auch nicht in maskuliner Ausprägung (noch leiderer).
Die Basis ist tendenziell ambratisch, mit irgendeiner weichen Moschusverbindung und einer deutlich wahrnehmbaren Tonkabohne aufgepimpt. Eichenmoos oder Zeder kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Wer am Folgetag nochmal am Shirt schnuppert, entdeckt einen cremigen Ausklang; synthetische Süße glänzt nicht unbedingt mit Zurückhaltung.
Mein Resumé: fruchtig-ambratisch, etwas lavendelig, wenig grün, stark synthiesüß und recht speziell.
Ich kann verstehen, dass manch einer PRIVATE NUMBER nicht mag und old fashioned findet. Aber es ist ja oftmals das Schicksal intensiver und auffälliger Düfte, dass sie manchmal einfach nicht so gut altern. Ein Held wird schnell zum Depp.
Am richtigen Träger (oder Trägerin) wird das EdT trotzdem gut duften - wenn die Dosierung stimmt. Bei mir liegt es je nach Tagesform gerade so an oder unter der Tragegrenze von 6,5 Punkten.
25 Antworten
OK BOOMER!
Mist, schon wieder so ein Duft, bei dem ich nicht die Klappe halten kann. Dabei versuche ich doch wirklich alles, um keine Kommentare schreiben zu müssen. Herrje…
Vorab eine kurze Triggerwarnung: wer auf süß-synthetische Herrendüfte steht - STOP! Bitte KEINESFALLS weiterlesen!
JAGUAR FOR MEN startet mit Zitrusfrüchten in reichhaltiger Auswahl: Orangen, Mandarinen & Zitronen werden hier äußerst lecker verbastelt. Es duftet jedoch weniger fruchtsaftig als vielmehr erfrischend bitter. Etwa so wie die von @Axiomatic erwähnte englische Orangenmarmelade, für die ja von alters her die (Bitter-)Orangenernte aus den Strassen von Sevilla verwendet wurde; heutzutage natürlich nicht mehr, aufgrund der Kontamination durch den Strassenverkehr sind die Dinger beim besten Willen nicht genießbar.
Danach kommt zügig ein Vintage-Herrengedeck ins Spiel: Kiefer mit dieser ihr eigenen harzigen Süsse, Wacholder/Juniper, Mustkatnuss und Nelken. Man ahnt da schon, dass das Eau de Toilette zumindest nicht nach der Jahrtausendwende konzipiert wurde. Trotzdem überlagert diese brusthaarige Mischung nicht allzusehr die Zitrizität des Beginnes. Die Punktzahl bleibt oben.
Det janze klingt mit einer dominanten Moos-Note aus, die stark seifenfrischkrautig und auch ein bißchen pudrig anmutet. Ich nehme da ebenfalls einen Akzent Sandelholz, etwas Patchouly und ein Tabakwölkchen wahr. Und was ich richtig gut finde: es prickelt die ganze Zeit Ahoi-Brausepulver mit. Zitronen- und Orangenbrause sicher, aber irgendwie auch etwas Waldmeister. Klasse!
Ich hatte JAGUAR FOR MEN mit wesentlich mehr Eichenmoos im Gedächtnis. Trügt mich da die Erinnerung? Ich vermute eine (mehr oder weniger freiwillige) INCI-Frischzellenkur, die dem Duft im Sinne der Tragbarkeit jedoch äußerst gut getan hat. Als Kollateralschaden sehr zu begrüßen!
Jedenfalls hatte ich auch nach mehrmaligem Benutzen - ich habe ihn zwei Wochen lang fast täglich getragen - nie dieses Gefühl, in einer anderen Dekade steckengeblieben zu sein. Zumindest nicht komplett. *hust*
Also bitte nicht falsch verstehen: der Duft gehört immer noch in die Sparte der maskulin-moosigen EdT und ist weder unisex noch eine Konkurrenz zu süß-würzigen Herrendüften; aber eben auch nicht so hart 80er-Jahre-Macho wie erwartet.
Er steht vielmehr wie eine moosüberwachsene und erbaulich anzuschauende Statue seit langer Zeit in der grünen Duftlandschaft und den meisten Drogerien herum und erinnert an einen Parfumstil der Vergangenheit, der sich galant modernisiert und in die Gegenwart begeben hat.
Wenn man sich einfach mal unvoreingenommen darauf einläßt, kann man ein ganz wunderbares, vielseitig verwendbares und garnicht so altbacken duftendes Eau de Toilette erleben, das als Gegengewicht zu Synthie-Stech-Kaugummi-Überzucker-Haudraufsillagen-Fruchtgummi-Vanille-Mainstreamern wirklich große Freude macht.
So schöne und aussagekräftige Herrendüfte gibt’s also immer noch für wenig Geld. Perfekt für Fast-Boomer wie mich und immer einen Test wert.
Vorab eine kurze Triggerwarnung: wer auf süß-synthetische Herrendüfte steht - STOP! Bitte KEINESFALLS weiterlesen!
JAGUAR FOR MEN startet mit Zitrusfrüchten in reichhaltiger Auswahl: Orangen, Mandarinen & Zitronen werden hier äußerst lecker verbastelt. Es duftet jedoch weniger fruchtsaftig als vielmehr erfrischend bitter. Etwa so wie die von @Axiomatic erwähnte englische Orangenmarmelade, für die ja von alters her die (Bitter-)Orangenernte aus den Strassen von Sevilla verwendet wurde; heutzutage natürlich nicht mehr, aufgrund der Kontamination durch den Strassenverkehr sind die Dinger beim besten Willen nicht genießbar.
Danach kommt zügig ein Vintage-Herrengedeck ins Spiel: Kiefer mit dieser ihr eigenen harzigen Süsse, Wacholder/Juniper, Mustkatnuss und Nelken. Man ahnt da schon, dass das Eau de Toilette zumindest nicht nach der Jahrtausendwende konzipiert wurde. Trotzdem überlagert diese brusthaarige Mischung nicht allzusehr die Zitrizität des Beginnes. Die Punktzahl bleibt oben.
Det janze klingt mit einer dominanten Moos-Note aus, die stark seifenfrischkrautig und auch ein bißchen pudrig anmutet. Ich nehme da ebenfalls einen Akzent Sandelholz, etwas Patchouly und ein Tabakwölkchen wahr. Und was ich richtig gut finde: es prickelt die ganze Zeit Ahoi-Brausepulver mit. Zitronen- und Orangenbrause sicher, aber irgendwie auch etwas Waldmeister. Klasse!
Ich hatte JAGUAR FOR MEN mit wesentlich mehr Eichenmoos im Gedächtnis. Trügt mich da die Erinnerung? Ich vermute eine (mehr oder weniger freiwillige) INCI-Frischzellenkur, die dem Duft im Sinne der Tragbarkeit jedoch äußerst gut getan hat. Als Kollateralschaden sehr zu begrüßen!
Jedenfalls hatte ich auch nach mehrmaligem Benutzen - ich habe ihn zwei Wochen lang fast täglich getragen - nie dieses Gefühl, in einer anderen Dekade steckengeblieben zu sein. Zumindest nicht komplett. *hust*
Also bitte nicht falsch verstehen: der Duft gehört immer noch in die Sparte der maskulin-moosigen EdT und ist weder unisex noch eine Konkurrenz zu süß-würzigen Herrendüften; aber eben auch nicht so hart 80er-Jahre-Macho wie erwartet.
Er steht vielmehr wie eine moosüberwachsene und erbaulich anzuschauende Statue seit langer Zeit in der grünen Duftlandschaft und den meisten Drogerien herum und erinnert an einen Parfumstil der Vergangenheit, der sich galant modernisiert und in die Gegenwart begeben hat.
Wenn man sich einfach mal unvoreingenommen darauf einläßt, kann man ein ganz wunderbares, vielseitig verwendbares und garnicht so altbacken duftendes Eau de Toilette erleben, das als Gegengewicht zu Synthie-Stech-Kaugummi-Überzucker-Haudraufsillagen-Fruchtgummi-Vanille-Mainstreamern wirklich große Freude macht.
So schöne und aussagekräftige Herrendüfte gibt’s also immer noch für wenig Geld. Perfekt für Fast-Boomer wie mich und immer einen Test wert.
28 Antworten